||| KOMM ! INS OFFENE … EIN ENTSATZ | KLANGAPPARAT

Da man im Groll nicht schreiben soll unterbleibt der ursprünglich geplante Beitrag über das heuchlerische Genöhle der Buch- und Zeitschriften- Verleger angesichts von Google BookSearch und Open Access . Bezeichnender Weise ergeht das Geraunze gegen das freie Netz lediglich von Seiten der oberen Etagen , die mit ihrer bisherien Gatekeeper- Rolle nun auch um ihre schönen Chefsessel zu bangen haben . Von unten , wo die allseits auf minimale Zeilen- oder Tagessätze gedrückten Freien Mitarbeiter wenig nurmehr zu verlieren haben , bemüht man sich ( etwa mittels der “Freischreiber“- Initiative ) umständlich um Selbst- und Interesensorganisation .
Denn es ist ja die Sache die , dass dich ein unterbezahlter Artikel quasi doppelt kostet : Zum Einen katapultiert dir das karge Honorar für seriöse Arbeit kein Brot unter den Kaviar . Zum Andern kannst du nur unter solchen tumben Umständen durchhalten , wenn du ( wider besseres Wissen ) deine Idealismus- Schraube manipulierst : ja eh , machen wir doch gerne , wie schön , dass überhaupt noch jemand etwas von uns will . Und ja , natürlich , es ist uns eine Ehre , für diese namhafte Institution oder jenen Sender überhaupt noch arbeiten zu dürfen . Bezahlen sollte man uns direkt dafür lassen , vielleicht liegt hierin das neue Geschäftsmodell der von Google “enteigneten” Konzerne , dass Mitarbeiter per Auktion um die Chance einer Schreibarbeit feilschen .
Wer bietet mehr und hat dabei noch nicht mal die Rechnung für den frischen Toner oder den “Rechercheaufwand” ( = “Buch” ) in der Tasche . Lasst die Meistbietenden in eure Blätter quellen , dann werdet ihr jene Qualität erhalten , auf deren Monopol ihr euch für abonniert haltet . Und die Kasse stimmt . Wobei Letztere ja nur das Ass ist , das ihr aus dem Ärmel zieht , wenn es die Performance weithin sichtbar gebietet .
Das Anti- Online- Agitieren hat mit Google jetzt einen dankbaren Gegner gefunden . Als vielköpfige Hydra bietet die Krake ja tatsächlich aufregendes Angriffsmaterial . Gleichwohl handelt es sich seit der inzwischen verblichenen Anti- Blog- Hysterie weiterhin um das – heute glücklich ökonomisch verbrämte Thema : Verleger , Redakteure , Veranstalter , Universitäten sind in gemeinfreien ( creative commons- ) Zeiten mitnichten mehr die Nadelöhre , durch die durch muss , was “öffentlich” werden will .

Per a- priori- Ablehnung des WWW ( “weil da ja auch Porno und ‘World of Warcraft’ drinnen sind” ) bleibt man vom Wissen um dessen spezifische Qualitäten wohlbehütet und geschützt . Das tarnt sich als Kulturkonservatismus , als Wertepflege oder humanistisches Ethos , ist und bleibt dabei allerdings nichts anderes als ein System- Präservativ . Von diesem selbst aus dem Sperrmüll des christlichen Abendlandes zusammengebastelten Parnass herab tönen die Jeremiaden gegen Raubkopierer , Textpiraten & Download- Sauger .
Im Grunde besteht aber die wahre und allseitig paranoide Angst nicht etwa vor dem illegitimen Konsumenten | User , sondern in deren Gegenteil : Das Schreckgespenst der Gatekeeper ist das rundherum munkelnde Heer der freiwilligen , ehrenamtlichen und schnauzfrech selbst sich setzenden Produzenten . “Da könne ja Jeder daherkommen…” , wird argumentiert . In Tat und Wahrheit tut aber nicht ein Jeder , was Eurer wirtschaftsliberalen Welt der blanke Horror ist : Lohnlos malochen .
Da sind euch die fast-gratis- Arbeiter des Prekariats deutlich bequemer . Denn mit jedem räudigen Euro , welcher deren Produkte “abgilt” seid und bleibt es ihr , die den Kurs routet . “Freiwillige Leistung” zählt zwar zu den Killerphrasen im Genre der Sonntagsrede und im Akt des Lippenbekenntnisses . Dort allerdings , wo sie ungefragt und nicht durch eure Kanäle kommt & geht , bleibt sie das blanke Andere zur kapitalistisch kultivierten Käuflichkeit .
Nein , wir hier draussen benötigen keinen redaktionellen Tagesbefehl , sondern wir lesen , schreiben und notieren die Zeitzeichen auf ebenso wie ihr – nur eben auf unsere Weise . Friedrich Hölderlin hat die Parole geformt . Und sein Ruf “Komm ! ins Offene , Freund !” ( Der Gang aufs Land ) bleibt hier draussen keine Plein- Air- Nostalgie . Es gibt uns . Wirklich . Auch wenn ihr uns demonstrativ ignoriert oder kaum einer unserer täglich eintausend Leser ( m | f ) sich je outet oder gar kommentiert . Man könnte sich ja mit diesem Aufwand ohne Entschädigung selbst schädigen in einer nach wie vor feodal organisierten Lebenswelt .

