||| Multitasking , Information Overload oder Rettung des abendländischen Kulturgeistes aus dem Internet- Sumpf : Die Kritikpunkte , wie sie Kulturkonservative wie Nicholas Carr ( Is Google Making Us Stupid ? ) oder Frank Schirrmacher ( Payback ) gegen das verdummende nivellierende wertzernichtende Internet führen , unterscheiden sich nicht wesentlich von den Argumenten , die jedweden Medienumbruch seit Einführung der Schrift ( Platons Phaidon ) orchestrieren .
Während die OECD längst Konzepte und Strategien zut Verbreitung von “Information and Media Literacy” ( IML ) für diverse Schichten , Generationen und Medienkulturen vorlegt , verweigern die KampagnenMeinungsführer konsequent die Kenntnisnahme von basalen Regeln , wie mit den neuen Hand- und Wissenswerkzeugen umzugehen sei . So wird zwar kein Nagel auf den Kopf getroffen , aber immerhin die ganze Werkzeugkiste maximal scheppernd ausgeleert .
Clay Shirky , ebenso beredter wie sympathischer Pragmatiker des Internets , brachte die Grundregel Numero Eins anlässlich der Web 2.0 Expo NY auf den diätetischen Punkt : “It’s Not Information Overload . It’s Filter Failure” . Respektive : Wie verhalten Sie sich vor dem Supermarktregal angesichts von 39 verschiedenen Senfsorten ?
Clay Shirky : It’s Not Information Overload . It’s Filter Failure
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UPDATE
Die diätetische Metapher zieht übrigens auch Stephen Baker heran : Die Serie “Die Frage der digitalen Generation” beschäftigt sich mit mehreren Aspekten der defensiv- konsumierenden vs. aktiv filternden “Information and Media Literacy” :
- Stephen Baker : Was lassen wir in unsere Köpfe ? ( FAZ , 6. 2. 2010 )
- Gespräch Alexander Kluge | Frank Schirrmacher @ Digital Life Design Conference , München : Video-Interview – Wir müssen die Scripts des digitalen Zeitalters erzählen ( FAZ , 8. 2. 2010 )
- Dementia Schirrmacherensis und Dementia Gelernterensis ( Jörg Wittkewitz , digitalbpulic )
- Mutatis mutandis handelt David Gelernter von “”Strömen” , die Informationen in Kanälen wie Twtiter oder Google Real Time Search formieren , autometisch von Aggregatoren oder Feeds , individuell in Weblogs zusmmenfliessen . David Gelernter : Die Zukunft des Internet – Wie wir mit unserem Leben in Verbindung bleiben ( FAZ , 1. 3. 2020 )
Die typische Website ist wie ein Buntglasfenster, bei dem viele kleine Glasstücke in Bleifassungen zusammengelötet sind. Es gibt keine praktikable Möglichkeit, das Buntglas zu verändern, was ja auch niemand erwartet. Von daher überrascht es nicht, wenn das Internet nun eine andere kybernetische Struktur bekommen wird.
Diese Struktur namens Cyberstream oder Lifestream ist besser für das Internet geeignet als die konventionelle Website, weil sie die Information-im-Fluss zeigt, einen Strom von Informationen und nicht einen statischen Pool.
Von Monat zu Monat fließen mehr Informationen in Form von Lifestreams durch die Cybersphäre, von denen sich manche Blogs, andere „feeds“, „Activity Streams“, „Ereignisflüsse“ oder Twitterstreams nennen. ( … ) Alle diese Ströme oder Flüsse sind Spezialfälle jener digitalen Struktur, die wir Mitte der 1990er Jahre als „Lebensstrom“ bezeichneten: ein Strom von digitalen Dokumenten jeglicher Art, die nach ihrer Erstellungszeit oder nach ihrem Eingang sortiert sind und sich in Echtzeit verändern; ein Strom, den man durchsuchen oder „fokussieren“ kann (einen Strom nach Wörtern, Sätzen, Tönen oder Bildern zu durchsuchen, erzeugt einen neuen Strom); einen Strom mit einer Vergangenheit, einer Gegenwart und einer Zukunft. ( … ) Die Zukunft fließt durch die Gegenwart und in die Vergangenheit – mit Zeitgeschwindigkeit. Das Wort „Lifestreaming“ ist zu einem neuen Oberbegriff geworden, und Ströme sind der wichtigste neue Trend im Netz.
