droschl dreissig !



||| GEISTES- GEGENWART AUS GRAZ | PARTY IN DER POZELLANGASSE | LINKS | KLANGAPPARAT

GEISTES- GEGENWART AUS GRAZ

Was wäre - andersherum gefragt - die österreichische Gegenwartsliteratur ohne den Droschl- Literaturverlag ? - Auch für die Möglichkeitsformen von Literatur gibt es kompossible Biographien , denkbar alternative Verläufe . Aber es hat ihn gegeben , es gab ihn , es gibt ihn und es wird ihn geben : Droschl , der mit generöser Geste den Geist europäischer Avantgarden je im Jetzt ins Werk setzt . Weltliteratur , aus der scheinbaren Peripherie , im Klein- und Mittelbetrieb . Sicherung des Bestandes ( Heimrad Bäckersedition neue texte” ) und beständige Arbeit am Text der Gegenwart : 30 Jahre , 201 Autorinnen und Autoren , 542 Bücher .

Auch wir haben in|ad|ae|qu|at zu danken : Kenntnisnahmen , Lernprozesse , Textbegegnungen - und manch unerbittliches Lektorat . Ein Gutteil der “Literatur als Radiokunst” ist aus dem Droschl- Kosmos entsprossen . Was wir hier tun können , ist lediglich , die Geburtstagstorte grafisch zu dekorieren . Und zu gratulieren . In Neugier mit Blick zurück und nah vorn .

30_jahre_droschl_czz_by_wordle

( click pic to XL , graph by czz via wordle )

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PARTY IN DER POZELLANGASSE

In nunmehr drei Jahrzehnten ist es dem Literaturverlag Droschl gelungen, ein literarisches Programm zu machen, das heimische Autorinnen und Autoren in einem internationalen Umfeld positioniert, immer mit Blick auf formale Erneuerung und Traditionsbruch, auf literarische Debüts und innovatives Schreiben. In diesen 30 Jahren wurden 532 Bücher veröffentlicht. 201 Autorinnen und Autoren publizierten bei Droschl, 50 davon ihr Debüt, 18 fremdsprachige Autorinnen und Autoren wurden erstmals ins Deutsche übersetzt.

Das soll gefeiert werden - und zwar im Schauspielhaus Wien, jenem Ort, mit dem der Literaturverlag Droschl seit der Ära Gratzer durch Uraufführungen Werner Schwabs verbunden ist.

Zum Fest “30 Jahre Literaturverlag Droschl” stehen Autorinnen und Autoren mit kurzen , teils für diesen Abend verfassten Texten zu erwarten : Iris Hanika , Anna Kim , Almut Tina Schmidt , Andrea Winkler , Bodo Hell , Andreas Unterweger u. a. . Musikalien von “The Literats” und dem “Kollegium Kalksburg” featuring Antonio Fian .

Heute , 21. 11 . 2008 , Schauspiehaus Wien , 20 H .

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LINKS

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KLANGAPPARAT

Man lasse sich von den hochpolierten Klangfölächen des Einstiegs nicht blenden : Als wollte DJ Wout den Titel seines sensitiven Netmusic- Mixes - “Misunderstood” - de facto provozieren , versteckt sich ein erkleckliches Spektrum an Klangfarben hinter den spiegelnden Flächen des Entrées . czz-hoerempfehlungAus den Katalogen bewährter ( und hier sämtlich bereits vorgestellter ) Netlabels wie arteqcue , autoplate , unfoundsound , thinner , bumpfoot und natürlich ( ! ) broque hat da Einer hellhörigen Ohres erstaunliche Materialästhetiken gezupft und diese ohne versuppendes Fading auf seine Reihe gebracht : Garantiert kein Tanzhammer für die ganze Nacht , sondern eine angewandte Übung im Unterscheiden . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND TO LISTEN TO STREAM .

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Where the Wild Things Are | Vienna Street Art 10



||| MAX ET LES MAXIMONSTRES | DIE FREUNDLICHEN TIERE | HARSCHE ANDROIDEN | SCARY MONSTERS | LES NAIVES | RELATED | KLANGAPPARAT

MAX ET LES MAXIMONSTRES

Dort unten am Kanal rahmen die Staumauern jene Zonen im Urbanen , “Where” - sprichwörtlich nach Maurice Sendaks Kinderbuchklassiker - “the Wild Things Are” . Kindlich buchstabierte man sich freilich zunächst durch “Wo die wilden Kerle wohnen” hindurch und lernte , dass hinter dem Grusel visueller Vexation ganz gemütliche Typen brüten . Am schönsten freilich ist der französische Titel gelungen , der Betrachter und Betrachtetes in wörtliche Verwandtschaft setzt , wenn nicht sogar in die Beziehung reziproker Furcht : “Max et les maximonstres” .

