||| ZENTRALGESTALTUNG | THEATER HAMAKOM : “SPIELRÄUME” IN MEMORIAM ELFRIEDE GERSTL | “KÜHLZACK UND FLEXER” , “LEBENSZEICHEN” | SCHWARZWEISSAUFNAHME FOTOGRAFIEN VON ARNO UND ALICE SCHMIDT – LESUNG | TOD UND FLORA | AUSSTELLUNG “DIE 50er JAHRE” – VORTRAG : DIE ÖSTERREICHISCHE LITERATUR UND DER KALTE KRIEG | ERZÄHLMUSTER : “KLEINE“ PROSA – GROSSE FREIHEIT | THE BOOK JOCKEYS – SEX | ALBUM – FIXIERTE ERINNERUNG ZWISCHEN STAMMBUCH UND FACEBOOK | KLANGAPPARAT

Arnulf Rainer : Zentralgestaltung , Graphit , 1951
MUSA : “Die 50er Jahre . Kunst und Kunstverständnis in Wien ”
ZENTRALGESTALTUNG
Aus den Pressebildern zur Ausstellung “Die 50er Jahre” haben wir in|ad|ae|qu|at die Rainer’sche “Zentralgestaltung” gewählt , weil derzeit in Wien kaum etwas schwerer fällt , als sich angesichts des unbewältigbaren Veranstaltungsaufkommens auf eventuell eigene Werkschöpfung zu konzentrieren . Kaum ist die “Literatur im Herbst | Dilemma 89” mit ost ( süd ) mittedeuropäischen Autoren und Autorinnen ( worunter Herta Müller ) verklungen , hebt von 12. bis 15. 11. auch schon die Buch Wien 09 in der Halle D der Messe an , eine “Lesefestwoche” an diversen Locations der Stadt inbegriffen . Dies aler kurz vor den bewährten “Erich- Fried- Tagen” des Literaturhauses , welche vom 26. bis 29. 11. auf spoken poetry fokussieren , dürfte selbst hatgesottene Lesungsnomaden überfordern .
Trotzdem wollen wir uns in|ad|ae|qu|at unterfangen , zumindest einige Trittsteine im Meer der “Events” und Spektakel” freundlich zu markieren : Nicht zuletzt hat uns Friederike Mayröckers zauberhafte , magische und radikale Lesung der vorigen Woche erneut auf das unwiederholbare Faszinosum der Dichterlesung aufmerksam gemacht .
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WIEN | THEATER HAMAKOM : “SPIELRÄUME” IN MEMORIAM ELFRIEDE GERSTL
Dass man sich – am Tag der “Reichspogromnacht” – auf das erst kürzlich wieder bespielbare Theater im Nestroyhof besinnt , ist ein bemerkenswert . Dort , wo in der Zwischenkriegszeit jiddische Komagnien ebenso wie Karl Kraus gastierten , wird an diesem Tag der Anfang April diesen Jahres verstorbenen Dichterin und Sammelpoetin Elfriede Gerstl besinnt und deren “spielräume” ( 1977 | 1993 ) zur szenischen Lesung bringt ist – unter genannten Umständen – höchst erfreulich . Mit Vera Borek und Erni Mangold konnten zwei starke Stimmen gewonnen werden , die den frühen experimentellen Prosatext zweifellos um überraschende Nuancen bereichern . Dazu Peter Ponger – Elfriede hätte es sich zweifellos auch so gewünscht – am Piano .
- Hommage Elfriede Gerstl : Vera Borek und Erni Mangold lesen aus “spielräume” – Theater Hamakom im Nestroyhof , 1020 Wien – Montag , 9. 11. 2009 , 19:30 H
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WIEN | “KÜHLZACK UND FLEXER” , “LEBENSZEICHEN”
herbert j. wimmer liest aus “kühlzack & flexer – aggregat” ( vgl. Salon Littéraire ) sowie aus Elfriede Gerstls “Lebenszeichen . Gedichte , Träume , Denkkrümel” ( siehe tableau de texte ) .
- Lesung herbert j. wimmer – Heuriger Sterl’s ( vormals Gstaltner) , 1210 Wien , Stammersdorferstrasse 21 – Dienstag , 10. 11. 2009 , 19 H
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WIEN | SCHWARZWEISSAUFNAHME FOTOGRAFIEN VON ARNO UND ALICE SCHMIDT | LESUNG
Im Rahmen der Ausstellung “SchwarzWeißAufnahme . Fotografien von Arno und Alice Schmidt” ( bis 28. 11. 2009 ) im Foyer der Hauptbücherei rezitieren Helmut Berger und Barbara Horvath erneut aus dem Werk des Meisters . Diesmal sind mit den “Traumflausn” die von Bernd Rauschenbach edierte Zusammenstellung onirischer Passagen quer durch das Oeuvere angesagt .
