Salon Littéraire | Florian Neuner: Helgoland (Neuabmischung | Inseltexte)

 

 

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Neuner Helgoland 01

 

Text und Fotos © Florian Neuner

 

Salon Littéraire | Florian Neuner : Helgoland (Neuabmischung)*

 

Weitaus einsamer.

Aufleuchtende Passagen. Oder auch: Einzelbilder, Splitter.

Festland-Zeiten & Insel-Zeiten.

Der erste Eindruck von Helgoland ist gespentisch.

Der Wind wird immer kälter.

Nachmittags braut sich etwas zusammen. Eine zerstörerische Windhose fegt über die Düne & verwüstet den Campingplatz. Die Hauptinsel bleibt von den Auswirkungen des Unwetters verschont. Elf Verletzte; vor allem Arm- & Beinbrüche. Auf dem Flugplatz kippt eine Propellermaschine um. Strandkörbe werden durch die Luft geschleudert.

Was soll ich sonst noch erzählen?

Ich habe das ja nicht erfunden.

Die Bilder jener Sturmtage:

Ich habe mich mit den helgoländischen Verhältnissen genau vertraut gemacht.

Ein Sturm, ein Orkan aus Südwest, der zwei Tage lang bläst. Es ist fast unmöglich, sich auf den Beinen zu halten.

Die Schrecken des Meeres.

Der Meerfelsen.

Fragmente einer Reise nach Helgoland: das Heulen des Sturmes. Ich bilde mir ein, Glocken zu hören oder Nebelhörner oder … in dem Rauschen … in das Rauschen kann alles hineingehört werden.

Dumpfes Heulen der Winde, Brausen, Summen, Pfeifen.

Pfeifen, Brausen, Summen. Dumpfes Heulen.

Das donnernde Anschlagen der überbrandenden Wogen hört man auf der ganzen Insel.

Starkwinde & Stürme.

Die Frage Helgoland.

Die bloße Existenz Helgolands.

Die schwarze Meeresnacht.

Notiz: Es war anfangs nicht meine Absicht, längere Zeit auf Helgoland zu bleiben.

Fragment einer Reise nach Helgoland: nächtliche Ankunft im Südhafen nach einer stürmischen Überfahrt. Der erste Eindruck ist das Strahlenbündel des Leuchtturms, das über die Insel streicht. (aufleuchtende Passagen) Es handelt sich um ein Blitzfeuer mit einem Wiederkehrintervall (Blz.) von 5 s. Position: 54° 10′ 54,71″ Nord, 007° 52′ 56,38″ Ost.

Der Leuchtturm.

Warum sollte man nicht Textteile übernehmen? Fragt Zsuzsanna Gahse.

Neuner Helgoland 02

 

Aufruf der Freien Deutschen Jugend (FDJ): Deutsche Jugend! Deutsche Männer & Frauen! Wieder wehen die deutsche Fahne Schwarz-Rot Gold, die Helgoländer Fahne Grün-Rot-Weiß & die blaue Friedensfahne auf der deutschen Insel Helgoland. Wir erklären offen vor der ganzen Welt, daß wir den Protest & das Werk der vor uns gelandeten sieben jungen deutschen Patrioten fortsetzen. Nach der Landung dieser jungen Deutschen im Februar erklärte die britische Besatzungsmacht, daß die Bombardierung Helgolands sofort eingestellt & die Insel freigegeben werde. Dieses Versprechen wurde schon am Tage der gewaltsamen Räumung der Insel gebrochen. Helgoland wurde weiter bombardiert. Wir wollen, daß Helgoland sofort freigegeben wird. Helgoland soll der friedlichen Wirtschaft, der Wissenschaft & der Erholung dienen. Das deutsche Volk will den Frieden! Wir bleiben auf Helgoland & rufen allen deutschen Jungs & Mädchen zu: Kommt nach!

Es scheint sich der Wind etwas zu drehen.

Hoch auf der Nordsee.

In einer Viertelstunde kann es regnen, schneien, hageln, sonnen, winden & nochmals regnen.

Auch Sturm & Stille wechseln oft sehr schnell.