So besteht denn die Zone dort unten am Kanal als höchst legale Steinleinwand für Wandmalerei und Writings on the Wall : Oft Signatur von sogenannten No- Go- Areas , zieren diese Sgraffiti zu Wien die biedseitigen Kanaltrassen und laden schier zur bunten Promenade . Wo jeder Max sein Maxl Gassi führt , mag ein jeder Flaneuer sein persönliches “maximonstre” küren .

in|ad|ae|qu|at hat sich auf die Wege gemacht , die Kreaturen dort unten zu ( be ) suchen und fand nachgerade eine kleine Typologie der kanalnahen Konterfeis .

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DIE FREUNDLICHEN TIERE

Da sind - in erstuaunlicher Farb- , Formen- und Faunenvielfalt -
zunächst die Freundlichen Tiere .

Ihr Streben scheint fundamental sozial
und richtet sich sichtlich ins Ineinanderschmiegen .

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Füchsische Friedenskontrakte … ,

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… grimmes Grinsen zur Verteidigung der Kleinen …

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… oder bis an die Zähne bewaffneter Frontalflug :

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Solidarität zum Wohle der im Sog mitgezogenen
sichtlich schläfrigen Mini- Bee .

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HARSCHE ANDROIDEN

Viel exponierter erscheinen dahingegen die Androiden :
Stets einen plakativen Affekt| Effekt ins Gesicht geschrieben ,
sind diese menschenähnlichen Wesen zunächst und vor allem : allein .
Wen wundert’s , wenn da der Eine oder Andere …

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… den Bösen Blick entwickelt und damit …

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… manches Mägdelein ganz grässlich erschreckt ? -
Da braucht es offenbar schon die geballte Lebenserfahrung …

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… der aufgeweckten Omama mit ihrer Keyboard- Bag , um die
vom “Schlaf” bzw. “Traum der Vernunft” ( “El sueño de la razón” )
geborenen “monstruos” in angemessene Schranken zu weisen .

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SCARY MONSTERS

Natürlich gibt es auch dort unten etlich Physiognomien , welche unübersehbar …

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… auf üble Typen schliessen lassen .
Dass eine solche Charge allerdings …

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… weder Spass macht noch schmeckt , kann selbst der Laie erkennen .

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LES NAIVES

Wer in diesem Kosmos dort unten buchstäblich übrig bleibt ,
im Schrecken wie Sehnen ornamental allein ,

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

… das sind die , die hier wohl lieber ein Tierchen wären .

Vienna_Street_Art_copyright_Christiane_Zintzen

Und sei es auch noch so klein .

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RELATED

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KLANGAPPAARAT

Tröstliche Töne für die taktisch- harmonische Vernunft sowie für ein feines Feeling des Eingebundenseins , wie es nun mal kluge Klänge generieren : Es gibt dort draussen Einen , der über unser Seelenheil und Trommelfellschwingungen wacht - Mogwai ( aka Andreas Buttweiler ) ist czz-hoerempfehlungnicht nur Mitbegründer des köstlichsten kreislaufs aller Zeiten , sondern auch unermüdlicher Sound- Scout und -Kommunikator .

Und wenn der gute Mann zur Abwechslung mal das Minimal- und Techno- Ringelspiel verlässt und sich helter skelter hinab in seine Archive lässt , dann kann dies wie - im vorliegenden Fall - eine ultrafeine Trip- Hop- Kompilation zeitigen . Nach einigen Prototypen der offenbar unerlässlichen Female- Vocalz- Stückchen wird die Auslegung des Genres herrlich weit : Von Latin- Ligaturen zum todtraurigen Piano und von dort in den Schmelz elegant- elegische Bläser … Und natürlich Nils Hoffmanns wunderbarer Wiedergänger des herzzerreissenden Klassikers “St. James Infirmary Blues” : In der hier und hier bereits vorgestellten Version “Sweet Man like me” @ broque

Mogwai hört Trip Hop” und die Spielliste findet sich hier - CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP )

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AUDIO AKTUELL



||| WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT | HÖRSPIELE , PLÖTZLICH | KUNST UND TOD IN VENEDIG | PROUST LESEN LASSEN !

WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT

Logo Wurfsendung

Dass Weltliteratur via Hörbuch nicht die “Easy Listening”- Variante für Köpfe hinter Bügelbrettern darstellt , erweist die Auszeichnung , welche Winter & Winter für seine wahrhaft unzeitgemässen Sechzehn- Stünder venezianischer Fin- de- Siècle- Romane von Seiten der Deutschen Schallplattenkritik eben erhalten hat . Das langmütige Proust- Projekt des Hörverlags hält eben bei Teil Vier ( «Sodom und Gomorra» , 22 CDs ) und geriet umstandslos auf die hr2- Hörbuchbestenliste.

Sozusagen in Echtzeit hat der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt seine wohlproportionierte Komplett- Lektüre der “Recherche” in seinem Blog “Schmidt liest Proust” protokolliert und sympathische Alltagsfragmente einfliessen lassen : Lesen ist Arbeit und - wie jetzt in der prächtigen Buch- Edition @ Voland & Quist nachzulesen - vernögen zwanzig Seiten Proust pro Tag sehr wohl den Blick auf die Niederungen des Alltags zu verändern .

