Archive for February, 2008

live aus graz

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Die Orkanwarnung kam erst danach : Lesefest und Augenschmaus ( be sure : es blieb nicht bei diesem ! ) anlässlich des 35. Geburtstag der Grazer Autorinnen Autorenversammlung lief munter  im barock- benediktischen Ambiente die Liste “GAV von A bis Z” herunter .

Zunächst freilich ging’s hinan :

Bilder von Ingrid Wald im Blick der Festtreppe

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“Z” aka in|ad|ae|qu|at -

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Kuratorin Ilse Kilic liest Friedrich Achleitner -

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Im Festsaal : Liesl Ujvarys Photographien -

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Bettina Balàka -

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Roland Innerhofer -

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Engelbert Obernosterer -

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Ingo Springenschmid -

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Sylvia Treudl -

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Moderatorin Ilse Kilic -

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Vladimir Vertlib -

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Serafettin Yildiz -

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Barock im Blogspiegel -

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Hoch über Allem prangte ein goldenes Emblem zur SILENTIUM mahnend .  |||

in|ad|ae|qu|at stellt sich vor | Picture at an Exhibition

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||| RAHMENHANDLUNG : AUSSTELLUNG “GAV VON A BIS Z” | OBJEKTBESCHREIBUNG | KLANGAPPARAT | LINKS

RAHMENHANDLUNG : AUSSTELLUNG “GAV VON A BIS Z”

czz inadaeqiuat logo quelle AIGA aerport infor noirAm 29. Februar / 1. März 2008 begeht die Grazer Autorinnen Autorenversammlung ihr 35 jähriges Jubiläum . Vor 35 Jahren , nämlich im Februar 1973 , fand die allererste Vereinssitzung in Graz statt . Dies war ein Grund , warum wir uns entschlossen haben, dieses Jubiläum am Gründungsort Graz zu feiern . Am 29. Februar findet aus diesem Anlass eine grosse literarische Veranstaltung statt . Unter dem Titel “GAV von A bis Z” wird es 19 Lesungen und 5 Ausstellungen von Mitgliedern geben . Der Titel deutet es schon an : Für jeden Buchstaben des Alphabets wurde ein Mitglied gebeten , fünf Minuten zu lesen , beziehungsweise in einer Ausstellung einen Einblick in seine Arbeiten zu geben . |||

OBJEKTBESCHREIBUNG : “Z”

czz inadaeqiuat logo quelle AIGA aerport infor noirin|ad|ae|qu|at ( www.zintzen.org | www.inadaequat.org ) : Name eines Projekts , das sich in Form und Inhalten zwischen die Genres begibt . Formal und in der Erscheinungsweise trägt es das Kleid eines “Blog” : Diese Publikationsform des Web 2.0 leitet seinen Namen von “Web + Logbuch” ab und dient zumeist als Schreibformat eines fortlaufenden Tagebuchs . in|ad|ae|qu|at war und wird indes zu keiner Stunde als persönliches Journal geführt : Vielmehr bietet die - in dieser Ausprägung seltene - Form des Mashups von statischen ( Archiv- ) und dynamischen Blog- Seiten praktisch unbegrenzte Möglichkeiten der Assemblage ästhetischer Objekte .

Die Arbeit erfolgt simultan an 1. Vorder- , 2. Mittel- und 3. Hintergrund : Das heisst

  1. Publikation neuer Texte , Bilder , Daten -
  2. sukzessive Einspeisung bestehender literatur- und kulturpublizistischer sowie photographischer Arbeiten -
  3. Indexierung , Aufbau einer Annotations- Architektur ( Semantic Web ) .

Aus Kulturhistorie und Erfahrungswissen ist bekannt , dass kein Archiv an sich klug ist : Reich wird es erst durch seine Katalogisierung und Beschlagwortung . Im Medium des Weblogs lassen sich Daten jeder Ausformung ( Text , Bild , Ton ) auf hierarchisch gleicher Ebene indexieren , die Inhalte also optimal für die Bots der Suchmaschinen optimieren und solcherart eine gute Auffindbarkeit von Namen , Artikeln und Themen im WWW gewährleisten .

czz inadaeqiuat logo quelle AIGA aerport infor noirSeit acht Monaten lädt in|ad|ae|qu|at Autorinnen Autoren zum Auftritt im “Salon Littéraire” ein . Es zeigt sich , dass insbesondere die Möglichkeit , Bilder , Animationen und Audio- Inhalte den Texten gleichwertig zu publizieren , von den Gästen des “Salon” gerne genutzt wird , so dass sich mittlerweile ein eigenständiges intermediales Format herausgebildet hat . Dabei entsteht durch permanente redaktionelle Indexierung von Themen , Bio- und Bibliographica eine stetig wachsende Datensammlung nach definierter Struktur .

Unsere Arbeit besteht im Möglichmachen solchen Publizierens , in sorglicher Wartung und konsequentem Indexieren , im Entwickeln eines semantischen Metadaten- Systems und letztlich darin : Die Webpublikation nicht “nur” in Form einer individuellen URL auszuweisen , sondern für jeden einzelnen Text- Ton- Bild - Beitrag einen persistenten “Unique Identidfier ” zu generieren . Vermittels Anmeldung bei der Stiftung “International DOI- Foundation” ist es seit Februar 2008 möglich , jeden “Beitrag” mit einem ( der ISBN- Nummer im Buchwesen vergleichbaren ) dauerhaftem Zifferncode international zu registrieren .

czz inadaeqiuat logo quelle AIGA aerport infor noirDamit verbunden sind Auffindbarkeit , Sicherung der Urheberschaft und Lokalisierung im Kontext . in|ad|ae|qu|at versteht das Publizieren im Web nicht etwa als sekundäres , abgeleitetes Veröffentlichen , sondern als distinkte Kunstform und Wertschöpfung mit selbständigem Werkcharakter .

