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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Summer Edition 2010 , ORF 1 | Kunstradio – Sonntag , 6. 6. 2010 , 23:03 pm | Stereo via UKW | via live- stream Oe1 | webcast KUNSTRADIO | Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD
- elffriede.interdisziplinäre.aufzeichnensysteme: schrei zum hummel (15:03) – Ursendung – Text + Stimme : elffriede.i.a. , Ton: Robert Pavlecka ( mp3 )
- Stan Lafleur: Im Alpenrhein (15:30) – Text + Stimme: Stan Lefleur, Ton: Martin Leitner http://www.kunstradio.at/2010A/06_06_10.html( mp3 )
Die Reihe “Literatur als Radiokunst” stellt im “Kunstradio” ein Laboratorium dar , wo Autorinnen und Autoren erstmals mit dem Medium “Radio” experimentieren . Heute sind eine Autorin und ein Autor zu Gast, welche ausnahmsweise nicht nach der Pfeife des Buchmarktes tanzen, sondern die sich für ihre voranschreitende Arbeit ihre eigenen Medien geschaffen haben. Der in Köln lebende Stan Lafleur nutzt zur täglichen Fortschrift seiner Erkundungen des Rheinflusses sein literarischen Weblog “rheinsein“. Und die Wahlwienerin, die sich hinter dem Konstrukt elffriede.interdisziplinäre.aufzeichnensysteme verbirgt, “publiziert” quasi ihre aus Text, Sound und Interaktion mit anderen Künstlern hervor gehenden Kunst- Stücke in Live- Performances sowie in grafisch- textlichen Substraten.
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SCHREI ZUM HUMMEL
So stellt elffriede.interdisziplinäre.aufzeichnensysteme in ihrem Stück “schrei zum hummel” in ausgetüftelter Choreographie zunächst die verschiedenen Protagonisten auf den Plan: Von dem Metatext der poetologischen “Expertenmeinungen”, grenzt sich die “nach innen gewendete” Dichterstimme distinkt ab. Hinzu kommt die alles kurzfristig überbrüllende Intonation des “Zenmeisters”, welcher quer durch das gesamte Hörstück hindurch als Autorität (oder Über- Ich) figuriert. Seine barschen Einwürfe ( bzw. unorthodoxen Kōans) tönen in Rufen wie “du schwein du bist schrank !” respektive “schnauze halt einmal die schnauze !” verfremdet durch die Gegensprechanlage zwischen Studio und Regieraum.
Darüber hinaus gibt die auf dem Papier kratzende Tuschefeder den Konterpart zu Dichterstimme und Metatext. Lange, schweifende Linien leiten das Stück ein und bringen es zum Finale; sachtes Kratzen und Schaben geben apartes Klangmaterial ab. Man täusche sich indes NICHT in der Bedeutung, welche dieses Federlesen für die Poetik der Künstlerin darstellt: “erst war die Zeichnung, die wie eine den gesamten Körper anspannende Meditation” ihre kratzige Stimme erhob, bevor sich allmählich zu schreibende und zu sprechende Worte formten.
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IM ALPENRHEIN
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Seit Jahr und Tag bereist Stan Lafleur er den Rhein um an den verschiedensten Orten Wahrnehmungsproben zu sammeln, die er in seinem Weblog “rheinsein” in allen möglichen Genres, Sprachregistern und einem gehörigen Schuss Witz präsentiert.
Für seine Produktion im Rahmen der Reihe “Literatur als Radiokunst” hat er eine Art Natur-, Milieu- und Sprachstudie aus dem hochalpinen “Alpenrhein” mitgebracht und damit eine satirische Mélange aus teils erfundenen, teils modifizierten Sagen, welche einerseits die alpine Mythologie, anderseits die hochindustrialisierte Tourismusindustrie inhaltlich wie formal ironisieren.
umsetzen kann.
Da sind einerseits die autochthonen, felskargen Bergler mit ihren frugalen Genüssen, die sich über die Winterzeit aus dem Vorrat von allerlei seltsamem Eingemachtem nähren. Und da sind anderseits “Gottes PS-Bauern” als findige High- Tech- Verwalter von technisch hochgerüsteter “Natur” für den Fremdenverkehr:
doch dem Himmel läßt sich kaum mehr trauen: der Schnee kommt aus Kanonen, oder: das Jodeln aus Maschinen. Die stehen relativ unscheinbar rum auf den Hofwiesen, mit ihren hinter modernem, der Landschaft assimilierten Design versteckten Drehreglern, bisweilen naiv bemalt mit Motiven aus der Tierwelt.
Mit seiner enorm variablen Stimme, einem genussvoll schönbösen Text und sowie einer einleuchtenden Rondo- Dramaturgie korrodiert Stan Lafleur die Pathetische Pracht der Alpen.
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