Archive for March 10th, 2007

megalo mania / close-up ff



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In Fortsetzung des Themas M egalopolen der Sci-Fi-Vergagnenheit wollte inadäquat heute eigentlich jenen Aspekt extrapolieren, der – siehe METROPOLIS, siehe BLADE RUNNER – die Grösse der Baulichkeiten und Stadtüberformungen ausserhalb jeden menschlichen Mass-stabes setzt .

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Die Entmachtung des Menschen als Proportion, als Individuum und damit auch als Subjekt war ja - - - bleiben wir jetzt bitte mal hübsch in der Neuzeit - - - von den entwürfen derRevolutionsarchitekten” Ledoux und Boullé so gedacht . . . zwar dürfen in der projektiertenBibliothèque Nationale” wohl eben grüppchenweise aufgeklärte Bürger lustwandeln - doch dienen sie dem Zeichner wohl eher dazu, die Kubatur des Bauwerkes anhand von Mannequins zu demonstrieren. (( = beliebte Praxis übrigens auch im Zusammenhang archäologischer Aufnahmen ::: bei Schliemanns Darstellungen der monumental- achaischen Baublöcke Trojas musste immer ein kleiner Türke mit aufs Bild )).

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Was aber wäre des Menschen Mass und wie liesse sich dieses ins Konstruktive integrieren ?? - - Da Vincis Blatt zeigt des Renaissance-Menschen in optimistischer Quadratur des Kreises.

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Auch Dürers Schema erkundet das Mass von Stehen, Gehen, Schwingen, Ausgreifen .

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Noch Le CorbusuiersModulor” besticht : : : im Begehren, buchstäblich auf den Menscheneinzugehen und daneben einige schöne mathematische Eleganzien wie Fibonacci & Goldenen Schnitt mitzunehmen . . -

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Jacques Tatits cubicles für die Drohnenwaben des entfremdeten Arbeitsprozesses sprechen einer solchangemessenen” Apparatur in PLAYTIME ja auf melancholische Weise Hohn .

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Der andere Weg, dem Individuum und seinem ver.messbaren Körper nahe zu rücken war (ist) bekanntlich die Anthropometrie (mit der Vorform der Gall’schen Phrenologie - >>> dringende Empfehlung >>> Besuch des Gall-Schädels im Museum der Geschichte der Medizin / Wien .

Dank des mächtigen Einflusses von Lombroso lieferte die Lehre von den Schädel-Formen das Spielmaterial zur Evualtion destypischen Verbrechers” , Bertillon schliesslich legte eine Verbrecherkartei an, all inclusive mit Fofotgrafien und – das war neu – Finger-Prints . .

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Sherlock Holmes’ genialisches Hirn weist solchen buchhalterischen Reduktionismus klar von sich : Auf Dr. Mortimers ( “The Hound of the Baskervilles”) Bemerkung, der weltgrösste Indiziensammler ( avant Holmes ) sei fraglos Bertillon, verliert selbst der grosse Detektiv, Morphinist und Stradivari-Geiger einen Moment lang die Contenance :::Yes” ,– gesteht er ( “The Sign of the Four” ) ein wenig kokett ein,I have been guilty of several monographs. They are all upon technical subjects. Here, for example, is one UPON THE DISTINCTION BETWEEN THE ASHES OF THE VARIOUS TOBACCOES. In it I enumerate a hundred and forty forms of cigar-, cigarette-, and pipe-tobacco, with colored plates illustrating the differences in the ash .”

>>> Mit Bertillons Daktyloskopie wären wir ja auch schon wieder bei der hoch aktuellen Biometrie, welche unsere Pässe, Zugangscodes künftig zu individualisieren trachtet. - - - Zu diesem Thema sei eine interessante französische Webseite empfohlen ::: Mit der Maus bewegt man eine menschliche Hand, welche die einzelnen Themenfelder von einem durchsichtigen Interface abruft >>> wer erinnert sich nicht an Spielbergs Philip K. Dick -Verfimung Minority Report , wo Precog-Chef John Anderton ((leider wieder mal der unsägliche T. Cruise )) auf einem durchsichtigen / unsichtbaren, quasi Surround-Interface wie ein Dirigent ( oder Theremin-Spieler ) agiert - - -

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Das kann leicht in Auge gehen, wenn die Identitäten einander imprägnieren – siehe, weil’s so schön ist, noch zwei Frames aus GHOST IN THE SHELL:

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Freilich ist die Iris-Erkennung längst Praxis ist . - - -

 Vgl. dazu auch die Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung iris-erkennung2.jpg

Zum tröstlichen Abschluss schleichen wir uns aber noch zusammen mit Tati’s Mon Oncle zur hochtechnisiertenVilla Arpel” ( = einer Le Corbu-Parodie ).

