Surround- Auditorium :”Literatur als Radiokunst 2008″ im Literarischen Quartier

||| HEUTE HÖREN | RADIO IN DER “ECHTWELT” | 5.1 SURROUND : WEDER HÖRSPIEL NOCH LESUNG | RINCK + HAMMERSCHMID – URSENDUNG 1. 6. 2008 | KATHAN + KILIC & WIDHALM – URSENDUNG 7. 12. 2008 | LINKS | KLANGAPPARAT

LARK neu 300

HEUTE HÖREN

LARK_Studio_copyright_christiane_zintzenWenn wir heute auch echtweltlich zum akustischen Jahresrésumée der Prouktionen anno 2008 antreten , handelt es sich dabei um nichts Geringeres als das zehnte Produktionsjahr . Die von Liesl Ujvary 1999 initiierte Reihe wird seit 2001 von czz weitergeführt und hat sich durch mehrere Perioden desssen , was als “Radio” diskutiert wird , hindurchgearbeitet . In keinem der Studios , in welchen man für je drei intensive Produktionstage wie in einem U- Boot ganz ins Akustische abtaucht , ist ein Rack auf dem anderen verblieben : sämtliche Sound- und Bediensysteme sind inzwischen umgebaut und auf Produktionen in 5.1- Mehrkanal- Technologie umgerüstet . Das das “Kunstradio” und mithin auch “Literatur als Radiokunst” als erste Sendungen europaweit sowohl in Stereo als auch in 5.1. ( via Satellit OE1DD ) “on air” gingen , blieb es auch technisch ein Lern- Laboratorium für Techniker , Disposition und Gestalter .

All das technische Brimborium kommt zwar beeindruckend ( anfangs auch komplizierend ) daher , käme als schieres Produktionsmittel allerdings gar nicht zur Geltung ohne den Einfallsreichtum und die performative Kraft der Autorinnen und Autoren : Mit jedem Autor , mit jeder Autorin und mit jeder neuen Produktion dürfen wir unsererseits lernen und bleiben damit stets auf der Suche nach geeigneten akustischen Instrumenten , Modalitäten und Verfahren , um die jeweilige Poetik und das individuelle performative Temperament adäquat zu instrumentieren . Das Radio soll den Autoren dienen und nicht umgekehrt .

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RADIO IN DER “ECHTWELT”

LARK_Studio_copyright_christiane_zintzenDass wir seit Jahren unser “immaterielles” Tun auch in der “Echtwelt” mit den gegenwärtigen Autoren und vor Publikum präsentieren dürfen , dankt sich dem Engagement des “Literarischen Quartiers Alte Schmiede” : Erst bei der Aufführung der Stücke in Echtzeit und vor leibhaftigen Menschen werden die Hörstücke zur greifbaren sozialen Realität . Das Erlebnis des gemeinsamen Hörens schafft oft erst den realen Raum für ästhetische , technische , poetologische Diskussionen , sei dies nun während der – dicht gepackten – Veranstaltung oder nachher an informellen Plätzen .

Diesjahr dürfen wir diesen Diskussionsraum um eine Ausstellung “10 Jahre Literatur als Radiokunst” ( ab 4. März ) erweitern : Dass uns das “Literaturhaus” dabei nicht nur für die Monate März und April seinen Foyerraum leiht , sondern auch höchst pragmatisch unterstützt , bildet ein schönes Komplement zu den Jahrespräsentationen in der “Alten Schmiede” . Damit erweist sich , dass verschiedene Literaturveranstalter ( bei allem Gerangel um Gelder und Subventionen ) nicht etwa als Konkurrenzunternehmen aufzufassen sind , sondern als je distinkte Kooperationspartner mit je eigenen Möglichkeiten , realen wie symbolischen Räumen . Dass “Literatur als Radiokunst ” damit aus dem Gefäss “Radio” fliesst und in unterschiedlichen Echtwelt- Kontexten und -Institutionen greifbar und sichtbar wird , wollen wir gerne als Privileg betrachten .

Trotzdem und noch einmal : Ob Sendung , ob Aufführung , ob Ausstellung – all dies wäre nicht , könnte nicht sein , ohne die in allen Formen gestalterische Kraft der beteiligten Autorinnen und Autoren . Was , bitte sehr , sollten wir den senden , vorführen oder gar zeigen … ohne sie ?!

