LITERATUR ALS RADIOKUNST | Stan Lafleur im ORF- Studio | Produktionsnotizen

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RHEIN

Literatur_als_Radiokunst_copyright_Christiane_ZintzenSeit Jahr und Tag bereist er den Rhein um an den verschiedensten Orten Wahrnehmungsproben zu sammeln , die er – reichlich durchmischt mit rhenanischen Sagen und Anekdoten – in seinem Weblog “rheinsein” in allen möglichen Genres , Sprachregistern und einem gehörigen Schuss Witz präsentiert . In der Tat schöpft der deutsche Schriftsteller Stan Lafleur aus dem Vollen , wenn er gewisse Teilstücke des 1.233 km langen Stromes anvisiert , quert oder touchiert der Strom doch nicht weniger alas fünf europäische Länder und damit unzählbare Mythen und Geschichten , nicht zu vergessen die zahllosen Mundarten , welche an seinen jeweiligen Ufern gesprochen werden .

Für seine Produktion im Rahmen der Reihe “Literatur als Radiokunst” hat Lalfeur eine Art Natur-, Milieu- und Sprachstudie aus dem hochalpinen “Alpenrhein” mitgebracht und damit eine satirische Mélange aus teils erfundenen , teils modifizierten Sagen , um einerseits die alpine Mythologie ( aus Schweizer Perspektive ) , anderseits die hochindustrialisierte Tourismusindustrie auf die Schmierseife inhaltlicher wie formaler Ironie zu schicken .

Da sind einerseits die autochthonen , felskargen Bergler mit ihren frugalen Genüssen , die sich über die Winterzeit aus dem Vorrat von allerlei seltsamem Eingemachtem nähren. Und da sind anderseits “Gottes PS-Bauern, die sich scheints unsichtbar machen können, zwischen den Blicken, auf dem Terrain der heiligen Tankstelle” als findige High- Tech- Verwalter von technisch hochgerüsteter “Natur” für den Fremdenverkehr :

doch dem Himmel läßt sich kaum mehr trauen: der Schnee kommt aus Kanonen, oder: das Jodeln aus Maschinen. Die stehen relativ unscheinbar rum auf den Hofwiesen, mit ihren hinter modernem, der Landschaft assimilierten Design versteckten Drehreglern, bisweilen naiv bemalt mit Motiven aus der Tierwelt.

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STMMEN

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All dies wird mit einer Vielzahl von Stimmen realisiert , die vom Erzähler über das Rollenfach des Lexikonlemmas bis hin zu den Ureinwohnern mit ihren ( dem Rätoromanisch abgelauschten ) Urworten . Murmeltierpfiff und “Maschienenjodler” inklusive .

Nachdem Stan ein paar Dehnungsübungen für die Stimmbänder absolviert hat , legt er mit dem schwarzen Bass seines Erzählers beeindruckend los , um sich – Dialekt für Dialekt , Sprachregister um Sprachregister – sukzessive durch die vielfältigen Stimmen zu arbeiten .

Mit scheinbar unerschöpflicher Energie und witziger Verve meistert der Autor die verschiedenen Stimmen und dies jeweils in mehreren , bis zum Schuss aufbewahrten Versionen . Da wie stets per Sprech- und Raummikrophon aufgenommen wird , sammelt sich rasch “schinkenbergehohes” Material , unter Ermunterung des Tonmeisters Martin Leitner sogar ein “Maschienenjodler” mit nicht weniger als drei Überschlägen .

Da wir offensichtlich mit Stan Lafleur einen bravourösen Stimmkünstler und – akrobaten im Studio haben , heben wir jede Variante der Performance selbstredend sorgfältig auf .

Obgleihch sich “Literatur als Radiokunst” idealiter alleine aus der Autoren- Stimme ( und deren anschliessender elektroakustischer Bearbeitung ) speist , hat sich mittlerweile zum Usus entwickelt , jeder Autorin und jedem Autor eine klangliche “Carte Blanche” zuzubilligen , welche die strenge Regel verlässt . In Stan Lafleurs “Alpenrhein” ist dies der Pfiff des Murmeltiers , welcher – aus dem Soundarchiv geborgt – die verschiedenen Szenen trennt .

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SCHNITT

Literatur_als_Radiokunst_copyright_Christiane_ZintzenMit dem Material stehen wir nun auf über 20 Minuten – ein gutes Viertel über dem im “Kunstradio” sendbaren Format . Entsprechend sind die beiden Bearbeitungstage fast vollständig der Auswahl aus den eingepielten Versionen gewidmet , weiters der Zuordnung auf die Kanäle des 5.1 Spektrums sowie der Stunde um Stunde immer schmerzhafteren Schnitt .

Hier sechs Sekunden , dort acht Sekunden , schliesslich die Binnenreduktion innerhalb komplizierter Relativ- und Schachtelsätze : Dies mag in manchen Fällen – wie Lafleur in seinem Weblog bekundet – mitunter die Schmerzgrenze des Autors nicht unwesentlich zu übersteigen . Indes – Er hat’s gewusst , als er mit “viel zu viel Material” anreiste , doch spendet dieses mitgebrachte Wissen kaum Trost , ist man ieinmal so richtig in Fahrt und im Text .

Allerdings – so kann man von Dritter Seite her beschwichtigen – fällt dem Hörer des Endrpoduktes das Fehlen einzelner Textteile und Klangpassagen nicht auf . Egal ob per Satellit in 5.1- Surround- Sound , vor den Stereoboxen im gemütlichen Heim oder vor dem Monotrichter des Küchenradios : Mit seiner enorm variablen Stimme , dem schönbösen Text und einer glänzenden Dramaturgie wird der Hörer dort draussen optimal und höchst erheiternd bedient .

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HINWEISE

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