Dauernd Frauen empowern



||| DAUERND FRAUEN EMPOWERN | NETGLEICHE | “FEMINISTISCHES PARADIES” | HANG ZUM PRIVATEN | “TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE | RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN” | AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN | KLANGAPPARAT | LINKS + ANMERKUNGEN

DAUERND FRAUEN EMPOWERN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrIst es ein Komödie , ist es eine Tragödie , dass Frauen offenbar dauernd empowered werden müssen . Der am Doppel-X- Chromosom von Bloggern orientierte Blogine- Award 2007 sorgte im Mai für breites Gekreische beiderlei Geschlechts und diskreditierte sich zuletzt mit einem very unladylike Hickhack zwischen den Bestplatzierten . Selbstredend war dem Finale das übliche Stimmenheischen von Public Votings voran gegangen . Auf’s Offensichtlichste hat sich die ganze Angelegenheit selbst diskreditiert.

Aber siehe : Da tritt die taz jüngst mutig vor die bloggende Leser- und Männerwelt hin und votiert : Für mehr Frauen Power im Netz : Blogs statt Bikinibilder. Wau ! - Dass es der Autorin Meredith Haff am 7. Februar eventuell nicht lediglich um die Blogweltbverbesserung an und für sich ging , sondern auch um ein Stück Preview- PR für ihr in Co- Autorinnenschaft mit Susanne Klingner und Barbara Streidl verfasstes und im März bei Hoffmann und Campe angekündigtes Buch Wir Alphamädchen - Warum Feminismus das Leben schöner macht ging , darf angenommen werden . Zitat Verlagstext :

Cool, schlau, schön – das sind die neuen Feministinnen. Sie wollen alles: Kinder und Karriere, Intellekt und Sex, Verantwortung und Freiheit. Nicht die Männer sind ihre Feinde, sondern die ungerechten gesellschaftlichen Strukturen; und die gilt es zu bekämpfen – mit den Männern. |||

NETGLEICHE

Haffs Thesen zu Nutzen und Vorteil von Frauenblogs starten mit der ( an und für sich fragwürdigen ) Behauptung “Nirgendwo ist die Chance auf Gleichberechtigung so gross wie im Internet” , um daraus den feministischen Imperativ abzuleiten : “In Deutschland müssen Frauen endlich damit anfangen, sie auch wirklich zu nutzen.”

In der extended version liest sich das wie folgt :

Das Internet gehört zu den wenigen Sphären, in denen sich Frauen und Männer theoretisch gleichberechtigt aufhalten können. Die körperlichen Verhältnisse - Formen, Kraft, Stimmlage - die in der Realität zu einer Aufteilung und Gegenüberstellung der Geschlechter führen, treten in den Hintergrund. Jeder kann heute auf einer virtuellen Ebene seine Geschlechtszugehörigkeit und auch andere Aspekte seiner Identität beliebig ändern, ohne dass es irgendwer bemerken würde. Strukturelle Diskriminierung findet im Netz bisher kaum statt. Die Machtverhältnisse dort sind bei weitem nicht so stark gefestigt wie in Wirtschaft oder Politik. |||

“FEMINISTISCHES PARADIES”

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrUnter Umständen der etwa Gender- paritätischen User- Verteilung , begünstigt durch technisch niedrigschwellige und geschlechtsneutrale Social Network Services ( MySpace, Facebook , StudiVZ ) wäre , so Haff , “eine besonders individuelle und autonome Selbstdarstellung” von Frauen möglich . Frau träumt gar von einer Art “feministisch- gleichberechtigtem Paradies” .

Aber ach : Die Mädels stellen sich auf den einschlägigen Seiten lediglich in ihrer “Sexyhaftigkeit” dar :

Bikinibilder, Dirndldekolletés und massig Hüftknochen, Knackärsche und Schulterblätter füllen die Fotoalben der Netzwerknutzerinnen.

