POST PAPAM

Wohin , peilt ein Papst Richtung Wien ? – Möglichst wie die Australier : Bush kommt – ab in den Busch . Man erinnert sich an Polizeisperren und dröhnende Hubschrauberflotten anlässlich der Besuche des late Karol Józef Wojtyla / Johannes Paul II. und würde Fersengeld geben .

Diesmal aber verhält es sich anders : Soll der Hype und das vom Vorgänger Benedikts XVI. eingeführte Pop- Pope- Syndrom doch toben , was mich diesmal interessiert , ist , dass sich RADIO VATIKAN in “unserem” Kunstradio- Studio einquartiert hat . Schliesslich ist der ORF Host Broadcaster ( > siehe : Medienpools beim Papstbesuch ) und man möchte ja doch sehen , wie die Leute arbeiten . die Pressemappe , ein knappe Kilo schwer , macht neugierig . Erste Berichte , nach welchen ein eleganter Redakteur geduldig seiner Sekretärin lectio + translatio aus der NEUEN KRONEN ZEITUNG lauscht , könnten trügen : Die Leute kommen drei Tage lang nicht aus dem fensterlosen Raum hinaus , umstellt von allen möglichen TV- und Live- Stream- Bildschirmen .

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Und bewegen sich damit auch nicht eben mehr wie die Berichterstatter anderer Medien : Da – wie beim Besuch George Bushs im Juni vorigen Jahres – die Kubaturen der Auftrittsorte begrenzt sind , bleiben die meisten Schreiber und Radiomenschen hinter verschlossenen Türen und aussen vor . Lediglich für Foto und TV- Kameras gibt es Pool- Orts- Termine : Jeweils mit Angabe von Motiv , Blickwinkel und Entfernung . Besonders gut gefallen mir die Angaben zu POOL # 9C:

Motiv : Eucharestiefeier im dom zu St. Stephan; Predigt von Papst Benedikt XVI. Position: Westempore (Balkon gegenüber des Hauptaltars – Blick von oben) . Termin : Sonntag, 9. 9. 2007, 10.00 Uhr – Dom zu St. Stephan. ( … ) Zugelassen: Kamera/Foto. Hinweis: Distanz ca 70m

Auch für die Bilder gibts übrigens ein Gratis- Service via APA unter papstbesuch.picturedesk.com . DieSZ und DER STANDARD bedienen sich zweifelhaft geistreichlich am windverwehten Kopfüber der … ist es nun tatsächlich eine Kasel ? – “Höhepunkt des Besuches ist aber” , beginnt die SZ ihre Bildstrecke , dass und WIE “der päpstliche Umhang aufflatterte. Von eindringlichen Appellen ließ sich Benedikt XVI. deshalb nicht abhalten.” – Die Bayern müssten die korrekte Bezeichnung des liturgischen Herrenoberkleides doch eigentlich kennen ? – Der STANDARD nimmt’s schlicht für ein Cape und kalauert kolossal komisch : Ansichtssache: Rotcapechen in Action ( … dass der Artikel – noch – keinen eigenen Permalink besitzt , dafür kann ich nicht : Dafür mach ich mir , wie man sieht , meine grammelnden Bilder selber ) .

“Selbstgemachte Bilder” … (angeblich per Handy , nu … ? – Wie mögen die Herrschaften der scene of the …. blessing wohl so nahe gekommen sein ? Foto- Pools unter 25m Abstand waren nicht zu haben . Also Regen , erste Reihe , stets ?! ) … werden von zwei Jungmitarbeitern des STANDARD als Sättigungsbeilage zu einem äusserst dürren Papstblog serviert . Pardon schon , wenn ich mit Grund vermute , dass hier nichts Anderes als ein TV- Live- Blogging geschah : Zu nahe sind manche Einträge dem Geplapper der TV- Kommentatoren , Zeit zum Denken dürfte da kaum geblieben sein :

Knapp über 50 Menschen wurden vom Roten Kreuz versorgt, zwei Männer über 80 sind leider verstorben.” (08.09.07 | 11:11)

Dazu die bekannt geschmackvollen Kommenare der User des QUALITÄTSBLATTES . Wanna more ? Dig in :

Mode-Papst. Der Papst erscheint in einem blau-gelben Messgewand, entworfen von der steirischen Künstlerin Edith Temmel ( 08.09.07 | 10:50 )

Sehr originell auch der Titel des vorher gehenden Postings :

Frischluft für die Gnadenmutter. Die Magna Mater Austriae wird auf den Vorplatz der Basilika getragen. (08.09.07 | 10:44)

Der letzte Halbtag – Heiligenkreuz , Konzerthaus – wird einfach ausgelassen . Eine sonderbare ( und offenbar nicht weiter erklärungsbedürftige ) Methode :

