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UNNÜTZES TRAKTAT ÜBER DIE VERSPORTLICHUNG DES LITERARISCHEN LEBENS ( SKIP)
Mit 16. 9. hat die Jury des Deutschen Buchpreises die aus den 20 Titeln der LONGLIST auf sechs Werke eingedampfte SHORTLIST bekannt gegeben . Die diesjahr erstmals mit einer selbst erkorenen ( ebenfalls 20- bändigen ) HOTLIST hervor getretene Initiative deutschsprachiger Klein- , Autoren- , sprich : Independent- Verlage haben mit einem weiteren Schachzug reagiert , indem sie nämlich einen per Publikums- Voten zu ermittelnden “Preis der Hotlist 2009″ proklamierten . Dieser HOTLIST- Publikumspreis 2009 sei erster Schritt in Richtung eines Independent- Buchpreises , welcher für Herbst 2010 erstmals auszuschreiben sei .
Dies alles sei würdig und recht , denkt sich der lesende Arbeiter , sofern es dem Wohle von Literaturverlagen , Büchern , insbesondere allerdings demjenigen der Autoren ( m| f ) dient . Obgleich wir als höfliche Lese- Arbeiter vielen der gelisteten Autoren ( m | f ) , Büchern und Verlagen alles erdenklich Förderliche wünschen , reiben wir uns in|ad|ae|qu|at doch ein wenig die Augen .
Angesichts all dieser Listen , Besten , Voting- und Bekanntgabe- Termine können wir ein leichtes Unbehagen darüber nicht verhehlen , dass all diese künstlich gesetzten Fristen und artifiziellen Spektakel zu nichts anderem dienen , als uns – Publikum , Stimmvieh , Sympathisanten und gutwillige Berichterstatter – vor sich her zu treiben . Als hätten wir nicht schon reichlich an der nur gestundeten Zeit zu leiden , wäen wir nicht wenig dazu geneigt , im Hinblick auf alle diese konzertierten und konkurrierenden PR- Selbstläufer der guten alten Selbstschutz- Strategie des “Duck and Cover” zu huldigen .
Wir mögen einer solchen Versportlichung der Literatur qua Long- und Shortlisten , terminlichen Wettkämpfen , Siegerehrungen , kurz : dieser aus dem Rennsport entlehnte Buchmacherei nicht das Wort reden . Ganz im Gegenteil . Die nach dem Vorbild der Scheidung von Major- und Independent- Labels in der Musikindustrie organisierte Herausbildung von “Hetzmassen” ( Elias Canetti ) übernimmt nicht nur kritiklos die Laureaten- Ideologie des Sports , sondern auch diejenige der krassesten Konkurrenz- Ökonomie . Vor dem Markt steht ein jedes Buch , ein jeder Autor ( m | f ) in einem fundamentalen Konkurrenzverhältnis .
Das System der Preise , Auszeichnungen etc. mag mit einem gewissen Sümmchen zwar zunächst das Werk- und Wert- schöpfende Individuum begünstigen , de facto dient der gesamte Apparat allerdings der Implantation artifizieller Distinktionen , welche dem Buchhändler an der Verkaufsfront letztlich als “Unique Selling Proposition” ( Alleinstellungsmerkmal ) dienen soll .
Die gerne verbreitete Mär , das Buch sei “mehr als nur Ware” wird durch das Auspreisungssystem als Lippenbekenntnis decouvriert . Es geht , dem vom Wahren- Guten- Schönen salbaderndenden Geschwätz um nichts anders als um radikale Reklame für das Buch als wahre Ware.
All dies – gespielt vor dem Hintergrund eines enorm beschleunigten , Sperrfristen und Auslieferungstermine missachtenden Literaturbetriebs – wird auch dem professionellen Leser zunehmend zur Qual . Die der Wahrnehmung , Reflexion und Kommunikation dienliche Tugend der Musse ist zum drängenden “Muss” degeneriert ; die zur Lektüre nötige Geisteshaltung “sine ira et studio” verschwindet mit jener PR , welche das “tusculum” zum “negotium” durch Rennstrecken , Wettbewerbe , Konkurrenzen unter sich begräbt .
Da es – speziell unter Bedingungen des kulturjournalistischen Prekariats – den “anderen Ort” ebenso wenig gibt wie einen archimedischen Punkt , können wir in|ad|ae|qu|at nicht so tun , als stünden wir abseits , oder schwebten – nur höheren Werten verpflichtet – mindestens eine Schreibhand weit über dem mundanen Schlamm des einstigen Musenhains . Es bleibt uns nichts anderes übrig als mitten drin zu stecken , weit tiefer im Sumpf der Literatufamilie als unser Freund in “Malcolm in the Middle” .
Schluss aber nun mit diesem Erguss . Wir schalten nun um in die Abteilung für VerLAUTbarungen .
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ZUR FRIST : WAS VON DER LONGLIST IN DER SHORTLIST ÜBRIG GEBLIEBEN IST
Aus den 20 in der Longlist gereihten Titeln haben es , wie Mittwoch verlautbart , sechs ins Finale geschafft :
Rainer Merkel – Lichtjahre – S. Fischer
Herta Müller – Atemschaukel – Hanser
Norbert Scheuer – Überm Rauschen – C. H. Beck
Kathrin Schmidt – Du stirbst nicht – Kiepenheuer & Witsch
Clemens J. Setz – Die Frequenzen – Residenz
Stephan Thome – Grenzgang – Suhrkamp
Statistik : 66% Männliche Autoren ( gegenüber 65% in der Longlist ) , drei Grossverlage ( Hanser , Fischer , Suhrkamp ) + drei Mittelbetriebe , wovon einer im schönen Österreich sitzt . Bei Letzterem ist es völlig unverständlich , dass Die Jury sich für Setz' unausgewogen schlenkernden Roman entschieden hat und nicht für Best Data Recovery Software
Was vor sechs Wochen mit einem losen Zusammenschluss von Klein- und Autorenverlagen zur Erstellung einer provokant anderen 20er “