Nicht jede verfügt eben über die ( PR- ) Power einer Madonna Ciccone , welche die medial gängige “Sexual Persona” ( Camilla Paglia , Anm. 1 ) in den 90er Jahren sowohl bestätigte als auch gleichzeitig über- und damit hintertrieb . Was können und mögen die Jahrgänge 80+ wohl noch von solchen dekonstruktivistischen Gender- Konzepten wissen ? - Es sei ihnen unbenommen , ihre eigenen Subversionen ( wieder ) oder neu zu erfinden . |||

HANG ZUM PRIVATEN

Blogmässig bleibt alltagspraktisch realexistierend allerdings die Sprech- , Schreib- und Posting- Situation des Privaten . Und die ist selten Blogchart- fähig . eben - und jetzt folgt der zweite Streich - Frauen anders schreiben . Kommt Ihnen eventuell bekannt vor , das Stereotyp von den “female soft & social topics” vs. “male facts & figures” ? - Die Fakten des sozio- kulturellen Lebens werden unerschrocken bei deren Namen genannt :

Frauen und Männer bloggen unterschiedlich. Männer verbreiten im Netz Nachrichten und persönlichen Auslassungen zu Themen wie Politik, Technik, Wirtschaft oder Sport. Frauen tendieren zu Themen, die nach traditionellem Verständnis eher im geheimen Tagebuch oder im Gespräch mit Freunden verhandelt werden: Gefühle, Gesundheit, Haushalt, meist aus einer persönlichen Perspektive. Klar ist das auch wichtig - aber der Informationswert für die Allgemeinheit ist da recht begrenzt. Es gibt keine Geschlechterdichotomie der Interessen. Frauen interessieren sich genau so für Politik oder Ökologie wie Männer und sind in gesellschaftlichen Bereichen ebenso engagiert wie diese. Trotzdem zeigen sie das kaum. |||

“TRISTESSE D” VS US- LAND OF THE FREE

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrDer Vergleich mit der amerikanischen Szene - allen voran das Schlachtschiff von Arianas HUFFINGTON POST - sowie rundherum alle möglichen genderpolitisch orientierten Netzwerke ( WIMN’s Voices , Feministe , the f- blog , bitch Ph. D. ) hinkt . Und das gewaltig : Just der Blick auf Rivva demonstriert ja augenfällig , wie wenig selbständig die deutsche Blogosphäre zu denken und schreiben gewillt ist . Wie das Ringen um Klicks , Aufmerksamkeit und Traffic fundamental verschieden ist zu einer subjektzentrierten , allenfalls kommunitaristischen bzw. neighbourhood- oder grass- roots Mentalität .

Allerdings , und dies sei nur nebenbei bemerkt , wackeln auch in der US- Blogosphäre althergebrachte Clichés : Are Men Really More Competitive Than Women ? fragte Melissa Lafsky kürzlich im NYT- Blog Freakonomics . |||

RIVVA und “WENN FRAUEN BEIM KACKEN IM NETZ SURFEN”

Bezüglich der Bloglandschaft KENNZEICHEN D erklingen mittlerweile lesenswerte kritische Stimmen , welche am Beispiel des ehrenwerten News- Aggregators RIVVA den Hang der deutschen Blogospäre zur freiwilligen Selbstgleichschaltung diagnostizieren . Die sich daran knüpfende und in bemerkenswert kultiviertem Ton geführte Diskussion darf da als Fortschritt  gewertet werden ( Anm. 2 ) . Allerdings sind es durchwegs Männer , die sich an die Kommentarschwänze hängen .

Dies trifft in bemerkenswerter Weise zu auf das von Herren lancierte Damen- Portal Nouvelles ( Treiss @ turi ) : “Hallo , liebe Gründer ( ja, nicht Gründerinnen )” begrüsst Anke Groener die neue Business- Idee das frauliche Anliegen des freshmen- Mediums , um mit dem Hinweis auf die gute alte Emma und einem Satz zu schliessen , welcher weite Web- Karriere machen wird :

Kleiner Tipp: Das gibt’s schon. Nennt sich EMMA und macht das seit 30 Jahren. Und zwar ohne magere Blondinen auf dem Klo zu zeigen, die beim Kacken im Netz surfen.

Was der letzte Halbsatz bei männlichen Bloggern ausgelöst hat , lässt sich via Rivva in Text ( beim Weiter- Klicken auch im Bild ) nachvollziehen . |||

AUCH FRAUEN KAKOFONIEREN

Blind stenographer using dictaphone LOC flickrAuch eine bekannte Blog- Publizistin wie Mercedes Bunz leistet mit ihren Modemagazin- Charts dem Image der Frau als Vernunftwesen einen Bärendienst . - Ja , darf die denn das ? - Einfach auf Fun und Satisfaktion zu machen ? -

Also kehren wir noch noch ein letztes Mal zurück zur push- up- Aufgeregtheit einer Meredith Haff : “Weibliches Bloggen” muss ja nicht notwendig das Geschlecht als Fahne vor sich her schwenken , um eventuell sogar interessanten , wenn nicht gar relevanten Content zu generieren . Und kann durchaus Feminismus drin sein , auch wenn selbiger nicht auf der Bedienungsanleitung steht . Schön , dass es Plastikmaedchen , Maedchenblog , Genderblog gibt . Oder die Maedchenmannschaft von Haff- Co- Autorin Susanne Klinger . Weiters Anjas Blog: “Lesen statt Putzen” , FRAU MACHT ZUKUNFT u. s. f.