Als ich wieder nach Helgoland komme, ist Cassen Eils gestorben, der Reeder, der bis ins hohe Alter das Winterschiff, die MS Funny Girl, nach Helgoland zu steuern pflegte – so auch, schon über 80-jährig, bei meiner ersten, stürmischen Überfahrt, am ersten Tag des Jahres 2005. Der Sturm war so heftig, daß ein Bullauge eingedrückt wurde. Ich nahm mir vor, nicht seekrank zu werden & wurde es nicht. Nun hat man den Weg an der Nordkaje nach Cassen Eils benannt. Ein Leben für die Seefahrt; eine Institution der deutschen Seebäderschiffahrt. Auch wenn er es nie zugegeben hätte: Sein Ehrgeiz sei es gewesen, bei fast jedem Sturm nach Helgoland zu fahren.

Bei fast jedem Sturm.

Helgoland von Bruckner1, notiert Günther Anders2: Da strömt aus dem Radio ein Männerchor, die Intervalle sind als Chorintervalle ganz ungewöhnlich schwierig, aber alles geschieht makellos. Was Bruckner veranlaßt habe, das politische Nordseegeschäft, den Tausch Sansibars gegen Helgoland, in einer hochkomplizierten Kantate zu glorifizieren? Daß der Triumphtext von einem Autor namens Silberstein stamme, mache das Werk noch um eine Spur komischer. Vollends absurd werde diese Radio-Übertragung aber dadurch, daß ein britischer Chor, der berühmte Ambrosian Choir, das Deutschwerden der winzigen britischen Felseninsel feiere & daß Briten diesen Jubel als Platte herausgebracht hätten.

Licht in der Deutschen Bucht.

Grause Wetter.

Schiffe, Wolken.

Auf der küstenfernsten deutschen Insel.

Neuner Helgoland 04

 

Fragmente einer Reise nach Helgoland: Ein ruhiger Abend im Felsenkrug. Diese anheimelnde Kneipe im Unterland, direkt am Fahrstuhl, ist eine Trutzburg. Ist mit dem Felsen verwachsen. Ich halte mich im Hintergrund, lese, trinke Bier aus Dortmund. Ich kann Zsuzsanna Gahse nur beipflichten: Besser, die Ruhe bewahren, nicht alle Begebenheiten wahrnehmen, nicht immer alles sehen. Auch nicht immer alles hören! Der Alkohol reduziert die Sinneseindrücke, die mich erreichen. Ich lese auch langsamer. Ich verlasse den Felsenkrugerst, als es sich gar nicht mehr vermeiden läßt.

Manchem Menschen, der in der Hektik des täglichen Lebens sich & andere zerschleiße, so Gottfried V., möchte man raten, einen Winter auf Helgoland zu verbringen. Er fände zu sich selbst zurück & würde Freude & Genugtuung empfinden bei der Entdeckung einer Umwelt, die so viel mehr zu bieten hat, als alle von Menschen ersonnene Abwechslung & Entspannung. & wer sogar viele Jahre seines Lebens sich zu dieser Selbstbescheidung eines Lebens auf dieser Insel entschlösse, der würde sehr bald merken, daß sich ihm Aufgaben stellen, die aus seinem Inneren erwachsen.

Tide, Windstau, Seegang im Raume Helgoland.

Grause Wetter.

Das Meer kocht. Wellengebirge türmen sich auf. Abgegriffene Bilder. Auch der von Anton Bruckner geschätzte Dichter S. schreibt von Schiffen, gleich Wolken gesenkt, wogenden Wellen, gespannten Segeln, gischtendem Schaum. Grause Wetter, Blitzes Feuerrot. Schrecken des Meeres, flammende Pfeile, Wrackgut der Schiffe usf.

Ich lese: Die Tradition der Helgoländer Algenforschung reicht bis in die zweite Dekade des 19. Jahrhundert zurück.

Neuner Helgoland 05

 

Umkämpftes Helgoland.

Farbiges Helgoland.

“Da bekommt man Anschauungen!” (Zitat aus einem Brief)

Aufleuchtende Passagen.

Denken in kleinen Räumen. Kleine Aufmerksamkeitsspannen zwischen einem Schluck Bier, einem aufgeschnappten Satz von der Theke oder aus dem Radio, der Lektüre von ein paar Sätzen.

