||| VERLAGSVORSCHAUEN : ÄSTHETIK IN WANDEL UND VERHARREN | THERE IS NO SUCH THING AS A FREE LUNCH , ODER : DAS DEKO- PAKET | WELT DER WERBEMITTEL , KALKULATION DER KUNDENKONTAKTE | WASCHZETTEL UND POSITIONIERUNG | KLANGAPPARAT
VERLAGSVORSCHAUEN : ÄSTHETIK IN WANDEL UND VERHARREN
Es sind jetzt über ein Jahrzehnt , dass wir das saisonale Durcharbeiten von Verlagsprogrammen in|ad|ae|qu|at als rituelle Handlung vollziehen , welche zu gleichen Teilen aus Neugier & Anregung wie auch aus Furcht & Schaudern zusammensetzt . Knietief in der Dispo in den Frühjahrs- bzw. Herbstvorschauen watend , fallen die wechselnden Gestaltungs- und Jargonmoden in bemerkenswerten Transformationen auf : Dass Buchcover in etwa Drei- Jahresrhythmen zwischen mehr oder weniger verwischten Fotos , graphischen Emblemen und – wie derzeit – typographischen Designs wechseln , tönt jetzt wohl wie eine schiere Behauptung , könnte von jedem positivistischen Sammler und Fact- Checker mit soundso vielen Gegenbeispielen belegt werden , wird durch solche Kasuistik indes in keiner Weise widerlegt .
Die Jahr für Jahr früher und früher versandten Programmvorschauen – so begann der Versand von Hebstprogrammen diesjahr bereits kurz nach Ende der Leipziger Buchmesse – wären damit als Dokumente für den Wandel visueller Vorlieben , Konjunkturen und Konzepte ein erkenntnisförderndes Forschungsobjekt . Allein , es fehlt dem Zielpublikum der meist aufwändig produzierten Broschüren an Zeit und Distanz , diese Metaebene mit zu stenographieren : Man ist als “Betroffener” schon heilfroh , sich mit den wichtigsten Titelnotizen überhaupt durch den Papierwust hindurch gefräst zu haben .
Was sich ästhetisch freilich nicht ändert , sind jene Novitäten der Genres “Phantasy” , “Thriller” und “historischer Roman” , deren Cover sich meist in Grafik und Typo an best- sellende Vorbilder anlehnen . In diesen Themengebieten verharren die Covergestaltungen seit Jahren in absichtsvoller Verwechselbarkeit : Hast du einen gelesen und verspürst du die Lust nach “mehr” , greifst du dir einfach den nächst ähnlich aussehenden Band .
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THERE IS NO SUCH THING AS A FREE LUNCH , ODER : DAS DEKO- PAKET
Trotzdem befallen uns in|ad|ae|qu|at Jahr um Jahr , Saison für Saison gewisse sympathetische Regungen hinsichtlich der Buchhändler ( m | f ) , die ja ein wesentlich breiteres Spektrum von Neuerscheinungen für ihren Kundenkreis in Betracht zu ziehen haben als der a priori auf Spezialgebiete zielende Rezensent . An diese Buchhändler adressieren sich ( neben Sonderrabatten und Themenpaketen ) auch jene Deko- Materialien , die es ab einer gewissen Mindestmasse von Bestellungen von Schwerpunkt- Titeln als Zugabe gibt . In diesem Feld herrscht gnadenlose Fröhlichkeit und originelle Materialität bis hin zum realexistierenden Schwachsinn . In|ad|ae|qu|at dokumentiert .
