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ANKLAM : ÄUSSERLICH ADRETTE ABWANDERUNGSZONE
Räumlich wir es an diesem Tag kein wirklich nennenswertes Weiterkommen und die grossen Wünsche weitestgehend unerfüllt bleiben , wenn Manches ( analog zum eben versuchten Zeugma ) auf den ersten Blick schief zu gehen scheint , so entsrpricht dies einerseits dem Landstrich , welcher nicht nur gegenwärtig wunschloses Unglück atmet , sondern im Laufe des 20. Jahrhunderts manche als Erfolg begonnene Geschichte ins Fatale wandte .

Otto Lilienthal : Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst , Berlin 1889 – Reprint 2003
Lessons learned : Der Wunsch mag wohl sprichwörtlicher Vater des Gedankens sein , doch hat er seine Rechnung stets ohne den allgegenwärtigen Stau gemacht . Dem verkehrsmässigen Flaschenhals , welcher zielrichtig einen neuerlichen Enterversuch jener Insel Usedom verhindert , welcher das Expeditionsteam nun bereits geraum Weile nachjagdt , schiebt sich nicht nur ein weiteres Mal zwischen Festland und Ostsee , sondern verhindert vielmehr die nähere Rekognoszierung der plötzlich hier wahrgenommenen flughistorischen Achse .
Hätte der aus Anklam ( Mecklenburg Vorpommern, Kreis Ostvorpommern ) stammende Otto Lilienthal ( 1848–1896 ) den Traum vom Fliegen per Imitation des Vogelflugs nicht in ein fledermausartiges Gestell verpackt ( den eins- zu eins massstabgetreuen Nachbau gibt’s im Museumsshop bereits ab wohlfeile zehntausend Eulen ) – wer weiss , ob der Flugenthusiast Wernher von Braun ( 1912 – 1977 ) ein knappes halbes Jahrhundert später im nahem Peenemünde die A4 ( Aggregat 4 ) vulgo V2 ( Goebbels : “Vergeltungswaffe 2” ) entwickelt hätte – eine der ersten Lenkwaffen und noch heurte Alptraum unserer im englischen Coventry aufgewachsenen Freundin …


Wie den Gang durchs vormittäglich besonnte Städtchen an der Peene erweist , verspricht jedwede Fort- Bewegung per Wagen in etwelche Richtung von Interesse im zähen Blechsumpf zu versinken . Was soll’s , wir üben uns in der Kunst , das unerreichbar Gewünschte ersatzfrei durch das Mögliche zu ersetzen : Womit wir uns tendenziell im friedlichsten Einklang mit diesem typischen Abwanderungsort befinden .
Zwar auf den ersten Blick adrett , weisen Innenstadt und Wochenmarkt doch bei näherem Hinsehen untrügliche Zeichen für die Strukturschwäche der Gegend auf . Was weniger an den Bratwürsten des “Deutschen Grill” [ Schriftzug in Fraktur ] liegt als im auffallenden Hang der Marktbesucher , sich nur dort anzustellen , wo sich bereits eine Menschenschlange gebildet hat .
Gleich , ob bei der Eierfrau oder beim ( polnischen ) Gemüse , beim Fleischhändler oder am Fisch- Wohnwagen . Wo Keiner ansteht , stellt sich auch Niemand dazu . Bei näherem Hinsehen wird klar , dass diese Pulkbildung vornehmlich von älteren Menschen vollzogen wird und
a. entweder der DDR- Sozialisation entstammet oder
b. aus schlichtem Kommunikationsbedürfnis herrührt .
Denn , wie ein zweiter Rundumblick zweifelsfrei erweist : Die niedergelassenen Geschäftslokale bieten , so diese nicht Apotheken , Optiker oder Anbieter von Hörbehelfen sind , vorwiegend physiotherapeutischen oder soziale Dienste . Undefinierbare Schnäppchen der textilen Art ; in einem Schaufenster prangt stolz das stabile Fahrrad der Marke “Anklam” als Objekt bemerkenswerten “City- Brandings” .
Wenn bei diesem sympathischen und grundsoliden Modell die Qualität der “verstärkten Speichen” besonders hervorgehobn wird , dürften diese auf dem hier buchstäblich platten Land eher selten der verbesserten Geländegängigkeit dienen . Die besondere Stabilität zollt jener Bevölkerungsgruppe Tribut , welche im Ort ein gutes Drittel auszumachen scheint : Jene , für welche am Markt Textilien der Konfektionsgrösse 58 angeboten werden . Kein Wunder also , dass bereits um 9:30 Uhr eine beträchtliches Interesse am infernalisch duftenden Bestand des Grillhuhnstandes besteht .

