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Salon Littéraire | Lisa Spalt : T-U-L-P-E _2
Die Geschichte ist natürlich nur erfunden …

Die Geschichte ist natürlich nur erfunden gesteht Tulpe, schwebt vom Verkaufstisch herunter Anmache ist alles, passieren wird nix, wir sind ja PLUTS, Kreuzungen von prudes und sluts, aber wenn Sie heutzutage etwas verkaufen wollen, müssen Sie eben eine Geschichte erzählen. Zitat Heinz von Tulpe: Wir halten ja jene Wissenschafterin für den Vertreter der besten Theorie, welche die beste Geschichte erzählt. – Genau diese Erfolgsstory entwickeln zu lernen motiviert Tulpe Sie und Ihre Anwesenheit hier sind wir zusammengekommen. Und nun rein in das Geschäft mit dem Stoff, der das Objekt Ihres Handelns sein muss!
<<Mann hält Turbantuch in Hand für Traumfrau, Frau wird durch Zeichnung von Tulpe erregt. Oh, Tulpe ist im Besitz von Mann, oh, Mann! Oh, Tulpe ist gleich Mannespotenz! Oh, Schönheit von Tulpe ist gleich proportional zu Sinneserregung von Dame! Hurtig elektrifizierende Schlüsse gezogen: Zwiebel von Tulpe deutet als Tulpe in Nuce auf durch Besitzer zu erwartende sinnliche Genüsse. Frage: Berechnung möglich? Formel klar: Männliche Potenz entsprechend Erregungspotenzial von Schönheit von Tulpe, was Glück & heureka! Überlegungsprodukt: TULIMANTIE, LIANE MUTTI, LAUTE INTIM, das ist Tulpenorakel gleich Erfindungspotenzial. MUT-LITANEI von ALE TUT MINI! Begründung: Orakel gleich Einnahmequelle. Ergo? Kioskaufstellung für Eintausch von Nichtwissen gegen Vorkehrungen-Treffen, dadurch Zukunft-Verändern und neues Nichtwissen, gegen weitere Zwiebeln plus Nulpe-wird-Duce-Orakelsprüche. Begierdeleistung, Lustvorsprung, Genusstrategie: Ich ist gleich Rohstoff zur Produktion der Weltmarktführerin. Oh, oui, c’est ça, tulimentir! Peripetie! Endlich können wir wirklich handeln, da das Orakel verbindliches Wissen über Effekte von erotischem Tun verspricht!>>
Ok sagt Tulpe damit wissen wir zumindest, was die Geschichte mit der Tulpe geschehen hätte lassen können. Hätte hebt Tulpe das grüne Händchen. Wäre es denn fragt Tulpe nach Einrichtung des Erotik-Orakels nicht stante pede zum Ausbruch einer Tulimantie-Manie gekommen (Tulpenwahn definiert Tulpe: Glaube an die Beherrschbarkeit des Handelns), wäre es in der Folge nicht gekommen zu einer abnorm gesteigerten Nachfrage nach weissagenden Tulpenzwiebeln? Sobald sich etwas findet, was die Nützlichkeit und den Wert von Geld annimmt, beginnt die Ansammlung von Eigentum, begleitet von der Entstehung von Knappheit [1]. Sollten wir also davon nicht Spuren finden? Nein! Denn warum sollten erotisch verunsicherte Männer die Gründe für ihre Tulpenmanie zugeben mögen? Würden Sie nicht vordergründig seriösere Gründe für ihre Handelswut erfinden? Könnte somit nicht gerade die Absenz von Beweisen für die in den Raum gestellte Erklärungshypothese bezüglich der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts den Beweis für eine mögliche Stichhaltigkeit abgeben? Ja, das Hätte-wäre-könnte, das die Hervorrufung tollkühnen Spekulationsvergnügens bei meinen Kundinnen bewirkt, hängt erklärt Tulpe ab von einer Handlung, welche – Bedingung – niemals stattfand, von einer guten Geschichte also sagt Tulpe quod erat demonstrandum; von Tulpenbüsten, klaro: erfundene historische Ereignisse, die benutzt werden, um etwas zu beweisen. Die Zuhörer reagieren auf Tulpenbüsten für gewöhnlich irritiert und tendieren dazu, den Benutzer für besonders intelligent zu halten. (Beispiel für Verwendung: Tulpe machte heute im Meeting Gebrauch von einer Tulpenbüste.)
