||| JANE AUSTEN – SEISMOGRAPHIK UND SATIRE | ERNST JANDLS SPRACHE | “ARS ACUSTICA” – EINE KUNSTFORM STELLT SICH VOR | KLANGAPPARAT
JANE AUSTEN – SEISMOGRAPHIK UND SATIRE
Wo “die Familie” heiratspflichtige Töchter produziert , die ökonomischen und Bildungskapitalien allerdings den Söhnen vorbehält , kann es gesellschaftlich nicht zum Besten stehen .
Die Romane der Jane Austen ( 1775 – 1815 ) bestechen nicht nur durch die Feinteiligkeit in der Zeichnung ihrer Protagonistinnen , sondern auch durch die ätzende Schärfe , mit welcher sie die Usancen der englischen Gentry durch die Satire zieht . Nun liegen die Romane “Verstand und Gefühl“( “Sense and Sensibility“, 1811 ) sowie “Anne Elliot oder die Kraft der Überredung“( “Persuasion“, 1818) in betörenden Hörfassungen vor.
Eva Mattes versieht die Sittenbilder mit der nötigen Dichte und schillernden Ironie , so dass jene in keinem Moment gestrig wirken.
Jane Austen realisiert die Abstufung der Beschreibung und Bewertung ihrer Figuren geschickt , indem sie die Schwestern ins Zentrum ihrer Psychogramme rückt , um die sich wie Ringe und mit verminderten Details zunächst die Sphäre der Mütter , Kupplerinnen , Gesellschaftsdamen situiert und schliesslich am äussersten Rand die potenziellen Bräutigame . Dienen Letztere oft nur als Chargen , um ein “dénouement” zur Konvention der Abgeschlossenheit der Romanform zu vollziehen , sucht die geradezu seismografische Nuanciertheit der Charakterzeichnung der antagonistischen Schwestern in beiden Romanen ihresgleichen . ( NZZ )
- Eva Mattes liest Jane Austen : Verstand und Gefühl – 11 CD ( 775 Min. ) – Argon 2010
- Jane Austen : Anne Elliot oder die Kraft der Überredung , Lesung Eva Mattes – 6 CD (450 Min.) – Hörbuch Hamburg 2010
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ERNST JANDLS SPRACHE
Zehn Jahre ist Ernst Jandl nun tot . Die Lücke , die sein Ableben in die deutschsprachige Poesielandschaft riss , ist nicht überbrückbar . “nur den lesern bleibe ich” , hatte er antizipiert , “noch ein weilchen dichterlich” .
Dies trifft nicht nur auf die ständige Sprach- und Erkenntnisarbeit zu , die Jandl in steter Erneuerung seiner poetischen Ausdrucksmittel in expressiver Form vollzog , sondern auch auf den massiv virtuosen Vortragskünstler , den zu imitieren bisher kein Interpret wagte .
Den kalendarischen Anlässen entsprechend, legt Der Hörverlag seine ( 2003 erstmals erschienene ) Jandl- CD wieder auf , die eine Lesung des Jahres 1995 wiedergibt . In Auswahl und Dramaturgie umfasst die Darbietung bemerkenswert breit ein über vierzig Jahre entstandenes Œuvre , welches sich nicht der Lachlust des Publikums mit Lieblingsstücken wie “ottos mops” andient , sondern auch harsche Kommentare abgibt zu Sein , Zeit und Poetik .
Das reicht von den expressionistisch lautpoetisch auf NS- Zeit und Krieg rekurrierende Störungen der Wirtschaftswunderseligkeit ( “schtzngrmm ” aus “laut und luise” , 1958 ) über provokative Planspiele zur Materialität und Gegenständlichkeit von Poesie ( “urteil ” aus “dingfest” , 1973 ) bis hin zur radikalen Thematisierung von Altern und Verfall in den garstigen“idyllen“ ( 1989 ) . Indem Jandl das Material der Sprache in höchster Intensität dehnt , quetscht , ramponiert oder korrumpiert , geht das unzweifelhaft Gemeinte uns unter die Haut . ( NZZ )
- Ernst Jandl spricht : Eile mit Feile – 1 CD (76 Min.) – Der Hörverlag 2010
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“ARS ACUSTICA” – EINE KUNSTFORM STELLT SICH VOR
“Radiokunst” ist eine Sparte , die innerhalb der öffentlichrechtlichen Sender einen Freiraum bietet für experimentelle Künstlerarbeiten zwischen Sprache , neuer Musik und konzeptuellen Sounds . Etwas weiter umfasst der Begriff der “Ars Acustica” auch Arbeiten , welche nicht notwendig an das Medium “Radio” gebunden sind , sondern etwa als Klanginstallationen figurieren .
Seit zwanzig Jahren besteht innerhalb der European Broadcasting Union ( EBU ) mit Sitz in Genf eine internationale Arbeitsgruppe zur “Ars Acustica” . Theoretische wie praktische Überlegungen zu Zustand und Zukunft der Sparte werden hier diskutiert , Kooperationen etabliert . Zum 20- jährigen Bestehen hat die Arbeitsgruppe nun eine Audio- Edition herausgebracht , die vierzehn Arbeiten versammelt .
Arsenije Jovanovic’s Arbeit für Radio Belgrad gibt mit ihren wummernden Cluster ein akustisches Bild der Bangnis , das an die Luftangriffe auf Belgrad gemahnt . Ein subtiles Seestück liefert Hanna Hartmann mit ihrer Produktion für den schwedischen Rundfunk . Ihre “seascape” verwischt die Grenze zwischen O- Ton und synthetisch generierten Sounds , handle es sich um das Zischen und Gurgeln der Tide , um das Heulen des Windes oder um der Wasservögel Schrei .
Natürlich spielt in der “Ars Acustica” die menschliche Stimme als Medium sprachlicher Sinnstiftung eine erhebliche Rolle : Als prekäres Subjekt übermächtigen “Walls of Sound” gegenübergestellt , tritt die Verletzlichkeit des Humanen hervor (Tomáš Pálka , Tschechien ) . Vokale Kakofonien (Sofia Kamayianni , Griechenland ) schliessen an die Tradition der Lautdichtung an , technisch verfremdete Stimmen (Miguel Azguime , Portugal ) lassen eine Glossolalie erklingen , die das enorm emotionale Potenzial der “vox humana” offenbart. ( NZZ )
- 20 Years EBU Ars Acustica – 2 CD (152 Min.) – www.ebu.ch/arsacustica, zu beziehen bei kunstradio@kunstradio.at
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KLANGAPPARAT
Die atmosphärischen , gleichwohl insistierenden Sounds
von Heiko Schwanz aka Granlab sind treuen in|ad|ae|qu|at gute alte Bekannte ( vgl. hier , hier und hier ) . Meist im Kontext von frischen Releases des Künstlers beim Netlabel broque klingen Granlabs idm | ambient | minimal- Kompositionen noch wohl im Ohr .
Nun ist der deutsche Künstler beim portugiesischen Netlabel Editora Do Porto angelangt und zwar in Kooperation mit Joao Ricardo aka ocp und remixed von Marcel “Nemo” Frehse aka The Nautilus Project .
Die ep “Far from here” besteht zwr “nur” aus zwei Tracks , doch fallen diese mit einer Laufdauer von insgesamt neunzehneinhalb Minuten durchaus ins Gewicht . Wir indes entwinden uns in|ad|ae|qu|at dem Gewicht der Welt und heben zu Schwebeflügen ins Ferne an .
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