Seit 7. 1. 2008 ist in|ad|ae|qu|at in das Portal und Online- Magazin litblogs.net “literarische Weblogs in deutscher Sprache” eingebunden , d. h. , auch die Werke des “Salon Littéraire” erhalten einen zusätzlichen “Auftritt” . Im Rahmen des FWF- Projekts “Digitale Literaturmagazine - DILIMAG” ( UB Innsbruck ) werden die Online- Beiträge von litblogs.net zusätzlich archiviert und nach literaturwissenschaftlichen Aspekten untersucht . |||

KLANGAPPARAT

Der sogenannte “Klangapparat” als “Musikzuspielung” gehört seit einem Jahr zum festen Bestandteil jedes “postings” ( Einzeleintrags ) . Dank der reichen Szene von sogenannten Netlabels ( Web- Editionen von meist elektronischer Musik ) lassen sich Audio- Streams problemlos in einen czz hörempfehlungBlogtext integrieren . Rechtlich wird dieses “Ausborgen” von Musik durch die Konstruktion der “Creative Commons“- Lizensierungen ermöglicht . Auf für in|ad|ae|qu|at gilt eine solche Klausel von “some rights reserved” ( siehe “hintergrund” ) : Solange man uns als Urheber und die entsprechende URL korrekt anführt , dürfen Nutzer Teile unserer Texte zitieren .

Als Radiophile lassen wir uns die Möglichkeit , den mehr oder weniger trockenen Worten ein ein paar fetzige | nette | bemerkenswerte Klänge folgen zu lassen , natürlich nicht entgehen . Heute beispielsweise haben wir ein klassisch 4 / 4- getaktetes Tanzmix von einem unserer Lieblingslabel , Sonic Walker , ausgewählt . Das wir diese Präsentation ja nach Graz “mitbringen” , schien uns der Titel “Portable” nur allzu angebracht . Der 25jährige DJ 4Tech hat ein einstündiges Mix aus jüngeren Releases einiger der üblichen Verdächtigen in Sachen “Minimal Tech” komponiert und es ist immer wieder erstaunlich , welche Vielfalt an Sounds im Schema 140 bpm möglich ist . CLICK “PORTABLE” 4 TRACKLIST AND STREAM . |||

LINKS

  • GAV | Grazer Autorinnen Autorenversammlung | Wiki deutsch | english | francais | home | Editorial Vollversammlung 2008
  • GAV von A bis Z” : Lesungen und Ausstellung am 29. 2. 2008 , Minoriten , Graz . Teilnehmende : Friedrich Achleitner , Bettina Balaka , Seher Cakir , Constanze Dennig , Claudia Erdheim , Olga Flor , Eva Maria Geisler , Willi Hengstler , Roland Innerhofer , Karin Jahn , Topsy Küppers , Gregor M. Lepka , Friederike Mayröcker , Christine Nöstlinger , Engelbert Obernosterer , Irene Prugger , Andreas Renoldner , Ingo Springenschmid , Sylvia Treudl , Liesl Ujvary , Vladimir Vertlib , Ingrid Wald , Serafettin Yildiz , Christiane Zintzen |||

Koinzidenzen | Textes Trouvés 1

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Macht euch doch nichts vor , ihr Online- Agitatoren : Mögt ihr euch den “Holzmedien” auch überlegen fühlen , so lebt und arbeitet ihr letztlich doch nur wie die alten Sklaven von Ratio und Schrift .

Ein Schritt in den Public Space des RL einer Metropole macht Sie sicher : Die Gutenberg- Galaxis gewährt kein Getaway .

textes trouves_vienna_Heile Welt_copyright_Christiane Zintzen

Die Poesie der Schriften im Öffentlichen Raum : Als aleatorische Akkumulation . ( * )

textes trouves_vienna_LETZTE RUNDE_copyright_Christiane Zintzen

Zufall , Zitat . “Meaning” in den Tiefen von Oberflächen .

textes trouves_vienna_plakatfront_copyright_Christiane Zintzen

Metropol quergehend begegnen wir Herbert Bayers legendärem Motiv des “Lonely Metropolitan” ( 1932 ) . ( ** )

textes trouves_vienna_Herbert Bayer lonely metropolitan_copyright_Christiane Zintzen

In archäologischer Schichtung überlagern einander Codes und Parolen .

textes trouves_vienna_I love_copyright_Christiane Zintzen

Die Ko- Inzidenz der hinterlassenen Schrift- Zeichen kann als zufälliger Kommentar betrachtet werden …

textes trouves_vienna_BELLEVUE_copyright_Christiane Zintzen

… tritt mitunter allerdings auch in NARZISSTISCHEN Interventionen bewusster Abwandlung auf den Plan .

textes trouves_vienna_MARX IS MUSS_copyright_Christiane Zintzen

Ein- Finden dessen , was man nie gesucht .

Textes Trouves_vienna_gesucht_copyright_Christiane Zintzen

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( * ) Vgl. die Kommentare zu Oliviers sprachspielerisch titelndem Posting Aller à Toire .

( ** ) Wir addieren hier noch zwei sehr schöne Links : Die Künstlerin und Kuratorin Eva Lake berichtet in ihrem Blog , sie habe den Bauhaus- Surrealisten in den 80er Jahren noch persönlich kennengelernt . Das Photo- Blog coincidences erinnert die an die Guggenheim- Ausstellung SPEAKING WITH HANDS ( 2004 ) und zitiert - neben Bayers “Lonely Metropolitan” - weitere sehenswerte Bilder . |||

KLANGAPPARAT

Was mit kurzen Rap- Interludien startet , entpuppt sich bald als techno- pulsierender Flow . Ultimativ urbane Musik , im Format des Mixtapes czz hörempfehlungwiederum eine Schichtung , Verdichtung verschiedenster Meanings , Beat- Archäologien ( Xylophon ! ) und Streams . Das in New York und SF angesiedelte Magazin XLR8R ( sprich : “accelerator” ) lässt für sein feines Podcast / Weekly Mix den “S.F. hero Monty Luke” aka ML Tronik im Klangkästchen kramen . Herausgekommen ist “Bubble Metropolis” : fünfundfünfzig steile Minuten und sieben eventuell lässliche Sekunden . CLICK LINK TO “BUBBLE METROPLIS” 4 PLAYLIST & STREAM . |||

Metadaten : Werkstatt der Wert- Schöpfung

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||| ON METHOD - CONT’D | TAGBAU AM WERK : “NETZLITERATUR” KONKRET | REDAKTION UND INDEXIERUNG | PARALLELEN : DNB UND BUCHHANDEL | ARBEITSKREIS ELEKTRONISCHES PUBLIZIEREN | BIG PLAYER : METADATEN ZUM PRODUKTSCHUTZ | EUROPÄISCHE DIGITALE BIBLIOTHEK : EINE CHANCE FÜR “FREIE” ? | OK MIT EOP | KLANGAPPARAT | LINKS