Also Pardon , und bitte ohne Jammerton , sei die bescheidene Frage gestattet : Warum sollten Frauen nicht als ganz normale Netizens über Alles und Fälliges berichten ? - Frau wird sich nicht gleich auf die Schamlippen getreten fühlen müssen , wenn sie ihren Part zur Kakofonie von Inhalten ( Anm. 3 ) beiträgt , eventuell manches skeptische Wort hizufügt und dafür nicht sofort einen Sonderpreis für “Produktionen aus geschützter Werkstätte” beansprucht ? |||

KLANGAPPARAT

Nuur keine falsche Harmonieversprechen gibt DJ Subppilot ( MySpace ) ab , wenn er uns durch sein mit vielerleit Beats und Sound- Scherbenczz hörempfehlung gespicktes knapp einstündiges Mix schickt . Gleichwohl bleibt das LIGHT AT THE END OF THE TUNNEL stets sichtbar , denn der gute in Mailand geborene und in Stockholm lebende Mann weisss offenbar , wo und wie er seine Hörerinnen haben will. Also : Den Dienstags- Speed um ein paar Takte hinaufschrauben und einen o(h)rdentlich sportlichen Gang einlegen . Vorbild natürlich Ritchie Hawtin . CLICK LOOPZILLA TO LISTEN ( TT : 58:27 ) . |||

LINKS + ANMERKUNGEN



10 Responses to “Dauernd Frauen empowern”


  1. 1 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 Frank Westphal

    Christiane, kurzes Dankeschön von mir dafür, wie Du Rivvas Story-Digests in Deinen Beiträgen umarmst – freut mich zu sehen!

    Deine Artikel schaffen immer unglaubliche Mengen von Kontext … schade, dass das Blog so wenig verlinkt wird, hat viiiel mehr Aufmerksamkeit verdient in meinen Augen. Glückauf!

  2. 2 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 otto brandenberg

    zum vor-redner: ja, volle zustimmung zu ihren anmerkungen!

    zum artikel: interessant scheint mir, dass ohnehin immer angenommen wird, der seitenbetreiber (blogautor) sei männlich, bis das gegenteil eindeutig nachgewiesen wird.. bei vielen interessanten, gender-neutral präsentierten blogs könnte man daher annehmen, dass da ohnehin unempowerte frauenpower am werk ist, doch zur steigerung der “web-credibility” auf geschlechterzuordnung verzichtet wird.

  3. 3 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 czz

    @ Frank : Rivva ist zum unverzichtbaren Tool geworden , da Spur und Abild eines Teils der deutschsprachigen Debatten . Dass da bei Manchen unserer lieben Mitmenschen die Begehrlichkeit aufkommt , möglichst oft zu “rivvan” , ist nur natürlich . Von daher war es auch eine legitime Entscheidung , Themenknoten mit einem zusätzlichen Layer zu überziehen , auf dass nicht Alles gleich wieder vom Copy- and - Paste- Wind spurlos verweht wird .

    Die kargen Verlinkungen auf in|ad|ae|qu|at bereiten mir insofern wenig Sorgenfalten , als der jetzige Stil in Wortwahl , Satzbau und weiteren barockisierenden Zutaten nicht auf Jedermann unbedingt einladend wirkt .

    Schade nur , dass die Darlegungen hinsichtlich persistenter Links ( DOI ) auf wenig Interesse stiessen . Aber offenbar ist der “Werkcharakter” für viele Mikromedien ( noch ) kein Thema .

    @ Otto : Wenn Eine/r da nicht ganz besonders weinerlich oder grob kommt , wäre mir Gender , Sex , Geschlecht der Verfasser am liebsten völlig egal . Freilich verhält es sich so , dass Layout , Namensgebung , Themenwahl meist hinreichend Indizien zur Bestimmung der RL- Verhältnisse liefern !