Meine lieben Bürgerinnen schreibt Tulpe von O. und lieben Bürger von O., welcher Ort postalisch der Gemeinde N., politisch aber der Marktgemeinde W. zugerechnet wird, welcher also genau genommen nur in seinem Namen existiert, dem allein eine entsprechend sich mit ihm identifizierende Menschengruppe das Grenzgebiet definiert! Sehen Sie hier das zierliche Johanniskraut/Hypericum elegans, die Große Kuhschelle/Pulsatilla Grandis, das Knollen-Brandkraut, Niederliegende Geißblatt, Hirschwurz, Blutigen Storchenschnabel! Nur bei überdurchschnittlichem Kenntnisstand Ihrerseits treffen in diesen Verständniskünste Gewinn bringend auf Forschungserträge, wie zum Beispiel jene aus dem bedenkenswerten Werk des Hermann Zulauf mit dem Titel Das Rebspalier, verfasst 1942 im Schweizerischen Schinznach-Dorf. Kennen Sie den Ort? Nein? Kennen Sie die Bedeutung der Begriffe Scincode, Revolcanic Cream, Shiseido Body Creator, Google-Earth-Pilot? Sagen sie Ihnen was? Dienen sie Ihnen als Shopping Guides?
Frage: Wer oder was ist eigentlich Tulpe?
Antwort 1: Die Bedeutung der Tulpe liegt in der Zwiebel (Buddhismus).
Antwort 2: Eine Tulpe? Das ist: Anthrachinonderivate, herzwirksame Glycoside, Alkaloide Steroidalkaloide, Chelidonsäure uh ah …
- Antwort 3: Tulpe ist, was dem Handeln den Auslöser gibt. Ohne Tulpe würde das Leben ewig dauern, hätte aber auch keinerlei Sinn (Jean Paul Tulipe).
- Antwort 4: Tulpe ist Tulpes Gebrauch im Text ruft unser Ludwig in einem der wenigen Momente, in denen er sich erlaubt, ein wenig sinnlich zu sein.
- Antwort 5: Mais il ne faut pas voir la réalité telle que je suis, man muss die Realität nicht sehen, wie ich bin lacht Max Ernst Tulpe, und …
Vom fleischfarben grundierten Info-Screen bricht sich das ätherische Wesen Tulpe auf das antike Objekt des Kunsthandelns herunter, ulp-ulp, auf das lasierend fabrizierte Gemälde als eine Oberfläche elektromagnetischen Kunst-Verhaltens, fächert sich auf in die kränklichen Prima-Ballerina-Sorten einer Semper Augustus, Admiral van Enckhuysen oder Gheel en Root van Leyden. Schönes, schönes, im Glas der Vase lose festgehaltenes Sterben! Oh, welch wohlklingendes Passé der Bildlichkeit! Es bringt in die schmucklose Gegenwart die Nostalgiemaschine eines Tulpengemäldes die hübsche Note der Vergänglichkeit, ja, der Herstellungsmoment ist ja so lang vorbei. Und genau auf diese Weise gedenkt Tulpe den Preis Ihrer zart keimenden Naturliebe zu erzielen. Ja, diese Natur, sie stammt aus dem 17. Jahrhundert, und die Farbe ihrer blutrot-zart-feuchten Blütenblätter ist ja aufs Schärfste gebrochen! Oh, dass die Farbe der Blütenblätter ihres Vorbilds so heiß gebrochen ist wie jene der Mädchenwangen unter den haarigen Leuenpranken, ach, sie wissen! Ah, diese Königin einer Blume, diese Prinzessin auf der Erbse auf einem grünen Stängel eines sehr, sehr langen Pflänzchenhälschens … Und dann entdeckten sie, wer immer das ist, 1924 das die Zeichnung der Blüte hervorrufende Mosaikvirus. Und sie verbrannten die Schöne auf dem Scheiterhaufen, um mit ihr das Böse auf wissenschaftlich fundierte Weise auszurotten. Sie aber, Amateur oder Connoisseur, haben dadurch ruft Tulpe die einzigartige Gelegenheit, eine nahezu fotografische