Bachmannpreis 2009 – Mithin 1 Mitschrift

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DIE MITSCHRIFT

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Ein bisschen geht nicht . Wenn man das Spiel mitspielt , dann bitte konsequent und bis zum Schluss . Das Spielmodell hiess früher “Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb” und figuriert heute unter dem hässlichen Akronym TDDL ( “Tage der deutschsprachigen Literatur” ) ebenso schwer verbalisierbar .

In|ad|ae|qu|at beugt sich erneut über Texte & Tasten und notiert Gelesenes , wie Debattiertes plus einige Krumen visueller Information einfach mit .

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SPEKULATIONEN& BEFUNDE

Was würden wir auf welche Gewinner setzen ? – An den Damen Christiane Neudecker und Andrea Winkler geht’s wohl kaum vorbei . Irritierend die ( erschöpfte ? ) Zuneigung der Jury zu Caterina Sataniks angeblicher “Lieblichkeit” .

Innerhalb der Herrenriege lägen wären uns subjektiv in|ad|ae|qu|at die Todes- Texte von Jens Petersen und Andreas Schäfer am nächsten , wobei Sympathiepunkte an die Paperasserie des Philipp Weiss gehen . Karl-Gustav Ruchs Mietshaus will uns doch gar arg etwa an Anja Hillings akustisches Mietshausdrama “Mein junges idiotisches Herz” oder an Günter Eichs “Träume” etc. gemahnen .

Auffallend diesjahr das weitgehende Fehlen der Spass- Fraktion sowohl hinsichtlich der Texte als auch innerhalb der Jury : Wobei – nota bene : ohne deshalb eine Spur an “Lockerheit” zu verlieren – die Absenz des schnellen Kalauers der Konzentration und Diffenziertheit der Diskussion durchaus zugute kam . Wenn Künstlern und ihen Werken solcherart mit wachem Interesse und engagierter Offenheit begenet wurde , implziert dieser wiedergekehrte Faktor des “Respekts” noch lange keinen niedirigeren Pegel an medialer | literarischer “Unterhaltung” .

Als wiederkehrende Schlagworte in den Jury- Debatten schlug die Wendung “das habe ich schon hundertmal gelesen” Attribute wie “putzig” weit ab . Auch die Formel von “handwerklich ( zu ) gut gemacht” wurde zwar einige Male touchiert , hielt sich diesjahr allerdings in Grenzen . Dafür ist die Spinnen’sche “Etüde” nahe an die Schmerzgrenze gerückt .

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UDPDATE 28. 6. , 11:30 H : DIE GEWINNER

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Der Hauptpreisträger stand im zweiten Abstimmungsdurchgang fest , später gab es herbere Stechen ( im Plural , nota bene ) :

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PRESSEKOMMENTARE WÄHREND DES BEWERBS

Dem Standard schienen die Bewerbungstexte bis Samstag Mittag zu wenig existenziell , wozu nicht zuletzt das ausnahmsweise schlechte Wetter zur Illustration einer gewissen Kühle diente . Mit der einschätzung , den Siegertext habe man “vermutlich noch nicht gehört” lag der Autor – mit Ausnahme des Publikumssiegers Karsten Krampitz – zu jenem Zeitpunkt allerdings im Recht :

Literatur sei die Vereinigung von Genauigkeit und Seele, zitierte Juror Spinnen Robert Musil. An Seele hat es bisher gefehlt, und auch ein wenig mehr existenzielle Wucht hätte man sich gewünscht. “Warum brennt ihr so wenig, warum seid ihr so kalt?” , fragte Karsten Krampitz nach seiner Lesung. Er hat recht, eher kühl ist es in Klagenfurt bisher gewesen und das Wetter mäßig. Den Siegertext hat man vermutlich noch nicht gehört. ( Stefan Gmünder , Der Standard , 26. 6. 09 )

Die “Presse” verliess sich bei zwei Berichten auf die Zulieferungen der APA , Redakteur Harald Klauhs wollte als dringlichste Favoritin zunächst die Moderatorin Clarissa Stadler genannt haben . Verteidigt against all odds Linda Stifts “Welt der schönen Dinge” als einen der brisanteren Texte und mochte sich – wie im Vorjahr – wenig mit dem Thema einer genuin gelsenen , ergo auditiven , Literatur efreunden. ( Harald Klauhs . Die Presse , 26. 6. 2ßß9 )

In der ZEIT mokiert sich David Hugendick eher lustlos über das alljährlich stereotype Rital der Auf- und Abtritte ( sic ) von Autoren , misst Philipp Weiss’ Verspeisung von Oblatenpapier am Massstab des Goetz’schen “Subito”- Radierklingenschniitts , konstatiert allerdings zu Recht die Leitmotivik der Jurorenformel “Das habe ich alles schon hundert Mal gehört” . ( David Hugendick , DIE ZEIT , 25. 6. 2009 )

Für die WELT hat Elmar Krekeler eine Ticker- Mitschrift in zwei Teilen erstellt , deren aufgesetzte Flapsigkeit ( “Fleischanderl grantelt”, “habe Brüllhunger” , die Würsteloption indes leider “verquatscht” ) wohl zum ( um in Jargon zu bleiben ) eher “aufgebezelten” Teil der Textproduktion in , um und über K’furt gehört . Erkennt immerhin in Jens Petersen bereits während dessen Lesung das Gewinner- Potenzial . Trotzdem hätte sich der Kritiker seine persönlichen Animositäten gegen die Kollegin Fleischanderl sparen können … ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 25. 6. 2009 – ders. , ebda , 26. 6. 2009 )

In der FAZ berichtet Sandra Kegel zunächst vom eindrücklichen Nachhall von Josef Winklers Eröffnungsrede , der gegenüber nun manches neue Textlein ziemlich alt aussieht . Angesichts der Nichteinlösung hoher ( – was bigott ist – ) Erwartungen lässt sich leicht ein lebensfernes Ideal formulieren :

Aber wo, wenn nicht in Klagenfurt ist der Ort, an dem Literaten den Mut aufbringen sollten, etwas zu riskieren, mit Worten, Stimmungen, Situationen zu zaubern, zu verblüffen, mithin ein literarisches Wagnis einzugehen.

Auch hier retten die Lesungen des zweiten Tages die bislang trübe Stimmung und mit Jens Petersen wird sogleich ein starkes Stück erkannt . Wie in der WELT gibt es auch hier Tadel für die allzu nassforsche Moderatorin Clarissa Stadler , welche mehrmals von Jurysprecher “in ihre Schranken” gewiesen werden muss .

( Sandra Kegel , FAZ , 26. 6. 2009 – dies. , ebda , 27. 6. 2009 )

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2 Responses to Bachmannpreis 2009 – Mithin 1 Mitschrift
  1. Sandra
    August 16, 2010 | 19h33

    Ich muss manchmal über den Bachmannpreis etwas schmunzeln :-) (Link). Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass dieser Preis nicht immer seine Berechtigung hat. Danke jedoch für diesen Homepage eintrag.

    LgSandra

  2. czz
    August 16, 2010 | 21h45

    Leider haben die Klagenfurter die Einrichtung eines passablen Streamings verschnarcht , sonst hätten wir gerne wieder mitstenographiert : es ist durchaus witzig , die wahnsinnig- wichtigen und die gesamte deutschsprachige Literatuwelt in Atem haltenden Binnen- Aufregungen ex post zu begrinsen .

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