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WURFSENDUNG – EIN FORMAT WIRD KULT
Irritation und Invasion des Alltags durch surreale künstlerische Interventionen – diese in der experimentellen und Medienkunst geläufige Tradition wurde im Kultursender Deutschlandradio 2004 salonfähig . Mithin blitzen sechsmal täglich jäh jene surrealen Mikro-Hörspiele auf , die als “Wurfsendungen” längst legendär sind .
Produziert in Serien von acht bis zehn Folgen , kombiniert das Format des “plötzlichen Hörspiels” den Effekt der Überraschung mit demjenigen des Wiedererkennens , womit noch gar nichts über den oft nihilistischen Witz dieser partikularen Performances gesagt ist . Ob Comic- Charaktere wie die linkischen Hirningenieure Nano & Mü , oratorische Reflexionen zur Einsamkeit des Users vor dem Computer , Solo-Suaden , Ehegeplänkel , Airport-Durchsagen – was diese Mailboxnachrichten , Ratespiele , Telefonate und Wechselreden eint , ist die konsequente Konzentration auf die Situation des Sprechens . Mit diesem roten Faden , der sich durch die über 1.400 gesendeten Mini- Clips zieht , wird einerseits deren beliebige Kombinierbarkeit garantiert , zum andern ein Abdriften ins beliebig Kabarettistische verhindert .
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5 JAHRE WURFSENDUNG – WETTBEWERB “STOCKEN UND ZWITSCHERN”
Am 14. September feierte man den 5. Geburtstag der “Wurfsendung” und lancierte den Wurfsendungs-Wettbewerb “Stocken & Zwitschern“ . Mit Vorjury , welche die “überwältigenden” 342 eingegangenen Beiträge durchsah und rund zwei Dutzend zur Diskussion einer dreiköpfigen Fachjury aussortierte .
Wir haben uns gefreut über sehr herzliche Glückwünsche, liebevoll gestaltete Texte, Geburtstags-Reime, frische Ideen, bizarre Beiträge, Post aus Südafrika und Griechenland, Flensburg und Freiburg. Noch im November wird die Jury die drei Gewinner-Serien auswählen. Denn am 20. Februar 2010 wollen wir stockende und zwitschernde Wurfsendungen bei der Preisverleihung im Funkhaus akustisch präsentieren.
Im November schliesslich strapazierte die Jury ( Nathalie Singer , Frieder Butzmann und czz ) in leidenschaftlichen Wortwechseln so lange die Stimmbänder , bis schhliesslich die ( leider nur drei ) Sieger feststanden .
Problemlos hätten wir uns auf weit mehr originelle , pfiffige oder nihilistische Projekte einigen können , doch blieb trotz freundlich beigestellten Backwerks nun einmal leider Statut Statut – allenfalls wollte man sich für den Abend der Preisverleihung am 10. Februar 2010 noch einige “lobende Erwähnungen” vorbehalten .
Manches erschien uns zu platt , Anderes wäre auf ein zu grosses Vorwissen angewiesen gewesen , um verständlich zu sein . Etliches wurde als eine Art “Echoeffekt” auf bisherige “Wurfsendungs”- Werke verworfen . Wortwitz und Situationskomik kamen bei den Juroren höchst unterschiedlich an , schliesslich wurde ausufernd diskutiert , inwieweit die Radiophonie sich quasi selbst reflektieren solle oder ob lebensweltlichen bzw. surrealistischen Plots der Vorzug zu geben sei .
Selbstredend vollzog sich die Debatte anhand anonymisierter Manuskripte , um eventuelle Befangenheiten zu vermeiden . Umso grösser dann die Freude über die Diversität der Autoren , was Generation , Ansatz und Motivation zur Teilnahme am Wettbewerb betraf .
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WURFSENDUNG – WETTBEWERB : DIE SIEGER UND IHRE EHRUNG
Ab 16. Februar wurde es dann offiziell und publik , welche drei Einsendungen das Rennen gemacht hatten und somit im Mittelpunkt des Interesses bei der für 20. 2. anberaumten Siegerehrung stehen sollten . In|ad|ae|at zitiert aus dem Pressetext :
Zum fünfjährigen Jubiläum des Mini-Hörspiels “Wurfsendung” hat Deutschlandradio Kultur im September 2009 den Wettbewerb “Stocken & Zwitschern” ausgeschrieben. Stolze 346 Einsendungen oder 16,3 Kilo Papier und CDs erreichten das Berliner Funkhaus. Das Echo reichte von Aachen bis Zürich, von Frau Abco bis Herr Zimmermann. Eine achte Klasse aus Berlin beteiligte sich ebenso wie eine bundesweit verstreute Seniorengruppe.

Sieger : Tabea Soergel und Martin Becker
“Eigentlich hatte ich nur keine Lust zu duschen” beginnen alle neun Stücke der Sieger Tabea Soergel und Martin Becker aus Leipzig, die sich als “echte Wurfsendungs-Fans” bezeichnen. Sie haben das Thema “Stocken” auf das alltägliche Duschritual übertragen und ins Absurde überspitzt.
Corinna Reinke hat sich mit “Literarisches Zwitschern” (Platz 2) an die formale Vorgabe des Themas “Zwitschern” gehalten: maximal 160 Zeichen. “DRAUSSER VOR DER TÜR steht heute die Generation Praktikum und schlägt leise, kaum vernehmlich DIE BLECHTROMMEL” lautet einer ihrer lakonischen Kürzesttexte.
Sven Lagers “Zungensprecher” (Platz 3) nimmt das Thema ganz direkt: ein Werbesprecher gerät im Aufnahmestudio ins Stocken: “Breitklaut haut Brautkleid und Blaukleid haut … die Braut breit!” Die Stücke des erfahrenen Wurfsendungsautors ziehen ihren Witz aus allseits bekannten Zungenbrechern sowie der Situationskomik im Studio.
Die Gewinner werden bei der Preisverleihung am 20. 2. 2010 im Funkhaus des Deutschlandradio Kultur geehrt. Alle drei Manuskripte wurden bereits im Januar 2010 produziert und laufen ab Montag, 22. Februar, als Wurfsendungen im Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur. Nachzuhören sind sie auch unter www.dradio.de/wurfsendung.

