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TRAVELLER’S TRIVIA
Wie es nun einmal um die stets besten Reisevorsätze steht ( “Besichtigungsgrad von 99 %” , dazu “Fleiss im Notieren” und “sportives Agieren” ) , steht die gesamte Liste der “To- Do’s” bereits mit dem ersten und gründlichen Spätaufstehen auf dem Spiel . Dafür gibt es sogar so etwas wie Kaffee aus einem höchst eigenwilligen Automaten - UND : entgegen dem ursprünglichen Augenschein einen höchst animiert parlierenden Trupp weiterer Gäste ….
Sind also nicht die Einzigen , die diesen Bau- im- Werden sozusagen “trockenwohnen” . Bevor wir jetzt in die üblichen Urlauberwitzchen einschwenken , sei es kurz und schmerzlos bekannt : ein - nach rätselhaften Kriterien gruppierter - Haufe Holländer ist’s , der bei der heissen Schlacht um’s kalte Buffet den klaren Sammelsieg davonträgt . Wie bei der Fussball- EM ( so buchstabieren wirs radebrechend aus den lokalen Journalen ) ja übrigens auch . Den sicher ausnehmend freundlichen Niederländern räumt man schon aus akustischen Gründen im Laufschritt das Feld , da in|ad|ae|qu|at trommelfellbebend das Weite sucht .
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PLANLOS IN PERUGIA
Ausserdem harret ja - trotz kleiner Fehlermeldungen - wie der vergessenen Batterie für den Belichtungsmesser der analogen OM2 - der Masterplan für eine Begehung Perugias : Wobei , wie sich bald herausstellen wird , von “Begehung” und “Plan” in diesem verschichteten und verschachtelten Felsennest kaum die Rede sein kann .

“Bergsteigen” wäre hier das tauglichere Wort … und die vom Fremdenverkehrsamt ausgeteilten Stadtpläne verstecken mehr als sie zeigen : Oh , seltsame Regeln der vermeintlich “hilfreichen” Abstraktion ! - Wieder einmal wird das GPS bemüht , sogar per pedes kennt es sowohl den in|ad|ae|qu|aten Standpunkt auch noch im schulterbreiten Gässchen besser und führt uns sicherer durch das etruskisch , römisch , mitteltleralterliche Labyrinth als sämtliche Reiseführer zusammen .

Zunächst gilt es freilich , den Wagen auf einem der NO- Spitze möglichst nahen Parkplatz loszuwerden ; Pellini ist um diese relative Morgenstunde Park- Partner der Wahl , Rolltreppen ( ! ) meistern die erste Geländestufe , das war es aber dann auch schon hinsichtlich “Künstlicher Steighilfe” .

Na also , wie pittoresk : Ist man in Mitteleuropa ( oder meinetwegen : in Santa Fé ) schon stolz , einen einzigen “historischen” ( “antiken” ) Strassenzug bewahrt zu haben , so gibt es hier dergleichen rundherum … sagen wir jetzt “Hunderte” oder “ein knappes Tausend” : katzenbreite Gassen und hundeschmale Strassen , Einschachtelungen und Ausstülpungen , Über- und Unterbauungen , treppauf , treppab und unter Gewölben , welche ebenso direkt aus der Römerzeit stammen könnten .

Einige Viewpoints von Terrassen und Balustraden gewähren Frontsichten auf dieses vorzeitlich anmutende , zugleich in allen Winkeln , in Bruchstein- Zimmern und über Zinnen hinweg höchst belebte Riesenpueblo - Kubaturen aller Arten und Zeitalter wie wildes Bauklötzchenwerk einander überkuppelnd , verstrebt , unterkragend .

Als würde diese Stadt an jeder ihrer Flächen tentakelnd wachsen - am Ende käme ein schierer Block aus Steinen seit der Römerzeit ( etruskische Einschlüsse ) bis in die Gegenwart heraus .

