Dublin, 12. 4. 2010
Das Kilmainham Gefängnis in Dublin ist heute nur mehr Filmkulisse und nationale Gedenkstätte für Irlands Rebellen, die ihre republikanische Proklamation 1916 auf der O´Connel Street verlasen. Der Oster-Aufstand dauerte eine Woche und wurde von den Engländern niedergeschlagen. Alle führenden 14 Rebellen wurden hingerichtet. Die Brutalität der Exekution erzeugte Widerstand im Volke und trieb den republikanischen Kräften die Volksgunst zu. 1922 wurde der Freistaat Irland gegründet.
Während der Hungersnot schon im 19. Jahrhundert trieb es die Iren ins Gefängnis, kleine Delikte wurden begangen, um in Haft genommen zu werden, und in den Genuss der dünnen Suppe und den paar Scheiben Brot als Tagesration. Damals war das Überleben drinnen gesicherter als draußen.
Das Gefängnis verfügt über einen modernen Trakt, obwohl schon seit 1924 geschlossen. Michel Foucault beschreibt den Panoptismus einer Disziplinargesellschaft in seinem Buch “Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses“. Im Kilmainham ist die Kontrollfunktion anschaulich auf den Punkt gebracht. Von der Mitte eines Kreisbaus wird es dem Wächter, auf seinen metallischen Stegen auf und ab gehend, ermöglicht, alle Insassen gleichzeitig zu beobachten, während diese nicht wissen, wann sie beobachtet werden. Irland ist sehr katholisch, etwa so wie Polen und dieses Kontrollorgan des Big Brothers scheint mir erzkatholischer Vorstellung eines paranoid machenden Gottes entsprechend zu sein. Im Gefängnishof erläutert der Museumsführer, dass ein hinzurichtender Rebell des Oster-Aufstandes zu schwach für die Exekution gewesen sei, daher wurde er an den Sessel gefesselt, bevor auf ihn geschossen wurde. Blut tränkt den Boden und Staub wäre es, würde es in Irland nicht regnen, so wird es also eingesickert sein. Der Museumsführer spricht nicht nur deutliches Englisch. Seine Zunge hat die uns begleitenden Sätze eingefleischt und durch die stündliche Wiederholung sind die Stimmbänder massiert und in Schwingung versetzt, dass der Eindruck entsteht, der Mann besinge die Fatalität von Identität eines heutigen Iren.
Das Hotel Hilton liegt auf der anderen Straßenseite des Gefängnisses. Es ist anzunehmen, dass das Team des Filmes “In the Name of the Father” hier übernachtete.
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