QUARTAL- ANTHOLOGIE
Vierteljährlich erbittet das Forum litblogs.net von seine Contributorinnen und Contributoren den Vorschlag eines persönlich bevorzugten ( besten , bösesten , repräsentativsten … “chacun à son goût” ) Beitrages für die quartalsmässig erscheinende Anthologie “Lesezeichen” .
Nun ist es wieder so weit und mit dem “Lesezeichen 2 | 2010“ ist die ( per RSS- Feed abonnierbare ) Querlese aus 20 literarischen und bildkünstlerischen Weblogs erschienen . Neben den Feeds des “goldenen fisches” hat sich das Spectrum von litblogs.net um einige bemerkenenswerte Blogs literarischer Ausdrucksformen bekanntlich erweitert : Antal Knoteks “Visuelle Poesie” , “Aleatorik” , Markus A. Hedigers “ocularium” und Urs Engelers “roughblog” .
Neu ist – neben der Backlist der bisherigen “Lesezeichen” – auch ein Archivband für sämtliche vier Ausgaben des Jahres 2009 : Als pdf in ansprechendem Print- Layout . Ja recht gelesen : Zum Blättern !
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LESEZEICHEN 1 | 2010
In dieser Ausgabe :
Regale und Pyramiden, frisch geköpfte Erdenbürger, Orson Welles und Frau Merkels Währungsreform, Daisy und Violet Hilton in Manhattan, unerklärchliche Kommentare, Fussball und Mao, Piratinnen auf Inseln, die Gestaltung von Rändern, Silberschalen aus Gischt, Kammertöne der Täler, eine Verneinung Einsteins, das offene Herz Jesu und eines ohne Verstand, Andreas Okopenko, ein poetischer Sucher des Fluidums, Frauenfrühstücke in der WG, eine Bitte sich räuspern zu dürfen, abgepellte Augenfolien uvm.
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LESE – LISTE – PROBEN
neue konkrete poesien
von Anatol
Visuelle Poesie

erdenbürger
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steine
von Gerald Koll
der goldene fisch
EINSTEINSAGTNEINEINSTEINVERNEIN
TEINSTEINSAGTNEINEINSTEINVERNEI
NTEINSTEINSAGTNEINEINSTEINVERNE
INTEINSTEINSAGTNEINEINSTEINVERN
EINTEINSTEINSAGTNEINEINSTEINVER
NEINTEINSTEINSAGTNEINEINSTEINVE
RNEINTEINSTEINSAGTNEINEINSTEINV
ERNEINTEINSTEINSAGTNEINEINSTEIN
VERNEINTEINSTEINSAGTNEINEINSTEI
NVERNEINTEINSTEINSAGTNEINWEINT
EINSTEIN
25. Mai 2010 09:04
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wind
von Sudabeh Mohafez
zehn zeilen
der erste, den die piratin auf der insel kennenlernt, ist der wind. er reißt ihr fast das
rote tuch vom kopf und fegt ihr feinen sand in das eine auge, über dem sie keine klappe
trägt. es wäre nicht wirklich falsch zu sagen, daß der wind, als die piratin zum ersten
mal auf der insel anlegt, volantet was das zeug hält. beeindruckt stemmt sie sich
gegen ihn. du bist ein großer, wunderbarer >wind!, ruft sie ihm zu. dann schaut sie
kurz zurück zur euka, die sie am kai zurückgelassen hat, fest vertäut, und sieht sich
um. weiter vorn, an einem gebäude, das aussieht wie ein western-saloon, läßt der
wind am langen band einen hut für sie flattern. ah, ruft die piratin, danke!, denkt
sich, daß, wo ein hut ist, auch einer sein wird, der ihn trägt, und macht sich auf, den
besitzer zu finden. der wind aber flaut zufrieden ab und säuselt aufs meer hinaus.
