Archive for September 7th, 2007

L’ Écume des Mots



Wie die Debatten um Rankings , Charts , Push ups und Traffic- Gärtnerei unansehnlich belegen , gibt es gute Gründe zur Wortmüdigkeit .

czz sprechblase icon Das schliesst auch den in|ad|ae|qu|at|en Lapsus Linguae , gewisse Personen bei deren Namen zu nennen , mit ein . Das Argumentum ad hominem wird - mit Ausnahme von Zitaten und dem Ausweis der Namen ihrer Urheber , an dieser Stelle künftig unterbleiben . Sollte solche Reflexion der Blog- Strategie die schlechteste Erkenntnis aus Blog- Kommunikationen sein ?

Um das Mass der LINGO FATIGUE für heute voll zu machen , sei die Reihe der während des letzten Monats gesammelten UNWÖRTER und linguistisch- lexikalischen Irrwitze präsentiert . Auf dass uns diese - frei nach Hugo von Hofmannsthal , endlich “im Munde wie modrige Pilze” zerfallen .

czz sprechblase iconZuvörderst ein Exempel aus dem Big Shop of Horros des Verwaltungssprech , auf welches Thomas Knüwer kürzlich aufmerksam hinwies . Im im FAZ- Interview mit dem Präsidenten des BKA , Jörg Ziercke ( Internet kein Raum ohne Strafverfolgung ) beantwortet Ziercke die Frage nach den Differenzen zwischen der US- Homeland Security und Kennzeichen D mit einer sybillinische Phrase :

Wir haben eine abstrakte Gefährdungslage, die sich schon mehrfach konkretisiert hat. Es gab seit 2001 sechs große Anschlagsversuche in Deutschland. Die Kofferbomber, beispielsweise, das war eine sehr konkrete Gefahr. Oder die Düsseldorfer Al-Tahwid Gruppe, die eine Synagoge und Restaurants in die Luft sprengen wollte. Derzeit haben wir keine konkreten Anhaltspunkte für eine Anschlagsplanung. Die Lage ist aber weiterhin angespannt. Wir unternehmen alle Anstrengungen, dass es nicht zu Anschlägen in Deutschland kommt.

Á Propos US- Homeland Security : Mother Jones stellt derzeit einen - nicht weniger horriblen - Katalog der bürgerrechtlichen Homeland Insecurity infolge der “Sicherheits”- Massnahmen post 9/11 zusammen .

czz sprechblase iconSoweit zur Politik . Was uns in der Technischen Ecke erwartet , gibt guten Grund, über Linguistic Imperialism nachzudenken . Via live.hackr und mediatope ereilen uns MICROMEDIA EXPERIENCES der anderen Art :

At the moment I see six concepts that are fundamental for designing micromedia experiences:
- Periphery/casuality: Microlearning applications have to feel peripherous and casual, for being usable in a state of (more or less) “Discontinuous Partial Attention”. Being a …
- Flow: A main challenge is to design microcontent structures in a way that these are not experienced as de-contectualized fragments, but as small particles that …
- Point of Presence: In the microcontent-based Web, stable roles and pre-defined identities become much more unimportant than in …
- Gesture-driven: Micromedia experiences may be conceptualized as a flow of micro-impulses and responding micro-activities. Some activity has …
- Openness: A ‘feeling of openness’ is crucial for a micromedia experience that has “to put the user in the center”. Still this …
- Simplicity: Microlearning must be experienced as a simple activity on each device. Of course, …

Nice Feed auch seitens des Wired- Jargon Watch :

Digilanti - n. Combining digerati expertise with vigilante initiative, the digilanti anonymously police the Internet, exposing scams and fighting spam in the interest of making the Web safe without government intervention.

Milkomeda - n. A new hybrid galaxy that will form when the Milky Way and Andromeda merge in several billion years, commingling stars and planets.

Herd computing - n. Structured like a botnet but working for the greater good, herd computing distributes the task of detecting spyware across a volunteer network. Herd PCs automatically upload information about system performance — including the presence of malware — to a central server, which analyzes the data and sends out group alerts.

