Archive for March 25th, 2007

Du bist Musik



Musik wird oft nicht schön gefunden , / weil sie stets mit Geräusch verbunden . ( Wh. Busch )

So grossartig wie –formatig , zieht DIE ZEIT *** mal wieder neurowissenschafltich vom Leder und “tobt” mit “den Feuilletons”, wo angeblich “die Auseinandersetzung darüber, ob unser Wohl und Wehe einzig von den Nervenzellen und ihren Verbindungen ( … ) bestimmt sei” , fleissig mit : Ob die HIRNARCHITEKTUR uns macht, oder ob wir mithelfen, an selbiger mitzubasteln : die uralte nature / nurture - Frage wird - als ob noch irgend relevant – rein rhetorische gestellt, um die abgegessene Alternative so dann – pardautz ! - mit einem “Jüngste-Forschungen-haben-festgestellt”-”Nein” zu verwerfen .

[[[ Nebenbei ein "No No No !" jetzt an die eigene Blogger-Adresse : : : So wie die Gallier dem armen Troubadix eben wieder die Fresse polieren "Nein, du wirst NICHT singen !" – Also wird sich inadäquat jetzt NICHT über den Forschungs-Opti- und Positivismus der Pop-Science- Meldungen von ZEIT , SZ , oder ORF-ON Science alterieren . No !" ]]]

( *** Ulrich Schnabel : Knetmasse der Kultur. Das Gehirn ist erstaunlich formbar . Musik und Folter , Tsunamis und Postleitzahlen hinterlassen ihre Spuren in den grauen Zellen , Die Zeit 7 / 10. 2. 2007 )

Und was posaunt Ulrich Schnabel in seiner ZEIT : dass nämlich , hélas ! , Altesrforscher Paul B. Bates und Neuropsychologe Frank Rösler die Hinweise auf die dynamische Wechselwirkung von “biologischer Prädisposition und kultureller Wirklichkeit” finden und dieses Phänomen mit dem schnieken Label des biokulturellen Ko-Konstruktivismus versehen . Interessant ist – und deshalb ist dieses Schriftstück in dieser musischen Inadäquatheit gelandet – der Bezug auf die hirnkonstruktiven Potentiale der MUSIK .

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© www.medizin-forum.de

Zunächst einmal geht es um die PASSIVE Konfrontation mit Musik – kurz : um’s HÖREN – und wie mehr oder weniger komplexe bestimmte Prägungen entstehen :

So zeigt etwa eine soeben veröffentlichte Studie der Cornell University , wie sehr das Rhythmusgefühl kulturell geprägt ist . Osteuropäer können komplexe Rhythmen besser aufnehmen und reproduzieren als Nordamerikaner , die oft mit allem überfordert sind , was über einen Viervierteltakt hinausgeht . Als der Psychologe Erin E. Hannon jedoch das Rhythmusgefühl sieben Monate alter Kinder verglich , zeigten sich keine Unterschiede zwischen Amerikanern und Europäern . Daraus schließt Hannon , dass die Entwicklung der rhythmischen Wahrnehmung von der Hörkultur abhängt . Platt ausgedrückt : Wer nur Marschmusik hört , versteht auch nur Marschmusik – und kann daher nur Marschmusik produzieren .

Tja , der Durchschnittdeutsche hat es nach dem 1000jährigen Reich wohl gerade noch zur Differenzierung hin zum 3/4-Takt geschafft . Was aber auch – wie wir wissen und durch Schuberts “deutschen” Tänzen reich belegt ist – schon mit dem Ländler und Walzer im 19. Jahrhundert der Fall war .

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© Blick nach rechts / Björn Behrendt

Wie steht es aber nun mit der AKTIVEN Ausübung von Musik ? – “Sicher” , heisst es , “wir werden bessere Hirne und Menschen durch sie” :

Das Hörzentrum von Profimusikern reagiert sensibler auf minimalste Tonhöhenschwankungen und Akkord-Unreinheiten – ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird . Bei Pianisten, die in schwierigen Stücken (etwa in den Paganini-Etüden von Franz Liszt) bis zu 1800 Noten pro Minute koordinieren müssen , vergrößert sich jener Teil der Großhirnrinde , der den Tastsinn der Finger repräsentiert . Auch bei Streichern ist dieser somatosensorische Cortex stärker ausgeprägt – allerdings nur für die linke , die Greifhand . Die Rechte, die den Bogen führt , ist im Hirn von Profimusikern und Amateuren gleich abgebildet.

So neu , wie behauptet , ist das Alles aber nicht : Hatte sich doch bereits Moshe Feldenkrais , dessen Körperübungen ( “Gymnastik für Faule” ) sich in der aktuellen Therapie- und Wellnessgesellschat höchster Beliebtheit erfreuen , theoretisch und experimentell mit dem Thema von “kortikalen Karten” befasst . Was man heute nämlich nicht mehr weiss , ist , das Feldenkrais auch Physiker war und sich sehr intensiv mit der Frage der Um- oder Neuprogrammierung solcher Karten befasst hat .

Seine Annahme : Mit fortschreitender Schulung und Differenzierung unserer Motorik gewinnen wir auch an geistiger Beweglichkeit . Feldenkrais , berichtet Anne Marowski in der NZZ *** , sah “eine solche Körperkarte jedoch als hochdynamisch an und betrachtete sie als Teil eines neuronalen Netzwerkes .

Er war überzeugt, dass die Schlüssel zur Veränderung dieses Netzwerkes bewusst wahrgenommene Bewegungen seien . Je vielfältiger eine Funktion wie Sitzen oder Balance halten ausgeübt werde, desto zahlreicher und unterschiedlicher seien die neuronalen Netzwerke im Kortex verknüpft und desto stabiler sei die Funktion. (…) Studien mit professionelle Pianisten zeigten ausserdem , dass die jahrelange Übung in komplexer Bewegungskontrolle dazu führt , dass neue Bewegungsmuster sehr viel leichter und mit weniger kortikalem Aufwand und somit effizienter erlernt werden können . Damit zeigen etwa Musiker das Phänomen der Metaplastizität, dass heisst eine gesteigerte Lernfähigkeit an sich. Für Moshe Feldenkrais ging es in seiner Methode letztlich genau um dies : ein grundsätzliches Lernen-wie-man-lernt .

*** ( Anne Marowsky : Wie die Feldenkrais- Methode funktioniert . Jahrzehnte nach der Entwicklung neurologisch bestätigt , NZZ , Forschung und Technik , 6. 5. 2004 )

Also : ‘Ran ans Gamelan und bei der nächsten Balkan- Musik- Neigungsgruppe anmelden . Die Riddims von DONDRINE DUB DEVELOPMENTS tun’s aber durchaus auch . Womit auch der täglichen Musikempfehlung bzw. der Musiktipp des Tages gewährleistet wäre -

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The Brain of Homer Simpson