Inseleinsamkeit.

Passagen, Fragmente, Skizzen.

Ja, warum sollte man nicht Textteile übernehmen? Ich sitze im Felsenkrug & notiere die Frage, die ich bei Zsuzsanna Gahse gelesen habe. Ihr Buch trägt den Titel Erzählinseln3, & es scheint mir angemessen, mich auf einer Insel damit zu beschäftigen. Nun wäre das ja auch der Fall, wenn ich mich zu Hause in das Buch vertiefen würde. Aber die Insel, auf der ich wohne, ist nun einmal keine Hochseeinsel. Man kann sich auf der anderen Insel mitten in Berlin aufhalten, ohne sich die Insellage bewußt zu machen. Auf Helgoland geht das nicht. Erzählinseln, lese ich, das sind einzelne Partikel in der Erinnerung. Als Einzelbilder, als Splitter haben sie zumindest eine notwendige Einsamkeit, eine Inseleinsamkeit.

Inseln, Partikel, Elemente, Amöben, Passagen, Fragmente, Skizzen.

Brausen, Pfeifen, Heulen. Summen.

Was aber beginnen? Wie?

Auf dem vertrackten Felsen.

Lastwagen, Bagger & Baumaschinen auf der Südstrandpromenade. Vorbei die Zeiten, als es hieß: keine Verbrennungsmotoren auf Helgoland! & die Windkraftlobby will natürlich mit Hubschraubern zu ihren Anlagen fliegen.

Allmählich lagert sich eine milde Dämmerung über die ganze Meeresfläche.

Die Befürchtung, daß die Insel in der nächsten Zeit einmal von Sturm & Wellen zugrundegerichtet & vollends weggeschwemmt werden könnte, ist wohl unbegründet.

Die Befürchtung ist wohl unbegründet.

Im Felsenkrug werden heute Erinnerungen an ein “Original” beschworen. Auf allen Vieren sei der Mann über einem Gulli gelegen & habe “Hallo!” hineingerufen. Auch von Selbstgesprächen & lautem Singen wird berichtet, auf Hallunder & auf Deutsch. Ein spät eintreffender Gast verkündet: Ich packe meinen Koffer gar nicht aus, wenn hier alle so sind! Alles verlogener Dreck! Darüber ist Einigkeit herzustellen an der Theke. Alice Schwarzer, Christian Wulff! Eine Million – kein Problem, aber die kleinen Leute … Wenn aber doch jeder weiß, daß das Personal in Politik & Medien verkommenes Pack ist, wenn darüber Einigkeit herzustellen ist – nein, es ist zwecklos. Ich sage nichts. Heute betreutes Trinken. Saufen ersetzt Yoga.

Einzelne Partikel der Erinnerung.

Wissen wir eigentlich, was wir auf Helgoland wollen?

Neuner Helgoland 03

 

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*Anmerkungen | Hinweise:

inseltexte-cov

Der hier auf in|ad|ae|qu|at präsentierte “Helgoland”- Passus ist der “Remix” eines Abschnitts aus dem eben erschienenen Band: Florian Neuner: Inseltexte – Wien: Klever 2014.

Siehe auch: Florian Neuner: Moor (oder Moos). Eine den Inseltexten vorgelagerte Textinsel . Mit einer Photoserie von Jörg Gruneberg in memoriam Peter O. Chotjewitz – Ostheim/Rhön: Verlag Peter Engstler 2013 

Moor ( oder Moos ) . Mit Fotografien von Jörg Gruneberg @ in|ad|ae|qu|at

1 - Anton Bruckner: Helgoland, Kantate für Männerchor (1892) | Wiki | Youtube

Günther Anders: Ketzereien – München: C. H. Beck 1996, S. 240f

3 - Zsuzsanna Gahse: Erzählinseln. Reden für Dresden – Dresden: Thelem Verlag 2009

 

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Florian Neuner @ in|ad|ae|qu|at

 

 

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Salon Littéraire | Christian Steinbacher: Schummelzettel im Schlauchboot

 

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Salon Littéraire | Christian Steinbacher: Schummelzettel im Schlauchboot
(Sequenz, mit Duck-Nandu)

 

steinbacher nantucket

 

