||| 1020 : EIN BEZIRK WIRD GENTRIFIZIERT | NEUBAU UNTERE AUGARTENSTRASSE 18 : ZU VERMIETEN | REMBRANDTSRTRASSE : KONZERNOUTLETS STATT KLEINGEWERBE | REMBRANDTSRASSE 21 : EINE DEMOLIERUNG | PORTRAIT EINER SPEKULATIONSBRACHE | GEGENÜBER : EINE RENOVIERUNG | RELATED | KLANGAPPARAT
GASTBEITRAG VON CHRISTOPH KEPPLINGER
1020 : EIN BEZIRK WIRD GENTRIFIZIERT
Was es bedeutet, wenn ein Wohnbezirk “AUF-gewertet” wird, wird spürbar, wenn zuerst einmal AB-getragen wird. Wien II. – Karmeliterviertel und Augartenbezirk – kommen nun dran, jetzt, wo die U-Bahn das alte “Judenviertel” zwischen Donau und stadtzugewandtem -Kanal erschliesst.
Die BewohnerInnen werden das langfristig im finanziellen Bereich zu spüren bekommen – der “freie Markt” schnappt sich die Objekte, wie sie fällig werden. Die “Entmietung”, wie es euphemistisch heisst, erfolgt nicht immer mit den feinsten Methoden. Juristische Gegenwehr wagt kaum jemand, wusste mir jüngst der Leopoldstädter Bezirksrat und Mietrechtsberater Josef Iraschko zu erzählen.
Ein Blick in die Untere Augartenstrasse: Hier sperrt noch mehr zu als auf und die Pächter der diversen Imbissstuben geben einander im Halbjahresrhythmus diverse Klinken in die Hände.
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NEUBAU UNTERE AUGARTENSTRASSE 18 : ZU VERMIETEN
Hier fuhren die Bagger im Jahr 2005 in eines der verbliebenen zweigeschossigen Althäuser, das bis zuletzt bewohnt schien. Ein Jahr später, 2006, stand das Nachfolgebauwerk, ein postarchitektonisches violettes Konstrukt samt Tiefgarage, der ehemals bestehende Hinterhof wurde zwecks Erhöhung der Nutzfläche ganz verbaut. Die Wohnungen sind bis heute nicht vollständig vermietet – ein Angebot gäbe es unter dem Stichwort “Moderne 3 Zimmer Wohnung mit Balkon“.


Das geduckte Uhrmacherhäuschen daneben, das ein Zinshaus ist, in dem einzelne Zimmer ( ! ) vermietet werden und das in seinen niedrigen Geschossen die afrikanische Community des Grätzels beherbergt, droht über kurz oder lang das nächste Opfer zu werden.

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REMBRANDTSRTRASSE : KONZERNOUTLETS STATT KLEINGEWERBE
Ein Schwenk in die parallel verlaufende Rembrandtstrasse, deren Schick in etwa gleichzeitig mit dem der Unteren Augartenstrasse verblasst sein dürfte.

Letzten Reste von Kleingewerbe und Nahversorgung.

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REMBRANDTSRASSE 21 : EINE DEMOLIERUNG
Bagger fuhren dort in den Augustwochen des Jahres 2007 auf und hielten vor Haus Nr. 21, einem ehemals prächtigen Gründerzeitbau aus dem Jahr 1880.

Das übliche Spiel: Bereits seit 2005 ( und womöglich schon länger ) waren die Fenster mit Brettern vernagelt, das Haus offiziell eine “Baustelle”.

Mit dem Abriss wird zugleich ein Stück der mitansässigen Geschichte beseitigt. Mindestens 58 Personen waren bis zu ihrer Deportation an dieser Adresse in diesem ehemals jüdischen Viertel einquartiert, zeigt eine Adresssuche auf der Webseite des Shoah- Memorial- Projekts “A LETTER TO THE STARS“. Selbiges übrigens beim zuvor gezeigten Neubau in der Unteren Augartenstrasse 18. Erinnerungszeichen oder Gedenktafeln sucht man vergebens.

Dramatisch dokumentieren zwei YouTube- Videos das Geschehen des Abbruchs -
Demolition of Rembrandtstrasse 21 (1)
Demolition of Rembrandtstrasse 21 (2)
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PORTRAIT EINER SPEKULATIONSBRACHE
Warum die Bagger Ende August 2007 innehielten und schliesslich wieder das Weite suchten, ist ungeklärt. Grundstücksaufwertung oder Errichtungsgenehmigungs- Dinge sind zu vermuten. Portrait einer Spekulationsbrache. Stand: August 2008.