Wer hier nicht auf seine Kost( en ) bzw. Mindestkalorie kommt , kann dies bequem gegenüber , beim Stadtbäcker mithilfe der ausgelegten “Teilchen”- und Kuchenberge erledigen . Womit sich Bevölkerungsdrittel Eins ( senior citizens ) und Bevölkerungsdrittel Zwei ( circumferrentially challenced ) friedlich mit einigen wenigen Kleinkindmüttern und zugelaufenen Touristen vereinen . Nur einige Schritte weiter die alte Bäckerei , verzweifeltes Versteigerungsobjekt aus der Vorzeit der Fertigbackware .
Zwischen dem Diesseits des Marktes und dem Jenseits der Bäckereien- Zone brodelt , dräut , dampft und radaut ein gnadenloser Stau . “Rammstein ” dröhnt aus einem der herunter gekurbelten Fenster wie um noch ein weiteres Mal darauf hinzuweisen , dass jüngere Menschen grundsätzlichen dieses seltsam gedrückt und zerduckt wirkende Lokal verlassen .
Aufgrund von geringen Zukunftsaussichten und der anhaltenden hohen Arbeitslosigkeit kam es ab 1990 zu massiven Abwanderungen der Bevölkerung in wirtschaftlich aussichtsreichere Regionen. Eine besonders hohe Abwanderung ist vor allem bei den jungen, gut ausgebildeten Leuten zu beobachten. ( Wikipedia )
Ein verwaiser “Streetwear & More“- Laden nebst Hardcore- Sticker als archäologische Spuren einer vom Ort geflohenen Jugendkultur ( als Spiegelung immerhin ein Stück originaler Backsteingotik ) . Vermutlich nimmt’s die Anklamer Stadtpopulation gar nicht mal so tragisch , wenn selbst ernannte “Troublemaker ” woanders ihren kastenspezifischen Freuden frönen .

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AVIATISCHE ACHSE : ANKLAM – PEENEMÜNDE | OTTO LILIENTHALS VOGELFLUG – WERNHER VON BRAUNS V2
Der sich zunehmend verdichtende Stau verhält sich äusserst advers zur geplanten Etappenrichtung vom Anklamer “Otto Lilienthal Museum” zur ehenaligen Heeresversuchsanstalt ( HVA ) Peenemünde im Norden Usedoms .