Nein, mit neuen Texten soll unser Salon diesmal nicht aufwarten (aber ist gerade solch Ankündigung nicht zugleich auch ein neuer Text schon?), sondern allenfalls mit ‘nem Foto, und zwar mit einem, das die Aufmerksamkeit lediglich auf eine einer Lesung vorgelagerte Stunde¹ lenken will (was über solche Geschraubtheit dann aber doch auf die nachfolgende Lesung² aus meinem neuen Gedichtband verweisen kann), denn mit in gute Nachbarschaft zu Gedichten des neuen Bands zu bringenden Bildern sind ja Texte, die nach ihrer dortigen früheren Schaltung nun aktuell in jenen Band wandern haben dürfen, im Salon Littéraire schon ergänzt worden, sprich: zum einen als Begleitung früher Sechserträger (damals noch: 6er-Tragerl)³ zwei Mitbringsel als wohl noch Atatürk’schen Zeiten entstammende Schaukästen aus Fethiye (und so sei es nachträglich gelüftet, von wo aus sich solche Stückchen schlagen haben lassen ((und das, obgleich in der damaligen Bestückung gar nicht die Rede davon gewesen ist, dass Informationen gefehlt hätten, was dann heißen will, dass von einem poetischen, also stets auch möglichkeitsbesessenen Blick aus so ein Ausflug ins nur Faktische einer Verortung zwar auch zu schaden weiß, heutzutage sich eine derartige Entlüftung aber wohl ganz gut machen dürfte als Reminiszenz angesichts gegenwärtiger Erdoganomie usw. (((und im Neben-Schwenk darf dann so ein Verweis auch ausfransen, hat doch Atatürk noch etliche Zeit vor der Schaltung der drei Sechserträger auf “in|ad|ae|qu|at” am 2. Oktober 2011³, nämlich schon am 17. Februar 1926 die Annahme eines neuen, die Ausnutzung der Religion zu politischen Zwecken als Straftat sehenden Zivilrechts erwirkt, wie der Künstler P. S. in einem vorbereitenden Gespräch zu seiner am 14. April 2005 in der Salzburger Galerie Eboran eröffneten Ausstellung einer “Formstudie”, einer Auseinandersetzung mit der Architektur Clemens Holzmeisters in der Türkei der Zwischenkriegszeit, betonte ((((und über ein anderes, weiteres P. S. darf dann angesichts der bevorstehenden barocken Volte eines Herrn Carl es sogleich dem Peter Squentz (((((über den, wiewohl dabei zugleich bejammernd, dass das alles nicht wahr sei, ein gewisser Pickelhäring verlautbarte, dass dieser ((((((ganz im Gegensatz zu dem zum Glück stets bartlosen Künstler Peter Sommerauer)))))) so einen ansehnlichen Bart habe, als wenn er König von Neu-Zembla wäre))))) gleichgetan sein, der in Gryphius’ vor über 350 Jahren publizierter “Absurda Comica” auf des Pickelhärings Frage “aber saget Herr Peter Squentz hat der Löwe auch viel zu reden?” mit einem “Nein / der Löwe muß nur brüllen” antwortet, was diesen Pickelhäring zu dem Ausruf “Ey so wil ich der Löwe seyn / denn ich lerne nicht gerne viel außwendig” bewegt, was unser Herr Peter Squentz dann aber nicht durchgehen lässt mit seinem “Ey Nein! Mons. Pickelhäring muß eine Haupt-Person agiren.”)))) …

