Archive for April, 2008

LITERATUR ALS RADIOKUNST | Monika Rinck im ORF- Studio | Produktionsnotizen

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||| STARKE STIMME : MONIKA RINCK | CLOSE READING - CLOSE LISTENING | ÜBER : SETZUNGEN , STILLE | RICH TEXT & REAL AUDIO | REAL RADIO | KLANGAPPARAT

STARKE STIMME : MONIKA RINCK

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAus dem Vollen Schöpfen : Nicht oft trifft dies auf die Situation einer Radioproduktion zu , wo - so sagt man wohl - “einfach alle Komponenten passen” . Drei Tage lang “Arbeit am Text” , Einstimmen , Auslauten . Schnitt und Reprise , Cut und Takt , Stimm- Melodie nach Halbton . Monika Rinck bringt aus Berlin nicht nur einen dicht gewebten , in viele Sinnrichtungen spielenden und wortlüsternen Text mit nach Wien , sondern auch ihre wirkungssichere Stimme ; nicht umsonst ist die Dichterin ein Jahrzeht über Lesebühnen getourt , ehe sie ihr erstes Buch publizierte . Dazu ein Ohr , durchs Übersetzen auf Nuancen trainiert …. UND : Die für die konkrete Arbeit auf Sendezeit und im Klangraum unverzichtbare Fähigkeit , sich von Wörtern , Sätzen , ganzen Passagen für diesmal zu trennen . Ein reueloses Sich- Einlassen- Können auf einen beweglichen und undogmatischen Dialog mit den Technikern , dem aufgenommenen Klangmaterial und dessen elektroakustisch generierten Verfremdungen .

Da die Sendereihe “Literatur als Radiokunst” ( @ ORF- “Kunstradio” ) den Literaturschaffenden alle Möglichkeiten öffnen möchte , unter professionellen Studiobedingungen mit und an der stimmlichen Verwirklichung eines Textes zu arbeiten , darf man sich getrost für einmal von der bei Live- Lesungen unererlässlichen Linearität trennen . Mehrstimmigkeit- und Gleichzeitigkeit der personalen Performance sind in der liearen Echtzeit der “Dichter vor Publikum” nun mal nicht zu haben . Hier im Studio dahingegen entstehen Versionen , Variationen , Shout & Response in sukzessiven Aufnahmen . Welche dann , Sekunde für Sekunde , Ton um Ton , im Surround- Panorama gemeinsam mit Cutter und Tonmeister neu komponiert werden . |||

CLOSE READING - CLOSE LISTENING

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenMit Anton Reininger und Stefan Wirtitsch stehen diesmal gleich zwei kompetente Gentlemen bereit , “The Lady in Black and White” drei Tage lang zu begleiten . Und einen Text in Szene zu setzen , welcher vom Einstimmen , Abstimmen , Anstimmen und … Unstimmigkeiten handelt .

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” spielt mit Motiven von Sprechen und Verstehen , dem Übersetzen des Gemeinten in die gemeine ( communis ) Wirk- lichkeit des Worts … Können wir uns überhaupt irgendwie connecten ? - Vom psychoanalytischen Vielsinn zum vierfachen Schriftsinn des biblischen Worts bis zum alltäglichen Einander- Verpassen . Manifestiert in prekären Dialogen am Handy , wo sich Eine/r in vielen Worten verliert … und die Verbindung zum Gegenüber . An diesem APPARAT sowie an einem , im fernen Berner Oberland einsam bimmelnden Telephon konkretisiert sich tragikomisch die unerhörte Unerhörtheit eines Begehrens …. Erhören , Erlösung finden nicht statt .

Traumbildliche Poesie der disembodied voices im ( oder aus dem ) Radio- APPARAT :

Die Stimmen aus dem Radio waren Übertragungen offengelassener Handygespräche, aus denen ein Körper flugs emanieren und sich auch gleich ganz wohlfühlen konnte. ( … ) Ich sagte: “Sie wissen schon, dass Sie nur hier sind, weil jemand vergaß, ein Gespräch zu beenden? Die Schleuse ist dieses Küchenradio hier.” |||

ÜBER : SETZUNGEN , STILLE

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAufnahme , Neuaufnahme , Schnitt , Ersetzen : Kein Gespräch , welches ( wie jede Beziehung ) je wirklich ein Ende fände … Keine Übersetzung , welche je abgeschlossen wäre : Nicht umsonst hat Monika Rinck ihre Szenen der grotesken Vergeblichkeit zwischen drei englische ( ! ) Zitate des französischen Dichters Edmond Jabès gebettet . Und spontan deren deutsche Übertragungen ins Mikrophon gesprochen .

Beide Stimmen parallel gelegt , überraschen durch Einklang in Duktus und Rhythmus . Im Prozess dieses Anlegens von synchronen Spuren , im wiederholten Abhören dieser dualen Gleichzeitigkeit wird das “Zugleich” von Nähe und Differenz zwischen “Original” und “Übertragung” zum höchst sinnlichen Hörerlebnis : Als wäre Umarmung möglich , Vereinigung allerdings nie . Kein Zufall , dass die Jabès- Zitate allesamt das Moment der “Stille” dialektisch in den “Dialog” einschliessen . |||

RICH TEXT & REAL AUDIO

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenJa , und eben diese vergeblichen Umgarnungen , Bestrickungen am längst kabellosen Miniatur- Fernsprech- Gerät : Was in den planen Paraphrasen unseres Produktionsberichtes wie ein RICH TEXT FORMAT anmuten mag , gebärdet sich in REAL AUDIO absolut anmutig . Ein vazierendes Summen , das den Sprechtext umspielt , ein sich verdunkelndes rosa Rauschen … quicklebendig darin Monika Rincks Stimme , die sehr genau weiss , was sie da - und wie sie spricht .

Vielleicht darf ja manchmal der Ausdruck und die mediale Übetragung dessen glücken , was da handelt vom Ungenügen des Worts . Trivial gesagt , das alte Hofmannsthal’sche “Lord Chandos“- Paradoxon : Höchst beredt vom Fehlenden und den Fehlern der Rede zu sprechen .

O- Ton Monika Rinck :

Also.

Also, ich weiß nicht, da müssten Sie meinen Sprecher anrufen. Was sagt denn Ihr Sprecher? Rufen Sie ihn halt an.

Er sagt, dass Sie nicht zu sprechen sind. |||

REAL RADIO

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” wird zu hören sein - in Sendungseinheit mit Michael Hammerschmids Arbeit “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” - am Sonntag , den 1. Juni , ORF- “Kunstradio” . Stereo via Radio und in 5.1- Surround- Sound per OE1DD . To be announced soon and separately . |||

KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unserer gestrigen ( … darf man in diesem Kontext “Hommage” sagen ? … ) Hervorhebung der suggestiven Sounds , welche das russische Netlabel “electrosound” in schönem Unregelmass produziert , wollen wir heute eine träumerisch- psychedelische Trip- Hop- Variation czz hörempfehlungbetonen : Der Titel “Cocaine Ways” könnte in seiner selbstredenden Offensichtlichkeit allerdings zu Trugschlüssen führen . Tiefensatt gesetzte Beats in vexierenden Harmonien zielen auf depressiv gebrochene | intensivierte Lichter . Das alte Décadence- Motiv von der farbigen Glasscherbe , durch welche die Welt anzusehen wäre … Denis Borisov und Mikhail Gurov aka Abstracode bespielen das Genre , ohne in diesem zu versinken . Und das Ganze in voller EL PE - Länge : CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Slow Glow ( Intro ) | 02. 2 Days 2 Ways | 03. The Despair | 04. Finding a Doze | 05. Sniffing Cocaine | 06. Texturkki | 07. Endogenous Opiates | 08. Gradioz | 09. Sick Fantasy | 10. Eat My Dirt , Bitch ! | 11. Cemetry Of Dream | 12. Transitions | 13. The End Of Summer | 14. Detalkki | 15. Make Your Transition ( Outro ) |||

Textes Trouvés 5 : Frage der Perspektive

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||| Mag man’s als “STAbilität” verstehen : In der STAsis unseres begrenzten Blickfeldes mag uns Manches als “Sozialistisches Trauer Amt” , als “Solide Termin Auskunft” oder gar als “Statistical Token Analysis” anmuten …

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… mitunter genügt ein Schritt zurück , um weitere Einblicke zu erreichen .

