Robert Riggs “Psychopathic ward” , Druck 1940
Seit wir uns durch David Foster Wallace’s “Infinite Jest” hindurchgearbeitet haben , lässt uns die drastische Bildlichkeit eine George Grosz oder Hieronymus Bosch nicht mehr los . Die vier Schwesteruniversen , die der mehr 1.500 Seiten starke Roman in struktureller Isomorphie vorstellt , sind zwar sämtlich dem Prinzip der Leistung unerstellt , bestehen de facto allerdings aus Dutzenden psychischer und physischer Krüppel .

Von der piekfeinen “Enfield Tennis Academy” mit ihren brutalen Prinzipen des Drills bis zur nahe gelegenen Station für Drogenentzug , wo die Parolen der Anonymen Alkoholiker und anderer aberwitziger Selbsthilfegruppen in die Köpfe der nun Abstinenten gehämmert werden , bis hin zum panamerikanischen Geheimdienst und dessen erbitterten Gegnern , den kanadischen Separatisten.

Sehen wir recht , bleibt in diesen Pandämonium kein Individuum unversehrt : dank diverser psychischer , pharmakologischer oder ideologischer Krücken gelingt es den Protagonisten gerade noch , sich aufrecht zu halten , wobei das abrupte und offene Ende des Riesenwerks den absehbaren Zusammenbruch der genannten Systeme insinuiert .
Komisch und unerträglich , grotesk und grausam wird der “pursuit of happiness” so lange weiter gedacht , dass er in jenem legendären Film “Infitive Jest” mündet , dessen Ansicht unbedingt tödlich ist , da er ( auf nicht weiter ausgeführte Weise ) derart des Lustzentrum des Betrachters bedient , dass dieser darüber Nahrung , Flüssigkeitsaufnahme , Defäkation vergisst und so – keinen Blick von der Mattscheibe wendend – im Hirnrausch seines stimulierten Lustzentrums früher oder später zugrunde geht .
Womit in Vielem nicht nur Hieronymus Boschs “Garten der Lüste” indirekt angesprochen wird , sondern auch Alexis de Tocquevilles Überlegungen zur anerikanischen Demokratie und die notwendigen Kollisionen zwischen einerseits der uneingeschränkten Rechte des Individuums auf Selbstverwirklichung und anderseits den Interessen des Gemeinwesens .
Als adäquate Verbildlichung entdecken wir eben ein Detail aus Rogier van der Weydens “Jüngstem Gericht” ( 1446- 52 ) , gefunden in einer eindrucksvollen Sammlung von Bildern des Wahnsinns : Auch die deformierten Figuren von Robert Riggs “Psychopathic ward” entstammt dieser Sammlung.
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die inhaltliche beschreibung von “infinite jest” macht durchaus mut, den wälzer nun wirklich anzupacken. die assoziierten bilder wiederum geleiten mich frappant zum “enromen elchgestell” aus der Vienna Street Art Serie nummero 16:
http://www.zintzen.org/2010/02/04/ein-elchgestell-vienna-street-art-16/