ON METHOD - CONT’D

Auch wenn es zunächst wie Blog- selbstbezügliches Trockenfutter aussehen mag : Die drei Buchstaben “DOI” scheinen drei minimale Zeichen im Text , bedeuten für in|ad|ae|qu|at allerdings einen Riesenschritt vorwärts . Wie so ein DOI im Alltag aussieht , kann man auf ORF- Science betreffs eines Fachartikels über Antidepressiva ersehen . Der Netz- bibliographische Ausweis lautet in diesem Fall :

Die Studie “Initial Severity and Antidepressant Benefits : A Meta-Analysis of Data Submitted to the Food and Drug Administration” von Irving Kirsch und Kollegen ist im Open- Access- Magazin “PLoS Medicine” ( Bd. 5 , e45 , DOI 10.1371 / journal.pmed. 0050045 ) |||

TAGBAU AM WERK : “NETZLITERATUR” KONKRET

on method orangeAufmerksame Leser unserer kleinen Serie ON METHOD sowie der Insinuationen zwischen den Zeilen wissen um unsere Tagbauarbeit , das Format der “Netzpublikation” aus den Schwaden der Hypertexte und der Wolken des Web X.0 herauszumeisseln .

“Netzliteratur” schwebt dann also nicht mehr entlang irgendwelcher unzuverlässiger URLs irgendwo im WWW herum , sondern besteht in kenntlich definierten und bindend registrierten Einzelwerken . |||

REDAKTION UND INDEXIERUNG

on method orangeSpeziell die “Gast- Texte” des Salon Littéraire sollen in ihrem Status als “selbständiges Werk” gestärkt , da ausgewiesen werden . Selbstverständlich bleiben die normalen Arbeiten der “Redaktion” ( Texteinrichtung , Lektorat und Linksammlung ) die gleichen wie bisher , allerdings wird fortan jeder Beitrag sowohl zukünftig als auch rückwirkend mit einer Kennziffer plus beschreibenden ( = Meta- ) Daten sozusagen offiziell angemeldet . Nun sind wir also Mitglied im Club und geben der Registration Agency ( mEDRA in Kooperation mit dem deutschen Buchhandel ) für jeden Beitrag den uniquen Nummerncode der DOI durch . Die dazu mitgelieferten Metadaten sind schon ein direkter Highway hinaus und hinauf ins Semantische Universum ( aka Web 3.0 - à propos eine gute Gelegenheit , RWW’s 11 Thesen zum Semantischen Wesen zu lesen ) .

Zur Zeit wird der Bestand an Blog- Artikeln und “Salon“- Gastbeiträgen je einzeln mit solchen DOI- Codes indiziert . Ein kurzer Satz - - - aber eine lange lange lange Liste Arbeit !

Da man die DOI- Registrierungen samt Metadaten via Feed quasi wie Karteikarten einsehen kann , wächst damit also peu à peu eine praktikable Datenbank zu Status , Autoren und Themen von Texten auf in|ad|ae|qu|at . |||

PARALLELEN : DNB UND BUCHHANDEL

on method orangeSehr aufmerksam spähen wir , die wir als Mikro- Medium mit diesen Verfahren ( gegenüber … wissenschaftlichen Grossverlagen wie Nature , Springer ) derzeit ziemlich alleine dastehen , daher nach analogen Unterfangen .

Ha ! Und hast- du- nicht- gesehen meldete das Börsenblatt für den deutschen Buchhandel ( BB ) am Montag die Einigung über Metadaten-Standard für Netzpublikationen :

80 Experten aus Verlagen, Bibliotheken und Dienstleistern diskutierten am vergangenen Freitag in der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt das Thema Metadaten.

Der Workshop unter Leitung des Arbeitskreises elektronisches Publizieren im Börsenverein (AKEP) und der DNB diskutierten auf der Grundlage des Metadaten-Kernset der DNB das auf dem Standard ONIX for Books basiert. Der Schwerpunkt der Diskussionen war dabei auf monografische, abgeschlossene Netzpublikationen gerichtet in Abgrenzung zu Zeitschriften, Online-Datenbanken oder Audiobooks.

Ha ! und “100 Punkte” : Auch unsere DOI basieren genau auf demselben Metadaten- Konstrukt des ONIX for Books . Das heisst , dass die oben rapportierte Einigung von Deutscher Nationalbibliothek und Buchhandel einen mittel- und langfristig tragfähigen Unterbau liefern wird für die zunehmende Akzeptanz und Nachhaltigkeit unserer Vorgangsweise . |||

ARBEITSKREIS ELEKTRONISCHES PUBLIZIEREN

on method orangeTrotzden wollten wir noch ein wenig mehr über diese Einigung erfahren und stiessen auf den Arbeitskreis Elektronisches Publizieren . Schon die Liste der mächtigen Mitglieder des Sprecherkreises geben ein wenig Aufschluss über den Stellenwert der Thematik :

Merke auch das Wording : Ganz vorne im Vokabelheft stehen Begriffe wie “Wertschöpfungskette” und “Verwertungschancen” . Entsprechend gestalten sich weitere Vorstösse des Arbeitskreises zunächst gegen die Piraterie und zwar mittels der eingetragenen Marke ( ! ) “Nur Original ist legal” plus einer Aktion “Kopieren ist keine Kunst” . |||

BIG PLAYER : METADATEN ZUM PRODUKTSCHUTZ

on method orangeDie Sorge der Big Player gilt also mehr dem Schutz von Produkten als demjenigen von der Autorenrechte . Im traditionellen Verlagsumfeld besteht das Interesse an einer “Digitalen Identifikation” derzeit also vornehmlich hinsichtlich Kopierschutz , Business- to- Business- Effizienz und Verkaufsabwicklung zum Endkunden . Gerne , nur allzugerne hätten wir in|ad|ae|qu|at mehr erfahren über die ( leider nicht mitgeteilten ) procedures während der folgenden Punkte auf der Tagesordnung des genannten Workshops :

  • “Eingrenzung Netzpublikationen”
  • “Metadaten für abgeschlossene Netzpublikationen”
  • “Metadaten für andere Netzpublikationen” .

