Bloglesung und Tagung zu Literarischen Weblogs

||| BLOGLESUNG : ANDERE ( DIGITALE ) WELTEN | TAGUNG “DIGITALE LITERATURVERMITTLUNG : PRAXIS , FORSCHUNG UND ARCHIVIERUNG ” | PROGRAMM – TIMETABLE | PROGRAMM – ABSTRACTS -REFERENTEN ( M | F )

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BLOGLESUNG : ANDERE ( DIGITALE ) WELTEN

Literaturblogs und Blogs über Literatur mit Alban Nikolai Herbst , Andreas Louis Seyerlein , Hartmut Abendschein , Christiane Zintzen

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Die charakteristischen Eigenschaften von Weblogs werden von den technischen Möglichkeiten bestimmt , die das WWW anbietet : multimediale Präsentationsformen , Publikation in Echtzeit , Kommunikation , Datenverwaltung und -archivierung . Ein Weblog kann deshalb weder zwischen zwei Buchdeckel gepresst noch vorgelesen werden ohne sein Gesicht zu verlieren . Die Idee , eine Bloglesung zu veranstalten , hat durchaus etwas Anachronistisches , eröffnet aber auch einen reizvollen Spielraum für neue Präsentationsformen .

litblogs.net wurde 2004 als erstes Portal und Meta- Weblog für deutschsprachige Literatur- bzw. AutorInnenblogs gegründet . Zu den mittlerweile 17 PartnerInnen zählen der bekannte Autor Alban Nikolai Herbst und Andreas Louis Seyerlein . Die selbst als Blogautoren tätigen Herausgeber , Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein , werden litblogs.net vorstellen und gemeinsam mit A. N. Herbst und A. L. Seyerlein aus den Blogs lesen , über ihre Ideen , Erfahrungen und Konzepte sprechen und die Blogs via Bildprojektion präsentieren .

Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit litblogs.net konzipiert und ist Teil der im Rahmen des Projekts DILIMAG veranstalteten Tagung “Digitale Literaturvermittlung: Praxis, Forschung und Archivierung” ( 23. & 24. Oktober , Translationswissenschaft SR 2 ) . AutorInnen : Alban Nikolai Herbst ( Berlin ) : Die Dschungel. Anderswelt, Andreas Louis Seyerlein ( Frankfurt , München ) : particles , Hartmut Abendschein ( Bern ) : taberna kritika – kleine formen , Christiane Zintzen ( Wien ) : in|ad|ae|qu|at

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TAGUNG “DIGITALE LITERATURVERMITTLUNG : PRAXIS , FORSCHUNG UND ARCHIVIERUNG

Die Tagung und die literarische Veranstaltung “Andere ( digitale ) Welten: Literaturblogs und Blogs uber Literatur” werden im Rahmen das Projekts DILIMAG ( Innsbrucker Zeitungsarchiv/IZA u. Abteilung fur Digitalisierung/DEA ) in Zusammenarbeit mit den HerausgeberInnen des Blogportals litblogs.net ( Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein ) durchgeführt. Es wird hiermit die Chance wahrgenommen, auf praktischer, wissenschaftlicher und archivarischer Basis gesammelte Erfahrungen im Prozess der Literaturvermittlung im Internet auszutauschen, um damit Anregungen und Verbesserungsvorschläge fur laufende und zukünftige Projekte zu gewinnen.

Programm_und Abstracts ( PDF )

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PROGRAMM | TIMETABLE

  • LITERATURVERMITTLUNG UND LITERATURKRITIK

Freitag, 13.30 – 14.10
Thomas Anz (Universität Marburg): Kontinuitäten und Veränderungen der Literaturkritik in Zeiten des Internets

Freitag, 14.10 – 14.50
Michael Klein : Die Renaissance der Literaturkritik in den 1960er Jahren. Versuch einer Rekapitulation.

Freitag, 14.50 – 15.30
Stefan Neuhaus : Von Emphathikern, Gnostikern , Zombies und Rettern: Zur aktuellen Situation der Literaturkritik

  • ARCHIVIERUNG VON NETZLITERATUR UND -KUNST: THEORETISCHE UND ÄSTHETISCHE POSITIONEN I

Freitag, 16.00 – 16.40
Beat Suter : Digitales Schreiben und Archivierbarkeit von Elektronischer Literatur

Freitag, 16.40 – 17.20
Peter Gendolla : “VERWEILE DOCH…”. Über flüchtige Momente in der Netzliteratur

Freitag, 17.20 – 18.00
Jörgen Schäfer : Verteiltes Handeln in literarischen Prozessen

  • ARCHIVIERUNG VON NETZLITERATUR UND -KUNST: THEORETISCHE UND ÄSTHETISCHE POSITIONEN II

Samstag, 9.00 – 9.40
Florian Hartling : “Not in Archive“. Zum Internet als Dispositiv der Archivierung

Samstag, 9. 40 – 10. 20
Gunther Reisinger : Zum Sinn und Unsinn der Archivierung netzbasierter Kunst

  • LANGZEITARCHIVIERUNG VON NETZPUBLIKATIONEN AUS PRAKTISCHER SICHT

Samstag, 10.40 – 11.20
Karin Schmidgall und Jochen Walter (pdf ) : Literatur im Netz – Sammeln, Erschliesen, Archivieren. Praxisbericht über eine neue Herausforderung für die klassische Bibliothek

