For the record | LINGO 08 / III : Deutsch

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NORM UND FORM

lingo 09 blauAbgesehen von Frankreich dürfte wohl kein Land auf eine so verbissene ( bis verbiesterte ) Tradition der “Sprachpflege” zurückblicken . Lexikographische SprachNORM und lebensweltliche SprachFORM klaffen infolge der Residuen eines “Reinheitsgedankens” weiterhin auseinander , wobei uns das Chaos um die sog. “Rechtschreibreform” und deren diversen Teilrücknahmen zumindest orthographisch wieder einige Freiheiten beschert hat .

Wo jede Zeitung , jeder Verlag seine eigenen orthographischen Leitlinien erlassen hat , bleiben “nur” noch der Beamten- sowie der ( höchst bedauerliche ) Schulsektor an den kaum mehr nachvollziehbaren Stand des “Rechten Schreibens” gebunden . Immerhin haben uns die Zwangsversuche , den in|ad|ae|qu|aten Hang , das Linkshändische zur “Rechts- Schreibung” umzuprogrammieren ( bis hin zur Fesselung der Linken ) , eine anhaltende Legasthenie eingetragen – womit auch schon genug gesagt sei über eine durchwegs unerfreuliche Schulerfahrung .

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WORT DES JAHRES – BASICS : D | Ö | CH

lingo 09 blauIn Deutschland ist es die “Gesellschaft für Deutsche Sprache“, welche in ihrem jährlichen Bericht und ex cathedra des “WDJ” verkündet . Mit dem “Unwort” wartet man stets auf den Beginn des Neuen Jahres zu . Die Jury aus “Hauptvorstand und … wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sprachgesellschaft” bleibt dabei weitgehend insitutionell ( und im Dunkeln ) . Über die Auswahlkriterien aus einer “Sammlung von knapp 4.000 Wörtern und Wendungen” ( immerhin , man höre ! , unter Berücksichtigung von “Zuschriften” ) heisst es im Waschzettel :

Ausgewählt wurden ( … ) Wörter und Ausdrücke, die die öffentliche Diskussion des Jahres besonders bestimmt haben, die für wichtige Themen stehen oder sonst als charakteristisch erscheinen. Es geht nicht um Worthäufigkeiten, sondern um eine sprachliche Chronik des zu Ende gehenden Jahres. Auch ist mit der Wortauswahl keine Wertung bzw. Empfehlung verbunden.

Für Österreich publiziert das Grazer Projekt “Österreichisches Deutsch” seit 1999 Wort und Unwort immerhin in einem Streich . Im Hinblick auf die namentliche Nennung der Jurymitglieder , der expliziten Einladung von “Volksvorschlägen” ( laut Pressemittelung [ pdf ] 15.010 Einsendungen ) sowie tabellarisch klar formulierten Kriterien scheint man sich mittlerweile am “Modell Schweiz” orientiert zu haben .

In der Schweiz verläft der seit 2003 durchgeführte Findungsprozss selbstredend demokratisch : Aus den 2.300 Wortvorschlägen seitens der Bevölkerung wählt eine jährlich wechselnde sechsköpfige Jury von Medienleuten , Literturschaffenden und Verlegern um den DRS Redaktor Hannes Hug die auszustellenden Vokabeln . Wobei die Kriterien klar offenliegen :

Das Wort des Jahres muss

1. in diesem Jahr
2. in der Schweiz
2. wichtig
3. häufig
4. von besonderer Bedeutung und
5. von sprachlicher Qualität sein

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Wort einen neutralen, positiven oder negativen Inhalt ausdrückt. – Beim ‘Unwort des Jahres’ sind sprachliche Missgriffe zu nennen, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Gesucht werden Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.

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WORT DES JAHRES – KONKRET : D | Ö | CH

DEUTSCHLAND

lingo 09 blau1. Finanzkrise ( vor : 2. verzockt , 3. Datenklau , 4. hessische Verhältnisse , 5. Umweltzone , 6. multipolare Welt , 7. Nacktscanner , 8. Rettungsschirm , 9. Bildungsfrühling und dem obamamanischen “Yes, we can” an deutlich undeutscher 10. Stelle – offizielle Erläuterungen hier )

ÖSTERREICH

1. Lebensmensch ( eine Prägung von Thomas Bernhard , in Stefan Petzners emotionaler Reaktion auf den verunfallten rechten Parteiführer Jörg Haider angewandt – laut Pressemitteilung [ pdf ] des Sprachinstituts von Vielen auch zum “Unwort des Jahres” gekürt ) , 2. Krocha ( Jugendkultur , hier das ultimative Krocha- Lexikon ) , 3. Wachteleierkoalition ( Wahlkampf 08 : höhere MWSt. auf Luxuslebensmittel ) .