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Und dabei brauchte es vielleicht nur eine Änderung der Blickrichtung oder des Standpunktes von seiten des Beobachters , um den einen oder den anderen Anblick hervorzurufen” , schrieb Sigmund Freud angesichts der in- und übereinandergestaffelten Ge- Schichten des Alten Rom , seinem realen Dreidimensional- Modell für die bizarren …

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… Raum- Installationen des Unbewussten . Bewusst streben wir lebenspraktisch allerdings eher nach Reduktion von Komplexität …

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… - selbst die in tiefst psychiologischer Wolle gewirkten Wiener kochen auch nur mit Wasser .

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Zufrieden also mit etwelch komfortabel erscheinenden Ansichten des IST- Zustandes ? - Nie und nimmer . ( Installationen - Gas - Wasser , 1020 Wien ) |||

KLANGAPPARAT

Lange damit gespart , weil’s einfach zu fein zur Schnellverfütterung war : Wir kommen in|ad|ae|qu|at ein weiteres Mal nicht um die Feststellung herum , dass aus dem czz hörempfehlungHerzen Russlands gut durchblutete musikalische ( Im ) Pulse verlauten : Originell und mit viel Spielwitz , ethno- analog und urban- digital : Alexander & Dmitry Soloviev aus Novosibirsk nennen sich praktischerweise “Siba” und liefern via bewährter “electrosound“- Direktverbindung köstlichstes Klangmaterial . Darüber hinaus eignet sich “Handless Clock” - man bedenke die längeren Autofahrten der anhebenden Ausflugssaison - allerschönst zum gemeinschaftlich vollzogenen Raten an melodischen Krypto- Zitaten . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01 . Born | 02. Burst | 03. Tik Tak | 04. Madam ! | 05. Angels | 06. Contact | 07. Joke | 08. Letit |||

“Buchlieblinge” nach österreichischer Art

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||| NIEDLICH BRUTAL | DIE KREATIVEN GEWINNER … | … UND DIE WIRTSCHAFTLICHEN | KLANGAPPARAT

NIEDLICH BRUTAL

icon buchlieblinge oesterreichAuch die österreichische Buchlandschaft zeigt sich - in der und für die Perspektive der “Heimatfront” - in jener besonderen Vermählung von “Gemütlichkeit und Brutalität” , wie sie Franz Schuh nicht müde wird zu benennen . Wo - ferne dem teutschen Feuilleton - dem eher lektürefernen österreichischen Volk “Literatur” nahe gebracht werden soll , müssen Publikumspreise schon so niedliche Namen tragen wie “Buchlieblinge” , um den totalen Schulterschluss der Marktgiganten zu kaschieren . An sämtlichen Linien fehlt es dabei keineswegs an Vorwürfen der “Verhaberung” , also der gegenseitigen Alimentierung unter gewissen Protagonisten innerhalb der ohnehin schmalen Population der Buch unter sich Ausmacher .

So wurden am Vorabend zum “Welttag des Buches” die Ergebnisse der als “Volkes Wahl” ausgegebenen “Buchlieblinge” vergeben . Organisiert vom Buchvermarkter Schwarzer in Kooperation mit der Österreichischen Wirtschaftskammer und dem neuerdings auf “Leserförderung” ausgerichteten “bm:ukk” ( Claudia Schmied ) die im Zeitraum vom 31. 1. bis 15. 3. 2008 angeblich abgegebenen 63.000 Stimmen für Lieblingsbücher , LieblingsautorInnen und LieblingsbuchhändlerInnen ausgewertet .

Ziel der zum dritten Mal ausgerichteten Aktion , laut Veranstalter :

Ziel des Wettbewerbes ist es, die Lieblingsbücher der jeweiligen Buch-Kategorien zu ermitteln. Als höchste Maxime gilt dabei, die TeilnehmerInnen in keiner Weise einzuschränken – weder durch vorgegebene Titel, noch durch Selektionen von Fachjurys, bestimmte Erscheinungszeiträume oder ähnliches. Gewählt werden soll, was gerne und damit auch viel gelesen wird. Prämiert werden somit letztendlich die Bücher, die AutorInnen und die Verlage, die Leselust vermitteln.
Teilnahmeberechtigt sind alle Österreicherinnen und Österreicher. Eine Stimmabgabe ist mittels Teilnahmeschein aus dem Buchliebling-Magazin möglich, durch eigene Teilnahmescheine, die Sie in den Partner-Buchhandlungen [ Error 404 , czz ] erhalten, oder über direktes Online-Voting auf Buchliebling.com . |||

DIE KREATIVEN GEWINNER …

icon buchlieblinge oesterreichAnd the winners are ( wie im vorigen Jahr relativ kurz und schmerzlos rapportiert - die Votings sprechen hinreichend für sich ) :

… UND DIE WIRTSCHAFTLICHEN

icon buchlieblinge oesterreich“Verlag des Jahres” : ecowin . Die Basics zu dem auf Sachbücher österreichischer Autoren spezialisierten Verlag finden sich auf Wikipedia , laut “Wirtschaftsblatt” ( Juni 2007 ) stieg das EGT “bei 1,64 Millionen Euro Umsatz ( plus 44 Prozent ) um 84 Prozent auf 281.600 Euro . Die Eigenkapitalquote des Zehn-Mann-Unternehmens beträgt 35,5 Prozent. Und das ohne einen Cent von der öffentlichen Hand … ”

Ueberreuter , der andere Big Player im Lande zählte Anfang 2007 mit Rang 78 zu den 100 grössten deutschen Verlagen . Umsatz 2006 : 15,1 Mio. Euro . Pichler , Teil der Styria Medien AG , rankte zum selben Zeitpunkt auf Platz 87 . Umsatz 2006 : 12 Mio. Euro . Allerdings inklusive eines Imperiums aus “8 Tageszeitungen , 16 Wochenzeitungen, 20 Magazinen, 16 Kundenmagazinen (MCA), 14 regionalen Magazinen, 28 Magazinen in Kroatien, Slowenien und Serbien ( Adria Media ), 2 Supplements, 11 Online Diensten, 3 Radio-Sendern, 3 TV-Sendern, sowie 8 Buchverlagen” ( Wiki ) .

Mit den Voten für die “Lieblingsbuchhandlung” ( Morawa Wollzeile , Wien ) sowie für den “Lieblingsbuchhändler” ( Bernhard Spießberger , Thalia Mariahilfer Stasse , Wien ) wurde den Klein- und Literaturbuchhandlungen eine ebenso deutliche Absage erteilt wie im Buchsektor den Klein- und Autorenverlagen . Aber erlaubt ist eben , was - werbebudgetmässig - gefällt .