Samstag, 11.20 – 12.00
Renate Giacomuzzi / Raphael Unterweger / Elisabeth Sporer : DILIMAG – ein Projekt geht online. Präsentation des Projekts zur Erfassung und Langzeitarchivierung von digitalen Literaturmagazinen

Samstag, 12.00 – 12.40
Karl Petermichl : “Digital Object Identifier”: Konkrete Abbildung von Metadatenstrukturen auf Netzpublikationen

Samstag, 14.00 – 14.40
Christiane Zintzen : Projekt und Blog in|ad|ae|qu|at : Autorenpublikationen, Dokumentation des literarischen Lebens und Repositorium eigener kulturpublizistischer Texte

  • LITERATURPRODUKTION IM INTERNET

Samstag, 14.40 – 15. 20
Hartmut Abendschein : Projekte H.A.
taberna kriIka . kleine formen (Autor / Hrsg.) http://www.abendschein.ch/site/weblog
litblogs.net (Hrsg. mit ChrisIane Zintzen) http://www.litblogs.net/
etkbooks (Verlag, kurz) http://www.etkbooks.com/

Samstag, 15.20 – 16.00
Thomas Schröder / Andreas Wiesinger : Online-Zeitungen im Wandel. Überlegungen zur Neudefinition eines nicht mehr neuen Mediums

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PROGRAMM | ABSTRACTS | REFERENTEN ( M | F )

Ausgangslage:

Die öffentlich frei verfügbare Verbreitungstechnik des Internet und die damit verbundenen Anwendungen bieten neue und attraktive Möglichkeiten von Publikations- und Kommunikationsformen, die auch im Bereich der Literatur und Literaturvermittlung in zunehmendem Masse genutzt werden. Für Praxis, Wissenschaft, Dokumentation und Archive ergeben sich daraus aber eine Fülle von Problemen und Fragestellungen, von denen eine Auswahl im Folgenden skizziert wird :

Die Herausforderung, die sich für sämtliche in den Prozess der Literaturproduktion und – vermittlung eingebundenen Instanzen ergibt, beruht darauf, dass sich die technische und organisatorische Struktur der Printmedien von der Struktur des Internets und der digitalen Medien grundsätzlich unterscheidet. Die flache, unhierarchische Struktur des Internets ermöglicht weitgehend freies Publizieren und setzt damit nicht nur die herkömmlichen Strategien des Literaturbetriebs für Qualitätskontrolle und Auswahl ausser Kraft, sondern führt auch zu einer Aufhebung der Grenze zwischen privaten und öffentlichen, kommerziellen und nichtkommerziellen Nutzungsbereichen. Die Ausführbarkeit des in Deutschland am 23. Oktober 2008 und in Osterreich am 1. Januar 2009 in Kraft getretenen Mediengesetzes zur Pflichtablieferung bzw. zum verpflichtenden Erhalt digitaler Publikationen durch die Nationalbibliotheken wird beispielsweise vorerst daran scheitern, dass es keine verbindliche Definition dafür gibt, aufgrund welcher Kriterien ein Text als literarisch und damit von “öffentlichem” Wert einzustufen gilt.

Dasselbe gilt für den Bereich der Literaturkritik, der im Internet in sehr unterschiedlichen Formen auftritt und das herkömmliche Profil des professionellen Lesers ebenfalls in Frage stellt. Die im Printzeitalter sozialisierten Hobbyleser wiederum stehen im Internet einer unübersehbaren Anzahl an Websites mit literarischen Inhalten gegenüber und bedienen sich der zur Verfügung stehenden Linklisten als Orientierungshilfe. Dies wiederum versetzt gerade jene Organisationen, die sich herkömmlicherweise mit der Datenerfassung und dem Datenerhalt auf wertneutraler Basis befassen, also Bibliotheken und Archive, in die Position von kanonbildenden Instanzen, da sie zur Auswahl gezwungen sind und Auswahl immer auch Bewertung mit einschliesst.

Als weiteres, technisch bedingtes Merkmal des Internets mit weitreichenden Konsequenzen ist die Vergänglichkeit als Speichermedium zu nennen, die teils durch das Altern von Software und daraus entstehende Inkompabiilität bedingt ist, teils wiederum auf die unhierarchische Struktur zurückzuführen ist, die oftmals individuelles Löschen von Daten zu jeder Zeit ermöglicht. Daraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit von bestandserhaltenden Massnahmen für die langfristige Sicherung der Quellen, um weiterhin die Verfügbarkeit von Kulturgütern allgemeinen Interesses garantieren zu können.

Für diese mittlerweile von Nationalbibliotheken wie von einzelnen Forschungsinstitutionen und Archiven als vordringlich erkannte Aufgabe stehen zwar einige technische Hilfsmittel und Anwendungen zur Verfügung, doch der grosse arbeitstechnische und finanzielle Aufwand sowie eine Vielzahl von ungelösten Problemen technischer, rechtlicher und organisatorischer Art stellen die Möglichkeiten langfristiger Bestandserhaltung von Internetdokumenten weiterhin in Frage.

