||| RICHTUNG ROSTOCK | DIE BRÜCK’ NACH RÜGEN | ROUTE RUND IN UND UM STRALSUND | FÄHRNISFREIE FAHRT FÄHRE WARNEMÜNDE | WARNOW WERFT | OSTSEEBAD NIENHAGEN : IM STRANDKORB DURCH DIE EPOCHEN | RELATED
RICHTUNG ROSTOCK
Vom “livestock” des Diedrichshagener Entenhausen Richtung Rostock erwarten den einsamen Routier leere Chausseen Chausseen Alleen , bis dass die urbane Nah( kampf )verkehrszone jede Landschaftswahrnehmung im Stau erstickt . Wortkarg – und Ach , auch ein wenig anthropophob – schweift man weit ins Abseits . Rolliert über wechselnde Verkehrsoberflächen , auf welche genau zu achten ( Material und dessen historische Marker ) man entlang der Route 66 weidlich eingeübt hat .

Drastisches Wolkendrama nasvoraus im Norden . Es windet hier sichtlich mit heftiger Ostseewind- Energie .

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DIE BRÜCK’ NACH RÜGEN
Das Gewitter nähert sich indes zunächst in Form einer erbärmlichen Schwäche für Umlaute , die sich angesichts der überwältigenden Rügenbrücke einstellt . Ruff und rüber über das 2831 Meter lange Baukunststück , welches den Strelasund scheinbar mir nichts , dir nichts quert . Fast nachtschwarz die aufgewühlten Elemente morgens früh ( vor neun ) .



Sintemal sich Südrügen landstrassenseitig weitgehend landwirtschaftlich verhält ( all das bekannt Sehenswerte , von Caspar David Friedrichs Hünengräbern bis hin zu den notorischen Schreibkreidefelsen ) , geht es kehrt und relativ tief unten über die der Rügenbrücke parallel geführte Rügendamm- bzw. Strelasundbrücke wieder zurück . Gelegenheit und ( wie so oft ) hinreichende Distanz , das Wunderwerk ruhig ins Auge zu fassen .


Thronende Pylonen . Warntafeln . Fragen lesender Arbeiter .

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ROUTE RUND IN UND UM STRALSUND
Alleine der Name Stralsund versprach mächtig Prächtiges . Die Wahrheit ist , wie so oft , eher lakonisch . Am Hafenquai beispielsweise .

Rund um Runde durch eine nur vordergründig intakte Altstadt . Ab der zweiten Reihe scheint der Sinn subventionierter Sozialprojekte vornehmlich darin zu bestehen , den ersichtlichen Leerstand zu beleben .



Im dritten Zirkel wird’s schon desolat . Der Sog der Abwanderung rückt die verlassenen Quartiere der Altstadt ( Türen und Fenster zugemauert ) in einen Wahrnehmungsbereich jenseits des “Pittoresken” .

Der anhebenden Beklemmung kommt der jetzt ( halb elf ) einsetzende Regen wie bestellt entgegen . Man solle froh sein , fällt uns ein Satz Ilse Aichingers ein , seien Verhältnisse kenntlich .

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FÄHRNISFREIE FAHRT FÄHRE WARNEMÜNDE
Wald und Feld ( wie auf Rügen : erstmals Hafer ) säumen samt Eisenbahn die Rostocker Route . Und recht ebenerdige Benennungen von Firmen aller Art : Von der “Speisegaststätte” zur ubiquitären “Feldküche” , von der Bank “Sparda” zum Einrichtungshaus “Greif zu ! ” . Da weiss man unmissverständlich , wie man vor Ort zu handeln hat . Eine aus der “volkseigenen” und kaum kompetitiven Wirtschaftsgeschichte her stammende Mentalität ?
Inzwischen haben sich Warnemünde und dessen Hafen Hohe Düne unmerklich angenähert . Man staunt ob der ausgedehnten Militärgehege . Wobei die “Chronik der Gefühle ” des politisch- militärisch Komplexes und seiner Wendungen Wandlungen vom wilhelminischen Flotten- Phantasma über zwei Weltkriege reicht , von der NVA bis zum G8- Gipfel Juni 2007 in Heiligendamm . Ob du’s glaubst oder nicht : genau dorthin soll über kurz oder lang die Erkundigung von Schauplätzen führen .




