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Salon Littéraire | Ann Cotten :
Der Florida-Room

Wie wenn der Wind einen Raum im Schnee um den Träger einer Hochspannungsleitung erweht (träumender Sekretär): der Florida-Room entsteht, sobald sich jemand ein wenig bemüht. Sie sind billig! Dieser jemand hat nicht die Absicht, länger hier zu verweilen. Was er hier abgibt, dieser Wind, der weiterweht, das gibt er hin. Der Florida-Room ist also das Modell, das die Zinswirtschaft ablösen wird. Ziel ist nicht mehr die Anhäufung, Luxus haben nun alle. Das labilste Ziel ist nun der Stil.

Wo Florida-Rooms sind, sind die Reichen die Dummen. Wer an etwas festhält, den kann man ärgern. Also üben wir uns in Fluchten und umgeben unseren glühenden Kern mit Winden, die im Wehen nicht pausieren.
Der Florida-Room ist das Negativ der Pause. Er ist der Traum von der Arbeit, die Vorbereitungen für einen Gedanken.

Ich mag ihn nicht und lebe in ihm. Meist entgehen mir seine Schönheiten, weil ich auf anderes ausbin – doch in den Augenblicken der Pause umflutet mich plötzlich die Schönheit der Wahrheit, die nicht problematisch ist, weil ich sie in Ruhe lasse. Bäume zum Beispiel.

Ich verwende die alte Form der Theorieerklärung, um mich den Theoretikern anzubieten, die ohne Henkel vielleicht nicht packen. Wer sich mit Florida-Rooms beschäftigt, lernt bald den Wert des Bestimmten. Es gibt genug Wabriges. Es ist besser, die Banalitäten von Anfang an zu klären, denn das Vage braucht Vertrauen, und Vertrauen, das bloß mit einer schlimmeren Alternative zu etwas Uninteressantem beantwortet wird, ist auf lange Zeit gekränkt. Wer einmal labert…
Was wir packen wollen: was wir vom Florida-Room halten. Es war klar, obwohl niemand daran gedacht hat, dass die größte Freiheit mit viel Absenz verbunden ist, sobald Reproduktion sich zu reproduzieren beginnt. Man hätte die Reproduktionsmittel künstlich beschränken müssen, um zu verhindern, dass Gespenster die Erde überziehen: Artefakte, die ihre Wirkungen weiterhin entfalten, obwohl sie von jedem guten wie auch jedem bösen Geist verlassen sind.

Vielleicht kapitulierte meine Generation vor einer Maschinerie, vor der fast alle kapitulierten, da sie manche in die Höhe ejakulierte. Ihre Lotteriehaftigkeit erschien lebendig, das Disjunkte interessant. Hörig der Logik und ihrer Perücke, der Antilogik, leichtgläubig, zögernd mit Willkür, die Skepsis zu freundlich, sah ich jede Maschine wie ein Subjekt an und passte mich an, um von ihr zu lernen. Lauter kleine Gegenüber, hässliche Orakelspucker. Einmal bist du auf dem Kinderspielplatz mit 1-Euro-Döner, dann auf dem Sky_Restaurant mit Kulupturen aus Hummerhaut und Basiliken. Und während meine Klassenkameraden längst ihr Leben machen, sitze ich letztlich noch in einer Art Laube und spiele 5-Uhr-Tee mit zahllosen kaum belebten Nupsis, wartend auf den alleszerstörenden Sturm, den ich schließlich als Resultat produzieren möchte. Einerseits glauben wir ja, wenn wir nur gut genug schreiben, kommt ein Wind auf, der alles, was nicht in Ordnung ist, wegfegt, ohne das Gute anzutasten. Andererseits…

Was wir aber wirklich tun, ist, dass wir Räume konstruieren, in denen alle vor Konsequenzen und ihren Verwicklungen geschützt sind. Ein ewiger Vorraum, ein ewiger Beginn, eine ewige Frische, ewiger Smalltalk, totaler Respektabstand.

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- sie fällt
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Hinweise
- Der Band “Florida- Räume” erscheint im August 2010 im Suhrkamp- Verlag , Frankfurt .
- Ann Cotten liest in Wien aus “Florida- Räume” – Literarisches Quartier Alte Schmiede - Dienstag , 22. 6. 2010 , 20 H – ab 19 H führen Daniela Strigl und Florian Huber einen Einleitungsdialog über Ann Cottens neues Buch .
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Ich muß schillern!
Die Umwelt übt ihren Einfluß ohne Pardon. Was werde ich? Was bin ich geworden? Hat es mit mir einen Fortgang?
Nein! Du wirst nicht, was Du sein willst. Du solltest werden, was Du geworden bist. Du wirst, was Du werden sollst.
Warum glänzt es so vor meinen Augen?
Du gehst spazieren.
Ach was? Und wo?
Was der Florida-Raum sein könnte.
Man denke sich alles unten durch. Alles birgt die Dunkelheit. Blendendes Dunkel.
Man denke sich dieses und übersehe nicht, daß es wirklich ist.
Ein Hund spaziert und hebt sein Bein. Er pinkelt eine Wand hin, die Wirklichkeit ist wohlgemerkt. Er zeigt`s uns. Er ist Künstler. Dieser Hund erfindet uns die Wirklichkeit. Sie ist unten durch. Sie glänzt. Sie ist die Dunkelheit. Und es ist schlicht einerlei, ob Du ein Computer bist oder ein Europäer. Ob lebend oder nicht, es ist Eins. Ob es eine Umwelt gibt, oder eben doch nicht, es ist Nichts! Ob Hund oder herrchen, wohin führt das schon?
Und nun gehen wir einmal… Siehst Du`s, unterm Moos, ein Stein. Jawohl, was denn sonst. Was darauf steht?