Der Standard | APA , 8. 1. 2010: Autorin Eugenie Kain 49-jährig gestorben
“Autorin der leisen Töne” beschäftigte sich stark mit sozialen Themen
Linz – Die oberösterreichische Autorin Eugenie Kain ist am Freitag in Linz im Alter von 49 Jahren an der Folgen einer schweren Erkrankung gestorben. Das bestätigte ihr Verleger Arno Kleibel vom Otto Müller Verlag. Die am 1. April 1960 geborene Schriftstellerin setzte sich stets für soziale Themen ein, die sich auch in ihrem Werk widerspiegelten. Zuletzt veröffentlichte die Tochter des Autors Franz Kain den Erzählband “Der Schneckenkönig”.
Als “genuine Erzählerin” bezeichnete Hans Höller die “Autorin der leisen Töne” anlässlich der Verleihung des Förderungspreises für Literatur im Jahr 2007. In Kains Werk stand das Mitgefühl gegenüber den Außenseitern, den Benachteiligten, die sehen müssen, wie sie mit den Härten des Lebens zurecht kommen, im Zentrum. Die Titelgeschichte ihres letzten Bandes “Der Schneckenkönig” ist etwa ein sensibel vorgetragener Bericht darüber, wie brutal “Stadtentwicklung” über ein vielfältiges, beziehungsreiches soziales Biotop hinweggeht, es niederwalzt.
Werdegang
Eugenie Kain studierte in Wien Germanistik und Theaterwissenschaft und arbeitete als Autorin, Kulturjournalistin und Beraterin im Sozialbereich. Für ihre Werke wurde sie 1983 mit dem Max von der Grün-Literaturpreis ausgezeichnet, 2003 erhielt sie den Buch:Preis für ihren Roman “Atemnot”, 2006 den Staatsförderpeis für Literatur, 2007 den Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur.
Von 1984 bis 1990 arbeitete Kain für die Tageszeitung “Volksstimme”, von 1995 bis 1998 schrieb sie im Zeitungsprojekt “hillinger”, 1996 arbeitete die Autorin an der Konzeption der Linzer Straßenzeitung “Kupfermuckn” mit, von 1999 bis 2008 beteiligte sie sich mit Beiträgen auf Radio FRO – Freier Rundfunk Oberösterreich. Im Jahr 2003 leitete Kain eine Schreibwerkstatt für Bewohner der vom Hochwasser betroffenen Gemeinde Mitterkirchen, 2005 eine Schreibwerkstatt für Obdachlose.
Im Otto Müller Verlag erschienen die Bücher “Hohe Wasser” (2004) und “Flüsterlieder” (2006), “Sehnsucht nach Tamanrasset” (1999) und “Atemnot” (2001) wurden im Resistenz Verlag publiziert. Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres beteiligte sich Kain gemeinsam mit Autoren wie Erich Hackl, Anna Mitgutsch oder Robert Schindel an dem Buchprojekt “Linz.Randgeschichten”.
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Nachruf Gerhard Ruiss: Eugenie Kain (1960-2010)
Es war Eugenie Kains größter Wunsch, zu Hause zu sterben und nicht in einer Sterbestation eines Spitals auf den Tod warten zu müssen. Diesen Wunsch konnten wir ihr gemeinsam mit ihren Freunden und Kollegen erfüllen und durften sie noch einmal so erleben, wie wir sie die Jahre über kannten, das Leben bejahend, voller Energie, Phantasie und Witz. Heute früh ist sie von uns gegangen. Sie ist zu einem Zeitpunkt schwer erkrankt, an dem sie begann, literarisch über ihre schon länger bestehende Anwesenheit im Literaturbetrieb auf sich aufmerksam zu machen, und sie hat uns als allgemein geschätzte und beachtete Autorin und Kollegin verlassen. Wir hätten sie gerne sehr viel länger bei uns gehabt und nehmen in großer Trauer Abschied von ihr.
Sie hat weit über ihre literarische Tätigkeit hinaus am öffentlichen Leben teilgenommen und sich bei zahlreichen sozialen und unterschiedlichsten Kulturprojekten engagiert, für Obdachlose genauso wie in der regionalen Kulturarbeit. Sie hat von Buch zu Buch mehr gezeigt, wie das Leben einer literarisch überzeugenden Schriftstellerin und das einer gesellschaftspolitisch engagierten Kennerin der Lebensverhältnisse zugleich gelebt werden können. Wir werden sie immer in unserer Erinnerung bewahren und ihr Werk umso mehr zum Nachlesen empfehlen, als es von einer Autorin verfaßt wurde, die ihre persönlichen Schicksalsschläge wie auch unzureichenden Möglichkeiten, an gesellschaftlichen Mißständen etwas generell verändern zu können, stets mit optimistischer Zukunftsausrichtung quittierte.
Gerhard Ruiss
IG Autorinnen Autoren
Wien, 8.1.2010
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Links
- Wikipedia
- ORF OÖ: Autorin Eugenie Kain ist tot (8.1. 2010)
- Linz09 trauert um Eugenie Kain (8.1. 2010)
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