  • LITERATURVERMITTLUNG UND LITERATURKRITIK

Freitag, 13.30 – 14.10:
Thomas Anz: Kontinuitäten und Veränderungen der Literaturkritik in Zeiten des Internets

Vor etwa zehn Jahren begann die Literaturkritik ein neues Medium zu nutzen: das World Wide Web. Inzwischen veröffentlichen auch die Printmedien ihre literaturkritischen Artikel zum grössten Teil im Netz. Der Beitrag geht den Folgen nach, den die medientechnischen Umstellungen für die Literaturkritik haben: für Autoren, Leser und für den Buchmarkt.
Und er versucht zu zeigen, dass die seit dem 18. Jahrhundert zu beobachtenden Erscheinungsformen und Funktionen der Literaturkritik sowie die Topoi der Kritik an ihr sich gegenwärtig zum Teil erhalten haben und sogar noch deutlicher als bisher zeigen, dass sie sich zum Teil aber auch erheblich verändern.

Thomas Anz Prof. Dr., Professor für Neuere deutsche Literatur an der Philipps-Universität Marburg. Seit 2001 Leiter des TransMIT-Zentrums für Literaturvermittlung in den Medien.

Freitag, 14.10 – 14.50
Michael Klein: Die Renaissance der Literaturkritik in den 1960er Jahren. Versuch einer Rekapitulation.

Ansehen und Leistung der Literaturkritik korrelieren in zumeist sehr direkter Weise mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, aus denen heraus und auf die sie reagiert. Zeiten des Umbruchs, Zeiten einer noch unentschiedenen politischen, ästhetischen oder ganz allgemein weltanschaulichen Neuorientierung sind dazu geeignet sie zu befördern; Zeiten eines vermeintlichen oder diktierten Konsenses dagegen lassen sie eher überflüssig erscheinen und führen über einen langeren Zeitraum zu ihrer Marginalisierung.
So gesehen überrascht es nicht, wenn die sechziger und siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts – bei aller unterschiedlichen Einschätzung ihrer sonstigen Bedeutung – bis heute oft als die wichtigsten Jahre der deutschsprachigen Literaturkritik nach 1945 gelten, eben als eine Zeit des gesellschaftlichen Um- und Aufbruchs, was sich beides auch auf das Selbstverständnis und die Nachfrage der journalistischen Literaturkritik auswirkte.
Der Vortrag versucht eine Rekapitulation dieses seinerzeitigen Neuanfangs, verstanden nicht als nostalgischer Rückblick, sondern als Beitrag zu einem möglicherweise besseren Verständnis der gegenwärtigen Diskussion über die vielfältigen neuen Formen multimedialer Literaturvermittlung.

Michael Klein, Ao. Univ.-Prof. Dr., Gründer und langjähriger Leiter des Innsbrucker Zeitungsarchivs/IZA, Germanistik, Univ. Innsbruck.

Freitag, 14.50 – 15.30
Stefan Neuhaus: Von Emphathikern, Gnostikern , Zombies und Rettern: Zur aktuellen Situation der Literaturkritik

Die Totenglocke ist das Lieblingsinstrument der Literaturkritik, konstatierte der Kritiker Georg Diez 2006. Er bezog sich dabei auf einen Artikel, ebenfalls in der “Zeit”, in dem Hubert Winkels die Kritikerzunft in “Gnostiker” “Emphatiker” eingeteilt hatte. Angesichts der Vehemenz, mit der die sich daran anschliessende Debatte geführt wurde, meinte Julia Schröder in der “Stuttgarter Zeitung” : “wir sind mitten im Glaubenskrieg”. In seiner Dankesrede zur Verleihung des “Alfred Kerr”- Preises 2009 weitete Gregor Dotzauer, Literaturredakteur des “Tagesspiegel”, die Diagnose einer existetiellen Krise
auf die gesamte Literaturkritik der Gegenwart aus. Als Kritiker sei er, so Dotzauer, nurmehr noch ein “lebender Leichnam”. Zugleich und etwas widersprüchlich bezeichnete er das Krisengerede ironisch als “apokalyptische Gesänge”. Sich selbst stilisierte er (selbstironisch ?) zum Retter, “so wie der Flugkapitän, der neulich seinen Airbus mit 155 Passagieren unbeschadet im Hudson River notlandete”.

Der Vortrag möchte nachzeichnen, welchen aktuellen Gefährdungen – etwa durch Finanzkrise und Neue Medien – die Literaturkritik tatsächlich ausgesetzt ist und welche Krisensymptome sie selbst diagnostiziert. Darüber hinaus soll die Frage gestellt werden, ob in der Krise auch eine Chance gesehen werden kann, durch den (bisher nur kritisch gesehenen) Zwang zur Kürze oder durch die (überwiegend als Bedrohung bewerteten) immer zahlreicher werdenden literaturkritischen Texte, oftmals Laienrezensionen, im Internet.

Stefan Neuhaus, Prof. Dr. Dr. h.c., seit 1.10.2004 Universitätsprofessor für Literaturkritik, Literaturvermittlung und Medien / Angewandte Literaturwissenschaft an der Leopold- Franzens- Universität Innsbruck, Leitung des Innsbrucker Zeitungsarchivs (IZA), Leiter des Instituts für Germanistik, Koordinator des Schwerpunkts “Prozesse der Literaturvermittlung”

  • ARCHIVIERUNG VON NETZLITERATUR UND -KUNST: THEORETISCHE UND ÄSTHETISCHE POSITIONEN I

Freitag, 16.00 – 16.40
Beat Suter: Digitales Schreiben und Archivierbarkeit von Elektronischer Literatur
Während eine grosse Gemeinschaft von Video-Game-Fans und Entwicklern seit Jahren an der Emulation alter Spiele auf immer neue Plattformen arbeitet und damit den Transfer des Wissens und die Zugänglichkeit zu den alten Produkten garantiert, gibt es nichts Vergleichbares für Elektronische Literatur. Die Community ist zu klein, sie besteht vorwiegend aus Autoren und akademischen Rezipienten und kennt keine programmiergewandte Fan- Gemeinschaft wie die Video Games. Die Folge daraus ist, dass selbst browser-basierte Projekte, die gerade einmal fünf Jahre alt sind, nicht mehr funktionieren. Kern
der Problematik des Archivierens ist ein stetiger Anstieg an interaktiven, kollaborativen und dynamischen Elementen in neueren Projekten Elektronischer Literatur.