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strandgut
von Rittiner & Gomez
logbuch isla volante

an den rändern der insel bewegen wir uns immer wieder gerne. die gezeiten und stürme, der wind und das wasser gestalten die ränder stetig um.
nicht zu vergessen, was da vom meer heran oder frei gespült wird, “strandgut” lässt uns in gedanken in ander welten wandern. wir denken uns für alles und jedes eine geschicht aus. heben ab, reisen in andere zeiten und träumen von fremden kulturen.
spätestens wen der magen knurrt und wir erschöpft gegen den wind laufen, hat uns die realität wieder eingeholt.
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Meerblau
von Björn Kiehne
der goldene fisch
Ich will das Meer,
den Wellenschlag in
deinen Augen.
Ich will ganz
Ozeanien auf meinen Schultern,
salzige Flügel, ein Leben in Meerblau.
Ich will, wenn der Wind sich dreht,
am rechten Ufer warten,
warten auf deine Möwenarme,
die den Walschrei tragen,
in einer Silberschale
aus Gischt.
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St. Galler Rheintal
von Stan Lafleur
rheinsein
Im St. Galler Rheintal, dem Chancental, das (laut fündig gewordener Köpfe) Chancen auf Leben und Arbeiten zu bieten als seine Kernaussage betrachtet. Das Tal wird dominiert von schlichten langgestreckten kastenförmigen Industriebauten, auch wohnliche Ecken existieren: begrenzt. Altersheime kennzeichnen dann deren Außenkoordinaten, flankiert von im lokalen Währungsklima behutsam heranwachsenden ALDI Suisse-Märkten, jeglicher Hektik bar. Eine Gegend für Köpfe, in denen sich Ideen in die Länge und die Höhe, aber weniger in die Breite ziehen müssen, um zu einer der Gegend (Anzeichen von Wohlstand, gerade so auszuhalten) abgerungenen Zähigkeit als Voraussetzung zur Entfaltung zu gelangen. Der taleigene Grundton, ein bereits mehrfach modernisierter Kammerton A, schwingt in freien Wellenbewegungen von der Autobahn in alle Richtungen und klettert alsbald die Höhenzüge empor. [ ... ]
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Howard Koch nach Orson Welles 2010
von Benjamin Stein
Turmsegler
••• Was ich mit Ablenkungen meinte? Da kann ich mit einem Beispiel dienen, das literarische Qualitäten aufweist. Erinnert sich jemand an Howard Kochs literarischen Handstreich von 1938? Orson Welles hatte seinen Roman »Krieg der Welten« zu einem Hörspiel umgearbeitet. Inszeniert wurde es vom Mercury Theater in Form einer fiktiven Reportage nach einer Adaption von Howard Koch. Der amerikanische Radiosender CBS strahlte es am Abend vor Halloween am 30. Oktober 1938 aus. Dazu wurde der Handlungsort von England nach Grover’s Mill (New Jersey) in den USA verlegt und die Geschichte entsprechend angepasst.
[ ... ]
Die galoppierende Finanzkrise bietet derzeit Nährboden für Verschwörungstheorien, die an einigen Orten im Web in einer an diesen Radio-Coup erinnernden Form ausgestaltet werden. Letzten Freitag beispielsweise machte uns im Büro ein Kollege ganz kirre mit seiner Behauptung, am kommenden Wochenende, spätestens jedoch zu Pfingsten stünde den Deutschen eine Währungsreform mit Haircut ins Haus, also nicht einfach nur eine Währungsumstellung etwa zu einer DM 2.0 mit festem Umrechnungskurs gegenüber dem abgewirtschafteten Euro, sondern eine echte Währungsreform, bei der Guthaben nur bis zu einem bestimmten Niveau fest getauscht, Guthaben darüber jedoch entwertet würden. Wie so etwas funktioniert, kann man in der Wikipedia nachlesen, beispielsweise in dem sehr ausführlichen Artikel über die Währungsreform in Deutschland 1948, als die DM eingeführt wurde. [ ... ]
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Wenn ich so stumpf, fast blind,
fast wie hinter allen Wolken,
auf dieses Regalbauen hier blicke und wieder
vom zweiten bis zum zehnten Mal nicht mehr weiß,
was der gleiche nächste Schritt sein wird, Schritt war,
habe ich doch im eigenen Blick erquickend
das sternichte Erkennen der ursprünglichen Pyramidenvolumenberechner,
und nur, weil seit ihnen so viel
vergangen & aufgehäuft ist,
blicke ich stumpf, dumpf, fast blind.