  4. 4 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 otto brandenberg

    lexikalischer nachtrag:
    in der informativen “zeitschrift für die arbeitswelt” (a.k.a “solidarität”) wird gar am titelblatt auf den baldigen 100. “geburtstag” der “frauenbewegung” hingewiesen. am 8. märz 1908 ereignete sich demnach in new york ein demonstrationszug von textilarbeiterinnen bezüglich gleichstellung und beendigung der kinderarbeit: keine korrelation mit dem entsprechenden wikipaedia-eintrag.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenbewegung

    -> termin buchrelease haff/klingner/streidl??? (achja, am 14. märz, naja, knapp.)

  5. 5 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 RokkerMur

    So wenig verlinkt ?
    manche halten viel von den Technorati spielereien und da ist czz eindeutig vor uns.
    Ich würde czz trotzdem empfehlen sich mal http://www.wikio.de
    anzusehen. Und dort mitzumachen.

    Ansonsten ist das eine grandiose Geschichte die nur einen kleinen Bug hat.
    Die Männer sind zu gut weggekommen.
    In Wien unter dem Ausdruck “Saftler” bekannt/benannt sind manche meiner Geschlechtsgenossen anscheinend unfähig mit Frauen zu kommunizieren ohne in die untere Gossensprache abzugleiten.
    Entweder sind wir Österreicher Spezialisten für sowas - nicht einmal in den US Todeszellenforen wo es immerhin um Leben geht befetzen Männer Frauen derart.

  6. 6 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 otto brandenberg

    lieber rokkermur:
    mit “wenig verlinkt” hat herr westphal wohl die handverlesenen, persönlichen linkempfehlungen auf webseiten/blogs gemeint, die im themenkreis von inadaequat tätig sind. anders als in ihrer köstlich vielfältigen warteschlange, schweben viele literatur- und kultur-blogs oft in ihrer eigenen wolke, und hüten brav ihre schäfchen.

    technorati ist da mehr nur mechanismus um irgendeine art übersicht herzustellen, sicher nicht der kern einer aktiven, engagierten quersicht.

    und: im sidebar rechts sehe ich oft wohl das wikio-widget, es springt nur oft nicht an, scheinbar ein timing-problem (derzeit #177 in der langen liste).

    und: ja, männer könnten sehr oft im alltag selbst dazu beitragen, die ganze geschlechterproblematik unkompliziert ins nichts aufzulösen.

  7. 7 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 czz

    @ RokkerMur : Wollen höflich auf die Sidebar gucken :
    Habe auf Ihre freundliche Empfehlung hin sofort den Wikio- Counter dort implantiert . Das Männer- Bashing trugen Sie als aufmerksamer Kommentator ja nun selbst nach … czz bleibt in dieser Hinsicht erstmal in der Warteschlange . Wo - wie die Erfahrung zB sn der Supermarkt- Kasse erweist , es ja zuerst die Frauen sind , welche am lautesten und schrillsten “Zweite Kassa bitte !” kreischen . - Interessanterweise findet sich der entsprechende Ausdruck im Netz vor allem in Foren ( Standard ! ) sowie in Blog- Kommentaren … allerdings eher unter Männern !

    @ Otto : Wie oben schon erwähnt , habe ich herzhaft nochmal nach dem Wikio html- gegriffen und es ohne Zores noch einmal in die sidebar geklatscht . Derweil spielt es ja ( noch ) brav mit .
    Was die Rollenverteilung “geschlechterdings” ( g. rühm ) anbelangt , mag es viele Stereotype geben . Siehe Spreeblick- Johnny Haeusler mit seiner markigen Parole für’s individuelles Profil : “Ein Blogger muss Eier haben !” Allerdings bestätigen ja gerade die Ausnahmen auf’s Liebreizendste solche Regeln -

  8. 8 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 czz

    Nachtrag zu Rokker : Bist Du jetzt ganz in Platterwatch verwandelt oder gibt’s das alte Blog dort doch noch im versteckten Überwachungskammerl ?

  9. 9 4Avatars v0.3.1 v0.3.1 czz

    Nachtrag zu Otto und zum 8. März : Man kommt da ja auch den Ge- und Bedenktagen gar nicht mehr raus : 8. 3. Internationaler Frauentag , 11. 3. Tag der Lyrik , 12. 3. Tag des “Anschlusses Österreichs an NS- Deutschland” … - das war und ist jetzt aber eine sehr geschmacklose Zusammenstellung , magst Du einwenden . Zu Recht !

  1. 1 Bloguer ou ne pas bloguer ?