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KUNSTWOLLEN – BLOGWOLLEN ?
Einige Beobachtungen aus dem literarischen Echtwelt- Leben , speziell aber mancher Blick in die literarische Blogosphäre , haben in jüngster Zeit den Eindruck befördert , zwischen unbeholfenem Dilettantismus und einer betulichen Teekränzchen- ( weiblichicherseits ) bzw. teils kraftmeiernder , teils devot anbiedernder Biertisch- Mentalität ( bei den Buben ) herrsche weder Wille zu einer Literatur der Intensität , noch die Vorstellung eines konsequenten poetischen Projekts .
In dieser para- literarischen Mitmachkultur kursieren oft unreflektiert die überkommenen Werte des GutenWahrenSchönen . Oder man gibt die Vorstellung eines gefühlsecht Authentischen : “Because ( um ein prototypisches Wort einer amerikanischen College- Studentin zu zitieren , “that’s the way I really am” . Soll sein .
Was uns in|ad|ae|qu|at momentan allerdings fast am schlimmsten zum Würgreiz animiert , sind jene betont geistreich und angestrengt metaphysischen Debatten , welche die Berufenen vom Zaune brechen , um über eine straks folgende Horde von Schleimern zu triumphieren .
Als stünde das selbst ausgerufene Label “Literatur” an und für sich ( sowie ungeachtet ihrer Form ) für das neudeutsch “Wertige” und das Bessere im Menschen … Aber lasst , bitte , Eure ICH- Masken tunlichst umgebunden : Wir wollen mitnichten wissen , wer da dahinter steckt -
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ERNST JANDL : POESIE IM AUF- BEGEHREN DES LEIBES

Gehen wir Von Michail Bachtins Verständnis des “kanrnvelaistischen” Aufbegehrens des Leibes gegen den Geist auf ( Rabelais ) , stossen wir im Werk Enst Jandls auf zahlreiche Belege für die Unterwerfung der “res cogitans” durch die von Descartes missachtete “res extensa” . Tabuisiert und verdrängt durch nachfolgende Theorie- Generationen , exemplifizeren Jandls Gedichte die unausweichliche Gegenwart des Leibes im Leben und Leiden der Schriftsteller- Existenz . Also das , was bei den literarischen Teekränzchen keusch unter den Tisch- und anderen Decken bleibt .
ernst jandl – die scheißmaschine
du wunder mensch, verwundetes mirakel,
du nicht ihr ingenieur, nicht ihr erfinder
doch ihr besitzer, nutznießer und pfleger
vom munde führt der lange weg nach innen
für nas und zunge köstlich different
treten in dich, o mensch, die speisen ein
dein organismus sich mit leben füllt
und ebnet ein, was aus dem arschloch quillt
von hier an hast die scheißmaschine du
geliebt- gelobter mensch in deine hand genommen
muscheln gebaut, um stöhnend drauf zu sitzen
kanäle angelegt, darin die ratten flitzen
( idyllen , poetische werke 9 – 106 )
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ernst jandl – essay von der darstellung des menschlichen lebens ( auszug )
( … )
kolonnen von
verrichtungen
durchqueren
kolonnen von
verrichtungen:
freß-, trink-, scheiß-,
piß-, geschlechtsakte,
sitzakte, steh-, geh-
liege-, hebe-, lauf-,
akte, sprechakte, bück-
hock-, knie-, wurf-,
schreiakte, schreib-
akte, schneide-, hack-,
zahl-, kratz-, schabe-
akte, leseakte, sammel-
wasch-, reibeakte, berühr-
akte, leckakte, horch-
zeige-, öffnungsakte, schließ-,
reiß-, klebeakte – dies sind
noch die wenigsten von
allen, die
jedes einzelne als kolonne
quer durch alle anderen
kolonnen jedes einzelnen
sich ziehen; so
ein korb, ein korpus, ist es, darin (solang darin)
ein herz
funktioniert: das
EKG (kolonnen davon)
als biograpphisches medium;
der sitzplan als biographisches medium für platzanweiser;
zwei kolonnen, irgendwelche
(z. b. scheißakte, stampfakte)
reicht für jedermanns
biographisches koodinatensystem;
oder bündel von
kolonnen (strahlenbündel; sonnen) fürs
unausbleibliche, kunst;
roman aus
grätsch-, selbstbetastungs, fremd-,
betastungs-, reibe-, riech- und
spritzakten (sonnenroman; romansonne)
poesie aus
gurgel-, keuch-, kotz-, küß-,
pfauch-, schrei-, stöhn-, stotter- und
schweigeakten (ideal- bzw. odolpoesie);
( … )

( wischen möchten , poetische werke 6 – 174 – 180 , 178 – 180 )
( Illustrationen : Roland Topor )
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KLANGAPPARAT
Husten , Stöhnen , Todesahnungen und Mantras , verschnitten mit höchst vitalen Breakbeats , Dub- , Ethno- und Electronica- Sequenzen : Selten so viel chaotische Leiblichkeit in stark changierenden
Klang- Temperierungen gehört , allesamt eingebettet in einen organischen Flow : Ein absolut karnevalistischer Wechselbalg , den das Belgrader Kollektiv “Sound of Illusion” ausgerechnet nach einem Essay Sigmund Freuds benennt . Und per Netlabel sociopath- recordings ( Taiwan ) zu Gehör bringt . Eine höchst vitale Interpretation des “vanitas”- Topos -
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