Letzteres gilt auch für die ( leider nur eine CD umfassende ) Kompilation der sekundenkurzen “Wurfsendungen” - welche Deutschlandradio Kultur seit zwei Jahren als plötzliche Hörpiele und absurde Interventionen per Zufallsgenerator in sein Tagesprogramm streut . Oft kopiert , nie erreicht : Kult mit absolutem Suchtpotential .

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HÖRSPIELE , PLÖTZLICH

icon listening whiteczz - Irritation und Invasion des Alltags durch surreale künstlerische Interventionen – diese in der experimentellen und Medienkunst geläufige Tradition wurde im Kultursender Deutschlandradio 2006 salonfähig . Mithin blitzen sechsmal täglich jäh jene surrealen Mikro- Hörspiele auf , die als “Wurfsendungen” längst legendär sind . Per Zufallsgenerator geworfen in das Tagesformat (Radiofeuilleton ) , werfen die sekundenkurzen Spots , Szenen und Situationen den Hörer aus dem gewohnten Trott und die Ratio lustvoll über den Haufen .

Produziert in Serien von acht bis zehn Folgen , kombiniert das Format des “plötzlichen Hörspiels” den Effekt der Überraschung mit demjenigen des Wiedererkennens , womit noch gar nichts über den oft nihilistischen Witz dieser partikularen Performances gesagt ist . Ob Comic- Charaktere wie die linkischen Hirningenieure Nano & Mü , oratorische Reflexionen zur Einsamkeit des Users vor dem Computer , Solo-Suaden , Ehegeplänkel , Airport- Durchsagen – was diese Mailboxnachrichten , Ratespiele , Telefonate und Wechselreden alle eint , ist die konsequente Konzentration auf die Situation des Sprechens . Mit diesem roten Faden , der sich durch die über 1.000 gesendeten Mini- Clips zieht , wird einerseits deren beliebige Kombinierbarkeit garantiert , zum andern ein Abdriften ins beliebig Kabarettistische verhindert .

Wenn nun 99 dieser akustischen Ausschnitte einer angewandten Psychopathologie des Alltagslebens auf CD erscheinen , mag man diese als Spielformen auf den Registern des ( Anti- ) Witzes geniessen . Faszinierender aber ist , dass hier das Sprachmedium “Radio” ein produktives Format dafür geschaffen hat , das Sprechen an sich und durch sich pfiffig zu reflektieren .

( more … )

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KUNST UND TOD IN VENEDIG

icon listening blackczz - Dem ambivalent- dekadenten Glanz der “Serenissima” ist die zweite Hörbuch- Kollektion des Labels Winter & Winter gewidmet . Mit Mut zum visionären Schwulst wurden zwei vernachlässigte Venedig- Texte ausgewählt , die – in ihrer Zeit einst einflussreich – letztlich scheiterten am Unmass von Wollen und Form .

Ideologisch einander gegenläufig , koinzidieren Gabriele d’Annunzios “Das Feuer” ( “Il Fuoco” , 1900 ) und Franz Werfels “Verdi – Roman der Oper” ( 1924 ) nicht nur in der Wahl des Schauplatzes , sondern auch in der schicksalhaften Bedeutung , die Richard Wagners Tod in Venedig im Februar 1883 beigemessen wird .

Werfel zeichnet den zu Venedig weilenden Verdi in einer Schaffenskrise , die in der Konfrontation mit dem gefeierten “Zukunftsmusiker” zugleich gipfelt und überwunden wird : Als er sich nach Kämpfen der Selbstversicherung ( für die “Sinnlichkeit” und gegen die “Idee” ) dazu durchringt , den Gleichaltrigen aufzusuchen , kommt die Kunde von dessen tragischem Tod . - Für Stelio Effrena , d’Annunzios romaneskes Alter Ego , besiegelt der Tod des Meisters den Anspruch des Künstlers auf das geistesaristokratische Privileg . Aus der schwelgerischen Feier von Schönheit und Grausamkeit spricht das Selbstbild des Übermenschen ebenso unverbrämt wie von der Liaison mit Eleonora Duse . In tendenziöser Verzerrung des real gerade fünf Jahre betragenden Altersunterschiedes erscheint Stelio als ephebisches Genie und die Geliebte als alternde Diva - gerade noch strahlend vor dem Hintergrund des Untergangs .

Die denkwürdige Kreuzung der Fluchtpunkte – hier Werfel mit dem Plädoyer für Verdis “italianità” , dort d’Annunzios Wagner- Kult – tritt durch die parallele Publikation dieser Künstlerromane deutlich hervor und liefert ein präzises ideengeschichtliches Bild der Epoche zwischen Décadence und Faschismus . Mit Paul Herwig als elastischem Stelio und Wolfram Berger als ländlichem Werfel | Verdi wurden treffliche Sprecher gewählt :

Furchtlos bieten ihre Stimmen d’Annunzios Exaltationen und Werfels uferlosen Skrupeln die Stirn .

