Ein Elchgestell | Vienna Street Art 16

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DER ELCH – EMBLEMTHEMA DER STENCILS

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( 1010 Wien )

Keinem anderen Tier begegnen wir in der Schablonenkunst so häufig wie dem Elch . Was den hirschsozialisierten Mitteleuropäer mangels der Realexistenz der Species in den heimischen Wäldern vielleicht auf den ersten Blick verwundern mag , erklärt sich relativ leicht aus den historischen und strukturellen Parametern des Stencil . Die in den 70er Jahren im Umfeld der Punk- Kultur erstmals im öffentlichen Raum an den Tag gesprayten Schablonenkunst bezog und bezieht sich stets auf kulturell und konsensuelle kurrente Symbole und Icons .

Hatte sich die Piktographie bislang einerseits mit kapitalistischem Branding und visuell wiederekennbaren MarkenZeichen befasst , anderseits Systeme von Piktogrammen entwickelt , die – nonverbal und international decodierbar – grundlegende Chiffren schufen zur Steuerung sozialen Verhaltens ( Paradigma “Verkehrsschild” , “Verbotstafel” ) ebenso wie zur Gewährleitung individueller Orientierung ( “Information” , “Verpflegung” , “Toilette” – siehe die AIGA- Symbol Signs ) .

Solche grafisch simplifizierten Marken und Symbole waren – im Nachhall der Pop- Art und zu Zeiten der Multiples ) – nachgerade wie geschaffen für deren Aneignung und oftmalig subversiv intendierter Re- Kontextualisierung . Die Schablone als ältestes Reproduktions- Werkzeug gewährleistet die einfache Wiederholung des nämlichen Motivs , sei dies nun zur flächendeckenden “Markierung” gewisser Stadtteile , sei dies zum weithin sichtbaren “Spurenlegung” eines nicht notwendig anonymen Künstlers ( siehe Banksy ) .

Als Instrument der ( politischen ) Agitation strebt die Schablone nach maximaler Streuung im öffentlichen Stadt ( kon ) Text , wobei freilich die historischen Anwendungsbereiche des eigentumsrechtlichen Brandzeichnens ( “branding” ) von Vieh mitunter zu ebensolchen semiotischen Resonanzkatastophen mit dem vermeintlich Subversiven führen mag wie die hergebrachte Methode militärischen Kennzeichnung sämtlicher Gegenstände und Utensilien .

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( 1020 Wien )

Dass allerdings just das Motiv des Elches in der real existierenden Stencil- Kunst einen derartigen Siegeszug antreten konnte , verdankt sich einer den Grossteil der Welt nicht lebenswirklich betreffenden Ikonographie : Anders als der universalen Kuh eignet dem Alces alces ein gewisser Exotismus mit einem durch die formalisierte Bildgebung mit ausgreifendem Hinterlauf als komisch konnotierten visuellen Surplus . Weitenteils als sanfter Riese kodifiziert , strahlt das Bezeichnete ebenso wie die Zeichnung kein geringes Symphatiepotential ab .

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( 1020 Wien )

Stadtbenutzer mit begrenztem naturkundlichen Wissen neigen entsprechend grundsätzlich zur positiven Rezeption des an öffentlichem und privatem Eigentum widerrechtlich angebrachten Zeichens . Entsprechend ambivalent ist auch der an diesem Ort lediglich ein einziges Mal angetroffene Appell zur Aggression , deren “Glückensbedingungen” allerdings bereits durch den schieren Kontrast der figuralen Masse “Elch” vs. “Wolf” relativiert werden .

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( 1070 Wien )

Der Elch als siegreicher Stoiker angesichts des aufgeplusterten Imponiergehabes des Wolfes ? – Oder sind viele “lonely wolves” des angeblich Friedlichen Feind ? -

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ENORMES ELCH- GESTELL

Als Alternative zum punzierten “Norm- Elch” ist uns jüngst an den Gestaden des Wiener Donaukanals ein sich über gute zehn Meter erstreckendes Sgraffiti- Tableau begegnet , dessen makro- und mikrostrukturelle Narration an diejenige der alten Tapisserien erinnert . Ganz offensichtlich wird hier von einem Kollektiv stilisierter Elche an einem “Meta- Elch” gewerkt , welcher – wie ein Flugzeug , eine Arche Noah oder ein Roboter – die offensichtlichen Mühen der Konstruktion zu lohnen verspricht .