und zum andern in der am 6. August 2013 im Salon publizierten alkäischen Spitzen-Logik³ als dort in die Strophe “Drum schaut uns auf den Kurzwarenladen gut, / dass Knöpfe führ wer einzeln, nicht bloß en gros, / auch Spitzen, Borten, Bänder, Gürtel, / Bijouterie, wie dies Schild lässt lesen,” eingewirkte Bild-Quelle (“Na geh, unsympathisch, jetzt brauch ich nicht mal noch suchen”), was dann nicht erst neuerdings eine Lobpreisung noch verbliebener Fachgeschäfte in der Innenstadt, in dem Fall ein Kurzwarengeschäft in der Marienstraße – autsch! schon wieder so eine wenig beflügelnde Offenlegung als “Realie” – hervorkehren lasse, also als kräftiger Hinweis auf die Notwendigkeit von Fachgeschäften für ein lebendiges Zentrum einer Stadt zu gelten habe, und selbst wenn die Tatsache, dass die Filiale dieses Geschäftes auf der anderen Seite des Flusses inzwischen aufgelassen worden ist, für uns wesentlich leichter zu verschmerzen sein werde als die, dass ich mir im Zentrum schon lange keine Spitzzange mehr kaufen kann und so auch dieses Mal wieder Freunden Umstände bereiten werde müssen, wenn das Gewinde der zerplatzten Glühbirne stecken bleiben wird in der Fassung der Lampe (“Na geh, schon wieder!?”), tja, einfach stecken geblieben, und auch mitten im Lauf eines Tex- ///

Für die Stunde der literarischen Erleuchtung¹ in der Wiener Alten Schmiede, auf die ich nach dem Überborden von vorhin (das, weil es ja endlos ausfiele wie jedes, gekappt werden hat müssen) nun zurückkommen will, hat mich Christian Thanhäuser motiviert, mit ihm gemeinsam noch vor meiner Lesung eine vorgelagerte Stunde (oder Insel) zu Artmann zu versuchen. Und da mag es ganz gut passen, dass sich ein Foto mit einer Abbildung des Leuchtturms des bekannten Artmann’schen Eilands diesen Zeilen beigeben lässt.

Nur, diesmal lüften wir nichts, und es darf sich ein Ratespiel eröffnen (so wie auf den Screens in den Straßenbahnen oder bei den Shows der Herren Quizmaster): Immer vier, die zur Auswahl parat stehn! Denn wenn wir uns schon an eine Foto-Ausrüstung heranpirschen (als Schriftsteller, also als trotz allem fotografische Laien), so soll auch gefragt werden:

Wo befindet sich dieses Schild? In einer der südfranzösischen Städte mit Festivals für die Kunst der Fotografie, also in Arles (1) oder in Perpignan (2)? Oder schlicht dazwischen, in Montpellier (3) etwa, um eine größere Ansiedlung heranzuziehen? Oder gar in der nicht erst seit dem dortigen Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt geläufigen Metropole Marseille (4)?

Bitte Vorsicht! Denn möglicherweise kenne ich den Herrn an der unteren Bildkante und könnte somit so manche gute Auskunft geben. Man kann sich aber auch eine stürmische “Fahrt zu einer Insel” mitten in einem Saal in einem ersten oder zweiten Stock von so manchem alten Gemäuer simulieren, indem man dort ein Schlauchboot aufbläst und sich in dieses hineinsetzt, um dort einen seemännischen Plunder zu säuseln, wie weiland Artmann es für sein heuer 60 Jahre alt gewordenes Stück vorgesehen hat, in welchem er schon zwei Jahre vor der Katastrophe des durch Udo Lindenberg später nochmals bekannt gewordenen Passagierschiffes Andrea Doria dieses Eiland unter stürmischen Witterungen anpeilen ließ. Und nicht etwa bloß ein “flundergast” möchte dann über die Lippen, sondern auch ein “geraade vloor begossen stumm” (oder ein “auf aller häfen laagerluug”). Zu merken wird das alles aber nicht nur leicht sein. Und so dürfte doch davon auszugehen sein, dass einer der Mitspieler sich seinen Text auf das Etikett auf der Flasche gekritzelt hat, die er in seinem Monolog keck vor sich hin zu halten weiß in dem Schlauchboot, um den Text, ohne dass das Publikum diese List auch nur erahnt, von dort abzulesen.

steinbacher plane collage

Also, Leute, die Zeit wird reif!! Und gleichviel für den Flunder- wie für ‘nen saisongerechten Heringsschmaus!

 

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Hinweise

Montag, 10. 11. 2014, Literarisches Quartier Alte Schmiede, 1010 Wien, double-feature-Christian Steinbacher:

¹ - 18 H: Stunde der litrarischen Erleuchtung: Hans Carl Artmann (1921-2000) – Holzrausch (1992, Edition Thanhäuser), Gesammelte Gedichte (2003, Jung & Jung): Christian Thanhäuser zeigt Bücher und Holzschnitte zum Werk Artmanns und erzählt; Christian Steinbacher rezitiert und kommentiert.

