Jahresrésumée | Surround- Auditorium : Literatur als Radiokunst 2009 im Literarischen Quartier , 10. 2. 2010

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AUTORINNEN AUTOREN PRODUZIEREN

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Wie schon in den vorigen Jahren stellt das im Rahmen des ORF- Kunstradio angesiedelte Projekt “Literatur als Radiokunst” die vier , während eines Produktionsjahrs gesendeten Mehrkanal- Arbeiten ( 5.1- Surround Sound ) vor . Gemeinsam ist den rund 15- minütigen Autorenproduktionen , dass Text und Stimme im Mittelpunkt der auditiven Werke stehen . Dem einzelnen Künstler fällt damit die Rolle sowohl des Urhebers als auch des Interpreten , des Regisseurs und – gemeinsam mit kundigen Tonmeistern – die des Bearbeiters am digitalen Mischpult zu.

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AUFFÜHRUNG IM SURROUND- AUFBAU

Literatur_als_Radiokunst_copyright_Christiane_ZintzenEs allerdings durchaus keine Selbstverständlichkeit , dass – dank der Gastfreundschaft des Hauses sowie der technischen und personellen Unterstützung durch den Sender Ö1 – im “Literatischen Quartier” die vier Produktionen in voller Länge erklingen .

In Anwesenheit der Autoren und unter Bedingungen eines aufwendigem Suround- Aufbaus.

 

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URS ALLEMANNN | RICHARD OBERNAYR

Literatur_als_Radiokunst_copyright_Christiane_ZintzenZwei geradezu gegensätzliche poetische Temperamente manifestieren sich in den ersten beiden vorgestellten Klangwerken von “Literatur als Radiokunst”.

Urs Allemann, Jahrgang 1948, zersprengt das erste und einzige Wort seiner virtuosen Performance – “verlautbarung” – in dessen einzelne Silben , um Widersinn und Widerspenstigkeit dieser Vokabel der offiziösen Kundmachungen ( einst : speziell per Radio- Durchsage ) blosszulegen . Womit sich nicht nur überraschende Mehrdeutigkeiten erhellen , sondern auch in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt , wer hier wem und was ( kraft welcher Autorität ? ) ver- laut- bart .

Der sich skrupulös vorantastende Romancier Richard Obermayr , Jahrgang 1970 , sucht dahingegen den Raum zwischen den abgehalfterten Erzählwörtern , um dem Nicht- Mehr, dem Noch- Nicht und dem Vieldeutigen nachzuspüren . Was Buchdruck und öffentliche Lesung verwehren -Vielstimmigkeit einerseits und anderseits Stille – findet im radiophonen Experiment seinen Ort : “stillgelegt” als beklemmendes Tableau eines erstarrten Familienidylls , aus welchem nur die Flucht – per Sprache – möglich ist .

Ursendung 21. 6. 2009
Urs Allemann : verlautbarung ( 15:09 ) – Text + Stimme : Urs Allemann | Ton : Martin Leitner
Richard Obermayr : stillgelgt ( 08:42 ) – Text + Stimme : Richard Obermayr | Ton : Martin Leitner

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SABINE SCHO | NICO BLEUTGE

Literatur_als_Radiokunst_copyright_Christiane_ZintzenMit Sabine Scho und Nico Bleutge sind im zweiten Teil der Präsentationen zwei jüngere Poeten zu vernehmen, deren jüngsten Gedichtbände für Aufsehen sorgten.

Für seinen Text “Wasser. Steine” hat sich Nico Bleutge von der Flutung des Südtiroler Dorfes Graun durch die Stauung des Haidersees inspirieren lassen. Indem er das allmähliche Ansteigen des Wasserspiegels, das unmerkliche Versinken der Häuser imaginiert, verweist er auf eine Welt ohne Menschen. In Analogie zum steigenden Wasserspiegel verdichten sich im Laufe des Stückes die Stimmen, wobei im stets experimentellen Prozess der Produktion manche Erweiterung der ursprünglichen Papier- Partitur entsteht.

In ihrer Produktion “Grober Rundfunk” beschäftigt sich die in Berlin und Sao Paulo lebende Dichterin Sabine Scho mit dem Phänomen der Echoortung: Durch Aussenden von Klangsignalen und dem Hinhören auf deren Hall orientieren sich Tier und Mensch akustisch im Raum. Dabei nimmt Scho nicht ohne Ironie jenen “schalltoten Raum” des Radiostudios aufs Korn, dessen Schaumstoff- Verkleidungen und Stellwände darauf abzielen, alle Echo- und Überlagerungseffekte zu absorbieren. Was bedeutet, dass der Sprecherin in diesem schallschluckenden Ambiente die Möglichkeit der Echoortung abhanden kommt. Womit der Raum des Sprechens ortlos wird und an eine losgelöste Raumkapsel im All erinnert

Ursendung 13. 12. 2009
Nico Bleutge : Wassr . Steine ( 12:00 ) – Text + Stimme : Nico Bleutge | Ton : Martin Leitner
Sabine Scho : Grober Rundfunk ( 13 :52 ) – Text + Stimme : Sabine Scho | Ton : Elmar Peinelt

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TERMIN

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Neue , in dieser Form selten gehörte Töne hat die “Literatur als Radiokunst“- Erfinderin Liesl Ujvary eben ediert : Die im Konnex zur Videoserie “interessante produktionen” entstandenen Tracks benennen sich mit der selbst gewählten Genre- Sigle “social soundscapes” trefflich .

Die CD “new organisms” versammelt fünf dieser diskreten Klanglandschaften , in welcher winzige melodische Elementarteilchen gleichsam selbsttätig im Aggregat flächiger Ambiencen tänzeln .czz-hoerempfehlung Rhythmisch organisieren vexierende Minimaltakte dieses Spiel : Dies geschieht indes mitnichten im Sinne pop- kompatibler Perkussion , sondern in Form von stabilen Schwingungen | Pulsen quasi auf Millimeterpapier .

Was in Worten vielleicht verkopft und kompliziert klingt , ist in seiner konkreten Wirkung von plausibler psychoakustischer Logik . Die Stücke funktionieren einerseits im Sinne einer kreatürlich beruhigenden basalen Stimulation , sind in ihrem Verlauf gleichzeitig aber so ergebnisoffen , dass sie einen hohen Grad an gespannter Aufmerksamkeit provozieren .

Zeit nehmen . Hinhorchen . Es lohnt !

CLICK LINKS TO LISTEN : 01. organism 1 | 02. organism 2 | 03. organism 3 | 04. organism 4 | 05. organism 5

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