- Geert Lovink stellt Schirrmachers zur “anthropologischen Wende” aufgeblasene Netzkritik in eine Reihe mit den Polemiken von Andrew Keen ( “The Cult of the Amateur” ) , Nicholas Carr ( “Does Google makes us stupid ?” ) und Jaron Lanier ( “You Are Not a Gadget” ):
Whereas Carr’s take on the collapse of the white male’s multi-tasking capacities had the couleur locale of a US IT-business expert a.k.a. East Coast intellectual, Schirrmacher moves the debate into the continental European context of an aging middle class driven by defensive anxiety over Islamic fundamentalism and Asian hypermodernity. Like Carr, Schirrmacher seeks evidence of a deteriorating human brain that can no longer keep up with iPhones, Twitter and Facebook on top of the already existing information flows from television, radio and the printed press. We are on permanent alert and have to submit to logic of constant availability and speed. Schirrmacher speaks of “I exhaustion”. Most German bloggers responded negatively to Payback. Apart from factual mistakes, what concerned them most was Schirrmacher’s implicit anti-digital cultural pessimism (something he denies) and the conflict of interest between his role as newspaper publisher and as critic of the zeitgeist. Whatever the cultural media agenda, Schirrmacher’s call will be with us for quite some time. What place do we want to give digital devices and applications in our everyday life? Will the Internet overwhelm our senses and dictate our worldview? Or will we have the will and vision to master the tools?
Geert Lovink : MyBrain.net . The colonization of real-time and other trends in Web 2.0 – Eurozine , 18. 3. 2010
- “dumpfer Quatsch auf dem geistigen Niveau der Schirrmacher-Debatte” : Jörg Wittkewitz über Umair Haques These von der “Social Media Bubble”- digitalpublic , 30. 3. 2010
- Clay Shirky und Evgeny Morozov : Das Unbehagen an der digitalen Macht ( FAZ , 11. 4. 2010 ) : “Nehmen Sie die Unruhen von 2007 in Burma, wo die Regierung dann panikartig die Kommunikationsmittel abgeschaltet hat … “
- Typisch FAZ : Titel insinuiert den Gegenteil des im Artikel Berichteten : Was unter der Titelei “Informationsüberflutung – Was uns wirklich krank macht” figuiert ( FAZ , 24. 6.. 2010 ) , ist ein Gespräch des Netztheoretikers Geert Lovink mit dem italienischen Medientheoretiker Franco Berardi . Berardi : “Im Marktwettbewerb müssen wir stets die Ersten und Besten sein. Was wirklich krank macht, ist nicht die Informationsüberflutung, sondern der neoliberale Druck mit seinen unmöglichen Arbeitsbedingungen.“
- Netzfasten frei nach Alain de Botton als Remedium gegen die WWW- & RSS- Überforderung ( ISO50 )
- Pro Schirrmacher : Nicholas Carrs neues Buch “The Shallows : What the Internet Is Doing to Our Brains” ( Juni 2010 ) demonstriert “The Web Shatters Focus, Rewires Brains”, wie WIRED brav referiert.
- Clay Shirky : “cognitive surplus” of the web visualized ( information is beautiful , 19. 7. 2010 )
- Hübsch , welche historischen Beispiele die Kommunikationsmanagerin Miriam Meckel in der FAZ aus dem Nähäkästchen zaubert , um die “Tragödie der Allmende” zu illustrieren : Aber gelten “Verstopfung” und “Adipositat” qua Informationsflut nicht auch für Radio | TV und Print ? ( FAZ , 5. 8. 2010 )
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RELATED
- Frank Schirrmacher : Ist Google schuld ? Die Macht der Maschinen über unsere Zukunft ( FAZ , 23. 1. 2010 )
- Digitale Neandertaler [ Zur real existierenden Information and Media Literacy unter Journalisten ] ( Stephan Weichert & Leif Kramp, SZ , 5.2.2010 )
- Christian Stöcker (SpOn) : Plädoyer für das freie und neutrale Netz ( Carta , 9. 2. 2010 )
- David Gelernter : Die Zukunft des Internet . Wie wir mit unserem Leben in Verbindung bleiben ( FAZ , 1. 3. 2010 )
- Bruce Sterling : Denken im Internet- Zeitalter . Unser quälendes Unbehagen ( FAZ , 16. 3. 2010 )
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