( Goldmann , Herbst 2009 )
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WELT DER WERBEMITTEL , KALKULATION DER KUNDENKONTAKTE
Es ist noch nicht so lange her , da bestanden die Programmvorschauen lediglich aus züchtigen Buchvorstellungen in Text und Bild . Es muss wohl irdendwann um die Jahrhundertwende gewesen sein ( Fachleute , bitte korrigieren ! , der Setzer ) , da hielt die seitenweise Darlegung der speziellen Werbestraegie für ausgewählte Spitzentitel Einzug in die Vorschau- Broschüren : gross angelegte Anzeigenkampagnen in diesen oder jenen Medien ( sei dies nun in “FAZ” , “Brigitte” oder “Spiegel” ) gewähren dem Buchhändler wie auch dem prospektiven Rezensenten Einblick in die beabsichtigte Positionierung eines solcherart beworbenen Titels . Damit werden – wenn nicht überhaupt explizit – starke Kontextsignale geliefert hinsichtlich Zielgruppe , deren Interesensprofil sowie “Anspruchs”- Höhe . Die Ziffern der aus irgendwelchen Statistiken hochgerechneten “Kundenkontakte” einer Werbekampagne mögen – trotz offensichtlicher Übertreibung – manch frommen Wunsch nach der direkten Proportionalität von Reklame- Aufwand und Verkaufserfolg nähren .
( Goldmann , Herbst 2009 )
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WASCHZETTEL UND POSITIONIERUNG
Kaum eine andere Branche neigt derart zur Verselbständigung der Selbstdarstellung wie die Reklame . Das durch permanentes Umfrisieren traditioneller Konzepte in ein je aktuelles Image kreativer Konzepte und stetiger Innovativen manifestiert sich vornehmlich in Neologismen . Wie diese Strategie auf dem Boden der Realität und bei Lichte besehen quasi “nach hinten” losgehen kann , da der Buchhändler diese Sprache nicht ( mehr ) versteht , erweisen nicht nur die regelmässigen Begriffsklärung im Weblog des Börsenvereins des deutschen Buchhandels , sondern auch der aktuelle Eichborn – Katalog . Wenn hier an der oberen Marginalie einer sonst fast weissen Seite das Akronym “USP” eine Kürzest- Charakteristik jedes Buches gibt , schrammt man in manchem Kontext hart an der Realsatire : Welche Buchhändlerin , welcher Buchhändler beschäftigt sich schon mit den “Unique selling propositions” eines Werks ; welche Buchhändlerin rezitiert ein solches “Alleinstellungsmerkmal” nach Punkt und Komma vor dem Kunden ?!
( Eichborn , Herbst 2009 )
Merks : Selten manifestiert sich Optimismus in einer derartig krampfhaft zweckdienlichen Lächerlichkeit als unter Werbern , den Verfassern von adjektivreichen Waschzetteln und im permanent aufdatierten Neusprech trendforschender Visionäre .
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KLANGAPPARAT
Genau zweieinhalb Jahre ist es her , dass wir mit Granlabs “Leuchtfeuer“ einen der ersten regelmässigen “Klangapparate” mit einer Produktion aus dem Hause broque befüllten : Fungierte damals die still verträumte Release #32 sozusagen als Einstiegsdroge in einen seither nie enttäuschenden , stets einen gesunden Abstand von der geschniegelten Glätte des Mainstreams
wahrenden Klangkosmos , hat das Label seither gebührliche Aufmerksamkeit erfahren und kann als sichere Adresse für elektronisch- minimalistische Musikalien gelten , welchen dieses “Ein wenig Andere” eignet , welches man wohl “Charakter” nennt .
Heiko Schwanz aka Granlab ( der übrigens eben auch einen Mixotic- Mix bestreitet ) präsentiert sich mit der Release #55 diesmal von einer etwas mehr am Industrial der 80er Jahre inspirierten Seite . In die entsprechend mit “Industiral Romance” betitelte Trackfolge mischen sich kühlere Nuancen in die warm- satt pulsierenden Beatz . Kleinere akustische Ausflüge auch ins Atonale erweisen , dass die zurückliegenden zweieinhalb Jahre nicht ungenutzt verstrichen sind . Sich permanent ändern , um sich treu zu bleiben : auf Granlab trifft dieses Diktum hörbar zu ( MySpace ) .
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01. märzsonne | 02. wintermorgen | 03. industrial romance | 04. industrial romance ( max cooper remix ) | 05. kunstlicht | 06. bittersweet | 07. between nothing | 08. silhouette | ( Download Zip )
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