Blogger’s Lament

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DREI TAGE BLOGLOS

Fuck U and your blogNein , es ist eben nicht so , dass du eben so gut in ein Schreibheft notiertest , was die schiere Existenz des Blogs aus dir herausholt : anders , als es das mit dem mässig witzigen Titelspruch FUCK YOU and your BLOG versehene Schreibheft suggeriert , adressierst du dich beim Bloggen an jemanden , dessen imaginiertes Antlitz zwar wechseln mag , nicht indes aber das Faktum , dass mit dem Blog – anders als beim “Caro Diario- Stil” – eine soziale Tatsache geschaffen wird . Und dass du dich denjenigen , von deren Tun und Schreiben du berichten willst , praktisch permanent verpflichtest fühlst .

Wissen , das weiter gegeben werden will . Das mit jedem Tag offline stärker drängt , als seist du zu permanentem Präsenzdienst verpflichtet . Magst du auch noch so sehr von der Notwnedigkeit wissen , dem Sog der maschinellen sozialen Netzwerke quasi eine Desinfektionsschleuse gelassener Ironie zu setzen , ist es eine ständig sicher erneuende Zeitgenossenschaft , welche uns in Texte treibt , die nicht selten “malgré nous” entstehen .

Dass , ist einmal eine solche Mitschrift begonnen , der chronikalische Furor dich juckt , Fakten und Konstellationen beständig in einen lebendigen Speicher einzuspeisen , versteht sich . Ereignisse , Evidenzen , Ephemera , die – dem Gesetz der Trägheit entgegen – nicht unverzeichnet bleiben wollen ; oder Beobachtungen , welche bisherige Notate und bestimmte Blog notwendig ergänzen und daher rückwirkend nachgetragen werden . Worin kein geringes Lustprinzip des Bloggens gründet : Dass du gegenwärtig in ein Jetzt , in eine Vergangenheit und in eine Zukunft schreibst .

Die Kehrseite solcher Drift zwischen den Versionen , Schreib- und Referenzzeiten ist freilich , dass jedes Nichtberichtete und platterdings Berschwiegene Tendenz zeigt , im intendierten Netz der Nachrichten und Namen zum potentiell gefrässigen schwarzen Loch zu mutieren . Du fürchtest geradezu um die Integrität des gesamten Projekts . Als wärst du ein Versuchsleiter , der eine Reihenuntersuchung durch willkürliche Auslassungen gefährdet : Nulla dies sine linea .

Wobei , wie du weisst , es bei all diesen freiwilligen und selbständigen Unterfangen ein Charakteristikum ist , dass du es alleine bist , der das Fehlende und Unterlassene sieht . Vor dem inneren Auge als exponentiell sich Ausbreitendes Negativum . Der Lesende am anderen Ende des Drahts sieht lediglich das tatsächlich Formulierte und Notierte . Womit sich das Weblog als Agentur des Über- Ichs decouvriert . Jenes Konzils also , welches dich sowieso als wenig satisfaktionsfähig erachtet .

Um diese Selbstverständlichkeiten zu wissen und sie im Rahmen deiner begrenzten Möglichkeiten zu ertragen , sind bekanntlich zweierlei Paar Schuh . Ein drittes erfordert freilich die Notwendigkeit , dem akzelerierten Nichten tätig entgegen zu treten . Und dabei immer schön fröhlich zu tun .

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KLANGAPPARAT

Dass wir uns an Tom Larsons ( MySpace ) depp- tuned und mächtig nächtlich sphärischen Mixes seit Jahren delektieren , deklarieren wir wie immer ungehemmt . Speziell wenn wir uns wie diesmal mindestens czz-hoerempfehlungso weit von der Welt des “Aktuellen” wähnen wie

es Larsons Titel “From Space to Earth 2009” [ downnload ] suggeriert . Indes lässt sich die bei Loopzilla edierte Musikstrecke wesentlich dynamischer an als die Langzeit- Reihe “Klänge der Nacht” . Was trefflich auf unsere in|ad|ae|qu|ate Situation passt , langsam wieder zur Erde zurück zu krebsen .

 

Loopzilla090 tom larson pres from space to earth 2009 by Seth Gekko

 

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2 Responses to Blogger’s Lament
  1. wölkschen
    October 7, 2009 | 17h25

    Wenn das Blog zu einem Über-Ich wird, was ist dann mit dem Drang es immer auszubauen und würdig fortzuführen anzufangen? Das masochistische Ich hat sich dem sadistischen Über-Ich unterworfen. Oder ist der Drang zu vervollständigen selbst eher der Sphäre des Es zuzuordnen, so dass erst im Nachhinein bei erfolgten Veröffentlichungen eine Nachkontrolle durch das Über Ich stattfindet? Jedenfalls: wunderschön beschrieben übrigens-

  2. czz
    October 7, 2009 | 17h36

    Was hier noch Ursache ist , dort schon Effekt eines vor Langem eingefädeltelten sado- masochistischen Kontraktes , wermag die Gleichzeitigkeit aller Wirkungen nicht mehr zu entwirren . Gerade und trotz allem Lamentieren leben wir doch – bloggend und ergo mit Candide grinsend – “in der besten aller möglichen Welten” .
    Isn’t it ?

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