Archive for April 21st, 2007

Einhandklatschen mit David Lynch



Schon wegen seiner Länge von drei Stunden , sprach David Lynch bei der Uraufführung seines neuen Films INLAND EMPIRE” bei den Filmfestspielen von Venedig , könne das Werk gar nicht verstanden werden . Und wovon die psycho-patho-labyrintische Schose handle , vermöge selbst er selbst nicht bündig zu sagen . - - - “What is David Lynch’s Inland Empire about ?” - - - Schliesslich bekamen auch die Schauspieler nie das ganze Drehbuch zu sehen , sondern wurden je nur in Einzelszenen katapultiert >>> voilà eine pragmatische Form des Abonnements auf Verfremdung . Die Story macht auf “Film im Film” und spielt in Richtung von Wahrheit und Lüge im schauspielerischen Identitäts-Sinn … die Wikis auf Deutsch und in Englisch jedenfalls ringen beherzt um Synopsis .

DAvid Lynch Inland Empire 2

Aber wozu haben wir die Kritiker , deren venezianische Berichte schon einigen Vorgeschmack auf “das zu sehende, zu hörende” ( Friederike Mayröcker ) gaben , Anfang und Schluss seien o. k. , dafür herrsche zwischendrin Chaos ( Daniel Kothenschulte / FR ) , das Stück tauge zur Abspielung als Endlosschleife , Ein- oder Ausklinken seitens des Publikums jederzeit ( Michael lthen / FAZ ) .

Schön zusammengefasst auf der ensprechenden Seite der trefflichen film-zeit.

Aus dem deutschen Trailer zu “Inland Empire. Eine Frau in Schwierigkeiten” [!] wird man wenig schlau , sieht wirre & kirre Weiber , digital verdeht , unnscharf und in schweissig-unscharfen Close-Ups .

DAvid Lynch Inland Empire 5 Fond Cartier Subwoover-boom-boom und andere sinister suggestiv-sein sollende Sounds untermalen übrigens auch die Video-Doku , welche den Meister bei der Führung durch seine derzeitigen Ausstellung Ausstellung “The Air is on Fire” in der Fondation Cartier vorführt , brave Mädchen fragen und der Gesamtkunstwerker kommentiert höchstselbst seine art-brut-Malereien … letztere im absoluten Gegensatz zu den lupenreinen Hochglanz-Stills und sonstigen Fotografien . Dazu eine Katalog-Schwarte von 450 Seien :

Honni soit, qui mal y pense .

Was nicht die Amerikaner bereits vorgedacht haben ( etwa Dennis Lim in der NYT) , erobert sich jetzt das deutsche Fötung per Exklusiv-Interview >>>

Nach dem Auftakt des Spiegel-Gesprächs mit der Frage nach den Contents des eben verzehrten Mittagsmahles ( “Eine Gemüsesuppe und dann Lachs mit einer großartigen Sauce. Ein sehr leichtes Gericht.” ) einigermassen down to earth ausfällt , steigt das Niveau der Fragen sogleich himmerhoch in die Sphären der Esoterik , Lynch kündet vom “Kontakt “mit dem großen Feld der puren Glückseligkeit” , von Meditation und der Schönheit der Welt . Justment an diesem Punkt schnappt wenige Tage später die FAZ zu und titelt : “Sind Sie wirklich glücklich, Herr Lynch ? ” - Und wir erhalten eine weitere Lektion im Fach der higher happiness, welche , so der Filmautor , in keiner Weise mit den bösen Qualen in seinen Filmen kolliidiert :::

DAvid Lynch Inland Empire 4 Fond Cartier“Die Leute sagen natürlich, wenn du das alles so toll findest, David, wie kannst du dann solche schrecklichen Geschichten erzählen?” - “Und ? Wie kann man ?” - “Wenn man von Anfang bis Ende nur vom Glück erzählt, würde man sich zu Tode langweilen. Geschichten leben von Kontrasten. Am Ende läuft es doch darauf hinaus, dass der Künstler nicht selbst leiden muss, um Leiden zeigen zu können. Man muss das Leid verstehen und die Geschichten, die daraus entspringen. Das nennt sich atma, das Selbst, ein Ozean des reinen Bewusstseins. Es heißt, erkenne dich selbst, das ist das Feld, das ist es, wo alles herkommt, uns eingeschlossen, das ist unsere Heimat. Man ist hier und genießt es und versteht immer mehr, und man wird ganz verrückt und steht frühmorgens schon auf mit einem Kopf voller Ideen, und alles, was einen bis dahin gequält hat, hebt sich wie ein Gewicht von dir.” - “Aber Sie müssen doch immer noch diese düsteren Seiten in sich haben. Diese Frau mit dem Schraubenzieher im Bauch, das ist ja nicht etwas, was man sieht, wenn man glücklich ist.” - “Diese Gedanken machen mich glücklich, ich schwöre es Ihnen. Ich liebe diese Geschichte, ich weiß nicht, warum ich sie so sehr liebe, aber so ist es. Ich liebe, was das Kino damit macht, ich liebe den Trip, der da abgeht.”

In diesem Sinne : Viel Glück !

N. B. Kürzlich reflektierte die NYT auch über Veroperung von MULHOLLAND DRIVE durch Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth : “Nightmare Sounds of David Lynch in Operatic Translation” .

N. N. B. Zur Entspannung jetzt aber noch Compilation der “Taubenbrüder” (The fellowship of the pigeon) , deren apart trockene Soundsczz hörempfehlung - nicht faul noch taub - zur agilen Stimulation taugen . Bei DE:Bug zu abonnieren oder direkt beim Netlabel TONI .