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ROTE FARBENLEHRE , STREETWISE
In Johann Wolfgangs Tagen mag es ja noch hingegangen sein , die Farbe “Rot” mit dem Kostbaren , Raren sowie dem Herrschaftlichen der Purupurschnecke zu assoziieren . Spätestens seit der Erfindung synthetischer Farbstoffe , allerspätestens mit der Kodifizierung des modernen Strassenverkehrs hat sich “Rot” in die Signalfarbe schlechthin verwandelt , eine Semiotik zwischen “Not” und “no go” ist teuflisch und brandheiss dem Fuhrpark der Feuerwehr , des Roten Kreuzes und anderer Katastrophendienste eingezeichnet
Das Rot der Verbote und Ampelzeichen regelt ubiquitär den urbanen – sogenannten – Individualverkehr , auf dass sich Niemand mehr der alten sozialistischen Insignien oder gar des Rot- Schwarz des Anarchismus entsinne .
Just aus diesen erfolgreich verdrängten Bedeutungsresiduen aber zehren die Sprayer und Schablonen- ( Stencil- ) Künstler in der Unwirtlichkeit unserer Städte , um ihre piktographischen Kassiber wirkungsvoll zur Geltung zu bringen : Wenn auch ( Fluch der Sprachydose ! ) mitunter mit gewissen Startschwierigkeiten .

Womöglich manifestiert sich angesichts dieser “Sprayjuculatio postcox” auch ein unbewusster Widerwille gegen die Nationalfarbe Österreichs , respektive : den emblematischen Stadtkokolores der Gemeinde Wien .
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ANSEHNLICHE REFLEXE DER ANARCHIE
Das widerrechtlich dem Mauergrau applizierte rote Farbsignal strebt nach maximaler Aufmerksamkeit für Dinge , deren allseitige Gegenwart wir lange schon nicht mehr wahrnehmen . Vater Staat ist es ( Kategorie “Sicherheit” ) ja lediglich um unser Wohl zu tun . Wobei sich die Omnipräsenz der Überwachungskameras meist hinter unauffälliger Lackierung tarnt .
Die polemisch- didaktische Intention des entsprechenden Signals ( sichtlich innerhalb des klassisch freihändigen A- Emblems ) ist nicht zu übersehen …


… und es bleibt wohl das Privileg des feuerspeienden Drachen , über den gegenkulturellen Versuch der Volkserziehung ( heute heisst’s wohl “awareness- building” ) herzhaft zu lachen .
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PRIVAT- SIGNALE GEGEN DEN UNTERHALTUNGSINDUSTRIELLEN KOMPLEX
Auch wenn die selbst gesprühte Parole – weit ausserhalb der so genannten Fanzonen angebracht – weder gegen Letztere noch gegen das die gesamte Stadt in Mitleidenschaft ziehende Event der Fussball- Europameisterschaft etwas auszurichten vermochte , so wird es seinem Autor psychohygienisch immerhin die Gratifikation der Triebabfuhr geboten haben. Wozu es , wie Exempel zeigt , keine Stadien braucht und die in jenen zusammengepferchten Hetzmassen ( Canetti ) .

Im Gegenteil : Die Kulturtechnik der gelungenen Einzeichnung praktiziert sich meist solo oder ( mind that stencil ) maximal à deux .


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WEGWEISUNG
Wer sie indes zu lesen weiss , diese “Wrtitings on the Wall” , wird nicht selten in sonderbare Zonen vorstossen :

Vom Blumenwuchs am Baucontainer

zum erstorbenen Wort des Fixers ( er ist das Signet seiner selbst )

bis hin zum fiktiven Superhelden , welcher im Dschungel der Metropolen jenseits des Gendarmerie- Verhaltensbüchleins dem Wahren der Phantasie zu deren Recht verhilft .

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BESCHEIDENE FREIHEIEN
Wer dessen Body- Count nicht eben zum Opfer fiel , darf sich in unbeobachteten Momenten seinen kleinen Träumen und Freiheiten hingeben . Sei’s schwerelos der Düngung ,

oder nachstellend dem Gänsemarsch einer fehlfarbenen Abbey Road ,

dem transgender- mässig angebotenen Kuss sollten wir jedenfalls nicht widerstehen -

( Dass in diesen Punkt das Gender- Mainstreaming bislang noch sehr zu wünschen übrig lässt , zeigen wir in|ad|ae|qu|at an anderer Stelle . )
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KLANGAPPARAT
Dass braves Takten in diesem Kontext als wenig angebracht erscheint , ist ohne Schwierigkeiten nachvollziehbar . Zweiundzwanzig Minuten lang traktieren uns Randomform mit ebenso mitreissenden
Breakbeats , allenfalls melodisch unterbrochen durch klassische Notfall- Trigger- Töne . Aparte Anarchie im Spielzimmer und die Ordnungskräfte haben Ausgang . Allerdings ist es nicht so , dass “Syma” ( @ crazy language ) nicht auch Momente unverstellter Schönheit böte . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .
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