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post moog script



voilà von christophk eine willkommene kollegiale bild-hilfe zu ehren des grossen moog :

” … und weil derlei gerät aus dem hause moog die musikalische ästhetik einfach nachhaltig beeinflussten: ein weiteres (farbiges) bild eines modularen synthesizersystems samt selig lächelndem robert moog, aufgenommen in einer großen synthesizersammlung im schönen klagenfurt: ”

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caro diario



zu rein wissenschaftlichen zwecken – nämlich zur vergleichenden diaristik und blogologie – dürfen jene journal-auszüge nicht unterschlagen werden, welche die FAZ heute aus Martin Walsers Lebensmitschrift zum besten gibt. . - - - - merk’s und origineller weise : : : es wurden nur jene einträge veröffentlicht, welche Lehrer Lämpel zu eigenen geburtstagen (den 24. märz) sinnenschwer sich entrang . - - - stoff genug, um auch aus nicht-nackten körper des p. t. lesers einige so manche angstblüten hervor zu treiben ?!

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Unveröffentlichte Tagebücher

Das nackte Ich - Von Martin Walser

Jedes Mal in den vergangenen fünfzig Jahren war dieser angebliche Jubeltag für Martin Walser ein Tag der Krise. Was er wirklich empfand und selten auszusprechen wagte, hat er seinem Tagebuch anvertraut. Für die F.A.Z. hat der Schriftsteller erstmals unveröffentlichte Passagen zusammengestellt. F. A. Z.

24. 3. 57. Ulm, Krankenhaus.

Das ist also der 30. Geburtstag: Es ist voll billiger Bedeutsamkeit, dass ich diesen Tag hier verbringe. Unsereins ist in Interpretationen geübt, wir dürfen nicht jede annehmen, bloß weil sie sich uns aufdrängt.

24. 3. 63. Friedrichshafen.

Der Plan: Wenn er an sein Leben denkt, spürt er sofort Magenschmerzen. Er hat alles vorbereitet. Er ist ein Deserteur. Die Glocken läuten. Ihn zieht es fort. Und wenn er wieder so weit wäre, hat er wieder etwas vergessen, was für die Frau, für die Kinder wichtig ist. Er schläft zum letzten, immer wieder zum letzten Mal mit seiner Frau. Das ist sehr schön.

24. 3. 67.

Ich habe für Zahlen so wenig Sinn, dass es mir noch nicht gelingt, einen Geburtstag zu begreifen.

24. 3. 70. Nussdorf.

An den Schrecken sich halten, ohne den Schrecken aufzuschneiden, macht den Schrecken mächtig, du dienst ihm.

24. 3. 71. Sarn.

Das Mädchen von der Sonne her, über den Hang herab, der gleißende Schritt, die Sonne zwischen ihren Beinen.

24. 3. 75. Sarn.

Der Wirt der Ustria Lescha brüllt, er werde Timon abschießen, wenn er den noch einmal vor seiner Haustüre sehen werde. Ob ich nicht im Amtsblatt gelesen hätte, dass jeder ledig laufende Hunde abschießen könne, abschießen müsse.

„Endlich wird mein Gott wieder von mir weichen müssen.“ Oft wiederholt.

Heute vor 48 Jahren. Dass ich Jahre gesammelt habe, Atem getauscht mit wem, eingesperrt in die Enge meines Namens, eins reicht nicht zum anderen, Beton verbindet das meiste. Erwähne regelmäßig die Käsrinde, den Rosenstock, die Tagesschau, die Drucksachen, die durchs Haus treiben, und den in den Armen wohnenden Rost, den Frost, der die Knie schalt und die Eisrinde auf der Stirn.

Wenn es Antworten gäbe, gäbe es keine Fragen.

Jemand muss seinem Feind ein Kompliment machen. Das verbindet er mit Komplimenten für Leute, die absolut nichts gelten. So hofft er, das Kompliment, das er seinem Feind machen muss, abzuwerten.

Das Einzige, was an der Matthäus-Passion auszusetzen ist, ist, dass man sie nicht selber geschrieben hat.

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