Der Beitrag erörtert die Auswirkung des digitalen Schreibens und seiner zunehmenden Komplexität auf kreative digitale Werke und beurteilt die Situation der Elektronischen Literatur und der Elektronischen Poesie in Bezug auf die Probleme und Möglichkeiten ihrer Archivierbarkeit. Er sortiert die Projekte in archivalisch einfach repräsentierbare Werke, in Werke, die eine Adaption oder Emulation benötigen und in Projekte, die in ihrer originalen Form sehr schwierig bis unmöglich zu archivieren sind. Mit dieser simplen Kategorisierung versucht der Beitrag auch die nötigen Schritte zu skizzieren, die es
brauchen würde, um Elektronische Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart für künftige Leser zugänglich zu halten.

Beat Suter, Dr. phil, seit 2004 Dozent für Game Design und Interaction Design an der Hochschule der Künste Zürich (ZHDK). Herausgeber und Autor von Veröffentlichungen zu Hyperfiction und Netzliteratur. Gründungsmitglied der Künstlergruppe ANDOR. Forschungsschwerpunkte: Netzliteratur, Netzkunst, Game Art und Game Design. Projektleiter des Symposiums Digitaler Diskurs in Romainmôtier 1999. Verleger der neuen hyperliterarischen Reihe “edition cyberfiction” 2000 – 2002.- Hyperfiction- Experte des Jahrbuches für Computerphilologie, Universität München. Mitherausgeber der Online- Plattform Netzliteratur.net, einer Sammlung der wichtigsten deutschsprachigen Projekte und Essays zu digitaler Literatur. Weitere Informationen: http://www.cyberfiction.ch/besuter/

Freitag, 16.40 – 17.20
Peter Gendolla: “VERWEILE DOCH…”. Über flüchtige Momente in der Netzliteratur

Netzliteratur ist hochgradig “zeitkritisch” in einem doppelten Sinne. Zum einen findet sie in rechnergestützten vernetzten Medien statt, in denen durch die Möglichkeiten instantaner Rückkopplungen der Kommunikationen ihr jeweiliger Ausgangs- und Zielpunkt, Sendung, Empfang und Weiterverarbeitung der Botschaften sehr nahe gerückt sind, der nachhaltige Aufbau eines Gedächtnisses ständig gestört wird.

Nimmt man Literatur als ein kulturelles Gedächtnis, das auf kunstvolle Weise Erinnerungen an besondere Ereignisse ermöglicht oder herstellt, so wird genau diese Funktion in den neuesten Medien ja ebenfalls gestört, Literatur im tradierten Sinne geradezu verhindert. So ist aktuelle Literatur zum zweiten gezwungen, die zeitkritischen Prozesse in rechnergestützten vernetzten Kommunikationen aufzunehmen, zu reflektieren, zu distanzieren, entwickelt sie Strategien der Unterbrechung, Verlangsamung oder Beschleunigung jener Prozesse. Wie sie dies im Einzelnen betreibt und damit neue Formen ästhetischer Differenz ausbildet, soll an einigen Projekten deutlich gemacht werden.

Peter Gendolla, Prof. Dr., seit 1996 Stiftungsprofessur “Literatur-Kunst-Neue Medien und Technologien” an der Universität Siegen, Sprecher des Kulturwissenschaftlichen Forschungskollegs SFB/FK 615 “Medienumbrüche – Medienkulturen und Medienästhetik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im Übergang zum 21. Jahrhundert”, Projektleiter mehrerer DFG- Projekte im Sonderforschungsbereich 240 “Bildschirmmedien” und seit 1994 Vorstandsmitglied des SFB 240, seit 1995 Vorstandsmitglied des Graduiertenkollegs “Intermedialität”. Veröffentlichungen zu Medientheorie und netzbasierter Kunst, Literatur und Kommunikation.

Freitag, 17.20 – 18.00
Jörgen Schäfer: Verteiltes Handeln in literarischen Prozessen
Das gedruckte Buch als Leitmedium der literarischen Kommunikation fixiert oder arretiert performative Verläufe in konstanten Zeichenketten und gewährleistet dadurch vergleichsweise stabile Textfassungen. Dennoch ist im Rezeptionsvorgang der Wechsel von Momenten der Duration mit solchen der transitorischen Performanz nicht außer Kraft gesetzt. Auch eine Theorie der Netzliteratur kann daher im Anschluss an neuere linguistische Forschungen davon profitieren, die transkriptive Logik der Sprache als grundlegende mediale Verfahrenslogik zur Erzeugung von kultureller Semantik zu betrachten. Dies ist bereits in rezeptionsästhetischen Forschungen reflektiert worden, welche die Bedeutungszuschreibung bei der Konstruktion von Textsinn ohnehin als interaktiven Prozess der Vermittlung zwischen text- (also immer auch medien-) gesteuerten und wissensgesteuerten Prozessen beschrieben haben. In computerbasierten Medien verschärft sich dieses Wechselspiel, denn der Computer zwingt die Rezipienten zusätzlich in eine technisch gesteuerte Interaktion.