Dass mit “Thalia” für den aggressivsten Aufkäufer von zentrumsnahen Privat- und Kleinbuchhandlungen ausgezeichnet wurde , mag nicht eben im Sinne der weitgehend klein- und mittelbetrieblich strukturierten Wirtschaft Österreichs sein …. “Morawa Buch und Medien” wurde vom “buchreport” im März 2008 als zehntgrösstes Unternehmen der Branche gerankt ( Haupthaus Wollzeile + 22 Filialen : 47, 6 Mio. Euro Umsatz 2006 ) , die “Thalia Holding GmbH” als Numero Eins ( 271 Verkaufsstellen , 801 Mio. Euro Umsatz 2007 , + 25 % ) . Solche “Buchlieb linge” lässt man sich gerne loben . |||

Edit 30. 4. : Weitere Genehmigung der Übernahme eines lokalen Sortimenters durch Thalia seitens des Kartellamtes . Diesmal Karlsruhe : Marktdaten versus gefühlte Konzentration . :|||

KLANGAPPARAT

Nach noch so viel Niedlichkeit benötigen wir in|ad|ae|qu|at eine musikalische Energiespritze der unLIEBlichen Art . Streetwise loben wir uns die czz hörempfehlungRauheit des Basic- Rap- Mixes “San Francisco On Blast” . Exklusiv serviert von dem in New York und SF angesiedelten Magazin XLR8R ( sprich : “accelerator” ) , gerührt und geschüttelt von der lokalen Redaktion höchstpersönlich als Teil Eins einer musikalischen Stadtportrait- Serie . Get the vibes und Nimm’ Kraft in den Tag . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST & LISTEN . |||

Salon Littéraire | Monika Rinck : UNBEWEGT , telefontext

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Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

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Salon Littéraire | Monika Rinck :

UNBEWEGT , telefontext

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UNBEWEGT_copyright_Monika_Rinck

unbewegt nahm ich seinen anruf entgegen. unbewegt hörte ich ihm zu. unbewegt legte ich auf. nicht nur dass ich am telefon völlig unbewegt war, ich blieb es auch danach. unbewegt öffnete ich den kühlschrank. unbewegt schloss ich das fenster. unbewegt verließ ich das haus.

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Monika Rinck

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Künstler- Bücher | Artist’s Books : Don’t touch !

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||| BLOOD ON PAPER | HANNE DARBOVEN | ANGELIKA KAUFMANN | DIETER ROTH | THE ABC IN 3D ( BOOK ) | HINWEISE

BLOOD ON PAPER

Zugegeben , es ist nicht masslos originell , wenn wir etwas Sicherheitsabstand zum Welttag des Buches einnehmen ( inklusive der für die Branchenumsätze des schwierigen Frühjahrsquartals nötigen Marketing- Maschinerie ) , doch kommen wir jetzt auf Bücher , welche leicht von den üblichen Usancen abweichen . Oder tonnenschwer . Wie sie die Kuratorin Elena Ochoa- Foster ( rightyrght : the very wife of super- star - architect Norman Foster ) zusammen Rowan Watson im Victoria and Albert Museum zu London zusammengestellt hat . Die Schau geizt nicht mit einem markabten Label : “Blood on Paper - the Art of the Book” ( 15. 4. bis 29. 6. )

blood on paper

Der ausgeschlafene Leser von in|ad|ae|qu|quat hat’s längst begriffen . worum es hier geht - wir können uns die einschlägigen Artilel im ART NEWSPAPER ect sparen : Es werden Künstlerbücher in heil’gen Hallen ausgestellt .

Dass diese nicht eben zum Lesen gemacht sind und - “don’t touch !” - schon gar nicht zum Berühren , versteht sich . Das Buch als Container von ursprünglich verbaler und handhabbarer Exzellenz wird im Kontext der markt- und versicherungs- wertigen bildenden Kunst und ihrer musealen Monstranzen zum Unberührbaren schlechthin . Lediglich ein Effekt der Fetischisierung von unikaler Kunstkunst gegenüber der technischen Reproduzierbarkeit von gedruckter Sprachkunst ?! - Wir lassen das dahin gestellt .

Von der Heimseite des V&A haben wir einige Beipiele samt Beipacktexkt heraus gelesen :

book Cai Guo-Qiang

  • Cai Guo-Qiang ( * 1957) : “Danger Book: Suicide Fireworks” 2008 - Volume of drawings made with flammable and adhesive substances, with gunpowder encased in each of the leaves.

( One of an edition of 9 unique works published by Ivory Press, London. Published by Ivory Press, 2006 , Private Collection , Photo © Tatsumi Masatoshi , Courtesy Ivory Press )

book Jean-Marc Bustamante

  • Jean-Marc Bustamante ( * 1952 ) : “Maisons pour Insomniaques , Rêves 1. 2. 3. 4. 5″ . By Mario Bellatin 2005

( Ptographs; printed text , published by Toluca Editions , Paris , Courtesy Antoine de Beaupré Collection , Paris © ADAGP , Paris and DACS , London 2008 )

books Sol LeWitt

  • Sol LeWitt (1928 - 2007) : “Geometric Figures & Color” , 1979

( Published d by H.N. Abrams , New York National Art Library , V&A , pressmark: 502.M.127 © ARS, NY and DACS, London 2008 )

books Antoni Tàpies

( Published by Erker-Presse , St Gallen , National Art Library , V&A , pressmark: 95.VV.4 © Succession Miro/ADAGP, Paris/ Foundation Antoni Tapies , Barcelone/VEGAP , Madrid and DACS , London 2008 )

books Eduardo Chillida

( Published by Editions Art-Concorde , Paris - Private collection of the publishers Edouard and Julien Weiss © Zabalaga-Leku , DACS , London , 2008 )

book Louise Bourgeois

( Published by Editions du Solstice , Paris - Courtesy Jean-Claude Meyer , Les Editions du Solstice © DACS, London/VAGA , New York 2008 ) |||

HANNE DARBOVEN

Zugegegben , wir sind noch nicht durch die V&A spaziert , doch fehlen uns doch eminente Buchkünslter von Weltrang . Wo zum Beispiel bleibt die grossartige Hanne Darboven , die in ihrem Lebenswerk Hunderte von Ausdrucksformen für die “Verbuchung” fand : In ihrer Festschreibung , Notierung , Abheftung und Einbindung immer schon eine höchst sinnliche Manifestation des irreversiblen Prozesses des Vergehens von Zeit . Eines ihrer faszinierendsten Werke ist und bleibt

  • “Ein Jahrhundert ” | “One Century” , 1971-75

book Hanne Darboven Ein Jahrhundert

“Ein Jahrhundert”, the summa of the working-through phase of Darboven’s calendrical calculations, consists of 365 binders that all together encompass all the days of the century (1.1.00 -> 31.12.99) as processed through Darboven’s Konstruktion system. Each month consists of 28 to 31 books, each book consisting of 100 pages except for February 29th which consists of 25 pages. The first volume contains all the January 1sts of the century, the second, all the January 2nds, etc., until the 365th, which contains all the December 31sts. Indices to the work comprise additional binders. ( Quelle)

  • Oder “Existence 66 - 88″

book Hanna Darboven diary

Darboven’s Existenz 66-88 (Existence 66-88), 1989, draws on 22 years of Darboven’s personal datebooks beginning in 1966 and concluding in 1988. 2,261 panels photographically reproduce the artist’s leatherbound appointment book one two-page spread per photo. Hastily jotted reminders and telephone numbers and the generic pages of maps, conversion tables, and lists of legal holidays common to datebooks are interwoven with references to major political and historic events. A stuffed pet goat named Mickey, one of many Darboven has had over the years, accompanies the piece.

