GEHEN

||| GEHEN | SAMUEL BECKETT : “QUADRAT” | BRUCE NAUMANN : “WALKING IN AN EXAGGERATED MANNER …” | KINDER AUF DEN SPUREN NAUMANS | KEIN KLAGAPPARAT

GEHEN

“Gehen” als fundamentale Körpertechnik , “Gehen” als Setting of Mind :
Als vermeintlich menschliches Spezifikum mag zwar der sogenannte “aufrechte Gang”
eine Tugend darstellen , doch bleibt es letztlich das Gehen auf einem Weg ,
an dessen Ende das Sterben steht .

|||

SAMUEL BECKETT : “QUADRAT”

Unter Samuel Becketts enorm klaustrophobischen Fernseharbeiten für den SWR
bildet “Quadrat I” ( 1981 ) die einzige koloristische Arbeit , zusätzlich dynamisiert durch die Perkussion .
Wortwörtlich liegt die Nähe zur “concussion” , der Erschütterung , dem Trauma nahe ,
erschüttert , mit eingezogen Schultern , wuseln die Darsteller ,
zwei Männer und zwei Frauen ,
auf stets denselben Wegen durch die Zelle ,
ohne einander je zu touchieren . Auch schrecken sie alle stets
vor dem Loch im Zentrum der Quadratur zurück .

Auftreten , Abtreten , es scheint eine endloses Ballett ,
ziellos , zweckfrei ( wir sehen keine Hände ) , dessen Finale
allerdings zweifellos bleibt .

Samuel Beckett : Quadrat I ( SWR 1981 )

 

|||

BRUCE NAUMANN : “WALKING IN AN EXAGGERATED MANNER …”

Wie man sieht , hat es keine zwei Monate gedauert , bis die tiefenscharfe Version
der Suhrkamp- Video- Ausgabe ins Netz gerippt wurde .

Bruce Nauman seinerseits stellte 1967 | 68 eine Reihe von Videos zur Debatte ,
bei welchen der Künstler – inspiriert vom seitenlang beschriebenen steifen Stolpern in Becketts “Molloy” -
seinerseits die Quadratur des Ateliers
auf teils vorgezeichneten , teils willkürlich und zufällig gewählten Wegen
durchmass . “Gehen” als Zustand , nicht als Zweck . “Gehen” als reine Performanz ,
zielbereinigt .

Bruce Nauman : Walking in an Exaggerated Manner around the Perimeter of a Square ( 1967 | 68 )

 

|||

Das gestampfte Gehen entspricht in etwa – und mehr als ein Jahrzehnt vor deren Entstehnung -
einerseits der Perkussion von Becketts “Quadrat I” , deutet allerdings auch bereits
den Rhythmus des puren Schlurfens in “Quadrat II” voraus . Auch liegt der Gedanke
des “Marschierens” nicht fern , welches – in militärischem Kontext -
seinerseits eine Fortbewegung auf den Tod zu ist . Oder bereits in seinem Vollzug ,
ein zermalmender , konkussiver Vorgang ist .

Bruce Nauman : Walk ( 1967 | 68 )

 

|||

KINDER AUF DEN SPUREN NAUMANS

Ein “Remake” des Nauman- Settings hat der Kunstpädagoge Günter Mik
im Rahmen der “Medienkunstschule” des Wiener Mumok mit Kindern realisiert . -

Walking in an Exaggerated Manner around … ( 2007 ? )

 

|||

KEIN KLANGAPPARATlärm no radio

 

 

|||

5 Responses to GEHEN
  1. liesl ujvary
    February 18, 2009 | 20h31

    thomas bernhard, gehen.

  2. czz
    February 18, 2009 | 21h44

    klar doch ,
    nur leider noch
    im umzugskarton !
    ( regal- laufmeter dringend gesucht … )

  3. otto brandenberg
    February 18, 2009 | 22h50

    sehr unakademisch, und ohne die großen namen beckett, naumann und bernhard abwerten zu wollen, darf ich eine ironische assoziation in den kommentar-raum stellen: monty python und deren sketch “Ministry of Silly Walks

  4. czz
    February 19, 2009 | 17h34

    … fehlt ja nur noch Nancy Sinatra , dann haben wir die Klassiker beisammen -

Trackbacks/Pingbacks
  1. Bloguer ou ne pas bloguer » Feydeau et Fées d’eau
Leave a Reply


Wanting to leave an <em>phasis on your comment?

Trackback URL http://www.zintzen.org/2009/02/18/gehen/trackback/