Generalstabsmässiger Ablaufplan
Bei der dramaturgisch generalstabsmässig geplanten , indes angenehm entspannten Siegerehrung werden je drei der bereits akustisch umgesetzten siegreichen Wettbewerbs- Einreichungen vorgeführt . Mit der ( Ur- ) Aufführung der Mikro- Hörspiele titt man der Blutleere gewisser Preisverleihungs- Rituale pragmatisch und äusserst amüsant entgegen : So wird endlich eindrucksvoll szenisch und hochkomisch konkret , was bisher für Autoren wie Juroren lediglich Papier gewesen war .
Dass ein Wettbewerb in Vorbereitung und Ausschreibung , bei der Vorauswahl sowie mit klug divergent berufener Jury und nicht zuletzt mit der zeitgerechten radiophonen Produktion der Siegertexte dezidiert sorgfältig verfährt , ist keine Selbstverständlichkeit .

Funkhaus Deutschlandradio
Dem widerspricht nicht die heitere Flexibilität , mit welcher Julia Tiecke manch Unvorhersehbarem über die Monate hinweg begegnet ist : Dass der drittgereihte Sven Lager derzeit unbabkömmlich in Südafrika weilt , macht das muntere pas de deux der Abendmoderatoren Clarisse Cossais und Hermann Bohlen charmant wett .
Auch hinsichtlich der Laudationes zu den ausgezeichneten Texten bleibt etwas Improvisation angesagt : für den terminlich verhinderten Frieder Butzmann springt Co- Jurorin ( und “Wurfsendungs”- Lady der ersten Stunde ) Nathalie Singer ein und würdigt die Plätze Eins und Drei . Indes dürfen wir uns in|ad|ae|qu|at in einem “Lob der Beiläufigkeit” über Corinna Reinke ergehen .

Blumen den Damen
Mit kleinen Gaben aus dem Museum der unerhörten Dinge , einem “Wurfsendungs”- Karaoke , Suppe und Tanz franst der Abend erfreulich ins Informelle , bleibt indes engagiert radiophon : Nicht nur waren viele “Wurfsendungs”- Autoren , Regisseure und Produzenten herbei geeilt , sondern auch jene Wettbewerbs- Teilnehmer ( m | f ) zugegen , die zwar keine der drei Hauptpreise ergattern konnten , dafür aber zu Workshops zu Schreiben bzw. Regie geladen waren .
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ACHSE WIEN – BERLIN
Kurios bestätigte sich die alte Achse Wien- Berlin , da mit Stefanie Hoster die Sendungsverantwortliche für jene Co- Produktion von ORF und Deutschlandradio eben aus Wien zurückgekehrt war , welche im Zuge der Langen Nacht des Hörspiels am Vorabend als “Hörspiel des Jahres” ausgezeichnet worden war . Dieser Publikumspreis erging an Joseph Roths “Geschichte von der 1002. Nacht” , von Helmut Peschina in bewährter Manier für das Radio eingerichtet , Regie : Robert Matejka , Musik: Max Nagl .

Der Abend schreitet voran , es wird Zeit zum geordneten Rückzug Richtung jenes “Berliner Zimmers” , das – situiert in stilechtem Jugendstil- Gesamtkunstwerk von grosszügien Massen – den Wiener Altbauten ebenso ähnelt wie in vielen Details differiert . Penibel erhaltene Altsubstanz in seltener Harmonie mit sorglicher Renovierung . Nähe Ku’damm , mehr Reklame gibt’s hier nicht .

Das in|ad|ae|qu|ate Redaktionsbureau war in ebenso bewährter Weise im Nu aufgebaut wie die mobile Picuqe Nique- Küche . Dank des nachgerade barocken publizistischen Angebots des Hauses sind die rund 30 m² Bodenfläche rasch mit Tagesspiegel , Zeit , FAZ und BZ bedeckt . Man wandelt stillvergnügt raschelnd über so viel Geist …

Zugegeben : auch der Kategorie “Erholung” wurde mit Blick auf eine meditative Brandmauer und Art- Nouveau- Nachbarbauten Rechnung getragen . Trotz hinreichendem Netzzugang wurden für einmal die im Hinterhof hallenden zaghaften Vogelstimmen dem unendlichen Strom des aufgeregten Getwitters vorgezogen . Nach Wettbewerb und Preisverleihung lautet das Motto demnach eher “Stocken” den “Zwitschern ” .

Endspiel , Tegel
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RELATED
- Wettbewerb 5 Jahre “Wurfsendung” – Laudatio auf Corinna Reinke (Platz 2)
- Hörspiele , plötzlich
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KLANGAPPARAT
Nach so viel abstrakten Worten über das konkrete Hören halten wir uns
bei unserer heutigen Musik- Empfehlung absichtsvoll kurz : SK29 aka Sebastian Kökow hat für deepindub ein Netaudio- Mix zusammengestellt , welches fein in eine neue Woche geleitet .
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