Erstens wird der Vortrag daher literarische Mensch-Maschine-Kommunikation als transkriptiven und technischen Prozess beschreiben, in dem es zu verteilten Handlungen kommt, d.h. zu vorübergehenden Kopplungen von Menschen, Artefakten und Zeichen über unterschiedliche Interfaces. Wenn im Anschluss an Überlegungen der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Sozionik auch den Computern als Aktanten ein wachsendes Maß an Agency in literarischen Prozessen zuzuschreiben ist, dann müssen tradierte subjekt- oder institutionenzentrierte Vorstellungen der Handlungsrollen für Literaturproduktion, -distribution, -rezeption und -verarbeitung revidiert werden.

Zweitens müssen sich die Semantiken von literarischen Strukturen, Konzepten und Systemen unter veränderten pragmatischen Rahmenbedingungen bewähren, wenn Netzliteratur weiterhin als Literatur analysiert werden soll. Der Vortrag wird daher an einigen Beispielen zeigen, wie tradierte literaturwissenschaftliche, insbesondere rezeptionstheoretische Kriterien für die Untersuchung von Netzliteratur angepasst werden müssen. Denn die Rezeption von Literatur verändert sich tiefgreifend, wenn die von Texten ausgelösten ästhetischen Erfahrungen nicht allein in der Imagination des Lesers verbleiben, sondern zum unmittelbaren körperlichen Agieren mit den Zeichenprozessen auffordern.

Jörgen Schäfer, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungskolleg “Medienumbrüche” an der Universität Siegen. Z.Zt. Arbeit an einer Habilitationsschrift zum Thema “Netzliteratur: Literarische Prozesse in computerbasierten Medien”.

  • ARCHIVIERUNG VON NETZLITERATUR UND -KUNST: THEORETISCHE UND ÄSTHETISCHE POSITIONEN II

Samstag, 9.00 – 9.40
Florian Hartling: “Not in Archive“. Zum Internet als Dispositiv der Archivierung

Fragen der Archivierung und Archivierbarkeit von digitaler Literatur sind stets auch – auf kultureller Ebene – verbunden mit Strategien der Kanonisierung und der Archivierung: Welche Autoren werden aus welchen Gründen überhaupt archiviert und musealisiert ? Wer wird eingeschlossen, wer ausgeschlossen ?

Damit ist zunächst der kulturelle Mechanismus der Kanonisierung angesprochen, der einen der stärksten kulturellen Mechanismen darstellt, um aus dem kulturellen Wissen auszuwählen und es damit zu stabilisieren. Doch wie kommen solche Kanones zustande ? Inwieweit befördern die Strukturen des Netzes solche Kanonisierungsprozesse oder verunmöglichen diese ? Wie sehen Sub- und Gegenkanons aus ?
Weiterführend sind literarische Kanones mit medialen Archiven als deren Orte verbunden, die Archivierung selbst wird zu einer kulturellen Operation der Selektion/Stabilisierung. Archive sind damit – mit Michel Foucault – stets auch als Dispositive der Macht zu begreifen, als Anordnung, in denen wandelnde Wahrnehmungsstrukturen, technisch-apparative, institutionelle, sozial-politische und inhaltlich-ästhetische Bedingungen zusammen fliessen. Macht wirkt zunachst im positiven Sinne produktiv, indem sie “die Körper durchdringt, Dinge produziert, Lust verursacht, Wissen hervorbringt, Diskurse produziert” (Foucault).

Aber wie sehen die Rahmenbedingungen des Dispositivs Internet für eine Archivierung aus ? Das Paper diskutiert neben diesen Bedingungen, unter denen das Netzdispositiv agiert, auch die Funktionen, die es für die Gesellschaft übernimmt. Es steht zu vermuten, dass das “schlechte” Archiv Internet wichtige gesellschaftliche und strategische Notwendigkeiten erfüllt, die über den Dualismus Selektion/Stabilisierung hinausgehen. Diese gilt es zu eruieren. Die Diskussion mündet schliesslich in einem ersten Modell des Archivdispositivs Internet.

Florian Hartling, Dr. phil., Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, der Germanistischen Literaturwissenschaft und der Politikwissenschaft in Halle und Leipzig, 2008 Promotion zum Thema “Der digitale Autor. Zur Autorschaft unter den Bedingungen des Dispositivs Internet” an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department Medien- und
Kommunikationswissenschaften, Universität Halle, seit 2003 an der Halleschen Europäischen Journalistenschule Alfred Neven DuMont; ausserdem verschiedene Tätigkeiten im Bereich Entwicklung/Betreuung von Internetprojekten und Internetjournalismus. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Netzliteratur, digitale Autorschaq, Internet als Dispositiv.

Samstag, 9. 40 – 10. 20
Gunther Reisinger: Zum Sinn und Unsinn der Archivierung netzbasierter Kunst

Der Vortrag versucht anhand ausgewählter Fallbeispiele sowohl theoretische wie praktische Probleme einer kunstwissenschaftlich validen Restaurierung, Archivierung und Re-Präsentation netzbasierter Kunstformen im werkeigenen Medium aufzuzeigen.