Existenz 66-88 expands the category of calendrical forms used in Darboven’s work to include the datebook. An earlier piece, Hanne Darboven: Diary NYC, 1974, is likewise based on the diary or Tagebuch. Literary or poetic works are also mined for day-by-day or durational forms. The structure and content of “For J.P. Sartre,” a segment of the work A Month, A Year, A Century 1968-1974, 1974, is partly configured by reference to Sartre’s autobiography Les Mots (The Words) and commemorates his 70th birthday. The title and number of pages in Stundenbuch (Book of Hours), 1991, are taken from Rainer Marie Rilke’s book of poems of the same name. Rilke’s title came from the medieval Book of Hours or daily prayer book; Darboven’s borrowing thus makes reference to both the poetic and quotidian. ( Quelle)

Der Klarheit von “Ein Jahrhundert” wird - für im Grunde denselben kulturhistorischen Zeitraum” - ein Palimpsest gegebüber gestellt . Als dezidierte Konzeptkünstlerin hat sie sie Kunsttheoretikerin Isabelle Graw auch zu den internationalen “Ausnahmefrauen” gezählt” . |||

ANGELIKA KAUFMANN

Eine solche - zudem Buch- und Schriftkünstlerin par excellence - stellt zweiffelos auch die hier sowohl in englischer und deutscher Sprache vorgestellte Angelika Kaufmann dar . Vom Pinsel- Abtupf- Diarium bis zum “Chinesischen Blindband” bleiben Kaufanns hoch konzeptionelle Projekte stets eine Reflexin auf die Beziehungen zwischen den Medien von Buch , Papier und Schrift .

angelika kaufmann blindband

So zum Beispiel stellt Kaufmann ihre akribischen Kalligraphierung bestimmter Teile von Friederike Mayröckers Prosawerk in keiner Weise als Kunsthandwerk aus …. sondern sie verdichtet die semitransparenten Blätter bis zu deren schieren Vernichtigung , indem sie die Blätter zu kleinen Quadraten faltet , diese bis zur Erreichung der entsprechenden Seitenhöhe aufeinander legt und das Ganze in einem Plexisglaskubus versiegelt .

book Angelika Kaufmann Kubus |||

DIETER ROTH

Ein Weiterer , dessen Name schmerzlich fehlt in der V&A- Auflistung ist der mit extremen , vergänglichen und verrottenden Mateiralien expeirmentierende Dieter Roth . Angefangen habt er bei der klasiischen Typographie der konkreten poesie .

book Dieter Roth ideogramme 1959

  • “ideogramme” , 1959

Nach der Wort- und Satzzertrümmerung wandte sich Roth mehr und mehr dem Trägermedium , dem Material , kurz gesagt : dem sich geduldig prosituierenden Papier zu . Stanzblätter für Stanzmeinungen aus dem “Daily Mirror” :

book Dieter Roth daily mirror book 1961

  • “daily mirror book” ,1961

Bri- Collage zu den Stehsätzen des Boulevards :

book Dieter Roth Schneewittchen 1965

  • “Schneewittchen” , 1965

Bald schon erweiterte Roth seinen kritischen Umgang mit Texten per Abfüllung von z. B. Spiegel- Artikeln in Wursthäute . Verfeinert wurde die Methode bei Büchern , die Roth partout nicht ausstehen mochte , wie etwa bei Grass’ “Hundejahre” oder Martin Walsers “Halbzeit” . Hier wurde das Buch buchstäblich verwurstet , indem es - kleingehäckselt - mit einer traditionellen Speisewurst- Farce plus Gewürzen vermischt wurde undi in Därme abgefüllt .

book Dieter Roth Literturwurst Martin Walser HALBZEIT 1961

  • “Literturwurst Martin Walser HALBZEIT” , 1961

Gemessen an diesen aus Fluxus , Konzetpkunst und kritischer Material- Autopsie hervorgegangenen Buch- Werken wirken die britischen BLOOD- BOOKS doch reichlich ästhetisiert . Wobei wir Louise Bourgepis ausdrücklich ausnehmen wollen aus diesem “quite continental” Generalverdacht . |||

THE ABC IN 3D ( BOOK )

Statt eine KLANGAPPARATS gibt’s heute ein Video , welchses sich selbstredend ebenfalls mit der Buchkunst aufhält . Will meinen : Das Kunststück fertigbringt , das gesamte Alphabet Seite für Seite mittels mechanischer Pop- Ups darzustellen ( via information aesthetics ) . Soll’s wohl irgendwann auch im Handel geben . Man lasse blättern und - staune :

ABC3D

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HINWEISE :

  • Angelika Kaufmann - Arbeiten auf und mit Papier 2000 - 2006 | Works on and with Paper 2000 - 2006 , edition splitter2007
  • Die Informationen zu Dieter Roth verdanken wir der Retrospektive ROTH-ZEIT , 18. 10. 2003 - 11. 1. 2004 im Museum Ludwig Köln in Zusammenarbeit mit der Laurenz-Stiftung und dem Schaulager Basel . Ausstellungskonzeption : Theodora Vischer , Gary Garrels , Dr. Ulrich Wilmes
  • Isabelle Graw : Es kann nur Eine geben . Überlegungen zur Ausnahmefrau ( Sinn- Haft 11 , Zur Masse ) |||

Lesen und Lesen lassen

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||| I. FLUT UND PERLEN | II. MEDIEN , HANDVERLESEN | III. EUROZINE | IV. UMBLÄTTERER | V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE | VI. LESEZEICHEN | KLANGAPPARAT

I. FLUT UND PERLEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeMag sich die kulturpessimistische Rede über die “Informationsflut” ( die ~ unbewältigbare ) auf Buchmarkt , im Presse- und Journalwesen in stereotypem Kreislauf ereifern : Längst gibt es zahhlrecihe Rezensions- und Referatmagazine , wo fleissige Vorkoster ihres Amtes walten und praktikable Übersichten zu Feuilleton , Esayistik und allerlei Buchwerk anlegen . Allen voran hat der “Perlentaucher” bereits im Jahr 2000 die Eignung des WWW zur Präsentation von Résumées der Feuilletons der wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen entdeckt - lange bevor deren Inhalte jederzeit frei im Netz abzurufen waren .

Ein Team ausgeschlafener Vor- Leser war wochentags zu unbürgerlichen Zeiten zugange , um bis 9 Uhr früh die “Feuilletonrundschau” fertig zu stellen : pünktlich zum Frühstück des Zeitgenossen und Kulturmenschen . Eine “Bücherschau des Tages ” hatte bis 14 Uhr die wichtigsten Rezensionen assembliert , was - “steter Tropfen” usw. - zu einer mittlerweile unverzichtbaren Buchdatenbank mit 35.000 Einträgen führte . Deren eigentliche Qualität liegt indes weniger in dieser Breite , sondern vielmehr in der Tiefenperspektive : organisch gewachsen , entwickeln die “Substrate” der in den diversen Besprechungen zu einem einzelnen Titel publizierten Ansichten und Meinungen ihren “Mehrwert” erst in der synoptischen Zusammenschau . Womit tendenziell ein Apparat zur Vefügung stünde für eine “Kritik der Kritik” …

All dies ist - ebenso wie die wöchentliche “Magazinrundschau” und die mittlerweile hinzugekommenen Rubriken “Medienticker” und “Aus den Blogs ” - ebenso weidlich bekannt wie der Gerichtshändel mit FAZ & SZ , die in den Resumées - genauer : in deren Weiterverkauf an den Onlinebuchhändler Libri.de - eine unrechtmässig merkantile Ausschlachtung Verwertung fremden geistigen Eigentums sahen . Vorigen Dezember scheiterten die Zeitungen damit vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz .

