Archive for October 22nd, 2007

Salon Littéraire | Ulrich Schlotmann : Siegfried & Roy



 

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Salon Littéraire | Ulrich Schlotmann :

SIEGFRIED & ROY [ 'Sauerländische Kriminal- Story' ]

KERN01

SIEGFRIED & ROY [ Auszug ]

“Sieht mir”, hielt der Sheriff, “auf die Gefahr hin besserwisserisch zu klingen”, dagegen, “eher nach einer Frau aus, einer, der man richtig feste auf die Finger geklopft/in der sich ‘ne Menge Zeugs angestaut hat, ihr wisst schon.”

Die Umstehenden nickten beflissen, schien ihnen irgendwie plausibel.

“Oder so”, pflichtete auch der Doktor ihm schließlich bei.

“War halt bei niemandem wirklich beliebt.”

“Das kann man wohl sagen.”

… wenn zwei/drei Mann sich den Bart kratzen und alle anderen mal für fünf Minuten ihr ungewaschenes Maul halten - dann: kann man das dabei ganz typisch entstehende Geräusch des Schabens manchmal sogar - “insofern: der Wind günstig steht, natürlich nur” - in freier Wildbahn wahrnehmen - es stört dann auch niemanden, wenn die Dommel im Rohr dazu ab und zu hupt oder die Taube im Busch stiekum rukt - wenn die Schwalbe auf schnittigen Fittichen die Luft filetiert und lustig dazu ihr Lied knerbelt - wenn wer immer zwischen Himmel und Erde rehrt - dann stört das niemanden/kann dies das Hörerlebnis nicht wirklich mehr trüben …

Wolfermann hatte seinen verdammten Köter erschossen, hielt die vornübergebrochene Waffe wie ein schlafendes Kind in den Armen. Schaschlik sah ihn fragend an, zuckte mit den Augenbrauen in Richtung Kadaver am Waldrand. Etwas wie Irritation - “ein Anflug von Staunen, vielleicht ein Hauch von Befremden” - schien in seinem Blick zu liegen/tendenziell darin mitzuschwingen.

Hunde, die Menschenfleisch gefressen hätten - so die halbwegs einleuchtende/zumindest nicht völlig unsinnig klingende Antwort - könne man getrost knicken, die seien für die normale Jagd nicht mehr zu gebrauchen.

“Okay Männer, dann geht jetzt wieder nach Hause, hier gibt es nichts mehr zu sehen” - hätte er gern - “wie im richtigen Kriminalfilm” - herumkommandiert, wusste aber, das würde er sich sparen können/hätte nur wenig bis gar keinen Sinn gemacht. Mit derart lauwarmen, nachgerade halbgaren Appellen würde er allemal nur auf taube Ohren stoßen, bestenfalls Häme und dumme Sprüche ernten - im schlimmsten anzunehmenden Fall aber - “einmal angenommen: ich legte es tatsächlich drauf an/wollte partout es drauf ankommen lassen” - sich Knüffe und Püffe in den Magen und um die Magengegend herum - “halb im Spaß/halb voll durchgezogen” - einhandeln - “und das nicht zu knapp, nicht zu knapp.”

Die Sache hier stellte nun einmal eine echte Abwechselung dar zu den ansonsten üblichen Verkehrsunfällen mit Todesfolge, bei denen sich fünf/sechs Jugendliche im aufgemotzten Polo von Papa - “mit protzigen Spoilern hinten und vorne, Klimbim wie Frontgrillverkleidung, Heckdiffusoren und angeflanschten Endrohren - Kinkerlitzchen des Kalibers an allen Ecken und Kanten/nur möglichen wie an sich unmöglichen Stellen - den fast schon obligatorischen/praktisch zum guten Ton gehörenden Seitenschwellern, Büffelgittern etc. und - nicht zuletzt: mit versilberten Tieferlegungsfedern, fetten Endschalldämpfern sowieso, mit allem nur erdenklichen Pipapo” - im flottgemachten Opel Astra von Mama samstagnachts um einen Baum wickelten/mit gesplitterten Leitplanken eine nahezu unentwirrbare Verbindung in Form eines Knäuels eingingen - deswegen ging doch nun schon lange kein Schwein mehr vom Gas - geschweige denn: voll in die Bremsen - man kann - “und das hat nichts damit zu tun, das man nach und nach unweigerlich abstumpft” - sich an allem und jedem - “selbst an den Spektakeln der Halbstarken, mit spattelnden Gliedmaßen, pulsenden Blutschwallen und allem, was neben dem langsam abebbenden Wehklagen sonst noch dazugehört” - satt sehen - “fragen sie echte Snuff-Enthusiasten, die werden es ihnen in den einschlägigen Chatrooms gern bestätigen - ja: irgendwann hat man von allem die Nase voll/sich an allem und jedem letzt satt gesehen.”

[ Auszug aus Ulrich Schlotmann : Siegfried & Roy , kleine idiomatische reihe , hg. von Lisa Spalt , Wien 2007 ]

schlotmann freuden der jagd cd cover

Ulrich Schlotmann

Geboren in Balve / Sauerland , Schulzeit teilweise in Internaten in Paderborn und Werl . Seit 1982 in Berlin , Studien in Germanistik und Philosophie . Seit 1986 freier Schriftsteller ( Teilnahme am am Ingeborg-Bachmann- Wettbewerb 2001 ) , Dichter und Audio- Poet . Zusammenarbeit mit dem Komponisten zeitblom , Hörspiele , Produktion des Audio- Art- Stückes VON SAMARKAND BIS ERIWAN in der Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST | ORF Kunstradio ( Ursendung 9 . 12 . 2007 ) . |||

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