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5.1 SURROUND : WEDER HÖRSPIEL NOCH LESUNG

Perfekt getuned im professionellen 5.1- Aufbau ( dank “Kunstradio” und Ö1 ) sind Monika Rinck , Michael Hammerschmid , Bernhard Kathan sowie Ilse Kilic und Fritz Widhalm auch in persona zugegen , um Auskunft über ihre Konzepte und deren akustische Verwirklichung zu geben . Die vier – je etwa 15 minütigen und eigens für die akustische Realisierung mit und durch die Autoren im Studio – entstandenen Textverdichtungen erkunden Alternativen zu den traditionellen Genres von “Hörspiel” oder “Lesung” .

in|ad|ae|qu|at hat ja seinerseits den Fortgang der jeweiligen Studioarbeit in den jeweiligen “Produktionsnotizen” mitstenographiert : deren Links folgen an entsprechender Stelle .

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RINCK + HAMMERSCHMID – URSENDUNG 1. 6. 2008

LARK_Studio_copyright_christiane_zintzenMit dem fundamentalen Thema der Übertragung eines geschriebenen Textes ins auditive Medium befassen sich sowohl die namhafte deutsche Lyrikerin Monika Rinck als auch der Wiener Autor Michael Hammerschmid . Mit “Ende gut, alles gut – Kein Hörspiel” spielt Hammerschmid zwar auf verschiedene Stilmittel des traditionellen Hörspiels an , löst dieses aber gleichzeitig performativ auf in teils lyrische , teils essayistische Partikel .

Wie der geschriebene Affekt in einen akustischen Effekt zu übersetzen sei , erprobt Monika Rincks akustisches Apercu “AM APPARAT” mit hintersinnigem Witz und konzeptueller Intelligenz . Angewandte Grundlagenforschung als Radiokunst im “Kunstradio” .

1. Monika Rinck : “AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” ( 13:22 ) | Text + Stimme : Monika Rinck , Ton : Anton Reininger + Stefan Wirtitsch | Produktionsnotizen ( Audio mp3 )
2. Michael Hammerschmid : “Ende gut, alles gut – Kein Hörspiel” ( 15:49 ) | Text + Stimme : Michael Hammerschmid , Ton : Martin Leitner | Produktionsnotizen ( Audio mp3 )

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KATHAN + KILIC & WIDHALM – URSENDUNG 7. 12. 2008

LARK_Studio_copyright_christiane_zintzenIn formal konträre Formen kommt die prekäre Situation des freischaffenden Künstlers im zweiten Teil des Abends unsentimental zur Sprache. Ilse Kilic und Fritz Widhalm , die seit zwei Jahrzehnten ein Lebens- Kunst- und Verlagsprojekt ( “Das fröhliche Wohnzimmer” ) erproben , nehmen den Begriff des “Schriftstellers” beim Wort und empfehlen diesen als Stell- Objekt fürs kultivierte Interieur : “Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !” hebt das polyphon satirische Beratungsgespräch im “Schöner Wohnen “- Stil an .

Der universal schöpferische Tiroler Forscher Bernhard Kathan nutzt dahingegen das messerscharfe montierte Zitat zur Instrumentierung des Elends der “Hungerkünstler” . In diesem Fall ist es der für seine aberwitzige “Fälle und Fallen” postum zur Kultfigur avancierte Russe Daniil Charms ( 1905 – 1942 ) , aus dessen Tagebüchern die Not in verschiedensten Stimm(ungs)lagen spricht .

3. Bernhard Kathan : “Hungerkünstler” ( 14:56 ) | Text + Stimme : Bernhard Kathan – Ton : Michael Mangweth | Konzept ( Audio mp3 )

4. Ilse Kilic & Fritz Widhalm : “Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung mit einem Schriftsteller oder einer Schriftstellerin !” ( 12:03 ) | Text + Stimme : Ilse Kilic & Fritz Widhalm – Ton : Karl Petermichl | Produktionsnotizen ( Audio mp3 )

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LINKS

UPDATE

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KLANGAPPARAT

Hier ist heute stolz zu vermelden , dass sich das “Erste Wiener Heimorgelorchester” des “Literatur als Radiokunst”- Autors Daniel Wisser zum Finale des am Donnerstag im Wiener Rabenhoftheater steigenden czz-hoerempfehlungProtestsongcontests” qualifiziert hat . Die wie stets nihilististische Nummer “Widerstand ist Ohm” wird am 12. 2. 2009 ( 20 H ) live im Rabenhoftheater zu hören sein , gleichzeitig aber auch via Radio FM4 ( mit Vorberichten bereits ab 19 H ) . Vorab ist das gute Stück auf der Heimseite des “EWHO” zu hören und per Textbeilage auch zum Mitsingen einzustudieren : CLICK AND LISTEN TO “Widerstand ist Ohm” . [ Nicht vergessen : Online- Voten ! ]

UPDATE

And the winner is … in der Tat und justament das “EWHO” ! -
Vgl. den ausführlichen Event- Bericht @ FM 4 sowie die allfällige Kritik
an bestimmten Jurymitgliedern .
in|ad|ae|qu|at gratuliert !

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