Abbildung jener verblichenen Natur zu besitzen, welche es gar nicht mehr gibt. Verschaffen Sie sich ihr persönliches Bild, das diese Naturvergangenheit ersetzt! Und bedenken Sie: Je älter eine Natur, desto näher an der Natur ist ihre Wirklichkeit! Tauschen Sie also einen Aspekt Ihres Lebens gegen das Abbild der gestorbenen Zeit, die Sie hier sehen! Sie werden plötzlich die Empfindung verstehen, eine Schönheit festhalten zu wollen, die Empfindung von Schönheit selbst festhalten zu wollen, welche Regung allein Ihrem Wissen um die eigene Sterblichkeit entspringt. Ach, wenn sich das Junge, das statistisch Schönste, vom Tod Entfernteste, mit dem Tod verschränkt! Und ja, auch die Kunstwürdigkeit der Tulpe wurde durch eine Unheilbarkeit aus ihrer Naturfarbe gebrochen. Ja, meine Kunstwürdigkeit erklärt sich Tulpe wurde durch eine WERTMALENDE MALADIE erreicht, durch die Aufpfropfung einer, meine banale Natur umformulierenden, nichtsdestotrotz der Natur entspringenden Viruskolonie, veredelnde Besiedelungstaktik et cetera. diese Tulpe verkauft sich gut, ihre Rede ist voller Kraft, sie verkauft sich wie von selbst. Diese Tulpe ringt ihre gebrochene Rede, ihr Lallen, ihre WAREWARESCHÖNHEITDERNATUR auf die Pulte der Versteigerer runter: Ich bin das Abbild der Vergangenheit haucht Tulpe der zart-kindliche Efeugeruch des Schwanengedichts, der Sie nach Hause rufen will. PUT-PUT-PUT, wahre Kunst reibt diese Tulpe, auf Gewinn bringende Weise an ihrem Körperbild geschädigt, zählende Finger, reibt sie auf Geld zählende Weise. Und früher liebten Sie unter dem Titel leicht zerdrückbarer Pflück- und Schnittblumen die Damen in Ihren Gedichten, heute dagegen lieben Sie die Virus-generierte Zeichnung Gewinn bringender Blüten, und Sie handeln Sie unter Damennamen. Und Sie lieben Sie, weil in der Kunst das Gesetz der Stärkeren die stärker Vergammelten überleben lässt, wo sie in der Natur nach demselben Gesetz verrecken. Antibodies, Sie verstehen? He, ich möchte doch, wenn Sie das Geschwafel hier akzeptieren, auf der Stelle irgendeinem TUP (englisch für männliches Schaf) die blöde Tulpe zu fressen geben. Sagen Sie schon, haben Sie gar kein Problem mit der Verbindung der Wörter Kunst und krank? (I’ve never seen anybody pule [2] so much!) Kein Problem mit der Kombination veredelnde Besiedelung und dem Begriff der Natürlichkeit? (Ich hoffe, ich bin das Produkt, das für Sie rundum passt flüsterte Tulpe und brach.) Ist das Ihr favorisierter Stil? Ist es das, was Sie wünschen, das Brechen des Rösleins, die Felder brach? Also, der Wert der Wahrheit der Aussage schwankt ja doch ziemlich je nach Rezeptoren, je nach Grad ihrer Akzeptanz. Also, wir fühlen und sind doch immer irgendwie gebrochen, nicht wahr, und was immer wir glauben mögen, ist doch immer irgendwie Gebrochenes, und wir kaufen es doch immer irgendwem ab. Also, was halten Sie eigentlich von technology unlimited, T-U-L, the total solution provider?
(Sie verstehen neuerdings wirklich alles falsch korrigiert Tulpe ich sprach doch nur von blühenden Geschäften – also, im Bereich T-U-L wie Transport, Umschlag, Lagerung. Kein Code, kein Secret, kein doppelter Boden, die Inhaltsangabe verzeichnet einzig und allein Polyethylen/PE.)