Tja : Von solchen Nachrichten ist die Vertretung von AUTOREN- Interessen leider ausgeschlossen . |||

EUROPÄISCHE DIGITALE BIBLIOTHEK : EINE CHANCE FÜR “FREIE” ?

on method orangeBleibt abzuwarten , ob die derzeitigen Grundlegungen für eine - nicht auf Bücher fixierte - Europäische Digitale Bibliothek ( “Europeana” , Prototyp Herbst 2008 ) den engen Horizont von “Produkt-” und “Kopierschutz” erweitern . Im Juni gibt’s einen First Workshop on Semantic Interoperability in the European Digital Library .

Ob die diversen Work- Packages auf dem Weg zu einer Europäischen Digitalen Bibliothek neben den institutionalisierten Bibliotheken auch Raum für unabhängige und institutionsferne Publikationen vorsehen , ist allerdings ( noch ) ziemlich ungewiss . |||

OK MIT EOP

All das stört unsere in|ad|ae|qu|aten allerdings jetzt nicht sehr : Arbeit gibt’s mittenmang & männiglich . Ein allmählicher Einstieg ins transdiziplinäre Netzwerk “Emergence of Projects” ( eop ) mag für’s Erste einen operativen Ort zwischen Kunst und Wisenschaft gewähren . - Mehr dazu in einer der nächsten Folgen unserer beliebten Reihe “Unverzagt mit Methode” ( ON METHOD ) . |||

KLANGAPPARAT

Dem angekündigten ( uns Setzern selbst allerdings sehr frisch mundenden ) methodolo- “Trockenfutter” setzen wir jetzt ein paar quicklebendige Klänge entgegen . Wieder einmal stossen wir dabei auf die riesige SERIES- Multilabel- czz hörempfehlungMaschine aus Medellín , die neben zahlreichen kommerziellen Aktivitäten immer wieder fetzige Netlabel- Promos an die Ober- Ohrenfläche bringt ( > gehe auf “MUSIC” > “_SERIE N” ) . Auch wenn es zunächst nach einem cultural clash aussehen mag , die EP Tatami von ( Glad ) Kazuka wurde tatsächlich in Kolumbien eingespielt . Atmosphärische Minimalismen mit Takt und Stil : Am Ort komponiert - no latin , allerdings auch nicht eben “japanisch” ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Tatami | 02. Esta criatura me agrada | 03. En la sombra y en silencio | 04. A puerta cerrada | 05. Dj magma |||

LINKS

Weitere Preise im Kreise

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|||| EIN MANN GING AN DIE RAX | FREMDWÖRTERBUCHSONETTE AUF REISEN | BEMERKENSWERT | ZU MERKEN | KLANGAPPARAT | LINKS

Die Perlenkette der Preis- Nachrichten wiederaufnehmend , fädeln wir deren Seidenschnur noch einmal durch den Eintrag der vorigen Woche hindurch : Preise , Projekt & Präsentation von Autorinnen & Autoren der LITERATUR ALS RADIOKUNST . |||

EIN MANN GING AN DIE RAX

forest question markWas wir der besseren Übersicht halber nachtragen , verheimlichen wir allerdings auch an dieser Stelle nicht . Ganz im Gegenteil : Beim erstmals - und auf private Initiative hin - veranstalteten Literaturwettbewerb der Schlossgärtnerei Wartholz waren am vergangenen Wochehende 18 Autorinnen und Autoren zur öffentlichen Vorlesung geladen - ausgewählt von einer anonym bleibenden Vorjury aus insgesamt 400 Einsendungen .

Donnerstag und Freitag wurde öffentlich gelesen und die Texte von einer betont freundlichen Jury ( Bettina Balàka , Katia Gasser , Bernhard Fetz und Wendelin Schmidt-Dengler ) unter Einbindung des Publikums diskutiert . Andrea Winkler , deren Début “Arme Närrchen” bereits für erkleckliche wie berechtigte Aufmerksamkeit gesorgt hatte , errang mit der eben bei Droschl erschienenen Prosa “Hanna und ich” den mit 10.000 € dotierten Hauptpreis .

forest question markZweiter wurde - in landschaftlich absolut adaequatem Ambiente ! - Ulrich Schlotmann mit einer “Saison” betitelten Variation auf Die Freuden der Jagd . So kommt’s also - siehe “Literatur als Radiokunst” und “Salon Littéraire” - wenn ein Mann in den Wald an der Rax geht : Wohl bekomm’s !

Dass Ulrich Schlotmann am Montag , 3. 3. sein “Ein Mann ging in den Wald”- Hörstück “Von Eriwan nach Samarkand” in voller 5.1- Dolby- Digital- Surround- Qualität in der Wiener Alten Schmiede vorstellt , ist den Aficionados längst bekannt .

Andrea Winkler ist zwei Tage später am nämlichen Ort zu vernehmen . Droschl- Lektor Rainer Götz stellt ihr neues Buch zusammen mit Iris Hanikas millimetermutigen Liebesroman “Treffen sich zwei” in Lesungen und Rede vor . |||

FREMDWÖRTERBUCHSONETTE AUF REISEN

forest question markAuch Ann Cotten wird am 3. 3. in persona plus “parkbank” in der Alten Schmiede anzutreffen sein . Inzwischen wurde der Autorin der “Fremdwörterbuchsonette” nach Priessnitz- , und Brentano- Preis das George Saiko- Reisestipendium zuerkannt . Am 13. Mai gibt’s im Rahmen des Literatursalons der ÖNB ein kleines Zeremoniell mit Lesung und Wendelin Schmidt- Dengler am lobenden Wort . |||

BEMERKENSWERT

Bemerkenswert ist , dass es sich bei beiden Preisen um weder staatliche noch kommunale Stiftungen handelt . - Ein zartes Zeichen für den allmählichen ( Wieder- ) Nachwuchs privater Kunstförderung in Österreich ?! |||