( more … )

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PROUST LESEN LASSEN !

icon listening whiteczz - In der Bibliothek der ungelesenen Bücher nimmt Prousts “Suche nach der verlorenen Zeit” einen Spitzenplatz ein . Auch beherzte Kampfleser verirren sich in den Satzlabyrinthen oder verlieren die Lust am ätzenden Gesellschaftsporträt inmitten der mehrtausendseitigen Bleiwüste .

Wer indes bereit ist , den Purismus eigener Leistung beiseitezulassen und sich berufener Assistenz anzuvertrauen , muss auf die Kenntnis der “Recherche” nicht verzichten : Mit “Sodom und Gomorra” liefert Der Hörverlag nun bereits CD- Paket Numero vier jener integralen Lesung , welche der Sender Berlin- Brandenburg in einem herkulischen Unterfangen unternahm . Peter Matics ebenso nobles wie elastisches Organ dringt bis in die Kapillaren der Konstruktion , enträt jedoch nie jener – den mikroskopischen Absurditäten der kapriziösen Salons inhärente – Komik . Nämliches gilt für die Innensichten der Erzählerfigur , ganz Kind einer überfeinerten Décadence . Die blendend vorbereitete Lesung des Werks erweitert den Wahrnehmungsraum , indem sie dessen vertrackte Syntax mit den Beobachtungen und Bonmots glänzend vermählt .

Eine andere Methode zur Bewältigung des Mammutwerks hat der Dichter Jochen Schmidt gewählt : Als Marathonläufer bestens aufgestellt , hat er sich über Monate hinweg ein tägliches Lesepensum von zwanzig Seiten verordnet und die jeweilige Leseerfahrung rendu in einem Weblog protokolliert . Die Internet-Notate “Schmidt liest Proust” wurden nun in ein veritables Buch gegossen , das manch unkonventionelle Perspektive bietet : In diesem Fall ist es das betont subjektive und die Nöte eines jungen Autors mit verzeichnende Digest der “Recherche” , welches teils tiefe , teils pfiffige Erkenntnisse zeitigt .

Etwas sparsam wirkt die dem Band beigefügte CD : Schmidt hat definitiv mehr zu sagen, als eine Audio-CD von 64 Minuten erlaubt .

( more … )

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AUS AKUSTISCHEM ANLASSlärm no radio KEIN KLANGAPPARAT

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“Preissegen” ? - Vom pittoresken Preisregen auf aride Zonen exzeptioneller Textproduktion



||| FLORIANA 2008 | H. C. ARTMANN- PREIS 2008 | PREISE DER STADT WIEN | AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN | BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’ | BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS | NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09 | GEWINNER DES 16. OPEN MIKE | KLANGAPPARAT

staub_und_oelbestaendig_copyright_Christiane_Zintzen

( Auch für Literaturpreise der Fall ?! )

czz lorbeer-awardDass sich mit Literaturpreisen die Preis- Geber ( bzw. -Verleiher und - Verschleisser ) midestens ebenso schmücken wie die in die Rolle von “glücklichen” , “verdienten” und “würdigen” Preis- Empfängern gedrängten Literaturproduzierenden ist als Ritual eines feudalen Literaturbetriebs längst bekannt .

Nun gibt es allerdings einen wahres Preisgewitter anzuzeigen , welcher als fruchtbaren Landregen die notorische leeren Kassen mancher Laureaten füllt , sondern - eingekleidet ins Stadtkostümchen - auch dazu dienlich sein mag , den Beginn der ersten , allerersten BUCH WIEN zu promoten .

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FLORIANA 2008

czz lorbeer-awardDa alles Gute bekanntlich dem Weiten Land entspringt, seien zunächst die gestern verkündeten Preisträger der zweieinhalb Tage lang über die Bühne der heiligen Hallen des Stiftes St. Florian ( OÖ ) gegangenen Literatur- Biennale FLORiANA offenbart . Aus 117 Einreichungen hat die Jury neun Autoren und Autorinnen ausgewählt, die sich der Jury und einem interessierten Publikum an diesen zwei Tagen präsentiert haben.

And the Winners are :

Der Förderpreis für oberösterreichische Autoren geht an einen Text, der im lexikalischen Stil die Geschichte eines fiktiven Schriftstellers und seines fiktiven Science-Fiction-Romans entwickelt. Der Autor treibt ein raffiniertes ironisches Spiel mit dem Genre literarischer Utopien. Er siedelt die Entstehungszeit seines Textes nicht in der Gegenwart, sondern in der Zukunft an, wodurch eine doppelte utopische Spiegelung von Zukunft und Vergangenheit entsteht. Dafür erhält Christoph Aistleitner den Förderpreis für oberösterreichische Autoren in der Höhe von € 1.500.- ( … ) .

Der dritte Preis der FLORIANA geht an einen Text, der in bester österreichischer Tradition radikaler Sprachkritik bildhaft den ökonomischen Tauschwert von Liebesbeziehungen verhandelt. Wie Ideen und Wertvorstellungen von uns Besitz ergreifen können, wird mit Begriffen aus der Biologie veranschaulicht, die im Bild der Tulpe aufblühen. Lisa Spalt erhält den dritten Preis der FLORIANA, in der Höhe von € 2.000.- ( … ) .