( Otto Lilienthal , Fliegeberg Lichterfelde , 29. Juni 1895 | Peenemünde , V2 beim Start )
Hier Flugpionier , dort die berüchtigte Werkstätte Wenher von Brauns , wo die “V2″ und andere Fernlenkwaffen entwickelt wurden . Die flughistorische Achse ( Lilienthals “Normalsegelapparat ” – von Brauns spätere für die NASA entwickelte Mondflugrakete Apollo ) sekundiert eine kriegshistorische .
Von 1940 bis 1945 bestand in Anklam ein Gefängnis der Wehrmacht, das für 600 Häftlinge angelegt, aber meist, zeitweilig mit bis zu 1.500 Personen überbelegt war. Sie mussten in Rüstungsbetrieben Anklams, aber auch in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde Zwangsarbeit verrichten. Hier saßen von Militärgerichten verurteilte Wehrmachtssoldaten (z. B. wegen Fahnenflucht, Selbstverstümmelung, Ungehorsam etc.) ein, zahlreiche Hinrichtungen (mindestens 136) fanden statt, die letzten Erschießungen zweier Soldaten am 26. April 1945.
Ein US-amerikanischer Bombenangriff auf die Aradowerke zerstörte 1943 Teile der Innenstadt. Am 29. April 1945 besetzte die Rote Armee Anklam. Noch am selben Tag wurde Anklam von der deutschen Luftwaffe ( ! ) bombardiert. Außer auf Anklam traf dies in Deutschland nur Freiburg im Breisgau und Eberswalde. Zirka achtzig Prozent der Innenstadt wurden zerstört. Vom historisch vielfältigen Bauensemble mit Giebelhäusern der Backsteingotik und des Barock sowie Fachwerkbauten blieb beinahe nichts erhalten.
( Wikipedia , Hervorhebung czz )
Dazu fügt sich drittens die zufällige Lektüre F. C. Delius’ romanesker ( Auto- ) Biographie Konrad Zuses ( 1910 – 1995 ) , der Erfinders der “Universalrechenmaschine ” ( vulgo “Computer” ) welcher seinerseits von einer Begenung mit Wernher von Braun berichtet : Eindrücklich , die Schilderung der KZ- Arbeiter an der “V2″ in der Grube Dora …
Und – ausgerechnet – Heines “Harzreise ” spielt ja auf eindeutig zweideutige Weise mit den Formulierungen um die “Einfahrt in die Dora ” … Topologien der Deutschen Geschichte .
So der phantastische Plan . In Wirklichkeit sind weder das Lilienthal- Museum ob Ortsinnengedränge noch Peenemünde – das Nadelöhr macht die Brücke über die Peene – zu erreichen .
“Schlag dirs aus dem Kopf und füll’ was anderes ein !” – Ein kurzes Debriefing , um den Usedom- Wunsch loszuwerden . Zielen wir auf eine Destination nordwestlich , wären Rostock , Greifswald zu besehen . Indes soll relativ früh ein frisches Quartier gesucht & gefunden zu werden . Der gestrige Fahrtunterbruch und kurzes Ausstrecken der gepeinigten Glieder waren doch glücklich erquicklich .
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WOLGAST = VOLLGAST , QUARTIERSUCHE

Richtung Wolgast intensive Landwirtschaft , nichts nichts nichts deutet auf die nahe See hin . Wolgast selbst decouvriert sich als spielzeugstädtchenhaft pittoresker Ort , erneut an der segelbootbelebten Peene . Natürliche auch für Strandtouristen ein angenehm dezentraler Platz der Wahl . Wolgast sei “Voll Gast” , wird damig im im Fremdenverkehrsamt erklärt . Ratschlag zum Guten : Suche Quartier im seefernen “Hinterland” ( sic ) .
Am Wolgastende ein maximal katastrophaler Tankstellenkaffee – das Zeug im Automaten wurde so verdünnt , dass es läuft und läuft und läuft , ohne auch nur im Entferntesten die Grenzen des Becherhohlmasses zu respektieren – folglich Flucht ohne weiteren Schaden aus diesem Gastlichen Wohl . Schnurstracks auf eine maximal mäandernde Fahrt mit Habichtblick nach Hinweisschildern auf eventuelle Nachtlager . Nichts . Nichts . Nichts .

Hanshagen , Strasse des Friedens , ein keusch von Büschen fast verdecktes Thälmann- Monument . Keine Läden in dieser Tausend- Einwohner- Gemeinde , dafür ein “fliegender Friseur” . Bei manchen Herbergen , wo man in streng riechende Wirtsstuben des rustikalen Resopals bzw. der tristen Synthetik- Eiche ( dunkelbraunes DC- Fix ? ) tritt , neigt man der zur Erleichterung beim eigentümerseitigen Bescheid , sämtliche Betten seien belegt . ( Mehr als deren eineinhalb hätte man der Kate auch nicht zugetraut ) .
Bei steigenden Temperaturen gebärdet sich die Quartier- zur zunehmend buchstäblichen Stecknadelsuche in den rundum mannigfaltig geschichten Heuhaufen , zwischen Anklam und Wolgast verteilen sich drei , vier Mikrosiedlungen weit im Felde draust’ und tief im Walde drin .
Doch Rettung droht . Die handgemalte Reklametafel kündet von “Wildschweinsülze” ( nach Pfifferlingen & Blaubeeren neu im Inventar ) und richtig ! verbirgt sich dahinter – zwischen lauschiger Landstrasse und rauschendem Waldesrand ein , tja : “sachlicher” , Siebziger- Jahre- Bau des poetischen Namens “Am Lärchengrund ” .
Diedrichshagen der – sonst nicht weiter sichtbare – Ort ( oder so ) ( drumherum ) ( muss sich um eine Streusiedlung handeln ) .
Haus in Tankstellnnähe . Freimütig verschweigen wir etwelche Eigenschaften , bis auf diejenige , dass die Auslastungsfrage hierorts durch in den Gästezimmern dauerhaft einquartierte Gewerbe gesichert wird . Entsprechend bilden Coiffeur , Schneiderei & Nagelstudio dreieinig eine “Schönheitsoase ” .