Wer allerdings auf “Touristenparadies” tippt oder auf ein “Disney- Wonderland” à L’Italienne , geht ebenso fehl wie in|ad|ae|qu|at innerhalb der verwirrlichen Gassen : Das Ganze lebt bis tief in seine winzigsten Mikrogässchen und Durchschlüpfe hinein ; hoch oben am Hang eilen “Businessmen” mit Aktenköfferchen , stöckeln Sekretärinnen auf High Heels übers Kopfsteinpflaster , kreischen Kinder samt Müttern und schleppen wackere Hausfrauen Viktualien den Berg hinan . Die bis in kleinste Kabäuschen verstreut situierten Verwaltungs- , Medizinal- und Advokatenstuben stehen jedweder musealen Anmutung äussert lebensprall entgegen .

Aus Volksschulklassen wird munter musiziert , die Universität darf prominente Plätze belegen & beleben : Im leicht kellerwärts abgesenkten Atrium eines Naturwissenschaftichen Seminargebäudes findet sich ein aussergewöhnliches , ganz in Schwarz- Weiss gehaltenes römisches Mosaik : “Orpheus , durch sein Spiel die Tiere zähmend” .

Bemerkenswerte Abstraktion durch die weissen “Zeichnungslinien” auf schwarzem Grund . UND : Man beachte die naturhistorische ( und geografische ) Breite des antiken Weltwissens . Elefanten , Löwen , Tiger , Panther aus Afrika , Wildschweine , Wölfe aus dem Mitteleuropäischen , Fabelwesen wie Greifen aus der Mythologie .

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PER ASPERAM …
Immer nur , so scheint es , geht es hier bergan … wählt man ein Treppchen abwärts , gelangt man doch immer wieder nur in die gleichen Aufstiege “ad astra” .

Dem Himmel und seinen entprechenden Heiligen der Überfahrt bzw. des Transports besonders nah scheinen hier jedenfalls die Busfahrer : Abenteuerlicher Omni- Gross- Bus- Gegenverkehr tobt durch die - sagen wir mal : etwas mehr als schulterbreite - Via del Acquedotto : Und das trotz parkender Wagen , hampelnder Passanten und sonstiger Allfälligkeiten des täglichen Lebens . Den Kampf um Millimeter nehmen beide Kontrahenden mit Verve und in flottem Tempo , die Reifen verfehlen um Haaresbreite den Randstein , die Chassis schwenkt dabei bereits über diesen hinweg : Jetzt also erklärt sich , warum die Ladner , Bars , Pasticcherien keine lockenden Aushangschilder in die Gasse ragen lassen : Solch merkantiler Zierrat würde von den heftigen Exponenten des kommunalen Mengenverkehrs glatt abgemäht . Allgemeinwohl vor Individual- und Separatinteresse -
Entsprechend fallen die Signets der Standorte öffentlicher Fernsprech- Apparate nicht nur durch ihr unverkennbares rotes Piktogramm auf , sondern auch durch die Tatsache , dass diese Zeichen quer zur Hauswand angerbacht sind …. allerdings in drei Metern Höhe , also unerreichbar für die Omnibusse ( von welchen - und dies ist an Wiener Stadtbenutzer adressiert - sich mancher “13 A”- Held manches Bravourstück abschauen könnte ) .

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CHIUSI , CODES & CHIFFREN
Letzten Ende ist der Aufstieg ( fast ) vollbracht und die Rundkirche S. Michele Angelo lockt zum geradewegs vor uns liegenden Endspurt . Linkerhand etwas tiefer die normannisch gestaltete “Porta S. Angelo” .

Was mit seiner modern anmutenden Kargheit , der sparsamen und eklektischen Ausstattung , den im Innnenraum “brach liegenden” Läutwerk zunächst an ein museales Artefakt erinnern mag , stammt sozusagen fast original aus dem frühen 6. Jahrhundert : Über dem Rundbau erhebt sich eine 12- fenstrige Laterne , getragen von je vier Säulen aus drei verschiedenen Sorten Marmor . Kopien antiker Kapitelle .