Der zweite Preis der FLORIANA geht an eine Geschichte von Hingabe und Unterwerfung, der verführerischen Nähe von Begehren und Gewalt: ein Text von immenser Sprachwut, der eine beträchtliche Sogwirkung entwickelt. Michala Falkner erhält für ein wüstes Liebesidyll den zweiten Preis der FLORIANA, dotiert mit € 3.000.- ( ….) .

Der erste Preis der FLORIANA geht an einen Text, der sich in hochkomplexer Weise der Entwertung von Sprache ästhetisch auseinandersetzt. Das Thema des Textes ist Gewalt. Der Autor verknüpft mit rhythmischer Dringlichkeit Motive, Bilder, Begriffe zu einem dichten Textgewebe. Für dieses Sprachkunstwerk erhält Ulrich Schlotmann den ersten Preis in der Höhe von € 7.000.- ( … ) .

Mit Ulrich Schlotmann und Lisa Spalt wurden nicht nur zei aus dem “Salon Liittéraire” @ in|ad|ae|qu|at bekannte Kräfte auserkoren , sondern auch zwei lebhafte Sprach- Sound- Setzer , welche - Lisa Spalt 2000 , Ulrich Schlotmann 2007 - ihre Texte gehörig in Radiokunst übertragen haben .

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H. C. ARTMANN- PREIS 2008

czz lorbeer-awardEbenfalls nur jedes zweite Jahr vergibt die Stadt Wien den nach dem 2000 verstorbenen Poeten H.C. Artmann benannten Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Lyrik :

Nach Peter Waterhouse ( 2004 ) und Ferdinand Schmatz ( 2006 ) geht der mit € 10.000 dotiert Preis disjahr an Oswald Egger . - auch dieser übrigens ein “Literatur als Radiokunst“- Veteran , dessen Produktion “tuning , stumm” im Jahr 2004 den Karl Sczuka-Förderpreis des SWR 2004 errang . ( rk )

Die Verleihung findet Anfang 2009 in der Alten Schmiede statt.

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PREISE DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardWohl nicht ganz zufällig im terminlichen Weichbild der neu etablierten BUCH WIEN überreichte der Wiener Kulturstadtrat im Wiener Rathaus im Rahmen einer Gala die Preise der Stadt Wien für das Jahr 2008 - Kategorie “Synergie unter Bedingungen der Aufmerksamkeitsökonomie” .

Die Preise der Stadt Wien werden jährlich sozusagen polydisziplinär vergeben und sind mit je € 8.000 dotiert . Ein Novum ist , dass die einzelnen Preisträger nicht mit je individuellen Laudationes von Fachkollegen bedacht werden ( zum berüchtigten Null- Honorar ) , sondern , dass alle Zwölf mit einem einzigen rhetorischen Streich gewürdigt und -ehrt wurden .

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AUSSCHREIBUNG DER STADT WIEN

czz lorbeer-awardGleichzieitg lädt die Stadt Wie bereits jetzt zur Bewerbung um die entsprechenden Auszeichnungen anno 2009 ein :

Die Stadt Wien stiftet alljährlich zu vergebende Preise für hervorragende Leistungen in den Bereichen Musik (Komposition), Literatur, Publizistik, bildende Kunst, Architektur, Wissenschaften und Volksbildung in der Höhe von je 8.000 Euro bis zu einem Gesamtbetrag in der Höhe von 96.000 Euro. Sie werden als Würdigung für das bisherige Lebenswerk verliehen, das geeignet ist, die Bedeutung Wiens und Österreichs als Pflegestätten der Kunst, Wissenschaft und Volksbildung hervorzuheben. Mit dieser Ehrung können Einzelpersonen und Teams ausgezeichnet werden. Es sind jedoch Leistungen ausgeschlossen, die bereits mit einem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet wurden.

Die Entscheidung über die Vergabe der Preise erfolgt nach freiem Ermessen durch unabhängige Jurys und ist unter Ausschluss jedes Rechtsmittels gültig. ( … ) Bewerbungen sind mit einem ausführlichen Lebenslauf und Unterlagen, die die bisherige Tätigkeit in geeigneter Form darstellen, an die Kulturabteilung der Stadt Wien (1082 Wien, Friedrich-Schmidt-Platz 5), die auch weitere Auskünfte unter der Rufnummer 4000/84766 erteilt, bis zum 31. März des Folgejahres zu richten.

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BUNDESMINISTERIN VERTEILT “WÜRDIGUNGSPREISE” ZUR ERÖFFNUNG DER ‘BUCH WIEN’

czz lorbeer-awardWohl um den national- offiziösen Rang der aus der Retorte gezauberten Messe BUCH WIEN ( einem aufgebauschten Update der bislang eher drögen “Buchwoche” im Rathaus ) zu akzentuieren , gab sich Bundesministerin Schmidt zur Eröffnung der ( hoffentlich nicht der Agonie des Linzer LITERA- Unterfangens nachgeratenden ) BUCH WIEN höchstselbst die Ehre , folgende Preise und deren Träger zu verlautbaren :

Das Interessanteste an solchen Presse- Aussendungen ist selbstverständlich der Blick auf die personelle Besetzung der Jurien “hinter” den einzelnen Auszeichnungen …

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BUCH.08 - SCHWEIZER BUCHPREIS

czz lorbeer-awardMit der Terminierung auf 17. bis 23. 11 nimmt die BUCH WIEN ( formerly known asBuchwoche” ) sozusagen dier BuCH.08 ( formerly known as BuchBasel ) die Klinke aus der Hand .