Social operating system - n. A social networking site like Facebook or MySpace that seamlessly integrates activities, including entertainment and shopping, to become a platform for online living.

czz sprechblase iconDavid Pogue fügt in der NYT den bekannten Listen der Internet Slang Phrases ( besonders eindrucksvoll : L’ Argot Internet en francais ! ) eine Next Generation of Online Shorthand hinzu , LOL im YouTube- Zeitalter über

IIOYT — is it on YouTube? / DYFH — did you Facebook him/her? / BIOI — buy it on iTunes / CMOS — call me on Skype / TWD — typing while driving / CMT (CMF, CMM, CMB) — check my Twitter (Facebook, Myspace, blog ) / CYE (CYF, CYM, CYB)–check your email (Facebook, Myspace, blog) / SIK — sorry, iPhone keyboard

Heiss : CRRE - conversation required; remove earbuds . Summa summarum : IGAT — I’ve got abbreviations, too .

czz sprechblase iconDie Freakonomen rufen derzeit einen Wetbewerb der Sprechenden Namen ( Apt[r]onyms ) aus , Contest: Beat This Aptonym .

Die Ergebnisse lassen sich sehen und beziehen sich meist auf beruflich “sprechende” Namen : Von den Berufen ( Judge Lawrence Lawless , Optiker Glassman , Hairdresser Mike Barber , Birdwatcher Bud Starling , Banker Carolyn Fortune ) über Lehrer ( Mr. Polichemi - chemistry , Mr. Read - English , Penny Goldberg - professor of economics @ Yale) bis zu den Ärzten ( Dr. Dean Bender - Chiropractor , Dr. Paine - Anesthesiology chemistry ) . Beim Schmerzthema des Zahnarztes schliesslich gibt es Thema ( Dr. Toothman ) und Variation ( Dr. Dodrill - as in DO DRILL ) .

Bei dieser prekären Sprachwitzelei gilt wohl nicht nur die klassische Journalisten- Regel NAMEN SIND NACHRICHTEN , sondern auch historische Vorsicht beim Outpointen “sprechender” Namen .

Ob Deutsche Bahn- Chef Hartmut Mehrdorn sich auch in diese Liste fügen würde ? . - Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hat Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zum Sprachpanscher des Jahres 2007 gekürt : Nach wie vor gebe es auf deutschen Bahnhöfen COUNTER statt Schalter und einen SERVICE- POINT statt einer Auskunft .

czz sprechblase iconMit Denglishem Neusprech bolzt vornehmlich die New Econonmy . Die GEFÄHRDUNGSLAGE in diesem Revier des Outsmartens ist sehr KONKRET . Da die jüngsten Entäusserungen der Organisatoren des “Festival-Camps” 9to5. Wir nennen es Arbeit liefern da reiche Ernste . Im Vorab- 39- Fragen- Interview mit der NZ über Die Trends von morgen ( + 2 + 3 ) gibt es lässigen Lingo zu lesen ( bzw. für Adepten : zu lernen ) : ROWE ( Results Only Work Environment ) , PROSUMING , Geldverbrennen / BURN RATE .

czz sprechblase iconDer Rest ist … leider kein Schweigen , sondern der Jargon à la “ein Stück weit”, “verorten” , “Implementierung” , wie sie Walter Krämer und Roland Kaehlbrandt mit Die Ganzjahrestomate und anderes Plastikdeutsch . Ein Lexikon der Sprachverirrungen bei Piper vorlegen . Ob die das Buch rezensierende ZEIT sich nach dessen Lektüre bei der eigenen Nase nehmen wird und künftiger weniger “aus dem Ruder läuft” ? - “Gefühlt” weit offenstehende Türen rennt derzeit die SZ mit ihrer JAHRHUNDERWORTE HÖRBAR- Reihe ein : Von Arschgeweih bis Blaine ( 1 ) zu To-go bis Zeitnah (10 ) . LOL . Dagegen ist Detlef Gürtlers Wortistik @ taz geradezu S- Klasse : Gesinnungsluxus . Quod erat demonstrandum .

Soweit die Rituelle Sprach- ( und ) Gewissens- Säuberung in und aus Wien , wo Papa ante portas steht und mit ihm Radio Vatikan ins Wiener Funkhaus einrückt . Letzteres lassen wir uns natürlich nicht entgehen .

Zu hören gibt es nun allerdings WE LOVE MINMAL aus der protestantischen HH Ecke . Teil 2 des ne(t)label- Portraits . hl. release- Ziffer 007 : Die I love: summer EP des Slowaken Funkatron verweigert czz hörempfehlungauch noch den protestantischen Ernst und geht lieber Tamagotchi spielen . Warum nicht ein wenig kindliche Ermunterung in diesen trüben Tagen ? Sure : there are some queer & squeezy moments im unaufhaltsamen Fortschreiten der Beaz . - Da die files nicht einzeln, sondern als m3u- playlist angelegt sind , gibt es heute Einen Link statt deren Drei ( Click to Listen, jetzt sage ich’s noch sechs Tage lang ) . 01 Second [6.28] | 02 Sombre [7.01] | 03 Funky Magic [6.07] . Fortsetzung folgt @ myspace .