Das winzige , de facto aus 1 Bett und 1 Fensterfront bestehende Minizimmer weist auf 1 grossen Acker und einen noch grösseren Wald hinaus . Im Vordergrund kurioses Kleinbiotop aus einigen Hüttchen , Wohnwagen , verwaistem Pool und Kleintierzucht . Besonders das sanfte Getratsche , Gequatsche und Gequake eines Hausenten- Rudels wirkt effektiv gegen die leicht depressive Anmutung des handtuchgrossen , schrei- geblümten und von der beizend ultrachemische Waschmitteldünste sinternden Bettwäsche erfüllten Gemachs ( “Kreisch ! ” ) .
Es sind die Enten , die retten .

Wobei das Zoom eindeutig auch einige Exemplare der Anser domesticus ( nein , keine Pommerngänse ! ) unter den White Ducks ( Anas platyrhynchos domesticus , viel Vergnügen bei der Pluralbildung ) zeigt .

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GREIFSWALDER GRILLIDYLLL
Greifswald , die alte Universitätsstadt ( mit einer der statistisch angeblich jüngsten Populationen ganz Deutschlands ) gähnt vor nahezu furchterregender ferialer Leere : Backsteingotik , offensichtlich rezent gepflegt , ein paar Strassenlokale . Rockcafé und Ägypter verstecken sich verschämt in Seitengassen . Dabei mutet es hier eh so propper an , als könnte man vom sprichwörtlichen Boden essen …

… Was dann auch fast , an den Gestaden des entlang des zur Ostsee strebenden Peenestromes Flüsschens Ryck ( Danke , Daburna ! ) , auch insofern sozusagen geschieht , als sich hier eine sympathische kleine Wiesen- und Grilllandschaft etabliert hat . Wie man staunt , ohne grosse Regulierung .

Raum für die in der Stadt gebliebenen oder in Sommerkursen fortzubildenden ( sehr jungen ) Studenten , ihre Bierbatterien aufzubauen und stark qualmende pyrotechnische Experimente zu wagen . Für Solche , welche nicht Proviant und Paraphernalien per Plastiktrage herbeischaffen , gibt es Bier & das endemische Matjesbrötchen ( Nordsee- Ernte ? ) auch in Büdchen und auf Stühlchen , schön mit Blick auf den Museumshafen und die dort gekonnt vor Anker gehenden Holzfregatten .

Das intergenerationelle Idyll atmet eine – für einmal kaum bedrückte – Ruhe , ein kleines Geschnatter und Gequake wie draussen im Hallraum der Entenherde . Dass Caspar David Friedrich aus diesem – damals schwedisch beherrschten – Städtchen stammt , erhellt manche Kulisse : live wie im Retrospekt .

Caspar David Friedrich : Flachlandschaft am Greifswalder Bodden
( um 1830 – Schweinfurt , Sammlung Georg Schäfer )
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Du warts also hier. Interessant, da hätten wir uns ja mal auf einen Kaffee treffen können. Kleine Korrektur: in Greifswald ist es nicht der Peenestrom, an dem gegrillt wird, sondern das kleine Flüsschen Ryck.
Ach , Mensch , da haben wir aber ein vitales Stück Recherche unterlassen ! – Wäre sehr nett gewesen , ein Bierchen im Greifswalder Abendrot .
Lediglich der Herkunftsort von Rüdiger | BN war uns bekannt und wir überlegten echt , nach Kiel hinauf zu fahren …
Wie doch das Netz den “Raum vernichtet” -
Naja erwartet ja niemand, alle digitalen Bekanntschaften irgendwo verorten zu können.
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