MICRO | -NOTE | -QUOTE : in|ad|ae|qu|at in der “WELT”

||| DIE WELT , ZITIERT

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Der Weg aus der Nische wird weiter – Der Buchhandel scheint der Wirtschaftskrise zu trotzen .
Aber wie geht es den kleinen Verlagen ?
Eine Umfrage unter fünf Verlegern – DIE WELT , 18. 7. 2009

KOOKBOOKS ( Daniela Seel )

Ein paar Jahrzehnte lang mochte man den Eindruck haben, die alte Frage, wie und wo Literatur und Leser zueinanderfinden, sei hinreichend gelöst: in den Buchhandlungen, durch kompetente Buchhändler vermittelt, von einer streitbaren Literaturkritik begleitet. Mittlerweile verlangen Buchhändler Werbekostenzuschüsse, damit Bücher überhaupt präsentiert werden, und die Presse ist immer stärker von den Anzeigen der Großverlage abhängig, deren Bücher sich immer ähnlicher werden.

Während die Quadratmeter- und Titelzahlen und die den Verlagen aufgenötigten Rabatte steigen, wird die Breite und Tiefe des Angebots geringer und kurzlebiger. Ganze Gattungen – vor allem Bücher, die nicht nach spätestens sechs Monaten an Aktualität verlieren und zurückgeschickt werden können – kommen gar nicht mehr vor: Für Lyrikfans etwa gibt es im Land der Dichter und Denker heute keine zehn Buchhandlungen, die eine nennenswert gut sortierte Abteilung pflegen. Auch in die Schulen und Universitäten haben nach 1960 geschriebene Gedichte praktisch keinen Eingang gefunden.

Dennoch ist die deutschsprachige Lyrik so aufregend, lebendig und vielstimmig wie selten zuvor. Sie verbreitet sich über Festivalbühnen und Lesungen, Magazine, Radio und Internet. Projekte wie www.lyrikline.org oder www.poetryinternational.org machen Gedichte (Sprach-)Grenzen überschreitend zugänglich, wie es nie zuvor möglich war. Autoren und Kritiker stellen in formidablen Blogs wie www.zintzen.org Austausch und Zusammenhänge her, die wir ohne sie nicht sehen konnten. Das Magazin www.poetenladen.de hat konsequenterweise sogar eine Buchreihe gestartet.

Denn das Internet und elektronische Dienste können Bücher nur ergänzen, nicht ersetzen. Inhalte existieren nicht ohne Form, die Gestalt einer Sache vermittelt mein Verhältnis zu ihr (und womöglich beginnt Dichtung genau dort: wo die gesetzten Ambivalenzen und Polyvalenzen nicht aufgelöst werden können, ohne an Bedeutung zu verlieren; wo etwas nicht nacherzählt werden kann). Um etwas erkennen und mich daran bilden zu können, brauche ich Auseinandersetzung, einen Gegen-Stand, zu dem ich mich in Beziehung setzen, den ich begreifen und der mich begleiten kann, nicht eine Eigenheiten und Texturen nivellierende Benutzeroberfläche. Ich brauche die Begegnung mit dem eigensinnigen Buchding.

Dafür, dass das weiterhin möglich ist, sorgen vor allem gleichermaßen eigensinnige wie an der Sache mehr als an Gewinnmargen interessierte Verleger unabhängiger Verlage wie Urs Engeler Editor, Edition Korrespondenzen und Connewitzer Verlagsbuchhandlung, deren Verdienste man gar nicht hoch genug schätzen kann. Weil aber der Buchhandel sowie weite Teile der Medien und (Hoch-)Schulen sich für die Vermittlung quasi nicht mehr zuständig betrachten und Verlage in Deutschland weder Spenden noch Subventionen entgegennehmen dürfen, können diese Verleger in der Regel schlechter von ihren Erzeugnissen leben als ihre Autoren, denen, so sie denn ein gedrucktes Buch vorweisen können, Stipendien, Preise, Lesungs- und Artikelhonorare als Einnahmequellen zur Verfügung stehen (und gilt dieser Beitrag etwa als Werbefläche, oder warum wurde mir dafür kein Honorar angeboten?).

Wir müssen neu über die Frage nachdenken, wie, wo und zu welchen Bedingungen Literatur und Leser zueinanderfinden können. Märkte wie “Kleine Verlage am großen Wannsee” sind eine nötige Antwort, aber sie allein reicht bei Weitem nicht aus.

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3 Responses to MICRO | -NOTE | -QUOTE : in|ad|ae|qu|at in der “WELT”
  1. BN
    July 18, 2009 | 16h42

    Sehr cool – Ehre, wem Ehre gebühret!!!

    Da sehen wir es der Welt auch mal nach, dass man dem Text online ganz 1.nullig keine Verlinkung spendiert hat *g*

    Liebe Grüße und Gratulation aus Kiel nach Wien!
    BN ;-)

  2. czz
    July 18, 2009 | 18h57

    merci , lieber BN ,
    für Deine aufmerksamkeit .

    dass DIE WELT online das einfache kompliziert unterliess und KEINE links setzte , wurde auch per twitter spitz kritisiert ,-) -

    spass beiseite : die “umfrage” wurde um 04:00 freigeschaltet und besteht aus deutlich schriftlich abgegebenen stellungnahmen .
    vernmutllich hat hier ein unglücklich schwitzender eins-nuller den redaktionellen spät- oder frühdienst absolviert …

    Du lennst sie ja , die sache mit den “breaking news” …

  3. [...] MICRO | -NOTE | -QUOTE : in|ad|ae|qu|at in der “WELT” at in|ad|ae|qu|at Autoren und Kritiker stellen in formidablen Blogs wie http://www.zintzen.org Austausch und Zusammenhänge her, die wir ohne sie nicht sehen konnten. [...]

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