ZU MERKEN

forest question markAuch wenn 16 der in die klassische Landschaft literarischer Somemrfrische gereisten Autorinnen und Autoren als fair players ohne Preis heimgekehrt sind , sollte man sich deren aus Hunderten ausgewählte Namen gleichwohl merken : Christoph Aistleitner , Daniel Oliver Bachmann , Andrea Drumbl , Claudia Gabler , Lioba Happel , Silke Heimes , Andre Lamijon , Christine Leutkart , Martin K. Menzinger , Angelika Reitzer , Manuela Rogger , Silke A. Schuemmer , Bernhard Seiter , Michael Stavaric , Andrea Stift . |||

KLANGAPPARAT

Festmusik zur Preisfreude : Tobias Lorsbachs spontan- Netlabel aus der Darmstädter Zone feiert diesen Februar seinen ersten Geburtstag mit czz hörempfehlungeiner cool tuned und glücklich nicht allzu laut gelaunten B’Day- Mix- Suite . An den Reglern dreht der Chef selbst aka Keinzweiter ( MySpace ) . Und lässt es sich nicht nehmen , ein gut durchwachsenes Tech- Minimal- Menü zu servieren . Respect : Die Spannung hält ganz ohne Anstrengung eine knappe Stunde lang an . CLICK LINK TO LISTEN & ENJOY : The Lost Diglator Mix . |||

LINKS

Salon Littéraire | Markus Köhle : Wenn schon im Jänner der Juni nervt …

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Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

 

Salon Littéraire | Markus Köhle :

Wenn schon im Jänner der Juni nervt , dann hat’s weit herunter geschneit

 

kafka als fussballkäfer_copyright christiane zintzen

Ich wachte auf und…
Der Manuskripte Langzeitregent Alfred Kolleritsch hat unlängst in einem Interview durchleuchten lassen, dass Texte die mit “Ich wachte auf und…” begännen, eher weggelegt würden. Ja, was kann denn nach Kafkas Verwandlung schon noch groß passieren nach dem Aufwachen?
Nach dem Aufwachen kann immer viel passieren.
Ich wachte also auf und…
Der Zeit Kolumnist Harald Martenstein ließ es sich nicht nehmen in seinen wöchentlichen Zeit-magazin-Kolumnen mehrmals darauf hinzuweisen, dass er von den GrafikerInnen die Order erhalten hätte, seine Kolumne nicht mit “Ich” zu beginnen, da sich das “I” als Hervorheb-Initiale nicht eigne.

Mittlerweile wurde das Layout des Magazins geändert. Er darf wieder mit “Ich” beginnen. Kolumnen sind ja schließlich Befindlichkeitsmomentaufnahmen eines Individuums. Auch dieser Text soll Einblicke in mich momentan Bestimmendes gewähren, deshalb schreibe ich ohne Skrupel:

Ich wachte auf und hatte rostige Flügel.
Ich lag auf dem Bauch und anstatt einfach nur die Augenlieder aufzuschlagen, schlugen da nun plötzlich Schwingen, die aus meinen Schulterblättern entsprungen sein mussten. Ich flatterte ein wenig, war jedoch nicht in der Lage abzuheben. Die schwere Bettdecke die meinen Hintern und die Beine bedeckte, hinderte mich daran. Meine Arme waren noch da wo sie hin gehören, und so griff ich mir erstmal auf den Kopf. Der wurde von einem dichten Lockenhelm eingenommen.

Langsam kam ich mir spanisch vor und lupfte mit gesteigertem Interesse die wärmende Decke. Aus den Füßen waren mir Stollenschuhe gewachsen. Modell Schoko Schachner. Statt einer Pyjamahose trug ich eine violette Austria-Short. Ich robbte ins Badezimmer, dort begrüßte mich ein Spiegelbild mit Oberlippenschnauzbart.

Und ich war wenig überrascht, als ich die tätowierte Zehn auf meinem Rücken entdeckte. Irgendwas in mir ließ mich die am Boden liegende Shampooflasche Richtung linkes Badezimmerkreuzeck kicken. Ich netzte ein, Hausspinne Thekla ergriff die Flucht.

Obwohl mir recht klar war, was aus mir wurde, machte ich die Probe aufs Exempel, setzte zum finalen Beweis an und versuchte den simplen Satz:
“Schönen guten Morgen, wir begrüßen Sie recht herzlich zur offiziellen Rapidviertelstunde der EURO-Kampagne, live aus dem Horrorstadion.”

Ja leider, es bewahrheitete sich die üble Ahnung. Ich stammelte im Raunzsound, erspart mir die Details. Ich wurde bestraft, Höchststrafe. Ich hatte gesündigt, mir erlaubt, abschätzig über die Österreichische Nationalmannschaft zu reden und die EURO-Aktionen der PolitikerInnen für vermessen zu halten.

Unlängst wurden vom Bundeskanzler und seinem Vize in heiliger großkoalitionärer Eintracht 183 EURO-Bälle von der Reichsbrücke aus in die Donau gekippt und auf Werbereise geschickt.
Bundespräserl Heinzi gab in Schiedsrichtermanier das Trillerpfeifenkommando und eine Ehrensalve des Wapplerheeres setzte den Schlusspunkt der gelungenen Presseaktion.

Ich hatte also gesündigt, die Nationalelf besudelt und darauf steht in Tagen wie diesen eben die Höchststrafe und so auferlegte man mir die “Prohasskranklheit”.

Ich verzog mich augenblicklich wieder ins Bett und hoffte so, dem bösen Traum entkommen zu können, zog mir die Decke über meinen Lockenschädel und kopfnicktepickte ins Kissen, worauf dieses zu singen begann: “Toni lass es polstern!”
Ich heulte auf, wie nach einem vergebenen Elfmeter, packte entschlossen mein mir fremdes Haupt, die Locken erwiesen sich als äußerst griffig, riss mir den hirnlosen, schneckerlveredelten Luftsack ab und warf das Ding aus dem Fenster. Ich hörte den Aufprall meines Kopfballs und gleich darauf das Aufjubeln aus den Nachbarwohnungen.
Der Platzsprecher meinte: “Tor, Tor, i wear narrisch!”
Ich sagte: “Ich bin es!”
Der Kommentator fügte aufklärend hinzu: “1:0 für die allgegenwärtige Fußballgehirnwäsche. Noch 99 Tage.”
Arschkarte, Abpfiff und ab in die Kantine!