Damit wurden Abstracts und Artikelzusammenfassungen bis auf Weiteres als eigenständige Werkschöpfung anerkannt . Für Feuilleton- und Watch- Blogger bedeutet dies einstweilen eine gute Nachricht , für die professionelle institutionelle Publizistik indes - so die FR in einem via “Börsenblatt online” konservierten Kommentar - einen “Flurschaden” : Instrumentiert durch das einstmalige Argument- Inventar wider den “Häppchenjournalismus” wird das journalistische Urheberrecht eingeklagt sowie - originelle Idee - eine Art finanzieller Rückvergütung von seiten des Zweitverwerters von Inhalten an deren Erstersteller gefordert :

Man interessiert sich für das Prospekt und nicht für die Ware, für das Testergebnis, nicht den Test. Im Schnelldurchlauf durchs Feuilleton wird die Urteilskraft, der Blick auf Argumente, Differenzen, Nuancen eingeebnet.
Auch wenn der Bundesgerichtshof das Frankfurter Urteil noch revidieren kann: den Zeitungen bleibt nichts anderes übrig, als sich auf ein Geschäft mit dem Internet einzulassen. Denn im Internet wird zu viel resümiert, abgeschrieben, geklaut. Da ist der Perlentaucher im Vergleich sogar eine Service-Adresse mit Qualität. Wäre der Austausch finanziell geregelt, dann könnte man die Kritiken ruhigen Gewissens vollständig lesen und sich ein Urteil bilden. |||

II. MEDIEN , HANDVERLESEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeBis auf Weiteres ( = mögliche Revision ) können also auch kleinere bzw. private Zeitschriften- und Feuilletonbeobachter sorglos ihrer Schau- und Analyselust fröhnen und auch Blogger ruhigen Blutes ihre Digests komponieren . Bahn frei also für Blogs wie “medienlese” , dessen Rubrik “6 vor 9″ dem “Perlentaucher” täglich um sechs Minuten mit Hinweisen auf bemerkenswerte Artikel der Tagespresse zuvorkommt . Darüber hinaus fasst man in den ausführlicheren Features diverse Presseerzeugnisse wie “BLICK” , “Österreich” oder Online- Spekulationsobjekte wie “zoomer” nicht eben mit Samthandschuhen an , zeigt sich allerdings auch bereit , etwas halbgaren Pulbikumsmagazinen wie der Zeitschrift “hörBücher” durchaus Wohlwollen entgegenzubringen . Dezent und stets lesenswert : Der schweizer “Medienspiegel” . Zum Beispiel mit Tipps , via Suchmaschinen und Torrents against all odds auf kostenpflichtige Zeitungsartikel zuzugreifen . Und wer unterzieht sich schon gerne der ewigen Log- In- Prozdur ?!

Für die “BILD” ist ohnehin das “BILDblog” zuständig , welches - wie das aufs kritische Korn genommene Brutal- Boulevard- Blatt - zu den meistgelesenen seiner Gattung zählt . Dies provoziert natürlich seinerseits Kritik …. und so druckt das Springer- Blatt “Die Welt” mit Gusto jene ( frei nach Thomas Bernhard formuliert ) “Erregung” nach , welcher der paradierende Provokateur Henryk M. Broder ursprünglich auf seinem Privatblog “Die Achse des Guten ” unverblümt vom Stapel gelassen hatte .

III. EUROZINE

czz presseschau presse amtsgericht stade Mit solchen Aufregern hält sich “Eurozine” , das gediegen auf Vielfalt bedachte “Magazin der Magazine” kaum auf : Entsprossen 1998 aus einem Netzwerk von ( mittlerweile 70 ) europäischen Kultur- , Literatur- und Denk- Zeitschriften , bietet “Eurozine” nicht nur ein laufend aktualisiertes Portal mit allerlei Lektüre- Verführungen ins Reich antipopulistischer Periodica , sondern bietet darüber hinaus die Möglichkeit , anregende Magazin- Digests oder ausgewählte Aufsätze mittels separaten RSS- Feeds zu abonnieren . Nichts da also …. mit Reissern, Räuberpistolen , Schnellschüssen oder Lifestyle- Kurzware : Hier ist die Nachhaltigkeit des Nachdenkens gefragt .

So erreichen uns John Clark’s Bemerkungen zur “Acting up“- Methode des “Allzeit- bereit”- Philosophen Slavoj Zizek aus dem britischen “The Humanist” . Für die slowenische Szene erschliesst sich der Artikel unter dem Titel “Ali nas varietejski filozof vlece za nos ?” . - Womöglich ist ja auch das Englische nicht Jedermanns Sache : Folglich ist es Martin Halas Darstellung des chiesischen Medienwandels sowohl im englisch in der Zeitschfit “Transit” abgedruckten Original als auch in der deutschen Fassung “Von der Wandzeitung zum Blog : Meinungs- und Gedankenfreiheit in China heute ” zu lesen .

Umgekehrt erschliessen sich deutschsprachige An- und Aufsätze in Form englischer Übersetzungen dem internationalem Interesse : Von Jürgen Habermas’ “Die Dialektik der Säkularisierung” (”The dialectic of secularization” ) aus dem “Blättern für deutsche und internationale Politik” ) bis hin zu selbständigen Beiträgen von Eurozine- Redakteuren wie Simon Garnett , der sich vergleichend mit den Reaktionen des deutschen Feuiletons auf aktuelle Gewaltakte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einerseits und anderseits mit der RAF- Debatte befasst ( “Citizen Victim - The migrant youth , the RAF terrorist , and the German feuilletons ” ) .

Die neuen Ausgaben der assoziierten Zeitschriften werden regelmässig präsentiert - und dies selbst bei Offline- Magazinen mit vollständigen Inhaltslisten . Solcherart ist über die Jahre ein exquisites Archiv gewachsen , welches Topics , Themen und Theorien aus Zeitschriften von A wie “A Prior Magazine” ( Belgien ) , “Akadeemia” ( Estland ) , “Arche” ( Weissrussland ) , “Artistas Unidos Revista” ( Portugal ) bis Z wie “Zeszyty Literackie” ( Polen ) . Klassiker wie “du” [ hmmm : die letzte indizirte Nummer datiert mit 12 | 2007 : ein Votum gegen Walter Kellers neue Ägide ?! ] , “Merkur” , “Mittelweg 36” , “osteuropa” und “Wespennest” inklusive . Finanziert wird dieses für den User kostenfreie Angebot von europäischen und staatlichen Institutionen sowie von Sponsoren aus der Privatwirtschaft … |||

IV. UMBLÄTTERER

czz presseschau presse amtsgericht stadeAus der Not des physischen Armausrenkens bei der vergleichenden Lektüre jener grossformatigen Papier- Erzeugnisse , hinter welchen die klugen Köpfe stecken , hat ein Leipziger Fähnlein Feuilleton- Fachleser eine deklarierte Tugend gemacht : Dem literarischen , kritischen und essayistischen Ausfältelungen des Feuilletons , seinen Höhen und Niederungen gleicherweise lustvoll zugewandt wie assortierten Regionen der Popkultur , ist es dem Blog “Der Umbätterer” innert weniger Jahre gelungen , singuläre Features zu entwickeln : So etwa wurde die “Best of Feuilleton”- Jahresabrechnung 2005 von satt.org auf den “UBL” übersiedelt und gewährt nichts Weniger als einen amüsanten Rückblick auf die jeweils herrschenden Zeit- ( Un- ) Geister verflossener Jahre .

Nicht Wenige unter den habituellen Feuilleton- Selbstlesern werden sich angesichts dieser Listen mit “mémoires involontaires” konfrontiert sehen : So können wir uns in|ad|ae|qu|at noch bestens erinnern an den UBL- Favoriten 2005 : Stephan Maus : “Beim nächsten Glas wird alles besser – Leider kein wirklich anonymer Alkoholiker” ( über Augusten Burroughs “Trocken !” , SZ , 8. 4. 2005 ). Die “Best of 2006” erinnern u. a. an Hubert Winkels’ treffliche Kategorisierung der Fronten im Streit um Volker Weidermanns “Lichtjahre” in “Emphatiker und Gnostiker” ( ZEIT , 30. 3. 2006 ) . Auch die Cuvée 2007 wartet mit einem schlagwortprägenden Klassiker auf : Henning Sussebach : “Bionade- Biedermeier” ( ZEITmagazin LEBEN , 8. 11. 2007 ) .