Derweil gelingt das in Erinnerung an die “Schmach von Swinemünde ” erhebliche Mirakel , den Wagen samt Insassen als letzte Fracht auf das Fährschiff zu praktizieren . Nach derjenigen über die Weichsel folgt hier an der Warnow bereits die zweite Strom- Querung per Fähre .
Dem notorischen Festlandmenschen wird es in solchen Situationen stets ein wenig seeliterarisch ums Herz . Wir Mythenkinder und unser Hirnkino .
Überhaupt “Schiffe” – ob zu Wasser oder zur Luft – mit ihrer eigenen Terminologie und Situierung im vagen Element : Wie wenig wir doch verstehen und wissen .
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WARNOW WERFT
Nach dem Stralsunder Regen wird die seenah wendische Wetterküche mit stechenden Strahlen fast zur Qual . Noch allerdings regiert die Enthusiasmierung durch Wasser , Werft und deren weithin sichtbaren Riesenkran ( korrekter Terminus ? ) . Arbeiterquartiere , Aufmarschstrassen , riesige Siedlungen aus purem Plattenbau .
Eine metallene Eisenbahn- Überführung , welche auch den Zugang zu mehreren Bahnsteigen erschliesst , fasziniert mit ihrer Ästhetik alter Industrie- und Ingenieurskunst .




Praktikabel auch als Hochstand und Ausguck hinüber zum Werftgelände . Auch das eiserne Zeitalter neigt sich – wie seit Ostrava | ( Mährisch ) Ostrau zu sehen – seinem Ende zu .


Mäanernd duch eine Landschaft von Plattenbau- Agglomeraten wirkt das Gemeinwesen propper und frisch . Was ( und wer ) sich hiner den munter getünchten Fassaden verbergen könnte , erweist ein bereits bärenhungriger Besuch in einem dieser Warenstapellager namens “Netto” . Die Tristesse freudlos günstiger Güter . An der Kasse – wie zuvor in Pasewalk – ein freundlicher , extrem junger Mann . Hilflos tief unter der Augenhöhe der anstehenden Kunden muss aus den Listen der in endlosen Reihen von Drahtgestellen feilgebotenen Sonderangebote der richtige Barcode erblättert werden . Inzwischen staut und türmt sich die vom Förderband gnadenlos herangedrängte Ware . Und was für eine !
Die Objektwahl der ausnahmslos maskulinen Käufer zeigt indes unmissverständlich , dass hier in charakteristischer Pragmatik die Versorgungslage männlicher Single- Haushalte auf Stand gebracht wird . Viermal in Plastic hauteng eingeschweisster Fisch , konserviert und nach Familie | Gattung | Art unkenntlich . Grünlich die im Doppel vakuumverpacken Steaks . Werden auch viermal aufs Band gepackt . Würstchen im Glas , Snacks im Multipack , Kraftriegel im Verbund . Hier einige armstarke Batterien Bier , dort viemal Korn : Diese Dinge bringt man sicherlich nicht einer lieben Familie mit .
Werftarbeiter während ihrer freien Schicht ? Arbeitslose auf dem Weg zu kurzfristigem Vergessen ? – Vor dem Laden wiederum zwei dieser Mittagsmänner , welche – von ferne sieht’s auch körpersprachlich danach aus – wie Hausfrauen miteinander plaudern .

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OSTSEEBAD NIENHAGEN : IM STRANDKORB DURCH DIE EPOCHEN
Die Hirne der Reisenden meinen sich bereits erweicht von den gleissenden , durch das Brennglas der Windschutzscheibe ultrahocherhitzten Strahlen einer nicht mehr freundlich zu nennenden Sonne . Mägen seit gestern unerträglich leer . Pilot in der Aura einer sich ankündigenden Migräne , Copilot mit schrillem Tinnitus . Solcherart gestaltet sich die Einfahrt ins Ostseebad Nienhagen nicht eben als Triumphzug .
Gegen alle Wahrscheinlichkeit ist ausgerechnet im strandnächsten Hotel – man war auf der Fahrt bislang bei sechs Häusern vergeblich um Unterkunft eingekommen – ein Zimmer frei . Plus Kurtaxe , Strandkarte inklusive – gültig immerhin auch für die Badezone des nächstgelegenen Heiligendamm .
Zimmer im sympathischen Altbau- Hinterhaus , flinke Auspackroutine . Hauptsache schnell runter an’ Strand , welcher angeblich den Maler Lovis Corinth zum “Fischerkind aus Nienhagen” ( 1916 ) inspirierte .
Und Strand . Und wie . Mit Strandkorb . Richtigem … ! Sind natürlich alle durchnumeriert . Was dann – man hat bis zum Folgetag Exemplar 32 gemietet – wiederum ganz praktisch und quasi wie eine Hausnummer dienlich ist zum Wiederfinden des ausgefuchst optimierten Patentmöbels . Kopfschmerztabletten auf Schaumkrönchen an steifer Brise : ein seltenes kulinarisches Frühnachmittagsvergnügen .

