Unter Kulturhunden | Hundekultur

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ZURÜCKHALTUNG

“Der eigene Hund macht keinen Lärm , er bellt nur .” ( Kurt Tucholsky ) Umgekehrt verhält es sich mit unserem Magazin , dessen online einsehbare Leserkommentare – wie zu sehen ist – sich in noblen Grenzen halten . Resultat der auch an anderer Stelle mehrmals debattierten endemischen Schweigens unter Bloglesern ? – Oder Effekt der eventuell abschreckend solipsistischen Tendenzen des in|ad|ae|qu|aten Stils ?

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ZUSENDUNG

Interessanterweise quillt dahingegen der Email- Briefkasten parallel dazu über : So hat der Hinweis auf das im Mai übers niederösterreichische cross country ( sowie durch Funk und Presse ) ziehende Projekt der TRACKER DOGS ungewöhnlich viele Reaktionen gezeitigt . Wie anlässlich der Grimme- Online- Kandidaten festgestellt : “Kinder und Tiere wirken immer” .

Dieser spontanen Wirkung verdanken wir eine sympathisch canide Zusendung , welcher wir nur allzugerne den Paradeplatz des heutigen Tages einräumen : Wordfisher hat uns seinen “Kulturhund” übermittelt – gerade rechtzeitung zur Zumutung der Lektüre feuilletoner Wochenendbeilagen . Neidvoll präsentieren wir hiermit “Oskar” , den die Kulturseiten der “Süddeutschen” sichtlich ermüdet haben . (  Der Setzer meldet sich an dieser Stelle frech zu Wort und würde – aufgrund der Schrifttype im Bild – doch eher die FAZ nahelegen . )

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( “Kulturhund” , by courtesy of Wordfisher )

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ZUKUNFT

Da ist deutlich ein neuer William Wegman am Werden !

www_wegmanworld_com_copyright_William_Wegman

( Click to XL , source : wegmanworld.com )

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ZUWIDER

So einen Lesehund pflegten wir gerne , auf dass er journalistische Grubenhunde oder erfreulichere Beute fände . Aber ach : Wien , wo mit rund 50.000 offiziell Gemeldeten 8,333 ( periodisch ) Prozent von Österreichs 600.000 Hunden lebt , zeigt sich in vielen Be- Schilderungen demgegenüber recht advers .

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( Edeltisch- und Küchenausstatter , Wien )

Dies wird dem Stadtgeher schnell verständlich , wenn ihm an sicherem Tritt sowie an der Intaktheit des gediegenen Schuhwerks gelegen ist . Man muss sich wundern , dass sich die österreichische Forschung nicht längst mit der Produktion einer genetisch manipulierten Species des defäkarionsfreien Haushundes beschäftigt .

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( Museumsquartier , Wien )

Inzwischen sublimieren wir dekorativ , lassen die “pets” unserer Lieben in Öl , à la Tiffany oder im Warhol- Stl von spezialisierten Kunsthandwerkern ( “satisfaction guaranteed” ) verewigen , holen indes unsere alten Stooges- LP aus dem Schrank und befördern das bissige Liedgut des frühen Iggy Pop ins Hörbare : “I wanna be your Dog” ( ursprünglich auf dem Debüt “The Stooges” 1969 – hier : live 1979 + live 2004 @ YouTube – man beachte beiläufig … Iggys beachtliches body- redesign ) .

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ZITAT : ZU GRUNDE

Unvermeidlich stellt sich – auditiv getriggert – prompt eine “mémoire involontaire” aus der literarischen Moderne ein : Das letzte Kapitel von Franz KafkasProces” verabschiedet jede ( anarchische , liebliche , ästhetische ) Verklärung , indem es die Perspektive umdreht . K. – seit seinem 30. Geburtstag schikaniert von jenem unwissbaren Prozess – erhält pünktlich am Vorabend des 31. wiederum Besuch von zwei Herren . Der gemeinsame Gang zu einem Steinbruch ausserhalb der Stadt ist K.s letzter Weg und : Fürchterliche Vorahnung der künftigen Hinrichtungsstätten des 20. Jahrhunderts .

Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an Wange aneinandergelehnt, die Entscheidung beobachteten. “Wie ein Hund !” sagte er, es war, als sollte die Scham ihn überleben.

