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AN DER GRENZE

Man muss ihn kennen , den fast versteckten Weg in jenen kleinen Park , welcher die sogenannten Südgartenkliniken umschliest . Uneinsehbar vom Hochhaus der Neurologie und dem viergeschossigen Querriegel des psychiatrischen Komplexes verdeckt , liegt das schmale Gartenband unmittelbar an der Grenze des 240.000 m² grossen Areals des Allgemeinen Krankenhauses ( AKH ) der Stadt Wien .
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GEGENPOL

Als Südgarten – ausschliesslich per Durchquerung der Gänge der psychiatirschen Kliniken zu betreten – gibt das mit winterharten , anspruchslosen Sträuchern bepflanzte stille Grün den topographischen und symbolischen Gegenpol zu den Versorgungs- Operatoren im Norden : Dem separaten Ameisenstaat der Zentralapotheke mit all seinen Schleusen und Auslässen für Zulieferung und Verteilung , der fauchenden , rauchenden Energiezentrale , der Krankenhausfeuerwehr sowie den Ver- und Entsorgungstrassen für Lebensmittel , Material , Abfälle .
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EXTENSIV

Der durchrationalisierten Logistik und intensiven Flächennutzung steht hier ein lediglich extensiv gebrauchter Raum entgegen . Ein unverbauter Geländerest , dessen Schema bereits auf den Baustellenfotografien vom Ende der 1960er Jahre zu erkennen ist . Den heute mächtigen Kastanienbaum zwischen den hinteren Auskragungen der Neurologie und der Westseite der Psychiatrie kann man auf diesen Schwarzweissbildern als sorgsam mit Brettern verschalte Jungpflanze ausmachen .
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HINTERLAND

Der umzäunte Spielplatz an der Aussenseite der Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters bleibt meist verwaist ; den raren dort spielenden Kindern sind von der anderen – der psychiatrischen – Seite des Parks her in ritueller Regelmässigkeit die Bälle über den niederen Zaun zurück zu werfen . Im Übrigen bleibt man hier ungestört . Einige wenige Patienten nur umrunden das Gebäude der pychiatrischen Kliniken alleine oder im Gespräch , in ihrem langsamen Wandel allenfalls aufgeschreckt durch einen Runde umd Runde im Laufschritt absolvierenden Jugendlichen .
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BETON

Menschen in Rollstühlen nutzen gerne den ebenen Rundkurs auf Waschbetonplatten . Auch die spartanische Parkmöblierung besteht – charakteristisch für den Beginn der 1970er Jahre – aus Sichtbeton . Parkbänke aus Betongruss , die längst ausgebleichten Sitzflächen aus rohen Brettern . Ein Brunnen , gefasst in Beton , führt sein Wasser über mehrere Stufen , wo es kurz aufschäumt , in einem Auslaufbecken zur Ruhe kommt , um danach aufgefangen und zum Wasserspeier zurückgepumpt zu werden .
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IM FLUSS

Das bescheidene Wasserspiel , in dessen sich verändernden Oberflächen sich das umgebende Grün und der Himmel wiederspiegeln , zieht unwiderstehlich den Blick auf sich .

Im verhaltenen Abseits zu dem nur wenige Meter entfernt lärmenden , augenscheinlichen Chaos der enormen Menschenströme im Haupthaus der Riesenklinik , gibt der basale Brunnen zugleich Bilder von Ruhe und von Bewegung . Stille Stetigkeit des Insichkreisens .
Analogie zur Fassung , Ruhigstellung und Wiedermobilisierung , welche das Hospital an Tausenden Patienten täglich vollzieht . Hin und wieder aber verfängt sich ein welkes Blatt an einer der Überlaufkanten .

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KLANGAPPARAT
Das Innsbrucker Netlabel Autark feiert des Bestehens eben seine zehnte Release mit einer V/A- Edition seiner Künstler . Grund genug , nach
eineinhalb Jahren zurück zu blicken auf die erste Edition , namhaft bestritten vom Local Hero Hans Platzgumer und Jens Döring . Als hp.stonji liefert das Duo mit Piano Expeditions zwei verschwebende Etüden als elegisches Entrée . Piano , piano gehalten mit leichten elektronischen Verfremdungen .
01. Piano Expeditions I | 02. Piano Expeditions II | [ zip download ] | [ Autark Podcast ]
CLICK LINKS TO LISTEN .
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Dieser karge (un)verwunschene Garten, Beton als Zeichen der Langlebigkeit unter widrigen Bedingungen, Reflexionen der Wirklichkeit, fließende Kargheit: mögen Symbole wie diese auch Lebensmöglichkeit und Widerstandskraft in die Körper und Seelen der in den Logistikspiralen betreuten Menschen “Zurückpumpen”.
Bisher blieb dieser abseitige Garten sogar von sonst überall lagernden Tausenden Medizinstudentinnen und – studenten unentdeckt . Sonst wohl könnte man wohl keine Rotschwänzchenpaare bei der geschäftig- gemeinsamen Brutpflege mehr beobachten …