16.3.03
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avenue of the americas
von Andreas Louis Seyerlein
particles
~ : louis
to : daisy und violet hilton
subject : AVENUE OF THE AMERICAS
Ich muss Euch nicht erzählen, wo ich mich gerade befinde, liebe Violet, liebe Daisy, ich hör Euere Stimmen, hör wie Ihr scherzt, was macht er nun schon wieder, warum ist er eingeschlafen, das muss ein betäubendes Buch gewesen sein. Nun also bin ich wach geworden. Ich notiere diese Sätze in dem Wissen, dass Ihr lesen werdet, Zeichen für Zeichen, wie in diesem Augenblick erscheint, was ich schreibe. Das Notieren ist so etwas wie das Sichtbarmachen des Denkens, nicht wahr, so könnten wir das vielleicht sagen. > …

… > Unlängst spazierte ich in Euerer Angelegenheit durch Manhattan. Ich hatte meinen kleinen Fotoapparat in der Hand, stand mitten auf der Avenue of the Americas, um das neue Hippodrom-Gebäude abzulichten. Auch das wisst Ihr natürlich, wie wir dann Richtung Bryant Park spazierten, unser Gespräch über geheime Tentakeln der Bäume, die den Lärm der Stadt aus der Luft zu fangen scheinen. Und mein Begehren, gewiss, ein Eichhörnchen zu fangen, das warme Licht des hupenden Abends, meine Überlegung, wie ich Euch eines Tages einmal persönlich begegnen könnte, und mein Versprechen, ein weiteres Euerer Jugendbilder zu senden. Was Euch nicht bekannt sein wird, weil ich’s nur dachte, ich hatte in all den gemeinsamen Stunden eine verwegene Frage in meinem neugierigen Kopf. Nun, es ist kurz nach Mitternacht, werde ich diese Frage für Euch buchstabieren, unsicher ein wenig, was geschehen wird, ob ich Euch nicht zu Nahe komme, so dass Ihr aus meinen Augen verschwinden werdet. Gebt gut acht! Es ist nämlich so, dass ich mich frage, wie auch immer die Räume beschaffen sind, die für Euch ausgedacht, ob Ihr dort Oben für die Ewigkeit noch immer leiblich miteinander verwachsen seid? – Euer Louis, sehr herzlich, wünscht eine gute Nacht!
gesendet am
18.05.2010
0.05 MESZ
1775 zeichen
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Die Weissheit ist eine Figur im Schlagschatten des Unerklärchlichen.
von Fritz Michel
taberna kritika
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Fr, 18.6.10 (Sa, 19.6.10, 2:50): Schrille Stille
von Jörg Meyer
pödgyr
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Abgespielt
von Markus A. Hediger
ocularium
Das offene Herz Jesu, auf die Brust geklebt, schimmerte golden. Das lange, lockige Haupthaar war, dem Mittelscheitel entlang, seitwärts hinuntergebürstet. Ein kurzer Bart machte das Kinn markant. So stand er auf der Bühne, die Arme in Liebe ausgebreitet, während hinter ihm der Chor Hymnen sang: “Tritt den Satan, starker Jesu.”
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M4/P2/
von Marianne Büttiker
con.tempo

minimal -Flugplan- Kunst kommt von Lieben. Mein Herz hat kein Verstand.
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Argumente aus Ägypten
von Aléa Torik
Aleatorik
Am vergangenen Samstag gab es in Olgas und meiner WG ein Frauenfrühstück. Gegen elf Uhr ging‘s los. Wir haben kichernd und gackernd bis nachmittags um vier zusammen gesessen. Ich wusste nicht, dass zu so einem Frühstück Sekt dazu gehört. Ich hätte bei Olga angenommen, dass sie eine Flasche Vodka mitbringt. Aber auch die Flasche Sekt, aus der dann auf eine mir nicht erklärbare Weise zwei geworden sind, hat zu unserer guten Laune beigetragen.
