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TAGESETAPPE
325 km | 64km / h Durchschnittsgeschwindigkeit | 8,5l auf 100 km

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STORMY WEATHER
Vorgriff auf spätere Beobachtungen , die diesen Tag prägen sollten : Schwere Unwetter über dem jetzt zu durchquerenden Teil Polens ( zB der Ort Rawicze , wo eines der Todesopfer zu beklagen war ) prägen über hundert Kilometer die Aspekte der Überlandfahrt : Die für die Gegend ( übrigens bis Nordvorpommern , D ) charakteristischen Allee- Landstrassen ( “Chausseen” ) bieten ein Bild der Verwüstung : Kein Baum ohne wüst ab- und herabgerissene Zweige , krass gespaltene Stämme und Zweige , ja ganze Baum- Indivisuen samt Wurzelklumpen wurden in die Waagrechte gezwungen .
Verstreute Arbeitsbrigaden leisten mit Motorsägen ihr Möglichstes , sich ununterscheidbar mit den ubiquitär zuhandenen Strassenautrupps verschmischend . Immerhin hatte man kurzentschlossen zumindest die Fahrbahn der de facto- Magistrale nach Wroclaw vn hinderlichen Spuren de Verwüstung gereinigt ; als interessantes Phänomen wird registriert , dass jewieils nur die rechts zur Fahrtrichtung – also strikt östlich – situierte Baumpopulation in Mitleidenschaft gezogen worden ist .
Geknickte Strommasten ( rechts ) und abgedeckte Häuser vervollständigen die Assoziation an jene Kriegsschäden , welche das von Hiltler zur “Festung” erklärte bedeutende niederschlesische Bergbau- Gebiet spätestens seit der Einkesselung durch die Rote Armee im Februar 1945 erfahren hat .

( Sowjetische Ausgabestelle für Brot , Wroclaw 1945 , via )
An solchen Orten akuter Verwüstung lässt in|ad|ae|qu|at die Kamera blind in der Tasche : Man hat ja doch noch so etwas wie “Pietät” im Leib , mag sich nicht unter die Katastrophentouristen reihen und weiss , dass der minimale Ausschnitt , den die Fotografie bietet , ohnehin keinen Eindruck von der Umfassendheit der Verwüstungen zu bieten vermag .
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TANKSTOPPCOFFEE
Rückgriff aus dem Vorgriff : nach Bezahlung von wohlfeilen 100 Zloty ( = 25 Euro ) für eine Zimmernacht direkter Schwenk auf die Autobahn ; empörter Bordcomputer ( quasi im MC- Battle mit dem sprechenden GPS ) treibt uns einer hinlängliche Befüllung von Tank und Kaffeemägen zu : Erneutes Zuckeln durch Schrebergärten und die allgegenwärtige ostmitteleuropäische Strassenbaustelle führt der frühmorgendlich dicht frequentierten Markentankstelle zu .
Zur Akquisition einer feinen Marco Polo- Polen- Streetmap ( sie wird uns den karto- und geografischen Blick auf die deutschen Gefilde im Shell- Atlas nachhaltig verderben ) der landesübliche & erstklassig Kaffeeautomat der Marke D. – Man mag uns , aktive Mitarbeitern des Sonderforschungsbereichs “Kaffeautomaten im Direktvergleich” , und vorliegendem Testmonial ruhigen Gewissens Glauben scheneken .
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AUFTAUCHEN IN WROCLAW
Und die Kamera wird auch weiterhin in ihrer Hülle bleiben . Was mit der Einfahrt in ein City- Parkhaus in Wroclaw | Breslau beginnt , setzt sich oberirdisch in wütenden , minutenlsngen und monsunartigen Regengüssen : Spitzfüssige bundesdeutsche Touristen hopsen über Kopfteinplaster vom rettenden Vordach des Parkhauses zum wartenden Taxi . Indes reisst die Regenfront ebenso plötzlich wie fingiert unschuldig auf , um drn renovierten historischen Stadtkern mit gleissendem Licht zu vergolden .
Was soll man da sgen : Adrette Hanse-, Backsteingotik- und Bürgerhäuschen drängen sich im Viereck um Katzenkopf- Plätze , drei dicht aufeinander folgende Stadtlichtungen sind mit nicht weniger als drei ( noch katholischen ! ) Kirchen verstellt . Die fast schon unheimliche Propperheit der Ensembles erklärt die Unzahl deutscher Tagestouristen , während – recht eigentlich besehen – die Häuserfronten aufgrund der zahllosen beschirmten Gastgärten ohnehin “unfotografierbar” sind . Zu einem quasi lomographischen Handy- Kamera- Schnappschuss des Rathauses ringt man sich schliesslich doch durch .

Es gibt eine Art von Stadtbildrekostruktion , -Renovierung und -Pflege , welche die betreffenden Bauten und Ensembles mit einer derart aseptisch netten Zuckergusshülle versieht , dass der Blick keinen Halt mehr findet , die Rekognoszierung von Charakteristika quasi “abrutscht” und in ein vage wirres visuelles Erinnerungsgefäss weiterleitet , wo solche Eindrücke sich bunt mischen und nachher nurmehr schwer zu identifizieren sind .