² - 19:30 H: Christian Steinbacher liest aus seinem Gedichtband Tief sind wir gestapelt (Czernin 2014). Einleitung, Moderation: Florian Huber

Link zu den Veranstaltungen

⇒ Christian Steinbachers jüngstes Buch Tief sind wir gestapelt. Mit Wischungen von Josef Bauer ist im Czernin- Verlag erschienen.

⇒ Christian ThanhäuserEdition Thanhäuser

³Christian Steinbacher @ in|ad|ae|qu|at, hier:

 

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Urban Nature: Fuchs und Hund, ufernd

 

in unserer akklamierten reihe “das tier und wir” präsentieren wir heute: “ausgefuchste mutter natur: postdramatisches laienspiel in vier acten”

hund und fuchs inadaequat 02

 

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SZENE 1: BIBER

eben noch waren es die biber, die sich vom Brigittenauer Sporn – der abzweigung des kanals von der donau – buchstäblich baum für baum stromabwärts bis weit über die innenstadt hinaus voran nagten. und damit eine strecke von mindestens 2 mal 10 kilometern – baummässig fatal – systematisch bearbeiteten.

an (touristisch) populären orten* machten sich die hairy scarys nicht einmal mehr die mühe heimlicher nachtarbeit, sondern blieben stoisch angesichts von paaren, passanten und akzidentiellen bulldogs hocken.

 

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SZENE 2: FUCHS

nun ists ein fuchs, welcher – in kaum 200 metern luftlinie zum wiener stephansdom – sein wesen treibt, und dies bereits wenige stunden nach einwinterung der angesagten kanalcafés. trotz massiver wohlstandsverwahrlosung war manch ein hund indes seit tagen dran, zwischen dem kleinkinderspielplatz und den (extrem lustlosen) pseudo-guerilla-gardening-gemeinschafts-hochbeeten irgendetwas fremdes zu ahnen.

aber schmecks !**: die zwischen allerlei fastfoods und take-aways situierte flaniermeile scheint speiserestlich weiter ergiebig. waren doch die – ganz offensichtl. kürzl. u. womögl. kommunal – vergitfteten ratten gänzl.unberührt und unter bez. umst. sozus. körperl. intakt.

 

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SZENE 3: KRÄHENMÖW

auch die krähenwelt scheint unbeschädigt. ganz zu schweigen vom gemöwe, das wie stets pünktlich mit dem ersten nebel ins innerstädtische winterquartier wogt. dies womögl. – womöwl. - , da die in hundert-meter-abständen aufgepflanzten angler endlich ihre permanenten posten räumten.

 

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SZENE 4: UND HUND

hund und fuchs inadaequat 01

 

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nun aber also: hund trifft fuchs. aug in aug. tier und tier.

direkte blickachse. dramatische diagonale.

wobei der fuchs klug genug ist, der inkompetenz des hundes siegesgewiss die stirn zu bieten. während sich der hund nur wundert, sein gegenüber womöglich für einen artgenossen hält*** und munter auf den fuchs zustrebt.

bis dieser sich – eher indigniert denn irritiert – abwendet und im schlagschatten kommunaler uferilluminationminierung verschwindet.

 

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* - etwa auf höhe des Hunde(rt)wasser-Hauses
**- wie man in wien früher mal für “justament” sagte, gemeindeutsch etwa: “ätsch!”
*** - immerhin mit einem guten gespür für die Linné’sche systematik: oder hätten Sie gewusst, dass der vulpus vulpus zu den hundeartigen (canoidae) zählt ? – weitere fachinformation im ziemlich viralen video von Ylvis: What Does The Fox Say ?
**** - aus persönlichkeits- und tierrechtlichen gründen wurden die bilder bewusst verunschärft

 

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Ann Cotten: Lob des Umwegs

  ||| ZEIT BRAUCHEN | ANN COTTEN: LOB DES UM-WEGS | ARM ABER SAUBER | WAS SICH RECHNET   weg mit zehrung: ÖNB, UB usw.   ZEIT BRAUCHEN es ist wie zu zeiten, als wir uns einbildeten, die täglichen wege zur uni-, dann zur nationalbibliothek unbedingt mit dem fahrrad bewältigen zu müssen. wo doch beide…