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( 1200 Wien )

An den deutlich angestrengten Minen der “Arbeitselche” manifestiert sich kollektive Mobilisierung von heftigen Kräften zum Wohle der Konstruktion . Auffallend unentscheidbar bleibt die kunstvoll in Szene gesetzte Ambivalenz der durch Mühe , Konzentration und | oder Schmerz gezeichneten Physiognomien . Was bemerkenswert ist und vielleicht einen Clue zur Interpretation des ausgreifenden Wandgemäldes liefern könnte , ist der Umstand , dass das Kollektiv der in unerhörter Dichte agierenden Konstrukteure durchwegs aus Partial- Subjekten besteht : Vielköpfige und teils grässlich zu Rumpf- Resten reduzierte Leiber sind mit sämtlichen Tentakeln bei der Fertigung des “Elch- Gestells” involviert .

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Liest sich dies nun im Sinne eines Manifests , dass wir es als Teilsubjekte nur gemeinsam zu etwas Grösserem , das Individuum Transzendierenden bringen ? -

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Oder wird hier nicht vielmehr umgekehrt ein Topos der Technikkritik illustriert , demnach unser Ringen um die Konstruktion des Fortschritts lediglich Verstümmelung , Deformation und Zernichtung des Individuums generiert ? -

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Jedenfalls ein genialer Elchtest für unsere visuelle , ikonographische , ethische und gesellschaftliche Perzeption …

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Was einzeln vielleicht als Miniml Tech , Dub , IDM &ct. &ct. figurieren könnte , amalgamiert sich in den Kompositionen des Finnen Bad Loop aka Petteri Karjalainen ( MySpace ) zu czz-hoerempfehlungeinem klanglich freundlichen Liquid . Seine eben beim Netlabel Soft Phase erschienenen “Fragments” zeugen von der Liebe zum diskreten Detail ebenso wie von dramaturgischen Geschick . Dass eine konzeptuelle Kühle hinter dem wärmenden Ambiente vernehmbar wird , lässt diese um keine simple Anbiederung bemühte Release als ümso begrüssenswerter erscheinen .

CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP )

( dankenswert wieder via deepgoa )

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7 Responses to Ein Elchgestell | Vienna Street Art 16
  1. Olivier SC
    February 4, 2010 | 21h40

    No more ping or trackback but/and I am always with you ;)

  2. otto brandenberg
    February 4, 2010 | 22h35

    Eine derart umfassende Elchologie (Archaelchologie?) lässt auch Google.at keine andere Chance, als auf sämtliche Suchanfragen mit Varianten von “elk elch stencil sgraffit donaukanal …” nur mehr in|ad|ae|qu|at als immer wieder erstgereihte Quelle allen Wissens zum Thema auszugeben. Einzig denkbare Ergänzung ergibt sich ev. aus der Beobachtung, dass Elche schon in prähistorischen Höhlenmalereien bevorzugte Objekte der Darstellung waren. Archaischer Durchbruch?

  3. Lautreje
    February 5, 2010 | 08h08

    Superbes ces tags ! j’aime particulièrement le premier et la bande dessinée avec les chiens ! Ahh , ce ne sont pas des chiens ?

  4. czz
    February 5, 2010 | 10h46

    Désolée , cher Olivier , désolee !
    en plus I can not think that the disparation of pingacks between Google’s blogger an worpress might be pure technical coincidence
    What is your op about it ?

  5. czz
    February 5, 2010 | 10h55

    mmmh , Lautreje , nous sommes vachement convaincus qu’ils s’agit des élans sur ce qui n’est pas une BéDé ,mais une immense Peinture murale de Graffiti au bord de la Danube ….

  6. Olivier SC
    February 5, 2010 | 16h06

    I realy don’t know, my friend ; around money ? And I saw some ping or tracback “working”, here : http://www.keeg.fr/2010/02/04/twitter-na-pas-tue-le-referencement/ – in the comment. So, I don’t understand. I only see that ping are not working anymore since me to you, to friends at Blogger, to people at WordPress leMonde, and so … My comment, yesterday was for asking you to not think I dont link anymore Zintzen blog …
    Eh : une visiteuse venant de chez moi, Lautreje ; formidable !

  7. [...] et culture : Vienna Street Art – Milo Manara ; des photos ne passent pas, mais celles qui s’affichent me fait [...]

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