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QUARTAL- ANTHOLOGIE ![]()
Vierteljährlich erbittet das Forum litblogs.net von seinen Contributorinnen und Contributoren den Vorschlag eines persönlich bevorzugten ( besten , bösesten , repräsentativsten … “chacun à son goût” ) Beitrages für die quartalsmässig erscheinende Anthologie Lesezeichen .
Nun ist es wieder so weit und mit dem Lesezeichen 4 | 2009 ist die ( per RSS- Feed abonnierbare ) Querlese aus 18 literarischen und bildkünstlerischen Weblogs erschienen . Wir hoffen , die kommende Ausgabe wird sich entsprechend der einfliessenden Postings des “goldenen fisches” erweitern . Neu ist – neben der Backlist der bisherigen “Lesezeichen” – auch ein Archivband für sämtliche vier Ausgaben des Jahres 2008 : Als pdf in ansprechendem Print- Layout .
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LESEZEICHEN 4 | 2009
In dieser Ausgabe ( 15. Januar 2010 ) : Hartmut Lange , Barockengel und Sushi- Fliessbänder , Tiefseelefanten und Rüsselblumen , ein Fast-Buchpreisträger aus der Eifel , blaue Buchstabenketten , Magnetismus und Musik , Dunstschwaden vor Rockaway Point , Thermodynamik und Gärungsprozesse , Übersetzung als schöner Verrat , die Allmacht Gottes , Lapsang Souchong und Earl Grey , Fahrradglocken , Sichtbeton und rohe Bretter , Kurven und Kreise , Feen und Kobolde uvm.
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LESE | LISTE | PROBEN
Hier die Liste der Blogs , ihrer Menschen und deren ausgesuchte Stil- , Stich- und Streifproben :
INHALT :
Das Konzert
von Benjamin Stein
Turmsegler
Gestern kurz vor Schabbesausgang hätte mein Sohn beinahe die neue Synagoge am Jakobsplatz in Flammen gesetzt. Während des Nachmittagsgebets wollte er unbedingt aufs Klos, kurz darauf gleich wieder. Da wurde ich misstrauisch, und schließlich bemerkte ich den Brandgeruch und sah kurz darauf die Bescherung. Zwei Stapel Papierhandtücher waren angekokelt. Ein einsam dastehendes Jahrzeitlicht war wohl zu verführerisch gewesen. Die angebrannten Papierhandtücher lagen dann, grad noch gelöscht, im Handwaschbecken. In so einem Moment gehen einem die schlimmsten Katastrophenszenarien durch den Kopf. Wie macht man einem grad Sechsjährigen klar, dass er sich und andere umbringen kann durch solchen Experimentierdrang? Immerhin war er von panischer Angst geschüttelt – vorm Feuer wie der zu erwartenden Strafe… ( mehr … )
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Fliechtenstein ( Gewebeent- per Luftaufnahme )
von Stan Lafleur
rheinsein
An der Landesgrenze grüßen zwei Barockengel, die Wangen
aufgepustet, fehlt jeweils nur die Tuba, armbrustbewehrte
Hardcoreputten, einander Spiegelbild. Waah-Dutzz, Zaduff
Wudatz! geht’s mit Karacho übers Heiteckkraut in Triesens
Ritzen, Geruch gärenden Geldes, verdächtige Kühe. In den
Kellern: Killercupiden, nett frisierte Scharfschützen in
Corporate Identity-Klamotten (mit winzigen Hundertfranken-
Scheinen in die Kragenränder genäht), Argusbrüder vor
Videos mit Betonwänden zwischen unterirdischen Besucher-
Parkplätzen. ( mehr … )
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update
von Andreas Louis Seyerlein
particles

remington : 0.05 – Vor wenigen Minuten hatte ich das Licht über meinem Schreibtisch ausgeschaltet und etwas Lebenszeit in Dunkelheit verbracht. Ich will Ihnen rasch erzählen, warum ich so gehandelt habe. Ich war nämlich spazieren gewesen stadtwärts unter Menschen in Warenhäusern und auf einem Weihnachtsmarkt, weil ich nachsehen wollte, ob sich in dieser Welt, die wir bewohnen, etwas geändert haben könnte, da doch vor wenigen Stunden durch Unterlassung entschieden worden ist, dass Bangladesh, dass das Gangesdelta in den Golf von Bengalen sinken wird. Ich dachte, das eine oder das andere sollte doch spürbar, sichtbar, fühlbar werden, ein wenig Unruhe, ein leises Klappern der Zähne vielleicht. Aber nein, alles Bestens, alles im Lot. Und als ich wieder an meinem Schreibtischs saß, war da plötzlich ein starker Eindruck von Unwirklichkeit, das alles und ich selbst könnte reine Erfindung sein. Ich löschte das Licht über dem Schreibtisch und wartete. Und während ich so wartete, lauschte ich den Stimmen der Tiefseelefanten, einem Orchester zartester Rüsselblumen, wie sie auf hoher See den Himmel lockten. Und als ich das Licht wieder eingeschaltet hatte, saß ich dann noch immer vor dem Schreibtisch, die Hände gefaltet. – Schnee fällt. stop. Langsam. stop. Leise. stop. ( mehr … )