Dafür gibt’s allerdings eine ebenso pittoreske wie tieftraurige Szene : Kniehohes Elektrowägelchen mit demonstrativ indifferentem Chauffeur und interessiertem Birkenstock- Ehepaar als Fahrgästen brummelt an den “Sights” und “sites” vorbei , wobei die vom Poker- Faced- Fahrer auf Knopfdruck betätigte gnadenlos abgehaspelte Prefab- Zuspielung der offenbar gewünschten Erläuterungen sich in forcierter Lautstärke über die wehrlosen Touristen ergiesst . “Njet” zu jeglicher Art der Nachfrage . Und gegen diese hier hörbare Echtmensch- Erläuterungs- Damenstimme klingt unsere vollsynthetische GPS- “Lady” richtiggehend verbindlich traulich sympathisch nett .
Allerdings hält Wroclaw unserem Hochmut eine angemessene Strafe parat : Nachdem die Ausfallstrasse – wen wundert’s eigentlich ? – sich als Streckbandwurm zwischen alten Baracken- und Meganeubaustrukturen Stunde um Stunde zieht , tränt bereits das den Hunderten von Schrifttafeln , Reklame- Billboards , handgemalten Anboten , verrutschten Klebebuchstaben ausgesetzte Auge : Wer HIER nichts feilbietet , sei’s Güter , Waren aller Art oder Dienstleistung , wird über weite Zonen keine solche Gelegenheit mehr finden . Es sei denn , er betriebe eine der Myriaden von strassenseitigen Trinkstuben ( “Bar” ) , Shops ( “Sklep” ) oder Hotdog- Büdchen .
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BIRKEN- & CHLEB- PIQUE NIQUE
Nach Überwindung des Areals der in actu befindlichen herkuleisch- polnischen Verkehrsvorhaben ( seltsamerweise sieht es so aus , als würde mehr begonnen denn je abgeschlossen ) landen wir , hélas , in einem jener stillen Dörfer , deren einfache kubische Siedlungshäuschen sich durch gleichmässig grauen Putz kaum unterscheiden und welche bei diesem Regenlicht besonders introvertiert wirken . Die Unsitte der quasi vom Hubschrauber ins platte Land abeworfenen Billa- oder anderen Ketten- Filialen ist längst noch nicht in diesen Landstrich vorgedrungen .
Der gute Nahversorger stattet Sie aus , wobei die feinen Unterschiede erst noch erlernt werden müssen : Gemüse gibt’s beim mütterlichen Gemüseweiblein und Brot ( “chleb” sagt man auch hier ) drei Häuser weiter beim Fleischer , wo eine eher tranig anmutende alterlose Frauensperson den per Fingerzeig gewünschten Laib über den mit Tierinnereien undefinierbarer Art gefüllten Tresen reicht .
Höchste Zeit nun also zur bereits klassischen Pqiue Nique- Platz- Suche , was angesichts der bis an den Strassenrand hoch aufragenden Felder bzw. dichter Bewaldung neuerlich zum Geduldsspiel wird . In getreulicher Erinnerung zahlreicher heiterer Freiluft – Mahlzeiten entlang der Route 66 wedelt der Blick aus dem Automobil heftig links- rechts : Ein Birkenwäldchen samt Lichtung zollt dem “chleb” stilgerecht Tribut & kalmiert die diversen aufgeriebenen Nerven . Wie Lomo auschnittweise dokumentiert .

( bitte höflich die dramatisch- diagonale Komposition dieses Foto- Kunstwerks zu beachten )
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POZNAN MON AMOUR
Fort und fort entlang der Bundesstrasse , vorbei an beklemmenden Bildern der Sturmverwüstungen . Immerhin seien ja in Polen zehn Menschen durch die Unwetter zu Tode gekommen . Baufahrzeuge , Traktoren , LKWS – kurz die “arbeitende” Landstrasse – sorgt für herabgedimmte Vitesse und ruhiges Ins- Auge- Fassen der Landschaft . Keine Schriften . Keine Schilder . Mit Ausnahme der ubiquitären “Bars” . Übrigens beeindruckt das in den Shops der Tankstellen feilgebotene Angebot an kaum verbrämten Hochprozentigen immer wieder : dies übrigens ganz analog zu den strukturschwachen und ärmeren Regionen der USA , wo es in Teilen Missouris , New Mexikos und Nevadas auch beachtliche Kollektionen zu begutachten gab .

Natürlich war der heimatliche Planungs- Generalstab ebenso leichtfertig wie bar jeder Vor- Ort- Erfahrung leichtfertig von einem lockeren Rutsch Wroclaw – Gdansk ausgegangen . Indes überzeugen uns die de facto- Bedingungen der polnischen Überland- Routen bald eines Besseren und wir streben erstmal bescheiden Poznan | Posen an .

Abgesehen von einem erneuten Stressregen , welche den Verkehr auf der Stadtautobahn kurzfristig zum Stillstand bringt ( und sei es nur , um die mindestens drei Ambulanz- Tatü- Tatas durchzulassen ) , erreichen wir bei wiederaufblinkendem Abendsonnenschein ein freundliches , auf Menschenmass und enorm binnenstrukturiertes Posen : Märkte auf Plätzen , kein Haus , dessen Strassenfront nicht mit irgendeinem Kleinbetrieb lockte – ja , selbst die Gangart der Menschen scheint hier flotter , entschlossener , optimistischer und kräftiger als diejenige des allseits schlurfenden , humpelnden , an Bushaltestellen zu langen Wartezeiten gezwungenen Wroclaw .

Kein Zweifel : Wir bleiben . Und fühlen uns beiläufg ein wenig an Berlins Mikroklimata erinnert .


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