Gunther Reisinger, Dr. Phil., seit 03/2006 Leitung des Forschungsschwerpunkts “Geschichte und Entwicklung der ‘net.art’ als Fallbeispiel für die Adaptierung quellenkritischer Zugänge innerhalb der kunsthistorischen Methodik” am Ludwig Boltzmann InsItut fur Medien.Kunst.Forschung. Linz (AT). Seit 07/2007 Assistent fur neueste Kunstgeschichte am Institut fur Kunstgeschichte der Karl-Franzens Universitat Graz || Forschungsschwerpunkt zur Entwicklung des künstlerischen Originalbegriffs im Digitalen.

  • LANGZEITARCHIVIERUNG VON NETZPUBLIKATIONEN AUS PRAKTISCHER SICHT

Samstag, 10.40 – 11.20
Karin Schmidgall und Jochen Walter: Literatur im Netz – Sammeln, Erschliesen, Archivieren. Praxisbericht über eine neue Herausforderung für die klassische Bibliothek

Die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs sammelt, erschliesst und archiviert die neuere deutschsprachige Literatur und dokumentiert das literarische Leben in all seinen Facetten. Seit 2007 nimmt das DLA seinen Sammelauftrag auch für literarische Netzpublikationen wahr und reagiert damit auf die zunehmende Bedeutung des Internets als Publikationsforum. Zeitschriften, Weblogs und Netzliteratur werden in der integrierten Marbacher Bestandsdatenbank Kallias sowie überregional in der ZDB und in der Virtuellen Fachbibliothek Germanistik nachgewiesen. Die Spiegelung der digitalen Literatur erfolgt mit der Software SWBContent, das Hosting der Daten übernimmt das Bibliotheksservicezentrum Konstanz.

Mit dem Projekt hat das DLA Neuland betreten. Im Vortrag werden technische und prozessurale, inhaltliche und rechtliche Aspekte geschildert.

Karin Schmidgall, Diplom-Bibliothekarin in Marbach seit 1989, Projektkoordinatorin der Bibliothek; Mitglied der Expertengruppe Datenformate (Arbeitsstelle Standardisierungsausschuss der Deutschen Nationalbibliothek), Mitglied in div. Arbeitsgruppen des Südwestdeutschen Verbundkatalogs; Veröffentlichungen und Vorträge zu den Themen Umstieg auf MARC 21, Functional Requirements of Bibliographic Records (FRBR), Kallias, Projekt Retrokonversion

Jochen Walter, Diplom-Bibliothekar in Marbach seit 1996; Aufgabenschwerpunkt: literarisches Auswertungsprogramm, Internetquellen

Samstag, 11.20 – 12.00
Renate Giacomuzzi / Raphael Unterweger / Elisabeth Sporer: DILIMAG – ein Projekt geht online. Präsentation des Projekts zur Erfassung und Langzeitarchivierung von digitalen Literaturmagazinen

DILIMAG ist ein Projekt zur Erfassung, Beschreibung und Archivierung von digitalen Literaturmagazinen, d.h. von originär im Netz entstandenen Internetpublikationen. Das vom österreichischen Forschungsfonds FWF geforderte Projekt hat eine Laufzeit von 3 Jahren (2007 – 2010) und wird am Innsbrucker Zeitungsarchiv der Universität Innsbruck (IZA) in Zusammenarbeit mit DEA, der Abteilung fur Digitalisierung und elektronische Archivierung der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, durchgeführt. Bei der Tagung wird zum ersten Mal eine Testversion der online zuganglichen Datenbank und des digitalen Repositoriums präsentiert. Der Vortrag erläutert die inhaltliche und technische Vorgangsweise und bietet daruber hinaus Einblick in relevante Erfahrungs- und Problembereiche, die sich im Verlauf des Projekts ergeben haben.

Renate Giacomuzzi, Dr. phil.: Studium Komparatistik / Slawistik /Germanistik , 2005/06 Forschungsstipendiatin der Universität Innsbruck, seit März 2007 wissenschaftliche Durchführung des FWF-Projekts DILIMAG (Digitale Literaturmagazine) am IZA (Innsbrucker Zeitungsarchiv; Germanistik Innsbruck). Bis dahin 17 Jahre als Universitätsdozentin in Tokio tätig. Veröffentlichungen zu Rezeptionsforschung und -theorie, Imagologie, Literatur und Neue Medien.

Samstag, 12.00 – 12.40
Karl Petermichl: “Digital Object Identifier”: Konkrete Abbildung von Metadatenstrukturen auf Netzpublikationen

Fur ein Webprojekt an der Schnittmenge aus Literatur, Wissenschaft, Werkpräsentation und Journalismus zeigt sich sehr rasch die Notwendigkeit von persistenten Vektoren und normiertem Datenmodell.
Nach einer Analyse verfügbarer Lösungen wurde das “DOI System” als geeignetes Konstrukt für die konkrete Anwendung auf die Ressourcen von “in|ad|ae|qu|at” ausgewählt. Das “DOI System” ermöglicht die Zuweisung eindeutiger Identifikatoren auf digitale, physikalische oder abstrakte Entitäten, reserviert Namensräume für registrierte Anwender und definiert Vokabular und Regelwerk eines reichhaltigen Metadatenschemas.