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Gedicht des Tages – Norbert Scheuer
von Matthias Kehle
Matthias Kehles Lyrik-Blog
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keineswegs tautologisch
von Sudabeh Mohafez
zehn zeilen
tage, an denen ich zum füller greife, nur um zu schreiben. das klingt tautologisch, ist es aber nicht, nämlich nur um zu schreiben meint keinen inhalt, meint lediglich die physische tätigkeit: das aufschlagen des hefts, das abschrauben der füllerkappe, das nachfüllen der tinte aus dem kleinen glasfaß, das zurückgeben eines tropfens davon, um ein überlaufen der tintenkammer zu verhindern, das klackern beim wegstellen des fässchens auf den tonteller neben dem fenster, das schaben der feder übers papier, das langsame sichtbarwerden blauer buchstabenketten auf hauchdünnen, grauen linien, die kaligraphie meiner schrift, wie sie eine um die nächste seite bedeckt, und die freude, die mich bei all dem durchdringt. tage, an denen ich tatsächlich nur zum füller greife, um zu schreiben
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O2/E11/W
von Marianne Büttiker
con.tempo

Oktave. to einai Dieses und jenes schien von Bedeutung zu sein, drängte sich auf, mischte sich in die Tage, in die Gedanken. Andere Bilder aus anderen Zeiten. Der Kaffee kochte. Anna stand in der Küche. Sehen, was kommt. Sehen was die Worte zu Bildern auftürmt und wieder auflöst. Ein Kinderspiel mit Bauklötzen. Autos schieben sich durch den Regen. Die Lichter gleiten entlang der Wand. Flüchtig die Wahrnehmung. Wessen Geschichte man auch verfolgt, sie liniert die Stunden, behält einen Augenblick die Konzentration, gaukelt ein Ziel vor, das man erreichen könnte. Vielleicht Stundenbücher zu notieren. Fragmentarisch. Man greift danach. Die Hand hält und bleibt leer. Vielleicht sind es die Gefühle, ein Geräusch, eine Bemerkung, die eine Geschichte in Bewegung setzen und man sich bewusst wird, dass man lebt und liebt und empfindet. Wieder die Wolkenberge am Himmel. Das Wasser fällt in Tropfen. Ich dachte, das Meer rauschen zu hören und war mir nicht sicher, ob ich vor ihm stand, oder mich nur erinnerte vor ihm zu stehen. Ich sah es. Anna. Die Reihenfolge, sagte sie, ein transparentes, filigranes Geflecht. Das Meer. Die Verkörperung eines Wortes. Du, eine Schattenfigur. Worte reichen bis zum Horizont. Der Magnetismus. Sie lachte. Die Musik entgleitet. Du umgibst mich. Dort, wo die Gedanken weder ein- noch ausgrenzen fangen wir an Geschichte zu sein. Wer bist du, fragte ich, der Engel im Kostüm eines endlosen Bühnenstücks? Das Wirkliche der Geschichte ist ihre Wirkung, sagte Anna und stellte den Kaffee vor mir auf den Tisch.
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Astroland
von Mirko Bonné
der goldene fisch
Das Meer war so laut! In der Luft Wogen,
und Himmel und See vom selben Grau:
Über den Holzpier kam bloß ein Schwarm
lachender Vögel aus dem Nebel herein.
Frachtschiffe waren zu hören, ihre Hörner
in Dunstschwaden vor Rockaway Point,
die Brandung, die Gischt, Seevögel. Leicht
flogen sie einen Bogen um das verrostete
Riesenrad bei der Mondrakete und segelten
durch die Karussells. Und der Nebel stieg
vom leeren Strand auf, hüllte Mietblocks ein,
Gondeln der Balkone, aus Feuertreppen
die Achterbahn im Coney Island der Möwen.
*
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Die große Verkündung
von Terpsichore
Die Dschungel. Anderswelt.
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Fundsache Vogelsang
von Andreas H. Drescher
der goldene fisch
[DINA4] Wir glauben, dass Gott all=
mächdig ist also, das er alles kann.
Er (konn) [Punkt] kann und will uns
all (desitzen) beschutzen. Aber nur,
dann wenn wir auch es zullassen. []
denn er (res) die Freiheit in (Entsei)
(Entschei) [ze ausgestrichen] Ent=
scheidungen und im Handlen, die er
uns geschenkt hat sehr respektiert.
