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Salon Littéraire | Nationalfeiertag spezial | Christian Steinbacher :
Entweichen , auf zum Feiertag
“Oder kreuze das Zunge zeigende Äffchen auf dem Fresko an der Orgelempore der Pfarrkirche St. Michael in Litschau, der nördlichsten Stadt Österreichs, mit der Flagge jenes Landes und denke ein wenig verspätet an in etwa Artmann etc.”, wäre da ebenso eine mögliche Aufforderung. Doch wie auch immer, die Künstlervereinigung MAERZ in Linz hat Anfang dieses Jahres ihre Mitglieder um Beiträge zu einer Wasserfarbenbeherrschungsüberprüfungskaktion gebeten. Aufgabe war es, die österreichische Flagge mit Wasserfarben zu malen (so wie man es in der Volksschule einst gemacht hat; und in der Ausschreibung war u. a. auch davon die Rede, dass der exakte Farbton für das Rot der zivilen Zeichen – im Unterschied zu den militärischen Zeichen, also zum Rotton für die im Bundesministerium für Landesverteidigung verwendeten hoheitlichen Symbole = Pantone 032 C - im österreichischen Flaggengesetz keineswegs geregelt ist und so auch die zwei bevorzugten Flaggenfabriken unterschiedliche Rottöne verwenden). Auch ich als Autor habe mich dann vorerst brav im Aquarell versucht und ein Foto eines Äffchens mit herausgestreckter roter Zunge bemalt. Das Thema floss aber weiters in eine literarische Arbeit ein, und zwar in das nachfolgende Gedicht, welches in in|ad|ae|qu|at nun stilecht zum passenden Nationalfeiertag seine Veröffentlichung erfahren soll. Beigegeben bzw. nachgesetzt findet sich eine andere Lösung der Beflaggung “jenes” (Distanz sei da doch stets vonnöten, na klar!) Landes. Ja, diese Mode macht’s möglich: Man fühlt sich beinah zurückgesetzt wieder in die Zeit der eignen Geschlüpftheit? Wo dieses Foto aus 2008 geschossen wurde, geben wir zwar nicht preis, aber für ‘ne preislose Frage seien doch ein paar Angelpunkte gereicht: War es a) in Heidenreichstein, b) in Gmünd, c) in Langschlag (unweit davon es übrigens eine fantastische Schmetterlingsfarm gibt)?
MIT ZEDERN NICHT
(Kein Kleckermaul)
Magenta für den Maki, ruft der Makler, aber
voreilig greift der Frischling hin nur zu Zinnober,
auch andres Rot hockt auf der Himmelspforte,
mag auch Magenta unserm Auftrag nicht entsprechen,
diesen Zinnober nehm ich besser wörtlich:
Geringe Festigkeit, ein unnötiger Aufwand,
das wäre doch ganz gut in effizienzbestimmter Zeit.
Ganz ohne feine Redensart reck raus die Zunge,
die vielen Heidelbeeren taten ihre Wirkung,
in voller Morgenröt’ verarscht uns kein Mandrill.
Auf nach Malawi, Malcolm, mal dein Einmaleins
dir aufs Lemurenmaul, von Streifen male zwei
mir auf das weiße Banner meines Malefizspiels,
hat sich der damals sonst noch ernstzunehmende Rainer
geärgert, während Dieter Roth es hätt belustigt
dass sich der Affe plötzlich weigerte zu malen,
schlag ich den Bauch mir voll auch ohne Pinsel.
Schon trägt den Flop wer ab, und Schicht auf Schicht
nimmt sich in Pflicht der Aff, steckt uns in allen Gliedern,
will nicht mehr weiterwandern, buckelt, lässt
sich nieder an dem untern End’ der wüsten Szene.
‘ne Zeder aber nicht bespielt dies rot Begrenzte.
Kein kunterbunter Muezzin, wer übermal
unter solch Orgeln die Emporen, wer Epochenschwellen?
Erst später hätt man Schellen ihm dazugedichtet.
Noch ist kein Narr er, auch nicht allzumenschlich,
ist diabolisch nur, Symbol der Lüsternheit,
hängt raus die Zung ihm fest wie ‘nem Chow-Chow,
nicht unbedingt der beste Einstieg ins Gewerbe
der Sippschaft eines Tunkens oder Färbens.
Fein wortlos und fein unsinnig, wie Matjes,
M. M. heißt ja nicht immer Marilyn, spielt auf
jetzt hier Max Mustermann, bald liest Michèle Métail
in diesem Raum, zück ich Maria-Moser-Rot,
wer aller will denn noch an dir sein Mütchen kühlen,
oder an Lilien aus Lincolnshire,
an Lindenblütentee aus Lindau-Ost,
Lakritzen von Lacoste, pfui Teufel, wie
kommt so ein Lungenflügel denn bis Lullaby,
Litschi aus Litschau passt als Bild nur wenig.
Malteser aus Malawi wäre mehr verwerflich,
da sagst du Ciao, ich litt es wohl, jedoch Liwanzen,
die kommen wirklich aus der Gegend dort
rund um ein Litschau, da, Malewitsch fährt einstweilen
auf, hin, nach Mali, wo er sich ‘nen Fratzen-Maki holt,
doch das Tutu, das die heut wieder austrägt,
greift sich nicht nur Zinnober, greift auch Holler,
läuft in die Büsche, wo Herr Wilhelm bockt und ruft:
“Fipps sehnt sich förmlich nach bösen Streichen.
Sein Plan steht fest. Er will entweichen.”

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Artmann lebt , rufen Sie ihn an
Nur sein Großneffe ist noch durchgeknallter!