Trotz der offenen Architektur wurde das “DOI System” bisher nur von Grossverlagen und Medienkonzernen implementiert, rund 40 Millionen “DOI Strings” sind in Verwendung. Das Referat stellt die praktische Vorgangsweise des “DOI Mapping” für ein Non-Profit Projekt vor, zeigt die Vereinnahmung von Begrifflichkeiten durch historisch gewachsene Geschäftsmodelle auf, und präsentiert Tools und Datenzugrifsmechanismen fur das “DOI System” im Rahmen alternativer Webprojekte.

Karl Petermichl Ing., im Funkhaus Wien seit 1985 in den Bereichen Tontechnik, Content Management und Streaming Media tätig. Zahlreiche Fachartikel für technische Publikationen, Vorträge im Rahmen der EBU und am Institut fur Publizistik in Wien. Mitarbeiter am Projekt in|ad|ae|qu|at als Webmaster und Serveradministrator.

Samstag, 14.00 – 14.40
Christiane Zintzen: Projekt und Blog in|ad|ae|qu|at : Autorenpublikationen, Dokumentation des literarischen Lebens und Repositorium eigener kulturpublizistischer Texte

Das Medium “Blog” nicht als persönliches Journal, sondern thematisch grundsätzlich orientiert an Literatur und deren “Betrieb”, speziell allerdings auf die Vorstellung und Publikation konkreter Texte von Autorinnen und Autoren. Der Name als Ausdruck des auserinstitutionellen und transdisziplinären Publizierens (“Literatur” | “Kunst” | “Fotografie” | “Netzmusik”). Das Programm “in|ad|ae|qu|at” wäre demnach dasjenige einer “Literaturzeitschrift im Netz” – freilich mit dem Unterschied des Zusammenführens verschiedener medialer Materialien (Video, Audio, Fotografie, Grafik).

in|ad|ae|qu|at ist bislang das einzige deutschsprachige Mikromedium, welches sich der Copyright-Anmeldung per DOI bedient. Diese Registrierung akzentuiert, dass “Publizieren im Web” nicht als Sekundäres, Abgeleitetes verstanden wird, sondern als distinkte Kunstform und Wertschöpfung mit selbstandigem Werkcharakter. Autorenkontakte ergeben sich organisch aus zehn Jahren experimenteller Radioarbeit mit Künstlern fur die ORF-Reihe “Literatur als Radiokunst”, deren einzelne Projekte systematisch mittels “Produktionsnotizen” dokumentiert werden. Regelmässige Veranstaltungshinweise sollen lokale und poetologische Netzwerke der vorgestellten Autoren à la longue sichtbar machen. Dazu mag auch das konsequente Indexieren (Metadaten) dienen, welches zusätzlich eine gute Auffindbarkeit der Materialien im Netz gewährleistet.
Da die Autorin von in|ad|ae|qu|at seit November 2008 zusammen mit Hartmut Abendschein das Netzwerk “Literarische Weblogs” (litblogs.net) herausgibt, hat sich die ständige Reflexion zu “Literatur im Netz” und deren technische Möglichkeiten produktiv intensiviert .

Christiane Zintzen, Dr. phil, Kulturwissenschafterin, Literaturkritikerin, Bildautorin. Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik der Universität Wien, Kuratorin der Reihe “Literatur als Radiokunst” / ORF- Kunstradio. Zahlreiche Rezensionen und Essays zur aktuellen und auditiven Literatur fur NZZ und “Literaturen”. Mehrere Bücher zur Kulturgeschichte und zum Literarischen Leben. Weblog in|ad|ae|qu|at (www.zintzen.org) seit 1. 1. 2007.

  • LITERATURPRODUKTION IM INTERNET

Samstag, 14.40 – 15. 20
Hartmut Abendschein : Projekte H.A.
taberna kriIka . kleine formen (Autor / Hrsg.) http://www.abendschein.ch/site/weblog
litblogs.net (Hrsg. mit ChrisIane Zintzen) http://www.litblogs.net/
etkbooks (Verlag, kurz)
http://www.etkbooks.com/

taberna kritika – kleine formen
literarisches Weblog von H.A. Seit 2003. Kleine Formen (Prosa, Lyrisches), Materialien zu umfangreicheren Arbeiten. Poetolog. Reflexionen. Das Litblog als allmahliche Werkverdichtung, Entwicklung von Schreibweisen, Durchlaufstelle für Texte, die in andere Formen münden können. Vgl. http://www.germanistik-im-netz.de/ginfix/2238

litblogs.net – literarische Weblogs in deutscher Sprache, ISSN 1662-1409 – ist ein Portal für und Online-Magazin aus AutorInnenblogs. Schwerpunkte dieses Angebots liegen auf der Präsentation, Verbreitung, Dokumentation und Archivierung von literarischen Schreibprozessen, der Förderung des Austauschs der Autorinnen und Autoren untereinander sowie der Beobachtung von und Beschäftigung mit Entwicklungen des literarischen Felds im Kontext kontinuierlicher Medienumbrüche. litblogs.net erscheint seit 2004 und wurde gegründet und hrsg. von Markus A. Hediger & Hartmut Abendschein. Seit Herbst 2008 erfolgt die Herausgabe unter Christiane Zintzen und Hartmut Abendschein.

