Dokumentation | Alte Schmiede : Gerhard Ruiss’ Replik auf Andreas Mailath-Pokorny “Die Alte Schmiede lebt” ( Die Presse , 17. 6. 2008 )

Alte Schmiede wohin ?

alte-schmiede-was-tunFortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . – Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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Die folgende Replik von Gerhard Ruiss ( IG Autorinnen Autoren ) auf den von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny als “Brief des Tages” in der Tageszeitung “Die Presse” veröffentlichten Leserbrief “Die Alte Schmiede lebt” blieb ungedruckt . Gerhard Ruiss war so freundlich , in|ad|ae|qu|at den Brief zur Dokumentation zur Verfügng zu stellen .

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Von : Gerhard Ruiss <gr@literaturhaus.at>
Datum : 22. Juni 2008 17:03:25 GMT+02:00
An: meinung@diepresse.com
Betreff: Brief des Tages, 17.6. – Stellungnahme

Sehr geehrte Damen und Herren!

Nach einer kurzen berufsbedingten Abwesenheit habe ich heute die Stellungnahme des Wiener Kulturstadtrats zur Gefährdung des Fortbestands der Alten Schmiede auf Ihrer Meinungsseite nachgelesen. Soweit sie sich auf die Maßnahmen zur Literaturförderung bezieht, kann diese Stellungnahme nicht unwidersprochen bleiben.

Herzliche Grüße
Gerhard Ruiss

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Betrifft: Meinung. Brief des Tages. “Die Alte Schmiede lebt“, von Andreas Mailath-Pokorny, 17. 6. 2008

alte-schmiede-was-tunWien, Literaturweltstadt

Es gibt nicht den geringsten Grund, an den Angaben des Wiener Kulturstadtrats im “Brief des Tages “ in der “Presse“ vom 17.6.2008 über die Zuwächse bei den Wiener Kulturförderungsausgaben in den letzten fünf Jahren zu zweifeln, bestätigt doch die Zunahme der Ausgaben für Kultur um rund ein Drittel den Armutsrang der Literaturförderung der Stadt Wien mehr als deutlich. 0,7 Prozent der Kunstausgaben sieht die Stadt Wien für Literatur- und Autorenförderungen vor. Annähernd den gleichen Anteil wie vor 5 Jahren, vor 15 Jahren und vor 30 Jahren. Die anteiligen Literaturförderungsausgaben am Kunstbudget des Bundes und der Kosten für die Bundestheater sind hingegen von einem ähnlichen Ausgangswert auf 3,5 Prozent gestiegen.

Die Vielzahl literarischer Veranstaltungen ist daher kein Verdienst der Literaturförderungen der Stadt Wien, sondern wird durch Bundesförderungen ermöglicht. Die Stadt Wien hat es sich in Fragen der Literaturförderung in den Fauteuils der Literaturförderung des Bundes gemütlich gemacht und innerhalb der eigenen Kunst- und Kulturausgaben der Literatur und den Autoren die Katzentischplätze, Küchenhocker- und Fußschemelsitze zugewiesen.

Die Situation läßt sich auch nicht durch die Einbeziehung der Ausgaben für Bildungszwecke besser darstellen als sie ist, wie groß die Anstrengungen im Bereich der Stadt Wien zur Förderung des Lesens und der Allgemeinbildung außerhalb des Schulischen immer sein mögen. Solche Ausgaben bestehen selbstverständlich genauso aus Bundesmitteln und sind daher nur mit diesen Ausgaben zu vergleichen.

alte-schmiede-was-tunWenn der Wiener Kulturstadtrat Wien als “Literaturweltstadt” bezeichnet, was anläßlich der Präsentation der kommenden ersten internationalen Buchmesse “Buch Wien” der Fall war, wird das nicht durch ein literarisches Wiener Selbsterhaltungswunder zu erreichen oder allenfalls, hätte der Wiener Kulturstadtrat zu mehr als einem Slogan gegriffen, zu erhalten sein, sondern nur durch Geld. Das Geld, das die Alte Schmiede zur Sicherung ihrer Existenz benötigt und das Geld, das die Autoren und literarischen Einrichtungen Wiens zur Fortsetzung ihrer Arbeit brauchen, zu deren Unterstützung die Stadt Wien schon seit langem nur mehr gelegentliche bis marginale Beiträge leistet.

Gerhard Ruiss
IG Autorinnen Autoren
Wien, 22. 6. 2008

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