Sonntag, Tag des Herren. In der Messe und beim Angelusgebet betonte der Papst und die Wichtigkeit des Sonntags. Der nächste Programmpunkt der päpstlichen Pilgerreise ist der besuch in Heiligenkreuz. Die Sonne scheint. Wir verabschieden uns hiermit! ( 09.09.07 | 13:50 )

Tell me why . – Oder besser nicht ?! – Zu allem Überfluss meldet sich post festum im KOMMENTAR DER ANDEREN ein seit eineinhalb Jahrzehnten an juveniler Frechheit vorbeialternden Schreibers : Wer im Glashaus sitzt … Für Nichtatheisten eine Topsensation und ein Megafaszinosum – Ein TV-Tagebuch-Spezial zum Pontifex-Besuch ( posted 09. September 2007 | 19:12 ) . Papst- Talk im Modus des Fussball- Jargons . Habt Acht , liebe Leute : Der Mann wird dann bei der EM08 die ekklesiastische Sprache bemühen ….

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Die FAZ tadelt indes das Endlos- Geplapper im Fernseh- Kanal ORF 2 bei gleichzeitiger Papst- Leere auf dem Einser . WIE mag man WEM da etwas recht machen ? – DIE PRESSE bleibt im Leitartikel ihrer christlichen Haltung ( und dem Event- Sponsor Raiffeisen ) treu : Der Papst ist weg – die Ignoranz bleibt nach dem Schema “Der Tag geht – Johnnie Walker kommt” . Die NZZ bietet heute gar nichts mehr in der basalen Online- Ausgabe , im Print nur mehr eine AP- Notiz auf Seite 2 ( Der Papst beklagt die Krise des Westens . Abschluss des Österreich- Besuchs ) . Bei ORF ON darf man Malen nach Zahlen :

67.000 in Wien, Mariazell und Heiligenkreuz. Nach offiziellen Angaben des Innenministeriums sind 67.000 Gläubige zu den öffentlichen Auftritten des Papstes in Wien, Mariazell und Heiligenkreuz gekommen. Erwartet wurden mehr als 100.000. Beim ersten Papstbesuch von Johannes Paul II. 1983 konnte die katholische Kirche in Österreich noch 600.000 Gläubige mobilisieren, 1988 noch mehr als 225.000 und 1998 – am Höhepunkt der kircheninternen Krise rund um die Causa Groer – immerhin 100.000.

Der Prognose Pope Benedict is big business in Austria — and elsewhere wird es wohl ein bisschen in die heisse Suppe geregnet haben . Immerhin gab’s weder “Pope Beer” noch “Benedict pizza” :

A papal visit is always connected with big business, be it investments ahead of his arrival, sales during the visit or long term effects generated by his presence, however short, at any given location. ( … ) While Mariazell tourism officials said the pope’s visit was not intended to make money and vowed that none of the expected 40,000 pilgrims would be ripped off, it is clear that the village expects the approximately 900,000 euros (1.2 million dollars) invested in prettying up to pay off in the long run.

Village restaurants said they would however resist the temptation of putting “pope beer” or “Benedict pizza” on their menus. Neither will the pope turn into a gingerbread man. While the local delicacy is sold in boxes commemorating Mariazell’s 850th anniversary, there was to be no special papal gingerbread. ( … ) However, local tourism chief Christan Hulatsch admitted: “The PR is worth billions.” The same sentiments prevail in Vienna, where the pope will spend two days out of this three-day visit. The approximately 50,000 visitors attending papal masses will generate about 2.7 million euros additional value, Vienna’s trade chamber said.

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Nun, da wir vom Geld reden und die Kollegen von RADIO VATICANA im grossen Hörspielstudio des Wiener Funkhauses ihre Nachrichten editieren : Der Betrieb des jesuitisch ( sic ) geführten gebühren- und werbefreien Senders kostet – laut Wikipedia – den Heiligen Stuhl etwa 20 Millionen Euro . Radiotechnisch interessant : Die angebliche Vorreiterschaft im Digitalen ( DRM ) . “[R]und 35 Sprachredaktionen” ( Selbstauskunft RV ) bereiten Content in 47 Sprachen zu .

Regelmäßig sendet Radio Vatikan in: Albanisch, Amharisch, Arabisch, Armenisch, Bulgarisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Esperanto, Estnisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Italienisch, Japanisch, Kisuaheli, Kroatisch, Latein, Lettisch, Litauisch, Malayalam, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Slowakisch, Slowenisch, Somalo, Spanisch, Tagalok Tamil, Tigri, Tschechisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu, Vietnamesisch, Weißrussisch. Gelegentlich sendet Radio Vatikan auch in: Ewondo, Kinyarwanda, Lingala, Tshiluba, Kigongo, Kirundi, Malgasch.

Sind denn die anwesenden Redakteure sämtlich Theologen ( und einige kesse Mädels an Bord ) , erkundige ich mich bei der Dolmetscherin . Nein , die Meisten ganz normale Medienprofis .