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KLANGAPPARAT

Wir hatten oben in|ad|ae|qu|at die Stooges ( heute @ MySpace ) erwähnt . Quasi am anderen Ende des Spektums zeitgenössischer Popmusik arbeitet czz hörempfehlungTrondheim aka Ansgar Seide . Was der der deutsche Musiker aus Münster so um sein elektonisch verkabeltes Piano aufführt , changiert ziwschen hellen Spieluhr- Motiven und Schubert’scher Düsternis . Demgemäss lautet seine jüngste , bei dem im oberbayrischen Poing beheimateten Netlabel Aerotone publzierte Release treffend “Zum Abschied” ( aer013 ) . Atari und Geigen , Breakbeats , Sequenzer und Highheads , Minimal und Vollton : auch im zarten Register herrscht , wie Exempel überzeugt , keine Berührungsangst hinsichtlich diversester Genres und Samples . Zucker ! – CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Erlöst von dieser Hoffnung ( 3:18 ) | 02. Der heimliche Star des Abends ( 2:15 ) | 03. Sorgenfreies Heldentum ( 7:23 ) | 04. Bevor du gehst ( 2:33 ) | 05. Zivilisationskumpel von mir ( 4:31 ) | 06. Zum Abschied ( 2:04 ) |||

8 Responses to Unter Kulturhunden | Hundekultur
  1. Olivier SC
    May 19, 2008 | 20h45

    Une vie de chien ? :)

  2. herbert j. wimmer
    May 20, 2008 | 01h18

    de-fake-aktion: hätte wohl was von (re-)originalisierung (betrifft aber wohl mehr die grubenhunde des kunsthandels, des kulturhandlings).
    ganz frei werden organismen wohl nie davon,
    hauptsache wir werdens los.
    aber vielleicht ermöglicht die gentechnik tatsächlich mal sowas wie stoffwechselfreie transgendenz, – nachhaltig ausscheidungsneutrales dahin- oder daherkultivieren;
    als stadtquerende fussgänger dürfen wir immer wieder auf die erfüllung einfachster wünsche hoffen.
    la vie est un chien? vandalusisch?
    (ein blog-rest-sekunden-traum)

  3. czz
    May 20, 2008 | 10h42

    Im CHIEN ANDALOU , lieber Herbert , Olivier , treffen die hündischen Aspekte des österreichischen Sur- Realismus ja auch linguistisch bestens zusammen :

    Voilà des homophonies :
    Les Autrichiens ( the austriens )
    Les autres chiens ( the other dogs ) .

    Da ist der Vogel Strauss mit dem Kopf im Sand
    L’autruche
    auch nicht mehr fern -

  4. herbert j. wimmer
    May 20, 2008 | 13h20

    straussenzüchter hats ja im farmigen umfeld der österreichischen politik schon gegeben.
    aber zur homografie: wie ein o-strich in the landscape …
    hingegen: der doggy-bag der speisenmitnahme ist in wien zum gackerl-sackerl geworden, das zu benützen herrchen und frauchen sich gar nicht gern verpflichten lassen. hinsichtlich möglicher wählerinnen- und wählerstimmen stecekn in dieser urban-hygiene-frage die politiker gern ihren sprichwörtlichen kopf in den sprichwörtlichen sand, von gelegentlichen sauberkeits-appell-rüscherln mal abgesehen.

  5. czz
    May 20, 2008 | 17h26

    Schon toll : wenn Du in God’s Own Country nicht Deinen Teller brav leer isst , steht 5 Sekunden später bereits der fix & fertig DOGGY BAG auf dem Tisch ! – Zwar hat es selbiger in selbigen Gemarkungen selten weiter als bis zum nächsten Sandler gebracht , aber dies hat selten das Schuhwerk gefährdet .

    Zur sogenannten “Hundstrümmerl”- Problematik kann und mag ich mich eigentlich kaum äussern : Es hat hat in unserem Bezirk zeitweilig die “volkspädagogisch” gedachte Massnahme geherrscht , von speziell ausgerüsteten Einsatztruppen mahnende Fähnchen in jeden Haufen stecken zu lassen . “Conscience- building” nennt man so was wohl –

    Da fand ich die Pariser ( per Cross- Motorrädern ) “berittene” Spezialeinheiten mit einer Art Hundekot- Staubsauger schon besser … Ein Martialischer Anblick , aber sensationell effektiv !

  6. Wordfisher
    May 21, 2008 | 09h03

    Hundtrümmerl-Problematik in der Provinz : jeder Hundebesitzer wird gebeten, bei der “Stadtverwaltung” dafür eiges vorgehsehene Plastiktüten käuflich zu erwerben, mit welchen dann die hinterlassenschaft hinfortgegrabscht werden soll.Jeder Neubürger erhält einen Plastiksack kostelos. Für Hund, Katz und Kind dazu die passende Mitmach-Webside: http://www.saubere-pfoten.de/

  7. czz
    May 21, 2008 | 09h11

    In Wien ereignet sich eine ähnliche Kampagne .
    Allerdings codiert die Gemeinde Wien den Imperativ dichterisch :

    NIMM EIN SACKERL FÜR MEIN GACKERL

    Der bundesdeutsche Leser möge jenes “Gackerl” bitte nicht mit dem Huhn ( Gallus gallus domesticus ) assoziieren , sondern mit einem im Stile des “cute overload” treuherzig aufblickenden Haushundes ( Canis lupus familiaris ) .

  8. [...] (ergänzendeAntwort zu”Unter Hunden-Hundekultur” / “Dog follow up” bei [...]

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