Die edition taberna kriitika (etkbooks) ist ein Schweizer Literaturverlag mit Sitz in Bern. Als Independent-Verlag ist er der Kleinverlagsszene zuzurechnen. 2007 wurde der Verlag von Hartmut Abendschein gegründet mit dem Ziel, eine Plattorm für anspruchsvolle formale, inhaltliche und sprachliche Experimente zu schaffen. Die Edition versteht sich als hybrider Verlag im Umfeld Neuer Medien, dem – neben der Printproduktion Experimenteller Literatur – auch verschiedene Erscheinungsformen von Digitaler Poesie, Hypertext und literarischen Weblogs von programmatischem Interesse sind. Als Label vertritt er seit 2004 auch das Magazin litblogs.net, in dem Autoren wie Alban Nikolai Herbst, Sudabeh Mohafez, Benjamin Stein, Matthias Kehle und Stan Lafleur vertreten sind. etkbooks ist ein Mitglied von SWIPS (Swiss Independent Publishers http://www.swips.ch ) Quelle/Mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/edition_taberna_kritika

Hartmut Abendschein, M.A., Wiss. Dok., geboren 1969 in Schwäbisch Hall, Buchhändler in Stuttgart, Studium der Germanistik und Anglistik in Konstanz und Glasgow, wissenschaftlicher Dokumentar in Köln (WDR), derzeit Fachreferent fur Germanistik an der Universitätsbibliothek in Bern. Veröffentlichungen von Lyrik, Prosa und literaturwiss. Texten in Büchern, Zeitschriften und Anthologien. Projekte: s.o. Seit 2009 Mitglied im Autorenforum “der goldene fisch” . Mehr: http://www.zintzen.org/autoren-authors-auteurs/hartmut-abendschein

Samstag, 15.20 – 16.00
Thomas Schröder / Andreas Wiesinger: Online-Zeitungen im Wandel. Überlegungen zur Neudefinition eines nicht mehr neuen Mediums

Rund fünfzehn Jahre nach ihren Anfängen sehen wir die Online-Zeitungen heute in einer Phase, in der sie die kommunikativen Moglichkeiten des Internet erstmals wirklich auszuschöpfen beginnen. Gleichzeitig entfernen sie sich damit immer weiter von ihren gedruckten Pendants. Reichte es bisher noch aus, Online-Medien als Modifikationen ihrer Print-Vorbilder zu bestimmen, so stellt sich jetzt immer dringlicher die Frage nach einer eigenstandigen Definition. Im Vortrag soll der erweiterte kommunikative Handlungsspielraum der heutigen Online-Zeitungen an Beispielen skizziert werden, um grundlegende Elemente fur eine solche Neudefinition zu umreissen.

Thomas Schröder ist Professor für “Linguistische Medien- und Kommunikationswissenschaft” an der Universität Innsbruck. Studium der Germanistik und Geschichte in Tübingen und Wien. Assistententätigkeit an der Deutschen Sporthochschule in Köln (Sportpublizistik) und am Deutschen Seminar der Universität Tübingen (Medienwissenschaft – Medienpraxis). Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Print- und Onlinemedien, Textlinguistik und visuelle Kommunikation, Mediensprache, Mediengeschichte, Kinder und Medien.

Andreas Wiesinger, Mag. phil., Studium der Germanistik und der Geschichte an der Universität Innsbruck. Während des Studiums Tätigkeit u. a. als Sprachlehrer, freier Journalist und Unterrichtspraktikant. Seit 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut fur Germanistik der Universität Innsbruck im Fachbereich Linguistische Medien- und Kommunikationswissenschaft, Lehrtätigkeit und Medienbeauftragter des Instituts. Veröffentlichungen zu: Boulevardisierungstendenzen in Zeitungen, Online-Kommunikation und Kinder und Medien.

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7 Responses to Bloglesung und Tagung zu Literarischen Weblogs
  1. HerrH
    October 21, 2009 | 11h34

    Wie lustig, eine Tagung um nichts, schade dass ich nicht
    dabei bin, ich liebe solche Tagungen. Wie wichtig da
    alle immer tun, aber wenn sie im stille Kämmerchen sitzen
    kichern sie sich eins.
    Ach, wie wunderbar das Leben doch ist, sagen sie schon ja

  2. czz
    October 22, 2009 | 02h34

    “der gentleman geniesst still und schweigt” ( O. Wilde )

  3. HerrH
    October 24, 2009 | 08h52

    und wo sind die Liveaufnahmen? Da sitze ich den ganze Abend am Rechner und warte und da kommt nix, wie gut dass ich wenigstens betrunken genug war, um mir vorzustellen, dass es genau das war auf was ich auch gewartet habe :-)

  4. czz
    October 27, 2009 | 02h12

    nun , werter Herr Hilbig , dann hatten Sie ja ohnehin das delektierlichere – da erwartungsnahe Kino im Kopf und konnten beruhigt Ihre fraglos berechtigten Vorurteile bestätigt sehen .

  5. HerrH
    October 27, 2009 | 10h18

    aber es gibt doch hoffentlich trotzdem noch Aufzeichnungen, oder nicht,
    gibt es die nun doch nicht, oder doch, ich bin nämlich vielleicht, ja,
    ein klammheimlicher Fan von euch vieren!!!

  6. czz
    October 27, 2009 | 11h25

    die stimmung ist freundlich , werter Herr. H. , es gibt ja auch wohlwollende zwischenglieder . was die tagung anbelang , wäre schon ein band geplant , vorausgesetzt , es gibt die entscheidenden druckkostenbeihilfen . derzeit haben wohl sämtliche teillnehmer ( m | f ) einerseits den kopf noch zu voll , müssen andererseits in ihren jeweiligen broterwerben manches nachholen , um etwa schon berichte etc liefern zu können .
    kommt zeit , kommt …

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