Nun wurde - in schagfertiger Reaktion auf die tendenzielle Vernachlässigung schweizerischer Geistes- und Verlagsprodukte beim “Deutschen Buchpreis” ( remember : Frankfurter Buchmesse ?! ) - ein “Schweizer Buchpreis” ausgelobt und am Sonntag auch promt einem maximmal allen CH- Clichés spottenden Prosawerk zuerkannt ( sFr.50.000.- ). Fairerweise sei an dieser Stelle indes nicht verschwiegen , dass sich der in Rede stehende Titel auch bereits auf der shortlist des dbp fand .

Rudolf LappertsNach Hause schwimmen” ( Hanser | HörbucHHamburg ) erzählt im multiperspektivischenen Patchwork von den ungebutterten Seiten juvenilen Lebens und das mit einem im besten Sinne angloamerikanischen Drive , dass man sich bei dessen Letüre immer wieder neu vergeswissern muss , dass kein übersetztes Werk vorliegt .

Matt Ruff könnte dem in Irland lebenden Schriftsteller für sein Werk Pate gestanden haben … entstanden ist jedenfalls ein neuer Holden Caulfield , wenngleich die Erzählung manche Verschlankung vertragen hätte …

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NOCH FRAGEN … ? - PREIS- EINREICHUNG LEIPZIG ‘09

czz lorbeer-awardWer jetzt keinen Preis hat findet keinen mehr … Dies gilt dringlich auch für entsprechende Aspirationen hinsichtlich der Frühjahrsmesse zu Leipzig :

Noch bis zum 30. November können Verlage ihre Neuerscheinungen in den Kategorien ‘Belletristik’, ‘Sachbuch und Essayistik’ sowie ‘Übersetzung’ für den ‘Preis der Leipziger Buchmesse 2009′ einreichen.

Am 12. März, dem ersten Tag der Leipziger Buchmesse, soll die mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Auszeichnung an herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen verliehen werden.

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NACHTRAG : DIE GEWINNER DES 16. OPEN MIKE

czz lorbeer-awardDie Gewinner des 16. open mike- Wettbewerbs der Literaturwerkstatt Berlin stehen fest !

Aus über 650 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 22 Autoren und Autorinnen aus, die am 15. und 16. November 2008 beim Wettbewerb in der Wabe in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Thomas Glavinic, Monika Rinck und Feridun Zaimoglu ermittelten die Gewinner.

Die Gewinner :

  • Sonia Petner - geboren 1979 in Waldenburg ( Polen ) , arbeitet als Übersetzerin und Journalistin in Berlin . Organisiert Lesungen und Diskussionen . Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien
  • Svealena ( Svea Lena ) Kutschke - geboren 1977 in Lübeck , studierte Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis in Hildesheim . Sie las beim 14. Open Mike und nahm 2006 | 07 an der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto Stiftung teil . Lebt in Berlin .
  • Thien Tran - geboren 1979 in Ho Chi Minh- Stadt ( Südvietnam ) , lebt seit 1982 in Deutschland . Studium der Germanistik , Philosophie und klassischen Literaturwissenschaft an der Universität zu Köln . 2003 Praktikant im Tropen Verlag . Veröffentlichungen von Gedichten in Zeitschriften und Anthologien ( u.a. Versa , Artic , Sprachgebunden , Das Gedicht , Floppy Myriapoda , Carpe Plumbum , Intendenzen . Zuletzt: Neubuch, hrsg. von Ron Winkler 2008 ) . 2006 Nominierung für das Rolf Dieter Brinkmann- Stipendium , Studienabbruch . Neben Lyrik auch Buchrezensionen . Lebt und arbeitet in Köln .
  • Johanna Wack - geboren 1979 in Hamburg . Studiert in Hamburg Ökotrophologie . Ist Mutter von Marlene ( geb. im Mai 2007 ) . Schreibt seit einigen Jahren Kurzgeschichten , die sie u. a. auf Poetry Slams vorträgt . Auftritte in Funk und Fernsehen , Veröffentlichungen in Anthologien und in der Tagespresse .

Die Gewinner gehen direkt im Anschluss auf Lesereise :

Die Wettbewerbstexte des 16. open mike sind als Anthologie im Allitera Verlag erschienen - Deutschlandradio Kultur sendet am Sonntag den 23. 11. um 0.05 Uhr die Reportage “16. open mike”.