Mit der Einführung eines “Sonntagstauchers” - einer ässerst genüsslichen Sonntagspresseschau - ist den “Umblätterern” ein bislang unbesetztes Okkupatonsgebiet aufgefallen und ein veritabler Coup gelungen . Für diese privat engagierten Vor- Lese- Leistungen wurde das Mikromedium kürzlich im “Börsenblatt” ( Printausgabe 14 | 2008 ) ausdrücklich gewürdigt ( und noch VOR den spät auf das Genre aufgesprungenen FAZ- “Reading Room” gestellt ) :

Auch “Der Umblätterer” ist ein Non-Profit- Unternehmen. Gestartet wurde das literarische Themen- Blog im Mai 2007 von sieben jungen Feuilleton- Afficionados, die es nach dem Studium an der Leipziger Universität in alle Himmelsrichtungen verstreute. Nach dem Vorbild moralischer Wochenschriften des 18.Jahrhunderts beschäftigt sich das selbst ernannte “Consortium Feuilletonorum Insaniaeque” unter seinem Wappentier, dem Maulwurf, vor allem mit den Feuilletons und Kulturseiten der meinungsbildenden Zeitungen und Magazine, aber auch mit Online- Medien, Filmen und amerikanischen TV-Serien [ ... ] . “Wir lieben das Medium”, sagt Frank Fischer, der für das Berliner Online- Magazin satt.org schon 2005 und 2006 eine Feuilleton- “Best-of”- Liste kompilierte und unter dem Pseudonym Paco so etwas wie der Spiritus Rector des “Umblätterers” ist. “Wir halten das deutschsprachige Feuilleton für eine Errungenschaft, die auf der Welt ziemlich einmalig dasteht und wollen seine Grenzen ausloten.” Für Fischer und seine Freunde heißt das vor allem: Meinungsfreudigkeit und exemplarisches Ausschreiten noch ungenutzter Möglichkeiten des Netzes. Während die manischen Freizeit- Leser mit Versuchsballons wie einem “Spiegel”- oder “Sonntagstaucher” ( frech kommentierte Zusammenfassungen des ab Samstagabend als E-Paper zugänglichen “Spiegels” oder von ausgewählten Sonntagsblättern ) den etablierten Kollegen vom “Perlentaucher” womöglich künftige Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen, ist die englische Synopsis von Matusseks “Kulturtipp”- Blog eher etwas für Hardcore- Fans.
Sind die Umblätterer Kulturwissenschaftler mit zu viel Zeit ? “Ein gewisser Hang zum Wahnsinn spielt bei uns schon rein”, gibt Frank Fischer zu. “Aber gerade das Feuilleton ist ja ein Medium, in dem dieser Wahnsinn Platz hat”. Kommentare aus der Blogosphäre sind selten – dafür gibt es häufiger freundliches Feedback aus den Redaktionsstuben in Hamburg, Frankfurt und München: Solche Leser wünscht man sich.

Bei allem Respekt vor den Bemühungen des Buchhändler- Branchenblattes , seine Klientel über Kosmos und Genre des “Blog” empfehlend zu belehren , sind die kleinen Indizien eines kategorialen “Kannitverstan” unschwer zu übersehen : Die Frage nach dem “Zuviel” an Zeit , welche noch dazu auf die nicht remunerierte Arbeit des Bloggens verwendet wird , mag ebenso von einer gewissen Befremdung zeugen wie die Bezeichnung von Matusseks Video- Manifestationen als “Blog” . Wo doch sogar Wikipedia weiss :

Seit dem 16. Oktober 2006 veröffentlich Matussek wöchentlich ein Vlog namens Matusseks Kulturtipp auf Spiegel Online.

Na , egal . Das Lob bleibt dessenungeachtet würdig und recht . Trotzdem können wir es uns in|ad|ae|qu|at nicht verkneifen , auf einen unserer “UBL”- Favoriten der jüngeren Zeit hinzuweisen : “Walsers Propaganda- Krawatte ” . |||

V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE

czz presseschau presse amtsgericht stadeZugegeben : Unser Hang zum Enzklopädischen kollidiert mit der nicht minder ausgeprägten Liebe zu Einzelheiten . Weshalb wir - um die Sendezeit nicht hoffnungslos zu überziehen - im folgenden noch einige der veröffentlichenden Vor- Lesenden so kurz wie freundlich streifen : Unter den literarischen Lese- Chronisten zählt “Bonaventua” ( “Lektüren eines Nachtwächters” ) fraglos zu den Inspiriertesten , scheint überdies aus einem geradezu enzyklopädischen Wissen zu schöpfen , so dass der Kommentator sich etwa auch eines in Belletristik verpackten Schachproblems elegant annehmen kann : Unzeitgemäss im besten Sinn !

Zeitgeistiger verhält sich da schon die “Lesemaschine” , schon wortwörtlich kenntlich als Ableger der notorischen “Riesenmaschine” . Autoren wie Jochen Schmidt ( der sein Proust- Blog- Chronik “Schmidt liest Proust” kürzlich abschloss und bei Voland & Quist demnächst als Echtbuch herausbringt ) berichten von ihren Lektüren , genauer gesagt : von den jeweils per Seitenziffern indizierten Tagespensen . Was soviel bedeutet , dass der Blog- Leser seine eigenen Lektüren hinsichtlich Gegenstand und Tempo dem Vor- Lesenden angleichen könnte und die jeweiligen Eindrücke ver- bzw. abgleichen . Erinnert uns im Übrigen stark an die “reading assignments” der US- Colleges ( tja , das waren 150 Seiten mindestens pro Tag ) : Heutzutage würden wir den tatsächlichen Vollzug der Studi- Lektüren via Blog oder Online- Forum überprüfen …

Beispiele aus der “Lesemaschine” : Jochen Schmidt liest : Liebe als Passion ( Niklas Luhmann ) , André Fromme liest : Esra ( Maxim Biller ) , Sascha Lobo liest : Der ewige Spiesser ( Ödön von Horvath ) , Kathrin Passig liest …. natürlich auch und weitere unvermeidliche Feuchtgebiete . |||

VI. LESEZEICHEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeNet- Mags , Foren oder Gemeinschaftsblogs : Auch Primärliteratur liest bzw. legt sich online vor . Freilich mit enormen Qualitätsunterschieden . Die man diplomatischer auch als solche des “literarischen Geschmacks” bezeichnen könnte . Mit dem “Forum der 13” , “der goldene fisch” , “lyrikline” , “poetenladen” oder - werbeästhetisch von Don Dahlmann verpackt - @ “mindestens haltbar” . Die “shortlist” verzeichnet mitunter unter ihren culture cuts sogar kastrationsangstfrei lesende männer und der behutsame Blütenleser figuriert ( in Kooperation mit “Perlentaucher”- “Medienticker” und “Titel“- Magazin ) mit Hörspiel- , TV- und Buchhinweisen seit Kurzem auch in Form eines Blog namens “Lesewoche” : Chapeau zur trefflichen Empfehlung von Silvia Bovenschen’schens hintersinnig komponierten Erzählkreis “Verschwunden” -

Das Literaturblog- Kombinat “litblogs.net” wurde als eine der in|ad|ae|qu|aten Herbergen bereits vorgestellt , NEU ist ein vierteljährlich erscheinendes Digest , welches als “Lesezeichen” direkt aufrufbar und ergo selbstverständlich auch via RSS abonnierbar ist . Hier führt freilich kein Redakteur die strenge Schere , sondern ein Jedes gibt , was ihm als zeichenweise tauglich dünkt .