Dazu nur das eine kleine Beispiel des seit zweieinhalb Jahren konsequent betriebenen musikalischen KLANGAPPARATS , wo in bislang 407 Folgen freie – d. i. : creative commons – Produktionen im Genre Electronica vorgestellt worden sind . Bislang hat – unter all unseren elektroakustischen , musikalischen und | oder betont modernistischen Leuten – eine einzige Person deutlich erfreut und explizit reagiert . Das ist zweifellos eine nette und inzwischen völlig unerwartete Geste , nicht indes Zweck und Ziel unseres sturen Tuns . Dieses ruht nämlich – just , da täglich neu erkämpft ( wenn auch mitunter fluchend ) – in sich .
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KLANGAPPARAT
Natürlich erwirbt man während der Jahre der täglichen Recherche nach praktikablen Klangapparaturen eine private Landkarte der humiden resp. eher ariden Netlabel- Geographie . Manche kommen aus simpel
pragmatischen Gründen nicht zum Zuge , da die Download- oder Streaming- Dauer unzumutbar ist oder man jeweils nur kurze Einzeltracks als direkt abrufbares Material vorfindet .
Einen sicheren Hafen bietet indes immer wieder das janusköpfige japanische Netlabel Bump Foot : mit je eher aufs Tanzbare zielenden ( bump ) , einer eher ambienten | idm- Seite ( foot ) wird nicht nur hoher Durchsatz generiert , sondern auch einen eminenter Pegel aufregender Sounds und tiefer Beaz . Eben hieven wir einen wahren Glücksfund ans sichere Ufer elektronischen Streamens .
Die acht Remixes , welche der Amerikaner Mystified aka Thomas Park im Zyklus “Endless Flutter” ( bump 113 ) kompiliert , sind rhythmisch wie harmonisch sensationell austariert und betätigen kräftig die Lusttaste der Endorphine . Man mag das Trance nennen oder Drone oder Wieauchimmer : Selten sind aus Sequenzern samtigere Sensationen emaniert -
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[...] 2009 in Prekarisierung | Tags: Schreiben | by andreame Bei in|ad|ae|qu|at geht unter dem Titel Komm ! ins Offene … Ein Entsatz um die Fragmentarität des bezahlten oder eben nicht bezahlten [...]
Als ich vor ein paar Jahren auf die wahnwitzige Idee kam, allein vom Schreiben für Zeitungen und Co. leben zu wollen, war ein befreundeter Journalist mit Ratschlägen zu Stelle. Er bemerkte den Rechercheaufwand, den ich für jeden einzelnen Artikel betrieb – den hielt er für “unprofessionell”. Heute sitze ich an anderer Stelle in der medialen Nahrungskette und bekomme die Texte prekärer “Professionals” auf den Tisch, die leider nicht mal mehr Zeit finden, richtig von Wikipedia abzutippen. Als Mensch aus der “Branche” versteht man’s, als Leser schüttelt man den Kopf.
Im Zuge der ersten “Zeitungskrise” vor 10 Jahren ( als mit den “Sonntagszeitungen” viel Geld in den Sand gesetzt wurde ) mussten die FAZ- Redakteure noch ihre Dienst- Mercedesse abgeben . Heute rollen die Köpfe .