Hinsinken . Stilles Meditieren über die Surround- Sound- Qualität des Meeresrauschens . Es ist nicht zum Satthören . Da denkst du , du känntest den Klang der Brandung , doch überrascht sie dich mit abschattierten Rhythmiken , Harmonien und Perkussionen . Das unbewaffnete Trommelfell fast zu flach , um die Tiefenschärfe dieser Klänge auszuloten . Hier würde man akustisch gerne mal hineinzoomen ( quasi ein auditiver Blow Up ) , um diese unauslotbare Klanglandschaft … Zu verstehen ?

Dank der enormen Textierungsfreude der Hoteliers , welche sich noch in den 80ern als Betreiber der beliebten DDR- Ostsee- Destination bewährt hatten , erfahren wir Mannigfaltiges übers Früher und Jetzt des Hauses . Eigenes Biokraftwerk ( “atomstromfreie Zone” ) , Firmenphilosophie mit Wohlfühlfaktor hinsichtlich ( inländischer , ganzjährig angestellter und in langen Jahren bewährter ) Mitarbeitern sowie ( zufriedener und treuer ) Kunden .
Abendlicher Spaziergang durch den über der Strandkante gelegenen “Gespensterwald” . Dass sich dieser Name nicht der “Kinderschaschlikspiess Leuchtturm “- Benennungsfreude der Hotelgastgeber dankt , erweist ein Blick auf das Gebäum . Die während des Wachstums abgestossenen Zweige haben ihre Spuren solcherart in der zarten , elefantenhautartigen Rinde hinterlassen , dass diese Narben wie vielfältige Physiognomien von Gnomen anmuten . Da ist kein Baum , der dich nicht anblickt . ( Rilke , ins Groteske gewendet . )

Im streng westlichen Gegenlicht malen sich Caspar David Friedrich- Bilder ohne weiteres Zutun des Beobachters . Der man , hingegeben an die Szene , im strengen Sinne ja gar nimmer ist .

Abendbierchen auf der Terrasse des Hotels . Strandkorb wieder als unerlässlicher Unterschlupf gegen den beizenden Wind . Belustigte Lektüre der barock textierten und kulinarisch ausschweifenden Speisekarte . Dies aus doppelter Distanz , da wir wie eh und je auf Basis hunderprozentiger Pique Nique – Verpflegungstechnik reisen . Ein , zwei , drei exzeptionelle Biere erhöhen das Amüsemang der Menü- Lektüre .
Dass das ausgezeichnete Pils ausgerechnet aus der Rhön kommt – dem ehemaligen BRD- DDR Grenzgebiet , ergo aktueller “Biosphäre” – erinnert erneut an die von F. C. Delius erzählten ( und uns als Reiselektüre begleitenden ) Kriegserlebnisse Konrad Zuses ( “Hessisches Kegelspiel” ) . Noch das Signet mit den Fliegern auf dem markenwerbenden Bierdeckel gemahnt unmwunden an den militärisch- industriellen Komplex .

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RELATED
Links im Kontext – siehe Überblick “on the road”
- Ostseeroute – Vorschau & Rückblick : In|ad|ae|qu|at MITTEN DRIN – in der Zone der Marienkäfer- Attacke !
- Ostseeroute 01 : Wien – Gliwice
- Ostseeroute 02: Gliwice – Wroclaw – Poznan
- Ostseeroute 03 : Poznan – Gdansk
- Ostseeroute 04 : Gdansk und Weichbild bis zur russischen Grenze
- Ostseeroute 05 : Gdansk – Ostswine Warzow – oder : “Die Schmach von Swinemünde”
- Ostseeroute 06 : Von Swinemünde Ost nach Swinemünde West – Grosse Tour via Stettin | Szczecin
- Ostseeroute 07 : Anklam – Wolgast – Greifswald – Diedrichshagen
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[...] En route : Suivez le vieux capitaine – Robert Capa, exposé au feu des regards à Barcelone – La cathédrale de Bourges, vitraux – Diedrichshagen / Stralsund / Rostock / Nienhagen. [...]
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