Übrigens: Gestern wurde auf dem von Bundesheerrekruten mit Schnee präparierten Fußballheldenplatz ein Langlauffußballmatch abgehalten, im Tor Innenmiststreuer Platter und Sportsaatseuche Lopatka.

Im Julius Meinl am Graben gibt’s heute ein Importmelonenkicken für SeniorInnen ausschließlich mit Hokkaido Melonen bester Güte, freiwillige Spenden für den Meinl-Clan erbeten und für morgen ist eine Benefizfußballgala in der Kapuzinergruft mit Stargast Antoni Panenka angekündigt.

Es ist Winter in Wien und trotzdem freue ich mich nicht auf den Frühling, denn nach dem Frühling kommt dann leider irgendwann der Juni.

Markus Köhle, 24. Februar 2008

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Markus Köhle | www.autohr.at

Jahrgang 1975 . Schreibt und liest wann und wo immer er kann , lebt , liebt und arbeitet in Tirol und Wien und fährt gerne Zug . Er studierte in Innsbruck und Rom Germanistik und Romanistik , unterrichtete in Tunis Deutsch als Fremdsprache , ist Moderator und Organisator des Bierstindl Poetry Slams in Innsbruck , Mitbegründer der monatlichen Lesebühne Dogma . Chronik . Arschtritt . im Wiener Schikaneder , war Projektassistent ( Literaturzeitschriften in Österreich 1970-2004 ) an der Uni Innsbruck und schreibt seit geraumer Zeit um sein Leben und an seiner Dissertation . 2002 war er Marktschreiber in St. Jonann ( T ) , 2007 Stadtschreiber in Vöcklabruck ( OÖ ) , 2008 ist er Dorfschreiber in Aich ( Stmk ) . Außerdem : Diverse Stipendien für literarische und wissenschaftliche Arbeiten und regelmäßig Auftritte im In- und Ausland .

Köhle klopft die Sprache auf ihren Rhythmus ab , pflügt Wortfelder und legt sich gerne formal strenge Texterstellungskorsette an . Als Poetry Slam Routinier ist Performance eine wesentliche Komponente im Auftrittskontext . Neben kurzen , spritzigen , gattungskreuzenden Texten ist prosatechnisch momentan die Mittelstrecke seine bevorzugte Distanz , wobei nicht verschwiegen werden sollte , dass das Marathontraining längst begonnen wurde .
Er schreibt , um gehört zu werden .

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Einzelpublikationen

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Hörspiel

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Buchbeiträge ( Auswahl )

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Zeitschriftenbeiträge ( Auswahl )

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CDs ( Auswahl )

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Texte im Netz ( Auswahl )

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Links

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BLOG 4 BURMA : “We need more Rambo” - Von Fakes und Fakten

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||| I. RAMBO : LUSTVOLLE VERRISSE | II. RAMBO : RHETORISCHE WINDUNGEN | III. RAMBOS NEBENDARSTELLER : DIE KAREN | IV. NO RAMBO IN BURMA | V. WE NEED MORE RAMBO | VI. BLOG 4 BURMA | LINKS

I. RAMBO : LUSTVOLLE VERRISSE

Was das Thema “Burma” am Beispiel der Dschungelumtriebe John Rambos in der Boulevardpresse anrichtet , stellt Birma News Birma united eben im Medium von deren beschwörend- barocker Sprachpracht dar . Wir blättern in|ad|ae|qu|at in den “Qualitätsmedien” … und finden merkwürdige Ambivalenzen .

Der Verriss der testosterontobenden Wiederauferstehung des Vietnam- Veteranen im Kampf gegen den Rest der Welt schien eine aufgelegt Sache : “Tragikomisch” bzw. “pathologisch” nennt Der Standard den abgehalfterten Helden mit Kampfmaschinen- Accessoires am alternden Körper . Seine “durchschlagende” Weltverbesserung folge letztlich den ultrarechten Interessen einer dem liberalen Gequatsche abholden one- man- Volksarmee .

Auch als eine Gruppe amerikanischer Gutmenschen auftaucht, Ärzte und humanitäre Helfer, die ihn für eine Bootsfahrt ins Krisengebiet anheuern wollen, macht er nicht viele Worte: “Fuck the World”, fährt er die blonde Sarah (Julie Benz) an, als sie ihm ins Gewissen redet, man müsse doch versuchen, die grausame Welt zu ändern und das Töten beenden. “Go home” sagt er zu der frommen Gruppe, “ihr könnt nichts ändern.” Am Ende fährt er sie natürlich doch noch mitten hinein ins Herz der Finsternis - und der Schlamassel nimmt seinen Lauf. ( Spiegel )

Als einzige weibliche Rezensentin wäre Doris Kuhn in der SZ mit dem “Actionfilm von altmodischem Flair” , der dazu gehörigen Species von Männern mit Stirnbändern und Gewehren sowie der Kriegsbericht- Wackelkamera schnell fertig, wäre da nicht die “Agenda Burma” , welche zur - immerhin ironischen - Teilabsolution führt .

Wohl wissend um Rambos ikonenhaften Status bringt er ihn nun wieder auf die Leinwand ( … ) und führt ihn gegen einen Feind, mit dem wohl jede Menschenrechtsbewegung einverstanden ist: Stallone lässt Rambo noch einmal aufräumen für die Gerechtigkeit, und er hat sich diesmal besonders gut präpariert, hat offenbar beim Söldnermagazin Soldier of Fortune angerufen, um sich sagen zu lassen, “wo die Menschenrechte am schlimmsten mit Füßen getreten werden”.