Die rund 210 männlichen und weiblichen Redakteure kommen aus etwa 60 Ländern der Erde. Insgesamt sind etwa 400 Personen bei Radio Vatikan angestellt. Radio Vatikan beschäftigt auch Auslandskorrespondenten, die aber nicht ausschließlich für Radio Vatikan arbeiten. Wichtig sind auch “Ansprechpartner” in vielen Ländern, die bereit sind, Interviews aus ihrem Fachgebiet zu geben.

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Hier jetzt vor allem Kollegen der Osteuropa- Redaktionen , da die Mariazeller Maria dort besonders viel gilt . Stille Hektik herrscht , das ganze Programm ist nach Heiligenkreuz in Verzug geraten . – Inzwischen gibt es eine komplette coverage auf der offcial site www.papstbesuch.at mit den PREDIGTEN & ANSPRACHEN in Text und AUDIO ( Audio-Beiträge und Tondokumente zum Nachhören und Download plus einem Podcast via Studio Omega . Wieder eine Entdeckung : “Der ökumenische Verein Studio Omega hat es sich zur Aufgabe gemacht, Privatradios in Österreich und darüber hinaus sowie kirchliche Websites mit Audioprodukten rund um Kirche und Religion zu beliefern.” ) .

Weitere Goodies : DER PAPST AM HANDY (SMS : Klingeltöne Segensworte Zitate ) , SERVICE ( Pilgerinformationen, Servicehotline und aktuelle Wetterprognosen ) und ein Digest der Medienberichterstattung zum Papstbesuch . Wieder interessant : ORF, ATV, ARD, ZDF, “Radio Stephansdom” und “Radio Maria” werden angeführt , NICHT aber RADIO VATIKAN .

Auf dieser Seite erfahren wir auch , dass Papst- Rosenkranz und -Medaille , welche unser Companero von DRV- Redakteurs Aldo Parmeggiani als Dank für diverse Handreichungen zum Geschenk erhält , NICHT von einem VATKANISCHEN , sondern vom persönlichen WAPPEN PAPST BENEDIKTS XVI. geschmückt werden . Nun : Im System “Vatikan” gilt der Papst als absoluter Monarch . Schwer vorzustellen . Nachlesen dort bitte auch die Story um den “gekrönten Afrikaner” bzw. “caput aethiopis” , dem Blason- Mohrenkopf der Erzbischöfe von München und Freising .

Und was sagt aber nun die Blogosphäre , sehen wir einmal vom STANDARD- Missgriff ab ? – Überraschend die oenologische Expertise zum päpstlichen Messwein @ The Drink Tank :

Als der Wiener Winzer Rainer Christ aus Grossjedlersdorf Anfang des Jahres zum diesjährigen Messweinlieferanten für den Wiener Stephansdom ausgewählt wurde, lieferte er den Jahresbedarf von 400 Flaschen Weisswein aus seiner Produktion an den Sakristeikeller. Da hatte er noch keine Ahnung davon, dass einer dieser Weine bei der heutigen Papstmesse den Kelch füllen würde, den man Benedikt XVI. zur Wandlung reichte.

Meiner Meinung nach … beanstandet die wenig ausgereifte Protest- Kultur in Österreich, konkret bei den Anti- Papst- Kundgebungen wenn etwa die Sozialistische Jugend “mit Plakaten mit Sprüchen wie ZUR HÖLLE MIT RATZINGER ihre Meinung kundtut” . – - – Ob die Idee einer “Antiklerikale[n] Party” unter dem Motto “Heidenspaß statt Höllenqualen!” tatsächlich so gut war , wird auch der Kirchensteuer- Abstinenzler bezweifeln . Nun gut , der im Pressespiegel zu sichtende KRONE- Kolumnist Michael Jeannée bleibt weder seinem Ruf noch dem Gesamtniveau der Veranstaltungen ein Unwort schuldig . Das nennt man dann wohl einen “restringierten Code” . Hier wie da .

Wenn alle Stricke und Rosenkränze reissen , bleibt immer noch der online- papstshop : Bücher, CDs, Mariazeller Madonnen ( 25 bis 47 cm ) sowie “Mariazeller Schmankerln” ( = Lebkuchen ) und die üblichen T- Shirts und tja , auch hippe Meldertaschen . Ausgerechnet ! – Ein schönes Beispiel zur De- und Re- Kontextualisierung von Gebrauchsgegenständen via Mode . Und die Militär- nun als Papst- Tasche daherkommt .

Update 26. 9. : POST PAPAM- Manöverkritik : Der Papst auf dem Musikteppich ( Debatte Qualitätsjournalismus . Befund :  zu viel Heiliger Vater ,  zu viel Verprominenzung , aber Grund zur Hoffnung” )

N. B. : Und wie halten wir’s mit der Selbstkritik – ein Standard ?

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