- Arno Schmidt : “Traumflausn” , Lesung Helmut Berger und Barbara Horvath – Hauptbücherei , 1070 – Montag , 9. 11. 2009 , 19 H
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WIEN | TOD UND FLORA
Als “handliche Anleitung zum vernünftigen Giftmord und also zur Verbesserung der Welt” Anfang der siebziger Jahre in Form eines Unikats von Helmut Eisendle ( 1939 – 2003 ) verfasst , hatte das Glossar von 33 Giftpflanzen lange in einer Privatbibliothek geschlummert . Nun bringt Jung und Jung “Tod und Flora” als Werk einer Lebenshilfe à rebours heraus , je nach Perspektive als Begleiter einer ars moriendi oder eines ökologischen Beitrags zu einer DIY- Verbesserung von Mitteleuropa . Dass hier implizit von den Missständen in Kultur und Gesellschaft die Rede ist , darf angesichts der Persönlichkeit des Autors angenommen werden .
Es stellen vor und kommentieren : Der Germanist Thomas Eder als Autor des Nachworts , Jochen Jung als Verleger , Peter Rosei als Kollege und Bodo Hell als naturbewanderter Kenner der Volksmedizin .
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Helmut Eisendle : “Tod und Flora” – Buchportrait – Literarisches Quartier Alte Schmiede – Mittwoch , 11. 11. 2009 , 19 H
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WIEN | AUSSTELLUNG “DIE 50er JAHRE” | VORTRAG : DIE ÖSTERREICHISCHE LITERATUR UND DER KALTE KRIEG
Im Rahmen der grossangelegten Schau des MUSA ( Museums auf Abruf ) “Die 50er Jahre : Kunst und Kunstverständnis in Wien” ist auch eine hoch interessante Vortragsreihe zum geistigen und kulturellen Klima der Epoche programmiert . Den Anfang mach der Germanist Michael Rohrwasser mit seinen Beobachtungen zur “österreichischen Literatur und dem Kalten Krieg” :
Berlin hatte den Kalten Krieg, Wien hatte die Avantgarde, aber so einfach war es nicht. Auch auf die Wiener Gruppe und auf die junge Nachkriegsliteratur fällt der Schatten des Kalten Kriegs, nur wurde er in Literaturgeschichten manchmal wieder wegretuschiert. Auch Österreich hatte seine Kalten Krieger, und darunter so sperrige wie große und manchmal vergessene Autoren: Milo Dor, Reinhard Federmann, Hans Habe, Arthur Koestler, Robert Neumann, Willi Schlamm, Manès Sperber, Hilde Spiel oder Friedrich Torberg.
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Ausstellung “Die 50er Jahre : Kunst und Kunstverständnis in Wien” – MUSA , 1010 Wien , Felderstraße 6-8 – bis 9. 1. 2010
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Vortragsreihe zur Literatur der 50er Jahre | Michael Rohrwasser : Die österreichische Literatur und der Kalte Krieg – MUSA – Mittwoch , 11. 11. 2009 , 19 H
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WIEN | ERZÄHLMUSTER : “KLEINE“ PROSA – GROSSE FREIHEIT
In einem unter der Hand wieder zur “grossen Erzählung” zuück gekehrten Betrieb ( siehe Deutscher Buchpreis ! ) haftet kleineren , diskontinuierlichen und fragmentarischen Prosaformen bereits a priori eine gewisse Querlage zum Mainstream an . Drei solcher Positionen werden an diesem Abend vorgestellt und zwar von Seiten achtbarer Autoren sowie einer in vielen Formen erprobten Autorin .
Während parallel in der edition korrespondenzen eine anotierte und erweiterte Fassung des 1987 bei Rowohlt erschienenen “Kerner“- Romans erscheint , stellt Elfriede Czurda im diesem Kontext die Sammlung “Untrüglicher Ortssinn . Kurzprosa & Erörterungen” ( Verbrecher Verlag ) vor .
Dass bei Jürg Laederach der Jazz eine eminente Rolle spielt , dürfte sich herumgesprochen haben . Ausgehend von eine Studiogespräch über das Thema , setzten Jürg Laederach und der Autor | Musiker Michael Mettler ihrer Debatte kurzerhand via e- mail fort und gelangten solcherart zu einer – von Skeptikern der Neuen Medien ja standhaft bezweifelten – Tagesmitschrift und “Stehgreifliteratur” , dessen , so der Verlag ,
… improvisatorischer Drive so mitreissend ist, dass der Leser sich fragt : Warum bloss ist dies eines der ersten E-Mail-Bücher ? -
Mit den von Mettler edierten “Depeschen nach Mailand” wäre also in der Alten Schmiede erstmalig die Chance geboten , über produktive Implikation der Neuen Medien zu sprechen .