Edit : Mittels Lotrees Kommentar nähern wir uns dem Sinn einer solchen Kompilation auf’s Erfreulichste an , welcher da wohl lauten könnte : “Wahlverwandte bitte melden !” - Also voilà : “Lottrees Journal . Leben . Schreiben . Lesen .” Literaturnachrichten aus eher näher denn fern , Gerüchte , Preise und allerlei Hinweise . P. s. : Auch über “Schriftsteller heute” lässt sich dann & wann twittern . “Chaqu’un … ” , halten’s wir’s mit der der Strauss’schen “Fledermaus” , ” … à son goût !” - |||

KLANGAPPARAT

Ist es der launische April oder was treibt die Netlabels derzeit an , so viel in den Wind Gespieltes zu lancieren ?! - Wenig Intensitäten , kaum czz hörempfehlungCharakterbeats . Da stossen wir , just bevor wir den Mut endgültig sinken lassen , auf ein interessant instrumentiertes kleines Stück aus dem Hause auflegware . Als “Trip around Midnight” tituliert , spielt sich Tosol (aka Marc Sims ) immerhin so lange mit seinen Midis , bis Apartes herausklingt . Den billigen “clap- hands” überhören wir geflissentlich , ermuntern uns trotzdem am Pitchen und Synkopieren . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Rent a Trend | 02. Format 2000 | 03. Before I get Drugs *Fluff Edit* | 04. Better Bass | 05. Init Score |||

BLOG 4 BURMA : Land in Angst

Technorati , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

||| I. IM SCHATTEN | II. VOTE “NO” oder “NO VOTE” ? | III. TEURER “TOTSCHLÄGER” der KONSTITUTION - DIGESTS IM SAMIZDAT | IV. GENERALAMNESTIE FÜR DIE GENERÄLE | V. KRITIKVERBOT , LIST UND TRICKS | VI. STRATEGIEN DER EINSCHÜCHTERUNG | VII. WIE WEITER ? | VIII. BLOG 4 BURMA | LINKS

Der Countdown läuft : 19 Tage vor dem so genannten “Referendum” über eine so genannte “Verfassung” , welche den Weg ebnen die Grenzen abstecken soll für die ersten “demokratischen” Wahlen seit 1990 . Und da ja allgemein bekannt ist , was nach dem damaligen Sieg der National “League for Democracy” ( NLD ) geschah … Honni soit qui mal y pense ! |||

I. IM SCHATTEN

czz blog4burma inadaequatDessenungeachtet scheint Burma weiter aus dem “Bewusstsein” der sogenannten “Weltöffentlichkeit” gerückt denn je . Das von Grabenkämpfen der gegeneinander aufgehetzen Ethnien , meuchelnden Freischärlern und den in allen Lebensbereichen gegenwärtigen Schikanen und Drohungen seitens des militärischen Machblocks terrorisierte 53- Millionen- Land wird während dieser hoch heiklen Periode von den pittoreken Tibet- Bildern und dem allseiteitg chinesisch- olympischen Dilemma in den Schatten gestellt : Sehr zum Wohle einer weitgehend ungestörten Terrorisierung von Bevölkerung und Opposition durch die Schergen des maximo líder Than Shwe . |||

II. VOTE “NO” oder “NO VOTE” ?

vote NO burmese 04

Sämtliche Oppostionsbewegeungen - von den 8888- Studenten bis hin zu den durch die Konfrontationen im September 2007 Politisierten - haben einen Monat vor der Verfassungsabstimmung ihrerseits die Proapganda für ein “Vote NO” aufgnenommen . Im Unterschied zu einem “no voting ” - der Wahlenthaltung - will man möglichst viele Menschen zum manifesten Neinsagen bewegen . Trotz des weitläufigen , teils rural , teils industriell strukturierten Alltags der verschiedenen ( auch sprachlich höchst diversen ! ) Ethnien besteht immerhin eine relaitv hohe Alphabetisierungsrate von etwa 83 % . Neben zahlreichen Guerilla- Aktionen mit Flyern , T- Shirts , Grafitti und Twitter- Solidaritätsadressen soll vor allem die Verbreitung der nicht weniger als 194 Seiten starken Verfassungsbroschüre der Aufklärung dienen . Einem Ansinnen , welches durchaus auch im Sinne der Regierung ist … |||

III. TEURER “TOTSCHLÄGER” der KONSTITUTION - DIGESTS IM SAMIZDAT

vote NO burmese 03Dass dieser solo vom Machtblock und ohne Beiziehung demokratischer ( will meinen : oppositioneller oder auch nur “volksvertretender” ) Instanzen , erstellte und am 10. 4. herausgegebene Wälzer mit einem Verkaufspreis von USD 1.- ( = derzeit 1.100 Kyat , März 2008 ) den Bürger nicht eben billig zu stehen kommt , spricht nicht eben für den Aufklärungswillen der Machthaber : Nach Angaben eines von der “Wiener Zeitung” im September 2007 zitierten Diplomaten beträgt das Pro- Kopf- Einkommen pro Jahr nicht mehr als 120 Euro .

Die Opposition ist daher bemüht , billige Samizdat- Ausgaben des Kompendiums herzustellen - mit besonderem Fokus freilich auf die problematischen “Stellen” : etwa der a priori- Machterhaltung des Militärs ( ein Viertel der Parlamentssitze garantiert , Präsident mit obligatorischem militärischem Hintergrund ) . Den Fass den berühmten Boden schlägt freilich jene Klausel aus , welche den Angehörigen der bisherigen Militärjunta eine Generalamnestie für die seit 1990 verübten Verbrechen garantiert . |||

IV. GENERALAMNESTIE FÜR DIE GENERÄLE

Wie Time und Mizzima gleichlautend berichten , haben es die Diktatoren an Selbstvorsorge nicht fehlen lassen :

The junta, in Chapter 14 of its draft constitution, provides immunity to all military officials from being tried and prosecuted ( ….) . Article 445 of the junta’s draft constitution states that, “No legal action shall be taken against those ( either individuals or groups who are members of SLORC and SPDC ) who officially carried out their duties according to their responsibilities.” ( Mizzima )

Zur Erinnerung :

V. KRITIKVERBOT , LIST UND TRICKS

vote NO burmese 02Kritik an am Konstitutionsentwurf kann mit bis zu 20 Jahren Kerkerhaft bestraft werden , jeder Zweifel am Referendum mit bis zu drei Jahren , weiss der New Stateman und formuliert nicht als einziges Organ die bange Frage , wie unter solchen Umständen überhaupt so etwas wie “freie Abstimmung” möglich sei : “the draft constitution has been denounced by critics as a ruse to consolidate the junta’s power. The rejection of an UN offer to send international monitors has only heightened these suspicions” .

Mit dem Wort der “ruse” | ( Kriegs-) “List” spricht das Blatt genau jene lange Liste der “deceptions” an , welche der BURMA DIGEST vor einigen Tagen akribisch aufzählte . Wir zitieren in|ad|ae|qu|at aus dem Original um nicht in verzerrendes Paraphrasieren zu geraten , gestatten uns allenfalls die Freiheit von Hervorhebungen und Auslassungen :

  • The Referendum Law for the approval of the draft constitution of the Republic of the Union of Myanmar 2008 is full of tricks letting the regime to do as it wishes.
  • The Law carries a three- year prison term and with or without a fine of 100.000 Kyat ( $ 90 ) for anyone who is charged against referendum. (take as campaign for NO vote )
  • The Law does not set the timing when to release the vote results . ( Notice the election in Zimbabwe. )
  • The interpretation of the Law for postponement and cancellation of voting is in the hands of the junta.
  • Decree 5/96 of 7-6-1996 can punish criticism of the regime’s roadmap with minimum 5 years and maximum up to 20 years in prison, the organization can be disqualified and properties can be seized.
  • The USDA is assigned to overwhelm the referendum process as the commission and poll officials are from USDA which enjoys all extra-judicial privileges. [ = Union Solidarity and Development Association ( USDA ) , regierungsnahe Organisation ohne Parteienstatus unter Vorsitz des Generalissimus Than Shwe , czz )
  • [ ... ]
  • The draft constitution was made public only one month ahead of the referendum so that the people have less time to study and the political parties will not have enough time to educate the voters.
  • Only Burmese version of draft constitution was published while most of the ethnic peoples do not read or speak Burmese .
  • Government-run TV, radio, newspapers, blog- sites carry YES vote propaganda while NLD is being intimidated, members arrested, beaten by unknown peoples, and printed materials are seized .
  • Artists, film stars, singers and celebrities are exploited for YES vote campaign
  • Government employees are instructed to vote for YES and they are threatened they would be fired if voted for NO.
  • Highest ranking SPDC authorities, ministers, commanders, USDA officials pay visits around the country and urge the people to vote for YES. [ SPDC = State Peace and Development Council , vulgo : Die Regierung , czz ]
  • The unknown huge amount of State fund is misused to lure the people with economic incentives , mobile phone, loans and etc.
  • The village heads are ordered by military officials for YES vote campaign .
  • Neither domestic nor international observers will be allowed to monitor the referendum and UN’s offer for technical assistance was turned down. [ ... ]
  • In 1990 election, the voters have to press a seal beside the candidate’s name or party logo. In this referendum it has to tick ü for YES vote and û for NO vote. In Burmese culture û means negative or pessimistic.
  • It is one polling station for 1.000 to 3.000 voters and the soldiers whose polling stations are at the respective army quarters are afraid to cast NO vote.
  • The referendum will be successful if 50% + 1 voters cast the voting.
  • The result of referendum will be decided by simple majority i.e. ( 50% + 1 ) votes.