Das (heist) heißt, das wir uns (imer)
immer [vielleicht Komma] wieder für
das Gute (d) oder für das Böse für
die Allmacht Gottes oder gegen sie,
(d) aber mit allen (Kon) (Konsek) []
Konsequemen entscheiden können.
Gott beschekt uns mit seinen Ge=
boten, die das Mit [DICK] einander
der Menschen regelen (ka) können.
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der kunst
von Rittiner & Gomez
logbuch isla volante

kurz glaubten wir, ihm heute morgen begegnet zu sein, dem kunst. total ausbalanciert und schwungvoll rollte er an uns vorbei, der schatten allein war schon für sich ein kunstwerk, dazu das surren des leerlaufs, vermischt mit dem fahrtwind und dem leisen quietschen der bremsen, musik und poesie in unseren ohren. dass am himmel dazu die möwen kreischten und in der ferne ein nebelhorn ertönte, macht die begegnung perfekt. flüchtig und nun mit eleganten runden kurbelbewegungen pedalierend entschwand er immer leiser werdend, ein klingeln der fahrradglocke war das letzte, was wir zu hören bekamen.
die festen schritte eines kunstsuchenden brachten uns wieder zurück in den alltag.
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Abenteuertee
von Ursula T. Rossel Escalante Sánchez
Notizen aus Kangerlussuaq
Am liebsten mag ich Nahrungsmittel, die unendlich kompliziert angebaut, geerntet, getötet, verarbeitet, verfeinert und gereift werden: Käse, Würste, Dauerfisch, Pemmikan, Wein, Tee, Tabak, Kaffee, Schokolade, Gewürze, komplexe Gerichte wie die südamerikanische Pachamanca, für die man erst einen Erdofen bauen muss, oder Tiere, die ausgenommen und dann umstrukturiert wieder in ihre eigene Haut genäht werden. Delikatessen, auf die man sich stunden-, monate- oder gar jahrelang freuen kann. Es gibt ja auch kaum Essbares, das roh schmeckt, bis auf manche Fleischsorten und Eier.
Endlich, endlich habe ich eine Menschenseele gefunden, die meine Vorliebe für den herben Lapsang Souchong teilt. Es überrascht mich eigentlich wenig, dass diese Seele mein Götterbruder Hermes ist. Alle meine anderen Gäste verschmähen diesen unglaublichsten aller Tees. Er stammt aus den Wuyi-Bergen in der chinesischen Provinz Fujian und wird über Kiefer und Fichte geräuchert, geröstet, gerollt, oxidiert, nochmals auf Bambusrosten oder in Körben geräuchert, dann auf dem Kamelrücken nach Moskau transportiert, manchmal dauert die Reise länger als ein Jahr!, und in all der Zeit nimmt der Tee den Rauch der Wegelagerfeuer unter Steppensternen auf. ( mehr … )
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wärmendes weiß
von Jörg Meyer
pödgyr
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2007-11-21 nach Wien schreibe ich
von Elisabeth Wandeler-Deck
taberna kritika
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Vienna Community Hospital 7 | Fassung
von Christiane Zintzen
in|ad|ae|qu|at

Im verhaltenen Abseits zu dem nur wenige Meter entfernt lärmenden , augenscheinlichen Chaos der enormen Menschenströme im Haupthaus der Riesenklinik , gibt der basale Brunnen zugleich Bilder von Ruhe und von Bewegung . Stille Stetigkeit des Insichkreisens .
Analogie zur Fassung , Ruhigstellung und Wiedermobilisierung , welche das Hospital an Tausenden Patienten täglich vollzieht . Hin und wieder aber verfängt sich ein welkes Blatt an einer der Überlaufkanten .
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sitzen bleiben u.a.
von Helmut Schulze
parallalie: 1 , 2 , 3
sitzen bleiben …
sitzen bleiben
die nicht aufsteh’n
lamento-gebete
“steh auf mein herz”
liegen bleiben
die toten die
spielen “hasch
mich” mit hand und
herz und fusseln
vorm mund ohn’
alles aufersteh’n
(au! verstehen)
die zypressen
verbeugen sich
“reich mir die hand”
nur daß sie dich
loslassen
wenn sie dann
gerade stehend
dich im schwung
an der hand
über alle berge
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KLANGAPPARAT
Ein erfrischendes Mix aus jüngeren Hervorbringungen der ( deutschen ) Netlabelszene hat DJ Marcus E. Henry für Loopzilla zusammengestellt : elf
Tracks von Labels wie broque , unfoundsound , tonkultur berlin , handy.tech und coffeebreakstreet erhellen die freundliche Energie , welche von den unabhängigen minimal- tech – Produktionen ausgeht . Netzmusik : ja , bitte !
Loopzilla096 marcus e henry 10 by Seth Gekko
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