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Salon Littéraire | Monika Rinck :
FÜNF AM STÜCK – telefontext
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du rauchst wieder. nein, ich glaube nicht. ich höre es an deiner stimme. ich hab gerade einen nassen pinsel in der hand. was hälst du von zyan? ne, die nackte hat frei. ich geometrisiere sie in das licht hinein. die neonwaffel, du verstehst? ich bleibe unbefriedigt vor dieser struktur. welcher. du warst nicht da. bist nicht. die matte ist gekippt. ich hab dann gleich fünf am stück geraucht.

theo, der trinker sagt, der tag sei geräumig. wenn der das sagt, dann wird das so sein. oder er meint das ornamental und als abwehr, türkenoper. so geht die mode. das kann ich aber in new york nicht verkaufen. die galeristin. welche? meine. hat eine macke, meine galeristin. müsste sie austricksten. da raushaun. via krise. vehikel. die krise inszeniert als vehikel zum rauskommen. muss man schon was von nerven verstehen. das tust du. und nachher? versuche zu heizen.

was weiß ich, ich krieg das nicht flüssig. diss material iss wie ein mousse aus plexiglas. meinst du damit: ein gelee? nein. sowas wie silikon. du willst mich nicht verstehen. auge auf, auge zu. zuzug am berg. die bungalows. mein atelier ist beheizt, jedoch nicht ausreichend. ich müsste. warte. jetzt: reden, mit dir. ich muss arbeiten. ich will jetzt nicht darüber nachdenken, wie es mir geht. es ist auch egal. wollen wir später noch mal telefonieren? ja. ich bin da. du kannst mich anrufen.

und legt auf. fünf am stück geraucht. das zimmer nicht verlassen. wahnsinn, könnte man denken. kefir. oder tübingen. die hangel dieser stimme. wohin gegriffen, als kurze geschichte der übertragung: wir besprechen, was wir tun, oder was wir wollen. mögen anderes als dich. eine komplexe sanftheit, leicht mit feigen zu verwechseln, den menschen, nicht den früchten.

kann ich dir vorlesen, dir vorspielen. kann ich mit dem hörer. kann ich näher. kann ich dir, warte, es ist alles hier. ich hab es gleich. warte. es ist das, es beginnt mit, hörst du zu. es ist so. wenn ich dir vorspiele, musst du sitzen und zuhörn, das kann ich dann wieder nicht aushaltn und muss das augenblicklich unterbrechen. das liegt aber nur an deiner eingearbeiteten verantwortung. die hast du wahrscheinlich noch von den christen, von früher, als du weich wie masse warst (mousse). und jung.
jugendpfleger machten sich lustig über meine verehrung der dadaisten. ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
musste einer verstehenswahnsinnigen mein buch erklären. ich wurd bekloppt davon. halsweh. spürte einen widerwillen, der der einer ganzen armee ist. mein heer murrt. ich bin wehrlos. lasst mich hier aus. die liste der fragen, wir wollen sie bombadieren. erklär mir, wie war es als borabora noch ein parfum war? meins, es war mein parfum.

und kann nicht ertragn, dass leute sich an mir orientieren. etwas rebelliert und ich komme nicht ran. als würd ich nicht rauchen. aber du rauchst. ja. ich rauche. muss aus dem haus. sachen kaufen. eh, ich schwöre, an dir orientier ich mich nicht. du schlechter witz. wie schwierig es sein mag, einen lächerlichen menschen zu lieben. das sind komplexitäten, von denen hat sie ihr lebtag noch nichts geahnt. jetzt sieht sie das geld im saugauge des nächsten. da geht es hinein, und hier ist die tür. ich muss dich ja wohl nicht hinbringen, liebes, du siehst sie doch selbst. dann bin ich wieder alleine. diese zeichnung ist mist. ich werde sie durchstreichen. fünf am stück.

nein, wir haben immer nur telefoniert. er schaut mich an und er hat ekel im gesicht. die sublimierung ekelt ihn. telefoniert? ja. sonst nichts. sonst nichts. nur manchmal, räume ich ein, da wurde seine stimme so weich, da dacht ich dann, hat er seinen schwanz in der hand. und kippt nach hinten über. fragte ich: was machst du, sagte er: ich hör dir zu. so keusch. widerstandslos und trocken, ich habe alles gehört. ich wollte verstummen. ich wollte niemals verstummen. wir webten einen seidigen faden. der war auch kühl.

war nicht die verbindung auch schlecht? sonst schon. diese billigen neoliberalen telefongesellschaften. der teufel soll, irgendwas. eben. aber. jetzt, jetzt, schreibst du mit: ich mache etwas, das leute kaufen wollen. es handelt von menstruation. bist du sicher? sehr. sicherer war ich nie. es handelt von menstruation und alten männern. ich mach es so, dass es sich verkauft. dann am gleichen abend noch ausgegangen. ich kann das tragen. du kannst das tragen. die dritte möglichkeit: eine verdrängungsfreie form des lebens. ich küsse dich, gutnacht. wir telefonieren morgen. elf. oder zwölf.

und schau, dann warst du nicht da, dann hab ich gleich fünf am stück. geraucht. die anderen. hast du? ja weil. was? süße. süßer. ich hasse etwas um dich her. etwas, ähnlich dir. lad sie aus, die du eingeladen hast. warum. darum. weißt du, dass ich kinderlos bin, heißt nicht, dass ich mich um sachen kümmern will, die keine kinder sind, instead. du böse, böse sau. fünf am stück, das ist nichts. schau mir zu, ich mache 5 mal 5 am stück. dann du.

keine lust etwas zu zeigen, bei ungenauem publikum. das sei die deinige, ich meine: lust. ich will auch nicht mich einweichen für blicke von ungenauen leuten. ich will nicht in fremden küchen irgendetwas machen. ich bin alt. ich werd ausbrennen mir die empathie. sorge in den haaren. ein juwel für blöde. ruf selber dir ein taxi, die barfrau hat die nummer. sehr gewiss.

und weiter hinter der berg, da ist peking. im letzten jahr hab ich mich ausgekannt, aber in diesem jahr hat sich sehr viel verändert. dann bin ich aufgewacht, weil das telefon geklingelt hat. es war 04:22 uhr. ich bin krank. ich muss gleich wieder dich erreichen. oder züge nehmen, das flugzeug vielleicht. bist du da? kann ich an deiner seite etwas tun wie liegen, ich komme sogleich. ich habe geld.
das versteh ich nicht.
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