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KLANGAPPARAT

Dass DJ Dusty seine der dark side of the moon zuneigenden Track- Sequenzen tatsächlich aus der Antarktikis sendet ( wie auf der MySpace - Seite behauptet ) , dünkt uns bereits des Strom- und Equipment- czz-hoerempfehlungAufwandes wegen als Mystifikation . Im treibendem Amalgam von periodischer Achtziger- Jahre- Kälte und akut pulsierenden , hitzigen Heartbeats des Trance scheint dieser Kryptiker indes mitten unter uns zu siedeln .

Auf der Webseite des Netlabels intoxik lassen sich die vier Tracks von “Domino” live streamen . Für den unabhängigen - und , believe me , vielseitig verwenbaren Hausgerbrauch , bietet sich das Download eines taktvoll obsessiven Bonustracks . Heftige Empfehlung .

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Salon Littéraire | Hartmut Abendschein : ANNA - Röhrling | 1



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Hartmut Abendschein :

ANNA I - Röhrling

isbnAnna 1VORBEMERKUNG : Die Erzählung “Anna” ist eine der zwei “embedded narrations” in dem sonst nicht-linear organisierten Tiddlywiki- Roman bzw. Hypertextexperiment “Bibliotheca Caelestis“.

Ein Schriftsteller, Benedikt, arbeitet darin an seinem Zweitling. Trotz der Bedenken seines Agenten Röhrling, lässt er sich nicht davon abbringen, als Ort und Gegenstand seines Schreibens eine Bibliothek auszuwählen. Anna, eine dort Angestellte in unbestimmter Funktion, mischt sich in sein Unternehmen ein. Es beginnt eine Textreise, bei der sich am Ende sämtliche Gewissheiten in Luft auflösen.

Im Volltext der “Bibliotheca Caelestis” findet sich eine Anhäufung von Texten zu einer diskursiven Formation und Ereignissen, tatsächlichen wie fiktiven, sowie Sekundärliteraturen - sämtliche aus ihren Kontexten und Genealogien gelöst. Letztere wurden auch als literarische Quellen rezipiert, um ihnen so etwas wie eine “literarische Aussage” abzuringen.

Sichtbarer Text und die in ihm verborgenen und doch aufgetürmten Materialien sowie ihre fortschreitenden Verknüpfungen werden damit zunächst als negative Arbeit einer historisch-literarischen Diskursanalyse bezeichnet.
“Anna” bietet die Gelegenheit eines konventionellen Lektüreinstiegs rund um das Thema der Auflösung von Schriftkultur und ihrer Speicher. ( Hartmut Abendschein )

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ANNA I - Röhrling

isbnAnna 1Das Treppenhaus verströmte noch den gleichen Geruch, wie schon vor Jahren. Auch die einzelnen Stufen zeigten sich sorgfältig gewachst und gebohnert, und Handläufe und Wände in mehr als passablem Zustand. Man hatte dem Haus weiterhin eine gewisse Pflege angedeihen lassen, was immer seltener wurde, bei den in die Jahre gekommenen Dingen. Lediglich die Bildmotive in den halbedlen Rahmen über den Absätzen zwischen den Stockwerken waren ausgetauscht.

Als Benedikt das letzte Mal hier zu Gast war, so erinnerte er sich, hingen dort noch Portraits ihm unbekannter Personen aus einem vergangenen Jahrhundert, die diesem Gebäude auch im Innern den Schein einer Bewohntheit bescherten. Nun fand er abstrakte Landschaften vor. Stille Seen. Berge. Einzeldarstellungen wie Fallstudien von Kräutern und Pflanzen, die ihm dennoch vertraut vorkamen. Die sich in ihren Symmetrien an Urpflanzen orientierten.

Auch an das Knarzen der letzten Stufe erinnerte er sich. Man hatte es ihr nicht ausgetrieben, sondern dieses wohlwollend übernommen ins angenehme Dunkel des jetzigen Aufstiegs.

Noch dieselbe in Porzellan gefasste Klingel befand sich links neben der Eingangstüre, und eine nur kleine Veränderung am Türschild liess Aufschlüsse über ein verwehtes Jahrzehnt zu. Über “Röhrling & Partner”, wie da stand, und der Partner, den er allerdings nie zu Gesicht bekommen hatte, durchgestrichen aber umso präsenter, was Benedikt allerdings darauf zurückführte, dass wohl alles Durchstrichene, das uns unter seinen Strichen anzublicken sucht, ein grosses Mehr an Aufmerksamkeit abrang.

Die Klingel gab nur einen einzelnen, aber behaglichen Ton von sich. Eine Idee zu lang und verunsichernd, ob man denn nun nachfassen musste, so liess er ein paar Momente verstreichen und lauschte, ob denn noch einmal nachzufassen wäre und ob sich etwas in der Wohnung tat. Gerade als er sich anschickte, diese noch einmal zu betätigen, hörte er ein Herein! und Die Türe ist offen!