SCHWEIZ

1. Rettungspaket ( vor : 2. Task Force Cervelat , 3. Botellón , 4. Raser ( -problematik ) ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

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UNWORT DES JAHRES – KONKRET : Ö | CH

lingo 09 blau DEUTSCHLAND

To be announced . Siehe Vorjahr ( 2007 : “Herdprämie” , “klimaneutral” , “entartet” )

ÖSTERREICH

1. Gewinnwarnung ( Wikipedia ) , 2. Heimatpartei ( rechts | links ) , 3. Kulturdelikt ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

SCHWEIZ

1. Europhorie ( remember ?! : PR- Sprech für die Fussball EM ’08 ) ( offizielle Erläuterungen [ pdf ] hier )

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NICHT GELISTET : WÖRTLICHE AUFFÄLLIGKEITEN – “GEFÜHLT” , “LOHAS” , “ERZIEHUNGSCAMP”

lingo 09 blauPersönliches Unwort dieses ( wie auch der vergangenen Jahre ) bleibt uns in|ad|ae|qu|at alles , als als “gefühlt” adjektiviert wird . Eine jounarlistische Unsitte , welche seit einer “gefühlten” Olympiade an Jahren Fötong- Karriere macht und besonders charakteristisch ist für den Stil der ZEIT : “Seit Monaten bereits gilt der Außenminister an diesem 4. September als gefühlter Kanzlerkandidat.” – “Die gefühlte Gefahr” ect . – Über ein “gefühltes” Jahr hinweg grassiert dieses “gefühlte” Übel zunehmend auch in Österreich .

Die gefühlte Gefahr ZEIT

Nicht minder nervig allerdings auch die – obgleich seit dem Jahr 2000 als Wort , Zielgruppe und Lifestyle- Species in den USA nachweisbar – 2008 per Shopping- Seiten ( oder hier ) , Internet- Portalen wie Utopia oder treehugger und einem kurzlebigen Nachhaltigkeits- Luxus Print Produkt aus dem Hause Burda prpmoteten LOHAS . Wie man weiss , das Akronym für Bionade- Aficionados , aka Protagonisten eines ” Lifestyle of Health and Sustainability“ mit grossen Schnittmengen- Bereichen ( zumindest in Wien ) mit jener Personengruppe , welche als “Bobos” ganze Bezirke gentrifizieren und leider auch Inspirationsquelle reichlich misslungener Bücher sind .

Die Burda- Postille “IVY” ist – samt vorausgeschicktem Webauftritt – mittlerweile längst wieder vom Tisch : Bedauern bei den Angepeilten , Genugtuung bei den Leer- Content- Jägern .

Karma Konsum LOHAS

Besonders neugierig werden wir allerdings in|ad|ae|qu|at die januarliche “Unwort”- Wahl der “Gesellschaft für Deutsche Sprache” beobachten und sehen , wie weit deren Sprachgedächnits reicht : Es wird nämlich dann genau ein Jahr her sein , dass – lange vor den oben zitierten “hessischen Verhältnissen” – der amtierende hessische Ministerpräsident Roland Koch in der stillen Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr mit der Forderung nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts für Ausländer und gegen die bestehnde “Verständnispädagogik“ aufhorchen liess .

Anlass war jene Prügelei in der Nacht zum 21. 12. 2007 gewesen , bei welcher ein Grieche und ein Türke ( 17 bzw. 20 Jahre alt ) einen Renter in einer Münchener U- Bahn Station einen Schädelbruch zufügten.

Die im folgenden Januar entbrannte Debatte brachte zeitigte manches Unwort , welches den deutschen Sprachbeobachtern doch zumindest zu denken geben sollte : “Merkel will Erziehungscamps und Warnarrest” ( SpOn ) , “Merkel für Warnschuss-Arrest und Erziehungscamps” ( FTD ) , “Erziehungscamps für kriminelle Jugendliche ?” ( WELT- Debatte ) , “NRW plant erstes Erziehungscamp” ( tagesschau.de ) . Und auch Österreich liess sich nicht lumpen : “ÖVP will ‘Erziehungscamps’ für jugendliche Straftäter” , hiess es im März .

erziehungscamp FTD

Da “Erziehungscamp” schon nicht in der österreichischen UNWORT- Liste aufscheint : Sollten wir da in|ad|ae|qu|at hoffen , dass ausgerechnet die Deutschen per Wort- Wahl freiwillig an diese in allen Kategorien peinliche Debatte gemahnen ?

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Das in allen Lebenslagen taugliche Netradio Subflow haben wir – wie gestehen’s mit Scham – an dieser Stelle noch immer nicht vorgestellt . Dies czz-hoerempfehlungsei , um eine alte Bringschuld noch im alten Jahr zu erledigen , hiermit nachgeholt : Als Anlass nehmen wir deepgoas Anregung mit Freuden auf und bringen ein hochgradig minimal- elegantes “LaboMix” aus dem Hause Foton ( @ labomixfrequencies ) zur gedeihlichen Abspielung . CLICK LINK TO LISTEN ( MP3 ) .

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