Birma war die Antwort, und in Birma schlägt Rambo also zu, um den Unterdrückten gegen das Militär dort zu helfen. Deckungsgleich erscheint hier die Empörung von Rambo und seinem Regisseur, gemeinsam bemühen sie sich um Hilfe für die Schwachen - was dem einen die Pumpgun, ist dem anderen die öffentliche Aufmerksamkeit, die durch seinen Film auf die birmanische Situation gelenkt wird. ( SZ)

Die eben abgelaufene Berlinale bot nicht eben den idealen Rezeptionshintergrund für einen old school- Hau- Drauf wie John Rambo : “Große Aufwallungen von Sinnlosigkeit” , resümiert Claus Pilipp im Standard :

Diesmal Birma, wieder Dschungel, wieder will Rambo anfangs nicht, dann muss er aber leider, und dann halt: nahkämpfen, Muskeln zeigen, gewalttätig werden, dass buchstäblich Blut und Beuschel durch die Luft fliegen. Gigantisch doofer Mummenschanz, unfreiwillige Selbstparodie. |||

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II. RAMBO : RHETORISCHE WINDUNGEN

Dass die Sache ganz so einfach nicht ist , erweisen die lavierenden und gewundenen Darlegungen in Telepolis und Spiegel : Rambo 4 wird in beiden Medien insofern für die wirklich Gute Sache gerettet , als der Spielort “Burma” lautet und der akut- fiktive Dschungelkampf an die real- akuten Grabenkriege der Junta gegen Oppositionelle und ethnische Minderheiten erinnert .

Nach einer recht redundanten Darstellung des “Mythos Rambo” ( “die primitive, rabiate Dschungel-Kampfmaschine” als “Waschanlage und Kriegsschmiede für das wütende Unterbewusstsein nicht nur der Zukurzgekommenen unter den US-Bürgern, sondern der Vernachlässigten und Im-Stich-Gelassenen aller Regionen, Nationen und Länder” ) findet es Peter V. Brinkemper in Telepolis “überraschend” , wie Stallone “sich kundig gemacht” hat , um “seinem erneuten Kriegsabenteuer authentisches, aber bisher beim breiten Publikum unbekanntes Unterfutter zu geben” . In seiner “aktuellen straffen Verbindung von Engagement, Dokumentation und Fiktion” lässt sich der Film gar für ein volkspädogisches Projekt der Aufklärung reklamieren . Noch die längst abgehandelten , vom Guardian eben wider aufgewärmten Morddrohungen während der Dreharbeiten des Filmes werden zur Stärkung von dessen credibility ins Treffen geführt .

Die FAZ schweigt sich aus und lässt lieber - wie übrigens auch SZ und SpOn - Bilder sprechen sowie mokant beimoderieren .

Egal , ob kulinarisch instrumentierter Verrisss oder mäandernde Ehrenrettung des Junk- Helden wider Willen an der thailändisch- burmesischen Grenze : “von einem Flop” , resümiert der Spiegel keine drei Wochen nach dem amerikanischen Kinostart , könne “angesichts eines Umsatzes von knapp 40 Millionen Dollar seit dem 25. Januar auch keine Rede sein” . |||

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III. RAMBOS NEBENDARSTELLER : DIE KAREN

Dass in der Rambo- Story ausgerechnet die christliche Volksgruppe der Karen in Stellvertretung des gesamten Volkes figuriert , muss die aggressive Abwehr des Films durch die Junta zwangsläufig verschärfen . Die Karen , mit ca. fünf Millionen Menschen mit einem Anteil von 6,2 % immerhin die zweitgrösste Volksgruppe des Landes . Als solche agitiert die Ethnie - politisch vertreten durch die Karen National Union ( KNU ) - seit 1948 für einen eigenen , unabhängigen Staat . Entsprechend sind die Karen seit jeher besonderen Schikanen seitens der Militärdiktatur ausgesetzt : “Massenmord” bzw. “ethnische Säuberung” , Zwangsräumung von Dörfern , Zwangsarbeit , Vergewaltigungen .

Zirka 150.000 Karen leben in Flüchtlingslagern in Thailand, primär in der thailändischen Provinz Tak, und die KNU versucht diese über verschiedene Unterorganisationen zu betreuen. Es gibt insgesamt zirka sechs bis sieben Millionen Karen, primär in Myanmar, aber auch in Thailand. Der Karen-Konflikt ist der am längsten anhaltende Bürgerkrieg in der heutigen Zeit. ( Wiki )

Nicht ohne Wut auf den “Gebrauch” der Karen als “Nebendarsteller” und Rettungsobjekte eines fiktiven ( kolonialen ? ) Helden macht ein Weblog mit schockierenden Photos auf den unansehnlichen Unterschied zwischen Hollywood- Fiktion und lokalen Fakten aufmerksam : These photos tell the real story of Karens in Burma . Compare with Rambo Movie ! - Sehen Sie selber . Mehr ist dazu nicht zu sagen . Der Umstand , dass dieser m | w Blogger den Film sah und sein | ihr Bedauern für das militärische “Menschenmaterial” ausdrückt , weist auf eine Exilposition hin .

Noch am 14. Februar - just am Tage des “Rambo”- Starts in Deutschland - wurde der im thailändischen Exil lebende prominente KNU- Aktivist Mahn Sha von zwei “Gunmen” in seinem Haus niedergestreckt ( Reuters , Irrawaddy ) . Kurz zuvor hatte Mahn Sha in einem Interview mit der Zeitung The Irrawaddy Befürchtungen die ethnische “Teile- und Herrsche”- Politik des “chauvinstischen” Regimes angeprangert :

The country has disintegrated because of the ethnic chauvinism of the military dictatorship. If there were no military dictatorship and no ethnic chauvinism, and the country adopted democracy and a federal system, it would be peaceful, united and developed like other countries. I can say that for sure. ( … )

They create disunity so they can continue to rule the country by force. They think that if the country is peaceful and stable, there will lose their rationale for holding onto power. ( Irrawaddy)

Das der Mord der burmesischen Junta anzulasten sei , steht für die KNU ausser Frage . Womöglich wurde die Tat allerdings von Mittelsmännern der konkurrierenden buddhistischen Karen Spilttergruppe DKBA ( Democratic Karen Buddhist Army ) ausgeführt ( Reuters , Irrawaddy ) . Hunderte Karen sind zum Begräbnis in der Grenzstadt Mae Sot gepilgert , mittlerweile ist auch eine “Abschussliste” mit zwei Namen von zwei weiteren KNU- Aktivisten aufgetaucht , auch ist von einer 22- köpfigen Task Force der DKBA die Rede ( Irrawaddy ) . Blogger wie Sitmone formulieren Schock , Trauer und Betroffenheit . |||

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IV. NO RAMBO IN BURMA

Dass in einem solchen Klima der ethnischen Unterdrückung , des Terrors , Gegen- und Gegen- Gegen- Terrors ein Film , welcher westliche Gewalt- und Befreiungsphantasien quer über die komplizierten Verhältnisse giesst , gemischte Erwartungen weckt , ist klar . Das Regime reagiert mit Verboten : Kinofilm und DVD sind gleicherweise verbannt .