Grabplatten , Inschriften , später an den Rundbau seitwärts angeklebte Nebenkapellen ( barock ! ) ergeben ein wildes , wengleich doch stets nach irgendwelchen mythologischen oder christilichen Ordnungssystemen interpretierbares Gemisch :

Dechiffrierkünstler bitte vortreten ! -
Ein weiteres Übungsfeld für einschlägig Interessierte stellt die “Fontana Maggiore ” ( 1278 ) beim Palazzo dei Priori dar : Der aus drei Becken mit je differentem Figuren- bzw. Halbrelief- Schmuck bestehende Steinbrunnen gibt ein sehr “humanistisch” geprägtes Beziehungsbild überdeterminierter antik- heidnischer und christlicher Symbole . Von den Interdependenzen der einzelnen Codes ganz zu schweigen -

Als Beispiele ein paar Details aus dem “Bildprogramm” : Die Halbreliefs der untersten Brunnenschale beginnen bei Adam & Eva , deren Sündenfall zum Brudermord c/o Kain & Abel führt , welche - Perugia parallelisiert sich stolz der Ewigen Stadt - zur Gründunglegende von Romulus & Remus führen . Da die menschliche Species dem Sündenfall die Pflicht zur Arbeit “verdankt” , setzen die wie Comix lesbaren Halbreliefbilder mit dem Zyklus der Jahresarbeiten ( “artes mechanicae ” ) fort , je mit den entsprechenden Tierkreiszeichen versehen .

Zum Beispiel : Schlachten im Zeichen des Steinbocks , die Drusch im Zeichen der Jungfrau , Ernte im Krebs , Weinlese - Waage , Keltern - Skorpion . Soweit die niederen , da lebenserhaltenden Künste . Logische Folge : Die “septem artes liberales ” mit Figurationen der Grammatik , Dialektik , Rhetorik ( = Trivium ) , der Arithmetik , Algebra , Musik ( dargestellt an Figur mit Hämmerchen und Glocken ) , Astronomie und - übergeordnet - der Philosophie - Schliesslich mehrere Felder mit Adlern , wahlweise als Symbol der Macht oder als Zeichen der Apotheose & Wiederkehr Christi …

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ARKADISCHE LANDSCHAFT : DAS SCHAFFT KEIN PHOTOGRAPHIER- APPARAT
Mit beträchtlichem Muskelkater und nach üblichem ( siehe : “Route 66″ ) Pique Nique erfolgt nachmittags noch eine Ausfahrt ins Westliche , Richtung Magione , knapp an den Autobahnen vorbei , Möbelhäuser , Autocluster , allmählich schieben sich wieder Hügel ins Perspektiv . Hinauf und immer weiter - Wein begegnet , Oliven und siehe da : Auf tatsächlich JEDEM Hügel ein Steinnest , Ruinen mit Böcklin’schen Zypressenhainen , beschauliche Städtchen , Herrensitze , Pinienriesen … und :
Plötzlich öffnet sich ein Weitblick über den Trasimenischen See … und in|ad|ae|qu|at fehlen auf längere Zeit ebenso die Worte wie der behende Griff zur Kamera . Vielleicht auch eine Form der Erinnerung : Szenarien , Landschaften einfach einmal NICHT zu fotografieren - deren Weite hätte unsere Schmalspuroptik ohnehin gesprengt . Die “Bildrechte” an diesen Arkadischen Landschaften sind bei den Malern des Quattrocento besser aufgehoben als im profanen fotografischen Apparat .
Langsames Heim- und Hinaufzuckeln , wie stets mit Zwischenstopp beim lokalen Coop : Wer hat je schlauchdicke Fisolen gesehen und Baseball- Handschuh- grosse Paprika ? |||















// Eine schöne Zeit on the road
// Hurra und Josef Winkler erhält den Büchnerpreis !