Wir aber denken an dieser Stelle (es ist, wie ich es schreibe!), wir könnten bald alle im Luxus von Tulpes Erfolgsgeschichte leben; in einer fremden Biographie, die nur noch winzige Partikel unseres molesten Lebens einschließen würde. Tulpe hält fest, es wär ja dieses alle, dieses alles noch näher zu definieren. Und wir hören dieser Lilly Tulpe Petersen zu, einer Erfolgsautorin, die wir heute angreifen dürfen, Produzentin des Bestseller-Bekenntnisbuchs Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann [3], und wir möchten uns gegen sie tauschen, und wir könnten die vor lauter Gier hohl wirkenden Augen auf den Ausgang einer blutroten Tulpe gerichtet halten, könnten deren schwarz-hallende Bauchigkeit halten für das bodenlos flüchtende, verkehrte Schattenbild eines weißfleischig in der Augenhöhlung liegenden, gefräßigen Apfels, welcher imstande wäre, den nackten, mit einfach allem beschreibbaren Raum unseres Lebens zu evozieren, diesen Schundroman, in dem uns alles, was wir erblicken, als Symbol potenzieller Lebensfülle und Leibesschmalheit dient, blablabla, wir würden dieses Leben zum Beispiel denken als irgendein herbeiprojizierbares Objekt, und es spräche zu uns darüber die berühmte Autorin Lilly Tulpe Petersen, und wir würden heftig applaudieren: <<Gott, dankeschön, Gott machte mir, Lilly Tulpe Petersen, das selbst gemachte Geschenk der Welt. Der liebe Gott, wie gesagt, welcher mich, Lilly Tulpe Petersen seit Ewigkeiten liebt, schenkte mir früh seine aus selbst gemachten Materialien selbst gebastelte Nachkriegslage. So müssen auch Sie es machen. Danke, Herr Gott, ich dank auch schön! Ich konnte aufgrund seiner Gaben als die LTP bekannt mich machen. Ich benutzte dazu natürlich ein Gartenbuch, nämlich das von Shizu Matsuda und Peggy Boehm mit dem Titel Flower arranging by number for people who want artistic results immediately. Als Tochter aus dem guten Haus der Liliaceae, entsprossen der Cohabitation bourbonischer Lilien mit den bonapartischen Bienen, konnte ich, LTP, latest take precedence respektive Vorrang hat der letztgeänderte Wert, mein Auftreten optimieren. Aber das war natürlich nur der erste Schritt. Kaufen Sie mein Buch Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann, haben Sie Teil an meinem Erfolgsrezept! Als einfache L.T.P. oder long term potentiation vulgo dauerhafte Verbesserung der Kommunikation zwischen zwei Neuronen, trat ich einst über mein Fleckchen Heimatboden, diese blühende Visitenkarte, ein in den allgemeinen Wettbewerb. Mein Glück ist natürlich, dass ich natürlich blieb, mein Wachstum war immer enorm.>> Und geblendet sehen wir in diesem Moment L, durch das Nadelöhr Ihrer glänzenden Pupillen, liebe Lesende, sich quetschen – durch die bedeutsame Verengung dieser Ihrer eigenen Lebensgeschichte: Oh, L, Farb- und Duftfavoritin der Stars! Du breitest vor unser aller Denken Deinen intimen Garten aus, Deine Miniaturnachbildung eines Paradieses, wie Linnaeus schon sagte! Und der Druck der Meinung, welchen bereits ein T mit dem alten Charles Darwin erkannte, nämlich als das natürliche Bedürfnis der Konkurrenz – dieser Druck der Meinung macht Dich, als die ich mich nach dem ersten Krieg wieder fand, sichtbar in unser aller Öffentlichkeit, 1921, welche T mit Ihnen (id est: Sie da draußen) als unsere Zeit benannte. Ja, der Druck vervielfältigte T, indem er Dich, die ich wurde, in den fruchtbaren Boden Ihres Denkens verpflanzte.>>>> Cit. von mir aus nach L.T.P, LITURGY TRAINING PUBLICATIONS (ist gleich ahora el mayor distribuidor de libros católicos en lengua española en los Estados Unidos de América).

[1] – Wouter van Dieren: Mit der Natur rechnen. Der neue Club-of-Rome-Bericht. Birkhäuser Verlag 1995, S. 40.
[2] – To whimper; to whine, as a complaining child.
[3] – “Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann” ist der Untertitel des Buches “Das neue Gartenbuch”, erschienen bei Der gelbe Verlag in Dachau, der Autorin vorliegend in der Auflage 31. – 46. Tausend aus dem Jahr 1921. “Im kleinsten Garten ist das Vaterland”, so das Motto des Buches. Der Verlag wirbt auf den letzten Seiten des Buches für andere Titel zu den Themen Kochen, Scherenschnitte, deutsche Kolonien, Volk in Waffen und Albrecht Dürer.
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