Mizzima bezeugt den regen Untergrundhandel mit Downloads , allerdings auch die Verwirrung im Publikum , ob der Film nun reine Fiktion sei oder doch eventuell Fakten darstelle . Kein Wunder : Beginnt der Film doch mit einer Sequenz von Newsreel- Schnipseln :

Some of the video rental shops have put up a sign that reads “WE DON’T HAVE A COPY OF RAMBO 4 RELEASED IN USA ON JANUARY 25″ as many people continue to ask for it , the resident told Mizzima. However , he said that the movie was downloaded from the Internet and burned onto a CD by activist youth and is being circulated among friends and trusted people as it could land possessors of the CD in jail. ( …. )
While Burmese political activists both inside and outside cheered the movie as revealing the brutality of the junta in remote areas of the country, viewers in Rangoon are confused as to whether or not the movie contains any real storyline, the local resident said.

Die Democratic Voice of Burma berichtet von den hoch emotionalen Reaktionen der 600 Exilburmesen , die den Film im Zuge einer eigens veranstalteten Vorführung in Singapur sahen : “The scene where Rambo killed the Burmese army captain satisfied the whole audience .”

Also wird die verbliebene und durchwegs zensurpflichtige Presse zum “Rambo- Bashing” instrumentalisiert - ein weiteres Indiz für den in allen Kategorien geführten Info- War . Ein auch unter Bloggern weit herum gereichter AP- Artikel zitiert die Moquerien der regierungsfreundlichen VOICE :

But an article in The Voice, a Myanmar-language magazine, decried Rambo’s bloodletting and said he “looks funny fighting a war even though he’s so fat with sagging breasts. Stallone’s unsmiling and serious-looking style makes him look like a lunatic,” it added. The magazine’s critique is actually a loosely translated version of a column criticizing the movie published in the Jan. 28 edition of Singapore’s The Straits Times newspaper. Its reference to Myanmar’s “dictators” did not make it into The Voice’s story. ( AP)

Auch Irrawaddy bezieht sich auf dieses Stück Propaganda , illustriert aber , wie die Bevölkerung mittlerweile längst gelernt hat , zwischen den offiziösen Zeilen zu lesen :

We sometime read the government propaganda with the purpose of understanding the background history to the country’s politics , said a former agriculture student from Yezin University. We get to know about Burmese politics and the exiled Burmese politicians and their activities through government propaganda. ( Irrawaddy ) |||

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V. WE NEED MORE RAMBO

Wie man es bei ähnlichen Inversionen aus anderen totaliräen Regimen kennt , bewirkt das Totalverbot des “Rambo” dessen Aufstieg zum subversiven Code . So etwa sind in der Nähe von Nyaung Oo ( Ostburma ) in der Nacht vom 10. Februar Sgraffiti aufgetaucht , welche folgende Parolen ex aequo setzten :

  • DOWN WITH THE MILITARY JUNTA

  • DON’T CHEAT PEOPLE’S VOTE

  • FREE BURMA und

  • WE NEED MORE RAMBO .

Gelber Spraylack , Riesenlettern , in burmesischer Schrift als auch auf English und das alles mitten auf der Strasse . Die am nächsten Morgen stracks angerückte Polizei hatte es sehr eilig , so Mizzima , das Schlamassel mit teuren Benzin ( statt dem üblicherweise verwendeten Sand ) zu tilgen .

Wut und Hilflosigkeit sprechen auch aus den Zeilen des Blogs Bangkok Parlour . Der Blogger weist auf ein Feature der Bangkok Post hin , wo das ganze Stallone- Unternehmen seine Ambivalenz zu erkennen gibt . Einerseits wurden Catchphrases wie “Live for nothing, die for something” oder “Burma’s a warzone” rasch populär .

Anderseits stellt sich der Regisseur und Hauptdarsteller mit Quatschphrasen , wie “he’d love to go to Rangoon and confront the junta face to face” selber bloss . Die Tatsache , dass einige der “Sager” des Films als Volksparolen aufgenommen worden seien , erfülle ihn mit - dem üblichen Hollywood- STOLZ:

These incredibly brave people have found, kind of a voice, in a very odd way, in American cinema … They’ve actually used some of the film’s quotes as rallying points ( …. ) . That, to me, is the one of the proudest moments I’ve ever had in film … ( Reuters via Bangkok Post)

Jetzt dürfte allerdings langsam der Zeitpunkt gekommen sein , wo der p. t. Leser dieses Postings defintiv kein MORE RAMBO mehr verträgt . Daher zum Abschluss noch ein treffendes Zitat aus dem Independent über des Helden Maulwerk :

The smouldering gaze, the Neanderthal hang of the lower lip, the grunted dialogue, it could only be John Rambo, that Tarzan with a machine-gun who laid waste to Eighties action cinema. |||

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VI. BLOG 4 BURMA

Dass es auch andere Filme gibt , erweist ein Blick auf das Feed des Netzwerks BLOG 4 BURMA : Khaipi erzählt von Giuseppe Tornatores geplanten Biopic über Aung San Suu Kyi , Daburna hat vor seiner Blogpause noch einige YouTube- Videos online gestellt . AFi @ Birma News United freut sich über den ersten Tausender und bereitet umso motivierter neue Rambonalien vor . News HQ reflektiert über eine mögliche Verfassung und von Olivier erhalten wir einen bemerkenswerten Lektürehinweis : Die “Chroniques birmanes” des Zeichners Guy Delisle berichten in einem Bande Dessinée hautnah aus dem burmsischen Alltag , den er als Begleiter seiner für die Médecins sans frontières arbeitenden Lebensgefährtin ein Jahr lang als Hüter seines Kleinkindes verbrachte :

entre les problèmes pratiques (les coupures d’électricité constantes, les produits qui ne sont pas acheminés…), les constatations politiques (la censure des journaux littéralement caviardés, les messages bloqués sur Internet…), …. sanitaires (l’omniprésence du Sida à cause de l’exploitation des pierres précieuses, payée en héroïne, l’afflux de prostituées, etc) |||

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