Röhrling lag ausgefächert auf einer abgewetzten Couch in seinem Arbeitszimmer und hielt einen Cognacschwenker in der Hand. Der Qualm einer vor sich hin schmauchenden Zigarette verband sich mit dem durch einen Vorhangsspalt eintretenden Licht zu einem Schleier aus wabernden Kreisen und Figuren, die Benedikt mit ein paar schnellen Handbewegungen auflöste, um sich dann auf einem Sessel neben Röhrling niederzulassen.

Die Geschäfte. Die Geschäftegeschäftegeschäfte, wiederholte er. Und: Arbeit. Arbeit ohne Ende. Alle hätten Arbeit. Ohne Ende. Und einige ein Einkommen. Die wenigsten aber ein Auskommen. Dann räusperte er sich über den misslungenen Scherz. Er zeigte auf die Manuskriptstapel auf und unter seinem massiven Schreibtisch. Ben, so nannte er ihn schon wenige Tage nach ihrer ersten Begegnung, und so nannte er ihn wieder. Ben. Was kann ich für Sie tun? Was treiben Sie denn so? Um Sie ist es still geworden.

Benedikt erzählte ihm in aller Kürze, was er die letzten Jahre getrieben hatte. Privatier?, lachte Röhrling. Sie Glücklicher. Und nun ist es verbraucht? Das Erbe, meine ich. Nein, gab Benedikt zu, obwohl es schon etwas übersichtlicher geworden war auf seinen Konti. Doch an eine Erwerbsarbeit, wie man es überall so nannte, müsste noch nicht gedacht werden. Er wäre also nicht des Geldes wegen da. Sehen Sie sich um, unterbrach ihn Röhrling, hier schaut es auch nicht aus, als gäbe es etwas zu holen. Tatsächlich bemerkte er, dass sich Röhrlings Inventar in bedauernswertem Zustand befand. Als könnte ich Ihnen etwas anbieten? Oder sind Sie nur hier, um mit mir auf die alten Tage anzustossen? Nun hustete Röhrling, zerrte ein Stofftaschentuch an einem Zipfel aus seiner Hosentasche hervor und spie dort den Auswurf wenig dezent hinein. Dann schob er das Taschentuch wieder an seinen Ort zurück.

Ein weiteres Buchprojekt? Einen Zweitling? Sie haben ja Nerven! Hören Sie, Ben. Ich mag Sie. Und ich habe Sie lange unterstützt, sagen wir: Wir haben es miteinander versucht. Und eigentlich erfolgreich, wenn man eine potentielle Vermittlung schon als Erfolg verbuchen möchte. Benedikt unterbrach ihn. Er wusste, was jetzt kommen würde, und er wollte nicht noch einmal die ganze Geschichte des Romans, seines ersten Romans, wiederkäuen. Ich habe es damals verpatzt, ich weiss. Aber die Bedingungen waren andere! Das Umfeld. Es gab da Grenzen. Vielleicht sehe ich das heute etwas anders.

Wegen eines kleinen Kapitels, Mensch Ben! Röhrling ächzte, als er sich langsam erhob, dann nahm er einen grossen Schluck aus seinem Glas und zündete sich eine weitere Zigarette an. Den Filterstumpf der ersten schnippte er beiläufig in den Bauch des Aschenbechers und schlug in der gleichen Bewegung mit seiner flachen Hand auf den Tisch. Zum Donner noch mal! Ich könnte mich heute noch …, dann strich er sich durch sein gelbgraues Haar.

Es ging einfach nicht. Hätte ich es so umgeschrieben, wie von mir verlangt, sie hätten es mit Kusshand genommen und wir beide sässen heute ganz woanders. Aber es ging nicht.

Ihren Idealismus, junger Mann, ich kann ihn mir einfach nicht mehr leisten. Idealismus? Benedikt nahm das Angebot eines Glases an und schwieg. Eine Zigarette lehnte er jedoch ab. Es hätte sein Gegenteil bedeutet. Es hätte dafür gestanden, wogegen ich geschrieben hätte, fügte er nach einer Weile hinzu. Um Geld zu machen, hätten Sie’s unter Pseudonym verkaufen müssen. Und Sie hätten mich nicht wieder gesehen.

Nun sind Sie aber wieder hier, schmunzelte Röhrling, und sicher wollen Sie mir von einem neuen Vorhaben berichten. Oder ist es etwa nicht so? Sie haben da also wieder eine Idee. Heraus mit der Sprache! Dann schenkte er sich und seinem Gegenüber die Gläser bis knapp zur Oberkante voll und liess etwas Luft durch die Balkontüre herein.

Benedikt glitt langsam, unschlüssig suchend mit seinen Augen über die gefüllten Regalreihen, die wie verblichene Streben fast vollständig die Wände des Zimmers überlagerten. Zum ersten Mal während ihrer Unterhaltung lehnte er sich etwas zurück.

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isbnAnna 1

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Hartmut Abendschein

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QUELLE : “Bibliotheca Caelestis , Tiddlywikiroman“- ebook @ etkbooks.com sowie @ Deutsche Nationalbibliothek - edtion taberna kritika 2008

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TO BE CONTINUED : Lesen Sie in drei Wochen ( 7. 12. 2008 ) : “ANNA II - Maulwürfe

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