Von den Repressalien , denen Militärangehörge und zivile Staatsbeamten ausgesetzt sind , haben wir in unserem vorletzten Rapport ( Abschnitt V. ) bereits berichtet . Als sichere “JA”- Sager kann die Regierung darüber hinaus folgende Bevölkerungsgruppen für sich verbuchen :

  • die illiterate bzw. und teilaphabetisierte Landbevörkerung
  • nicht burmesisch- sprachige Volksgruppen ( merke : es handelt sich hier nach Dr. Kausen um insgesamt 97 Sprachen aus 6 Sprachfamilien und der Text der Verfassung liegt bis anhin nur in der offiiellen Staatssprache vor ! )
  • Ausländer mit temporärer Aufenthaltsbewilligeurng und entsprechender ID
  • Delegierte des Nationalkongresses usw.

In einem anderen Artikel ist diie Rede vom integralen Einsatz pensionierter Militärs , um mit ihrer “überzeugungsarbeit” bis in die hintersten Winkel des Landes vorzudringen , Prämien bis zu USD 45.- ( 50.000 Kyat ) mögen ein “postives” Wahlverahlten der Beamtenschaft versüssen . Verschöwrungstheorien machen die Runde : “No doubt, the military regime is now already prepared enough to clone NO into YES .” |||

VI. STRATEGIEN DER EINSCHÜCHTERUNG

vote NO burmese 01Hatte Tom Casey , Sprecher des US- Aussenamtes , bereits Ende Februar vor einem “climate of fear and intimidation leading up to the May constitutional referendum” gewarnt und auf die die Notwendigkeit eines “comprehensive , long-term monitoring by independent domestic and international observers” hingewiesen , bleiben Beobachter aller Länder konsequent ausgesperrt . Laut AFP wurde das Personal der ausländischen Konsulate und Botschaften vom Regierungsblatt “New Light of Myanmar” ausdrücklich angewiesen , unter keinen Umständen Aung San Suu Kyi’s “National League for Democracy ” ( NLD ) zu unterstützen . Eine weitere AFP- Meldung spricht kurzerhand von einem wachsenden “climate of fear ” .

Aus dem Teilstaat Shan wird von der Repression ganzer Siedlungen zugunsten eines “YES” berichtet , desgleichen aus Rakhine ( Arakan ) .

Erst vor wenigen Tagen wurden ca. zwei Dutzend Demokratie- Aktivisten festgenommen . Darunter der junge Myo Nyunt , ein NLD - Helfer Aung San Suu Kyis , unter dem fadenscheinigem Vorwand , die Nächtigung bei der ausserhalb wohnenden Grossmutter nicht gemeldet zu haben : 15 Tage Gefängnis sind ihm für diese Verwaltungsübertretung sicher. Einige 20 zu einer friedlichen Protestkundgebung anlässliche des Burmesischen Neujahrsfestes im nordöstlichen Sittwe versammelte Aktivisten wurden ebenfalls einkassiert . Sie trugen allesamt das notorische , mit einem grossen “NO” bedruckte T- Shirt .

Ein simples “NO” - angebracht an einem improvisierten Trinkwasserstand vor dem Haus des NLD- Mitglieds Ko Tin Win - rief am 12. April einen Schlägertrupp auf den Plan . Die Beschwerde bei der örtlichen Polizei führte drei Tage später zur Verhaftung - nicht etwa der Schläger , sondern des Opfers . Gründe für die Festnahme wurden , so die DVB , keine angegeben .

Wiederum zwei Tage später , am 17. 4. , wurde Burmas prominenter Rapper , der 30jährige Yan Yan Chan ( @ YouTube ) im Haus eines Freunde in Monywa attestiert . Yan Yan Chan wurde bereits seit der Inhaftierung seines Band- Kollegen Zeyar Thaw ( aka ) Kyaw Kyaw im Februar permanent observiert . Zeyar Thaw befindet sich im berüchtigten Insein- Gefängnis von Rangoon . Vom Verbleib Yan Yan Chans ist derzeit nichts Weiteres bekannt . ( Mizzima ) |||

VII. WIE WEITER ?

Burma Democratic Diagram 3 mini

Freilich herrscht kein Mangel an internationalen Rufen nach westlichen Wahlbeobachtern : George Bush and Gordon Brown , Paulo Sergio Pinheiro … weitere Engagierte werden mit dementsprechenden Stimmen nicht geizen .

Einen wirklich interessanten Ansatz haben Akademiker aus Havard , Yale , Georgetown u. a. in Zusammenarbeit mit der UN und Betroffenen auf Intitiative der “1988-Generation Students of Burma” in Form eines “Burma Democratic Diagram” ( nun schon in 3. Fassung ) ausgearbeitet .

Die Riesengraphik , die sich als pdf HIER downloaden lässt , versteht sich als kollektiv durchgeführtes Planspiel vielen denkbaren Zulunftsszenarien . Wir können hier freilich nur einen Teil abbilden .

Burma Democratic Diagram 3 maxi click to XL

Diskussionsteilnahme in Form konstruktiver Kommentare ist ausdrücklich erwünscht . Auch Volunteers für die Übersetzung in die Burmesische Sprache(n) mögen sich an die folgende E- Mail- Adresse wenden : urmanow@gmail.com . |||

VIII. BLOG 4 BURMA

czz blog4burma inadaequatDie jüngste Nachricht von den gegen acht Uhr Abends ( Ortszeit ) in Rangoon hochgegangenen Bomben liefert adaequat . Dies ist nur ein weiterer Schlag nach einer Serie von Bränden , die innert der vergagenen Wochen zB. in Einkaufzentren gewütet hat . Mit seiner Empfehlung der Burmesischen Rapper MFG ( Myanmar Future Generations ) gibt Olivier einen ambivalenten Kommentar zur   oben wähnten Inhaftierung der beiden “Acid”- Rapper . Gerade enzyklopädisch erklären die romanischen Korrespondentinnen des Netzwerks BLOG 4 BURMA manche offen gebliebenen Sach- und Fachfragen : Birmania libre illustriert Thingyan , das Burmesische Neujahrs- und Wasserfest ( eine Art Frühlingsritus wie unser Ostern ) , Kathy macht uns mit dem buddhistischen Begriff “dukkha” bekannt , der auf Pali in etwa “Souffrance” bzw. “insatisfaction” bedeutet und nach Ansicht der Autorin die Lage im Lande treffend charakterisiert . - Dass man erst aus gewissem ( räumlichen ) Abstand zu seiner vormaligen Existenz ein realistisches Bild von sich selbst gewinnen kann , illustriert der bei Birma news united vorgeführte burmesische Exil- Künstler - ein Elefant . Ob das via YouTube um die Welt gejagte Tier sich wohl auch als “Netz- Aktivist” versteht ?! - Wie unser RSS- Feed erweist , konzentriert sich das Netzwerk BLOG 4 BURMA seit November 2007 eher auf die ruhige Recherche von Hintergründen . - Dass bei der Fülle von Material mitunter auch Fehler unterlaufen , versteht sich . Siehe oben : “Ein Schuft , der Böses …|||

LINKS

II.

III.