Proust per se

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Ralph Bruce : Marcel Proust ( Watercolour on Board , 1974 )

PROUST PER SE

Einem Mammutwerk wie der “Suche nach der verlorenen Zeit” wird im Allgemeinen wenig Humor konzediert . Allein der Umfang der Aneinanderreihung von aufs Äusserste überdehnten Relativsätzen mag manchen prospektiven Leser als Zumutung erscheinen , vor deren Hintergrund das allmähliche Versanden der Lektüre als Scheitern auftaucht . Dass Proust sehr wohl ironiefähig gewesen ist , erweist eine Unzahl von Bonmots , welche die Ironisierung der eigenen ( Schreib- ) Existenz nicht ausschliesst .

So lässt sich der Autor etwa in “Die Gefangene” ( 1923 ) über die Macht der Gewohnheit aus , dabei seinen eigenen , die Nacht zum Tag wandelnden Lebens- und Schaffensrhythmus durchaus ironisch mit einbeziehend :

Man kann im übrigen feststellen, dass die Beständigkeit einer Gewohnheit im allgemeinen im direkten Verhältnis zu ihrer Sinnlosigkeit steht. Die offen zutage liegenden Dinge tut man im allgemeinen nur gelegentlich. Doch ausgefallene Lebensformen, bei denen der davon Besessene sich selbst aller Vergnügungen beraubt und sich die grössten Leiden auferlegt, sind gerade die, bei denen es am wenigsten eine Veränderung gibt. Wenn man genügend Neugier aufbrächte, so würde man nach zehn Jahren noch den gleichen Unglücklichen dabei betreffen, wie er in den Stunden schläft, in denen man leben sollte, und zu den Stunden ausgeht, in denen man kaum etwas anderes tun kann als sich auf der Strasse ermorden zu lassen, eiskalte Getränke trinkt, wenn ihm warm ist und immer gerade eine Erkältung kurieren muss. Es würde eines geringen Energieaufwandes nur an einem einzigen Tag bedürfen, um alles das ein für allemal abzustellen, doch diese Lebensformen sind eben gewöhnlich das Los derer, die über gar keine Energie verfügen. ( S. 2815f )

Wie wir von der langjährigen “Kammerdienerin” und Vertrauten Céleste Albert wissen , gab Proust am Frühabend per elektrischer Klingel ein Zeichen , dass ihm sein Frühstück – es sollte über Jahre das einzige bleiben , was er täglich an Nahrung zu sich nahm – ans Schlaf – und Arbeitsbett gebracht wurde : speziell gebrühter und servierter Kaffee sowie ein von einem ausgesuchten Bäcker stammendes Brioche . Der “Tag” begann somit um 18 Uhr , mitunter – allerdings immer seltener – unterbrochen von Stippvisiten bei gewissen Soiréen , deren Fauna Proust für sein Werk zu studieren beabsichtigte . Nicht selten schickte er aber auch Céleste oder ihren Ehemann , den Taxifahrer Odilon , weit nach Mitternacht fiebernd los , um aus dem Ritz ( dessen Kühlschrank für Odilon jederzeit offen stand ) ein eiskaltes Bier herbei zu schaffen . Oder eine gebratene Scholle , vielleicht ein Glas Kompott , welche Proust dann kaum anrührte . Es war ihm , wie in vielen nächtlichen Gesprächen mit Céleste dargelegt , oft nur um einen speziellen Geruch , eine Geschmacksnuance zu tun , welche er dringend zur Überprüfung seines Erinnerungswerks an den Realien benötigte oder um sich in eine gewisse Stimmung zu versetzen .

Céleste und ihr Mann unterwarfen sich diesen im Text als sinnlose “Gewohnheiten” ironiesierten Lebensweise von 1913 bis 1922 ohne nennenswerte Widersprüche . Die “Logik” dieser Lebensführung leuchtete ihnen ein , zumal sie – anders als im Text letztlich auf Charlus gemünzten – selbige nicht etwa als Mangel an Energie zur Veränderung begriffen , sondern im Gegenteil aus nächster Nähe beobachten konnten , wie in diesen zu Tagen umgewandelten Nächten unter mitunter gesundheitlich äusserst prekären Umständen ein Riesenwerk entstand .

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Ein feines Stück “Morgenstimmung” – sei diese nun eingeleitet durch eine Nachtigall oder eine Lerche – hat der Amerikaner Dub King komponiert . Sanfte Harmonien kontrastieren czz-hoerempfehlungmit auf- und abtauchenden perkussiven Elementen , die sich mitunter unmerklich unter dünklere Soundflächen schieben . Die Mechanik der Drummachine im Dialog mit atmosphäirischen Schwebungen , never mind if they belong to dusk or to dawn . Elf Minuten lang .

 

Major Dubbage – The Dub King Rules From Below by Dub King

 

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