Just mit Kurzformen – kleinen , beissenden Erzählungen und nahe am Wortlaut des gesellschaftlichen und politischen Diskurses angesiedelten Dramoletten hat sich Antonio Fian einen Namen gemacht . Träume – wie eben bei Droschl unter dem Titel “Im Schlaf” erschienen , standen bisher weniger im Fokus des Fian’schen Oeuvres : Freilich darf man mit Fug und Recht davon ausgehen , dass darin durchaus Tagesreste von kulturellen und sozialen Ungeistern darin herum spuken …
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Erzählmuster – “Kleine” Prosa – grosse Freiheit – Literarisches Quartier Alte Schmiede – Donnerstag , 12. 11. 2009 , 19 H
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WIEN | THE BOOK JOCKEYS – SEX
Eine Literatur- Performance der anderen Art stellt – bei sicherlich nicht zu geringem Andrang – das Literaturhaus zur Debatte . Vielleicht , so unsere in|ad|ae|qu|ate Anmerkung , hätte man die interessante Form des “Book- DJing” nicht gleich am Hammerthema Numero eins erproben müssen … uns fielen ganz ohne Nachschlagen eine ganze Reihe der schlechtesten ( Gerhard Roth ) , brutalsten ( Elfriede Jalinek ) und ritualisierten ( Philip Roth ) literarischen Sex- Szenen ein . Gar nicht zu reden von dem in Gewaltphantasien gewendeten Sex in Ulrich Schlotmanns “Freuden der Jagd” ( ein Forum für eine entsprechende Debatte gäbe es ja …) .
Aus diesem Grund wird das Material , welches die Book- DJs Paul Divjak ( Medienkünstler ) , Christian Schachinger ( Pop- Kritiker ) und Robert Menasse herbei bringen , zwar für einstimmiges Feixen bereit sein , kaum aber dazu beitragen , dem Desiderat “Sex und Text” etwas näher auf die sogenannte Pelle zu rücken . Schade : So bleibt nur eine – schön österreichisch gesagt – “gmahde Wiesn” .
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The Book- Jockeys – Sex – Literaturhaus – Freitag , 13. 11. 2009 , 19:30 H
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WIEN | ALBUM – FIXIERTE ERINNERUNG ZWISCHEN STAMMBUCH UND FACEBOOK
Samstag Nachmittag schliesslich – gewissermassen bereits während der Eigenzeit des Literaturpublikums – laden Literaturhaus und Österreichische Exilbibliothek zur Asstellungseröffnung . Die Schau “ALBUM – fixierte Erinnerung zwischen Stammbuch und Facebook” zollt dem Wandel der Erinnerungsmedien und -kulturen Tribut ( ohne , dass eine FB- Gruppe eingerichtet worden wäre … ) .
Im begrüssenswerten Konnex zur germanistischen Tagung “Album . Organisationsform narrativer Kohärenz” ( 12. – 14. 11. 2009 , Universität Wien ) kommt auch der Ausstellung ein besonderer Stellenwert zu . Auch die österreichische Exilforschung wäre ohne die ihr anvertrauten Privataufzeichnungen und Album- Notizen von ( r ) emigierten Autoren und Autorinnen um Vieles ärmer .
Zur Eröffnung spricht die Organisatorin der Tagung , Annegret Pelz . Es lesen Berenice Eisenstein ( Kanada , Autorin von “Ich war das Kind von Holocaust- Überlebenden” ) , László Marton ( Ungarn , Autor von “Die schattige Haupstrasse” ) sowie Leo Spitzer ( USA , Autor von “Hotel Bolivia” ).
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Ausstellung “ALBUM – fixierte Erinnerung zwischen Stammbuch und Facebook” – Literaturhaus Wien , Bibliothek – Samstag , 14. 11. bis 18. 12. 2009
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Eröffnung der Ausstellung – Literaturhaus Wien , Bibliothek – Samstag , 14. 11. 2009 , 16 H
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Tagung “Album . Organisationsform narrativer Kohärenz” – Universität Wien – Donnerstag , 12. bis Samstag , 14. 11. 2009
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KLANGAPPARAT
Als Musik für novemberliche Tage könnte man sie unschwer abtun : entsprechende Genre- Ingredienzien gäbe es hinreichend anzuführen . Doch sind , hört man genauer hin , die vier kleinen , feinen Kompositionen auf der “Mtnada” E.P. des Dänen Danny Kreutzfeld aka Sgnl_fltr weit mehr als dies .
Kreutzfeld hat sich in seinem Tun fortlaufend von der elektronischen
Tanzmusik , ja gar der IDM gelöst und stösst in scharf umrissene Ambient- Atmosphären vor , ohne deshalb auf breakbeat- oder glitch- Passagen zu verzichten .
Hoch ausgefeilte Kopfmusik , würde man sagen , wären da nicht die unwiderleglichen Resonanzen in “Body and Soul” . Natürlich beim Netlabel Yuki Yaki.
CLICK LINKS TO LISTEN TO TRACKS : 01. Enki | 02. Inanna | 03. Aruru | 04. Marduk | [ Download zip- file]
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