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GEGENÜBER : EINE RENOVIERUNG
Gegenüber des vor sich hindämmernden Häuserwracks findet sich ein Gegenbeispiel wie es gegensätzlicher nicht sein könnte. Ebenfalls im Zeitraum 2006 bis 2007 hat sich an der Adresse Zwerggasse 1-3 eine Renovierung zugetragen, die akribischer nicht hätte sein können.

Der Ursprungszustand war in etwa mit dem gegenüber befindlichen Haus Rembrandstrasse 21 vergleichbar, die Fassade abgestürzt, die Fenster verbrettert.

Hier wurde hingegen aufgemöbelt für stilbewusste und ebenso zahlungskräftige NeumieterInnen in schicker Augarten-naher Lage.

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RELATED
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- vienna demolition I : a story in pictures [ 1070 , "Kurier"- Haus , Seidengasse ]
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KLANGAPPARAT
Als Kontraindikation zum Getöse der Demolierungen und theatralischem Upgrade- Embellishment von marktgerechten Lebensräumen laden wir
in|ad|ae|qu|at zum Überschreiten der Schwelle in eine Sphäre , wo Schallwellen ins Jenseits der Kataster und Kategorien zu tragen vermögen . Vermöge der creative commons- Policy von Künsltern und Netlabels sind solche Klangräume nicht ( mehr ) den Hochmögenden reserviert . Wäre das Label yukiyaki nicht ohnehin schon als Adresse qualitativ sozusagen “beste Lage” , dürfte uns Emmerichk ( MySpace ) schlicht mit “4th” betitelte EP mit einer Ästhetik des Understatement überzeugen , wie sie wenig gang und gäbe ist . ‘Clicks and Cuts‘ in transatlantischer – genauer : mexikanischer – Rezeption und diskreter Fortentwicklung . Klangkörper als anmutige Amalgame aus technischen und organischen Komponenten . Als besonderes Service ( und ästhetisch absolut adäquat ) werden die sechs Tracks in Form eines Streams serviert ( via RealPlayer ) . Feiner lässt sich den disruptiven Kräften kaum entgegentreten ! – CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM .
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Ben, depuis ma nouvelle présentation, les pings automatiques ne passent pas. Il me faudrait revenir aux trackbacks déclarés ? … Amitiés !
|| Manche Fotos sind so krass, dass man sie sich mit Photoshop nur während eines süffigen Gelages ausdenken würde, sie alsdann “als zu absurd” verwerfen würde ||
“Moderne 3 Zimmer Wohnung mit Balkon“ sieht eher nach einem Zweckbau der österr. Zipefmützen-Überwacher aus. Man wäre es dem Zinshäuschen schuldig, diese frische Bausünde SOFORT zu entsorgen!!
am fraglichen objekt der “Modernen 3 Zimmer Wohnung mit Balkon“ jüngst uuf trottoirhöhe entlang gekrochen – die schräge nase über dem schädel , die augen gepeinigt vom gespenstischen violett , eilt man verängstigt dem tröstlich winkenden UHRMACHER – JUWELEN- signet entgegen :
aber auch der hat ja bereits dicht gemacht – - – mich will dünken , das neue prater- pappmachée- konzept hat sich an dieser stelle “kreativ aufgewärmt” -
kein wunder , dass nachfolgend : “fiasko !” , “kritik !” und “pleite !” hinsichtlich des von der event- syling- agentur “Explore 5D” (> hier in der version des KSV ) gemanagten vergnügungs[h]ortes gerufen wurde -
Übrigens bringt der FALTER just heute – zwei Tage später – einen Artikel zur Gentrifizierung : “Niederer Stadtadel – London, Berlin, New York: Überall führt die Aufwertung von Stadtvierteln zur Verdrängung der Armen. Ausser in Wien. Was macht man hier anders ?”
Die Antwort auf die – offenbar rein rhetorisch gestellte – Frage , “was Wien” so “anders” gestalte , bleiben sie uns allerding schuldig , die werten Autoren .
Oder klingt ihnen noch zu sehr der abgehalfterte Slogan des Wien- Tourismus in den Ohren ?
Nachsatz :
Zur Misere um die Neugestaltung des Praters ( Konkurse , Bestechung und andere höchst unfrohe Diatribe ) erscheint ein ausführlicher Artikel in der Stadtzeitung FALTER ( 36/2008 vom 3.9.2008 ) :
Die Stadt und ihre Kulissen – Der neue Pratervorplatz wurde zur Millionenpleite – Das Ausgleichsverfahren zeigt nun , wie das Rathaus öffentliche Gelder verschwendete und Baufirmen in Not brachte . Die Geschichte einer Wiener Baustelle ( Joseph Gepp )