ARD Online Award: “Frau (blond) am Notebook”

  ||| FACH- UND SACHGESCHICHTEN | STEHT SCHÖN DRAUF, WAS DRIN IST | DIE LISTE   Ehrenwert. An sich und für sich. Mit hinreichendem und zureichendem Grund: Soll Keiner kommen und an den ARD-Hörspieltagen kritteln, welche immerhin 10 “Vollhörspiele” (also keine Fünf-Minütchen-Füller, sondern gediegene Knapp-Einstünder) zum Download anbieten***. Darunter die bereits von der deutschen Schallplattenkritik…

NEUES VON FREUNDEN 156 – wien | literatur | kunst | akut

  ||| ROBERT PROSSER: REINHARD-PRIESSNITZ-PREIS | MUSA: MEMORY LAB | KONZERT: PETERLICHT | KLANGAPPARAT: PETER LICHT – SONNENDECK thanx to ROBERT PROSSER: REINHARD-PRIESSNITZ-PREIS Klever Verlag 2011 Erhebendes zum Wochenbeginn: Unser SALON-Autor Robert Prosser wird heute mit dem Reinhard-Priessnitz Preis geehrt. Die Auszeichnung wird vom Bundeskanzleramt gestiftet und seit 1994 jährlich vergeben. Der mit 4.000 Euro…

lesen aus dem abwesen. ungeschicktes aller art

  nullnummer letzthin … eine neue rubrik. meldungen, beobachtungen, tips. serviervorschläge lateraler latenz. keine funktionstextilien. schon gar nicht atmungsaktiv. [[[ aber kreativ im abenteuer alltag: haben unsere Jack-Bauer-jacke mit schmieröl reichlich übersprüht: waschecht wasserdicht, das alibi. und doch gibt es sie, die kollaterale katastrophe: schwindeln schier die sinne, ist doch das maschinenöl mit hohen dosen…

aber , ach : sotane audio- armaturen : was zu haben ist

||| DISCLAIMER (eingefügt nach überprüfung des in|ad|ae|qu|at|en kontostandes 20 stunden später) ähnlichkeiten von im text namentlich genannten trademarks, produkten und handelsunternehmen mit deren echtwelt-entsprechungen sind ebenso zufällig wie unbeabsichtigt. mit ausdrücklichem dank an unsere generösen förderer (in alphabetischer reihung): gewerkschaft öffentlichen geschmacks, manufactum, patek philippe, polaroid, radio jovanovic, neigungsgruppe kaufrausch, selbsthilfegruppe kaufrausch, supersense, witschaftskammer österreich,…

OUT NOW: idiome # 7

Literaturzeitschriften DISCLAIMER (czz) – gegründet 2007, hatten sich die idiome von anfang an einer neuen prosa verschrieben, einer prosa mithin, welche keine geschichten erzählt und keine romanfiguren als identifikationsangebote aufwies. anders, als dies in puncto “lyrik” der fall ist, wird – noch heute ! – jedweder prosa ein narrativer genuss- und gebrauchswert zugemutet. der mit…

OUT NOW : flugschrift # 9 : Liesl Ujvary

literaturzeitschriften     Es gibt sie wieder, die guten Dinge : SALON- Autor Dieter Sperl , seit Jahren an experimentellen Grenzen von Text und ( Video- ) Bild arbeitend , um zu Formen osmotischer Beziehungen der verschiedenen Medien vorzudringen. Gleichzeitig hat Dieter Sperl stets ein waches Auge dafür, wie und wo Räume für Sprach-, Bild-,…

Ö-Lit : jetzt : zu Elfriede Gerstl und Margret Kreidl

| echt welt texte | Gerstl, graziös gesammelt NZZ . 4. 8. 2014 Christiane Zintzen – In Kleinstverlagen erschienen, vergriffen und verschlungen vom Strudel der Zeit, galt das Oeuvre der Wiener Dichterin Elfriede Gerstl (1932-2009) als schmal. Wenn jetzt der dritte Band der Werkausgabe unter dem Titel Haus und Haut vorliegt, wird man die Grösse…