Albtraumfahrt durch urbane Katastrophe : Edouard Saliers Video für Massive Attack

Alles , was Sie beim hoch gehypeten Zweieinhalbstünder “Inception“¹ vermisst haben sollten – nähmlich den wahrhaft vexierenden visuellen Wahn des ( Alb- ) Traums – mögen Sie nun in einer brillanten Animation Edouard Saliers zu einem Track der Neuen Release “Heligoland“ von Massive Attack wiederfinden .

In fünf statt Christopher Nolans 148 Minuten ( von welchen 100 Minuten öder und dröger Action man gerne dem radikalen Schnitt anheimgegeben hätte ) hat Salier das Szenario einer in katastrophischer Explosion festgefrorenen Metropole per purer Animation errichtet , durch welches der Zuseher in mäandernder “Kamerafahrt” driftet .

Dem düsteren Gemüt der Band aus Bristol gemäss , verzichtet das in zweimonatiger Kleinarbeit feingetunete Video zu “Splitting the Atom” auf einen optimistischen Ausweg aus dem apokalyptischen Labyrinth und lässt dabei jedewege spezielle Deutung offen :

The fixed moment of the catastrophe. The instant the atom bursts on the beast, the world freezes into a vitrified chaos. And we go through the slick and glistening disaster of a humanity in distress. Man or beast? The responsibility of this chaos is still to be determined.

¹ – Hier der “Inception“- Trailer

Massive Attack – “Splitting the Atom” ( directed by Edouard Salier )

 

 

thanks to Motiongrapher

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6 Responses to Albtraumfahrt durch urbane Katastrophe : Edouard Saliers Video für Massive Attack
  1. otto brandenberg
    August 19, 2010 | 22h57

    Faszinierend, die Kamerafahrt, die Auftürmungen, die Entwicklung, CGI etc. Im Vergleich wirkt Inception wie Tom&Jerry Slapstick.

  2. czz
    August 20, 2010 | 02h59

    … oder wie ein Zusammenschnitt schlechter Action- Szenen aus Vorabendkrimis ….

  3. Melusine Barby
    August 31, 2010 | 10h08

    Könnten Sie mir noch etwas Argumentationshilfe geben? Ich sah den Film “Inception” mit Freunden, die begeistert waren. Ich selbst war gespalten: einige Aspekte der “Story” fand ich faszinierend, jedoch enttäuschte mich die “Filmarchitektur”, insbesondere der utopischen Stadt, die sich das Paar schafft. Das war unsäglich langweilig, fand ich. Wenn Sie die Zeit hätten, könnten Sie dann am Beispiel einer kleinen Szene mal zeigen, warum es “schlechte Action-Szenen” – im Vergleich zu guten- sind? (Man sieht es, kann es aber oft nicht in Worte fassen. Beziehungsweise. Ich kann es nicht.)

  4. czz
    August 31, 2010 | 11h19

    @ Melusine Barby : Natürlich gab es hisichtlich “Traumbildern” einie hinreissende Einfälle . Summa Summarum betrug deren Laufzeit maximal 30 Minuten . Was wir unter “lahmer Action” verstehen , bezieht sich auf 1000 mal gesehene Autoverfolgungsjagden ( im Vergleich dazu : die Autobahnszenen in “Matrix” , die oft selbstironisch- irrwitzigen Materialschlachten in Schwarzenegger- Filmen ) , die völlig unlogischen Schi- Verfolgungsszenen ( bei James Bond ebenfalls viel ironischer und dichter ) usw.
    Auf der Rezeptionsseite löst “gute Action” stets etwas Befreiendes aus : aus Gründen der Überraschung , des offensichtlichen Irrwitzes oder der ironischen Übertreibung . Die betreffenden “Inception”- Szenen waren teils logisch kaum gerechtfertigt , teils schienen sie uns das Level von zusammengepanschten Vorabendserien nicht zu überschreiten . Eine einzige Rezension – im >>>”New Yorker” – hat diesem Punkt in unserem Sinne Beachtung gezollt :

    Dreams, of course, are a fertile subject for moviemakers. Buñuel created dream sequences in the teasing masterpieces “Belle de Jour” (1967) and “The Discreet Charm of the Bourgeoisie” (1972), but he was not making a hundred-and-sixty-million-dollar thriller. He hardly needed to bother with car chases and gun battles; he was free to give his work the peculiar malign intensity of actual dreams. Buñuel was a surrealist— Nolan is a literal-minded man. Cobb’s intercranial adventures aren’t like dreams at all—they’re like different kinds of action movies jammed together .

    Selbstverständlich handelt es sich auch bei “Action” um eine Frage des Geschmacks bzw. der je individuellen Visuellen Sozialisation -

  5. Melusine Barby
    August 31, 2010 | 12h09

    Danke. Ja, Ihre Antwort und das Zitat lassen mich verstehen, was mich auch gestört hat: Der Film ist von der Erzählung, nicht von den Bildern her gedacht. Und wo es auf die ankäme, absolut ankäme, da versagt er. Zeigt die Traumwelt als “James Bond”-Szenen. Oder eben die so öde Architektur der Traum-Stadt.

    Obwohl es – vielleicht – auch falsch ist, die surrealen Kunstschöpfungen mit “realen” Träumen zu identifizieren. Ich könnte mir auch Traumdarstellungen vorstellen, die nichts Surreales zeigen, sondern das Gewohnte in einer um ein vielfaches erhöhten Auflösung und immer als Detailaufnahme. Oder mit einer Zeitverzerrung (Wechsel von Beschleunigung und Verlangsamung) Meine Träume jedenfalls sind eher so, nicht “surreal” (also vereinfacht gesagt: Unvereinbares kombinierend).

  6. czz
    August 31, 2010 | 14h33

    Vielleicht wäre also ein Crowdsourcing in Sachen “Traumästhetik” von Interesse , wenn man schon >>> 160 bis 200 $ in der Portokasse hat …

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