Zuerst ging‘s natürlich um Männer. Ich glaube, das war das eigentliche Ziel des Frauenfrühstücks, das auf Olgas Vorschlag zurückging. Wenn schon keine Männer anwesend sind, muss man/frau zumindest über sie reden. Aber das Thema hat nicht so richtig eingeschlagen, ich habe derzeit nichts beizutragen, Dalia hat einen Freund und war an Männern im Allgemeinen nicht interessiert und Martina und Leyla sind ein Paar. Dann haben wir das Thema gewechselt und sind auf die deutsche Kultur zu sprechen gekommen, dann ging‘s um unsere eigenen Kulturen im Verhältnis zur fremden (deutschen), um kulturelle Identität, und vor allem um das Thema, dass die Sprache dem Menschen noch lange nicht ermöglicht, in dem jeweiligen Land zu navigieren. Es sind sehr viele Verhaltensweisen und Verständnisweisen, die nicht sprachlich vermittelt sind, und die Olga kongenial zusammengefasst hat – wie gesagt, das war kein wissenschaftliches Symposion, das war ein Frauenfrühstück mit zwei Flaschen Sekt – als sie sagte: „Ich? Nix verstehn!“ [ ... ]
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Andreas Okopenko 1930 – 2010
von Christiane Zintzen
in|ad|ae|qu|at
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Die Sainte Chapelle privat ODER Raffaela aus den Fenstern. Das Reisejournal des 23. Junis 2010: Mittwoch. Mit einer kleinen Erinnerung an die Löwinnenhelix. Les secrets de Paris (7). Darin der dritte Teil der Tour d’Argent.
von Alban Nikolai Herbst
Die Dschungel. Anderswelt.
7.14 Uhr:
[Paris, La Nonchalante.]
Es ist mir gelungen, was ich mir gestern abend nach meinem Wutanfall vorgenommen habe, und es ist mir gut gelungen. Ich habe dazu die Métro genommen, denn ich wollte die Beaux Quartiers verlassen, in denen mein Laptop freilich weniger unsicher stehenblieb als in irgend einer Bude jener Arrondissements, die ich früher immer bervorzugt habe, ob nun über die La Fayette nach Clichy, ob von dort westlich; nahm mir vor, mit der Métro bis Stalingrad zu fahren, wohin es mich sowieso zog, und den ganzen Weg von dort zurückzuspazieren, was kein, dachte ich, sonderliches Problem sei, wenn ich mich an die großen Straßen hielt, den Faubourgh-Saint Martin einfach immer nur hinab, vielleicht in die Seitenstraßen geschaut, aber den inneren Kompaß fest im Blick, irgendwann stößt man auf die Rue Saint Martin und ist dann schon fast an der Turbigo; was die berühmten Vergnügungsstätten anbelangt, etwa das Moulin Rouge, so habe ich dafür eh kein Geld, bin mir aber sicher, daß der Gräfin bereitstehen würde, wollte ich so etwas tatsächlich sehen. Wie bei der Sainte Chapelle. Wovon ich auch noch erzählen muß… – Sie haben recht, ich hole das vor [ ... ]
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jäh gehrte u.a.
von Helmut Schulze
parallalie: 1 , 2 , 3
jäh gehrte …
jäh gehrte
auf
das glas
dich zu
spießen
und tanzte
im graublau
der hände
sich einen
himmel da-
zu
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LESEZEICHEN BACKLIST
- Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2010
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- Archivband 2008 ( print | pdf )
- Litblogs.net – Lesezeichen 4 | 2008
- Litblogs.net – Lesezeichen 3 | 2008
- Litblogs.net – Lesezeichen 2 | 2008
- Litblogs.net – Lesezeichen 1 | 2008
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